mini|Außenansicht (2020) mini|Innenraum (2022)
Die katholische Pfarrkirche St. Justinus ist die barocke Stadtkirche von Alzenau, einer Stadt im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg.
Geschichte Die Kirche wurde um 1757–60 nach Plänen des Amorbacher Baumeisters Johann Martin Schmitt am Marktplatz der Stadt errichtet, aber bereits 1758 vor Fertigstellung geweiht. Der Bau folgte einem früheren Kirchenbau auf einer Anhöhe gegenüber der Burg Alzenau, die 1754 wegen Baufälligkeit abgetragen wurde. Der rote Sandsteinbau ist hinsichtlich Architektur und Ausstattung ein typisches Beispiel des Kirchenbaus im unter Kurmainzer Einfluss stehenden Untermaingebiet.
Mit der Weihe der Kirche zu Ehren des Märtyrers Justin des Bekenners schlagen die Alzenauer eine Brücke bis 834. Damals brachte der Mainzer Erzbischof Otgar die Gebeine des Heiligen aus Rom mit. Sie kamen zunächst in die Justinuskirche in Höchst am Main und von dort 1298 ins Stift St. Alban vor Mainz. Ein Teil der Reliquie gelangte auch ins Kloster bei der Einhard-Basilika von Seligenstadt. Über die dortigen Benediktiner – die auch die alte Pfarrkirche von Wilmundsheim auf dem heutigen Alzenauer Friedhofsgelände betreuten – kam die Justinusverehrung nach Alzenau.
Orgel 1734 errichtete der Würzburger Orgelbaumeister Bartholomäus Brünner in der Vorgängerkirche eine erste Orgel, 1765 wurde sie in den Neubau verlegt und wohl ein zweites Manualwerk hinzugefügt. Damit besaß das Schleifladeninstrument 20 Register:
I Hauptwerk C–g3 1. Principal 8′ 2. Großgedackt 8′ 3. Flöte 8′ 4. Octav 4′ 5. Kleingedackt 4′ 6. Quint 3′ 7. Sesquialter II 8. Superoctav 2′ 9. Mixtur 10. Cymbel II Positiv C–g3 11. Quintatön 8′ 12. Salicional 8′ 13. Gamba 8′ 14. Principal 4′ 15. Flöte 4′ 16. Octav 2′ 17. Zunge 8′ Pedal C–f1 18. Subbaß 16′ 19. Octavbaß 8′ 20. Posaunenbaß 16′
1900 verbaute Johannes Klais Orgelbau aus Bonn eine neue zweimanualige Orgel mit Kegelladen im historischen Prospekt als Opus 194. 1979 nahm Bernhard Schmidt die Elektrifizierung der Registertraktur, die Erneuerung des Spieltisches und die Erweiterung um neun auf insgesamt 25 Register vor.
I. Manual C–g3 1. Bordun 16′ 2. Principal 8′ 3. Flauto 8′ (n) 4. Gamba 8′ 5. Salicional 4′ 6. Octave 4′ 7. Rohrflöte 4′ 8. Nachthorn 2′ (n) 9. Mixtur IV 2′ (n) 10. Trompete 8′ (n) II. Manual C–g3 11. Geigenprincipal 8′ 12. Liebl. Gedeckt 8′ 13. Aeoline 8′ 14. Vox coelestis 8′ 15. Spielfflöte 4′ (n) 16. Traversflöte 4′ 17. Quinte ′ (n) 18. Prinzipal 2′ (n) 19. Terz ′ (n) 20. Krummhorn 8′ (n) Pedal C–f1 30. Violon 16′ 31. Subbass 16′ 32. Violon 8′ 33. Posaune 16′ (n) 34. Choralbaß 4′ (n)
Koppeln: II/I, II/P, I/P Spielhilfen: Suboktavkoppeln, Piano/Forte, Tutti-Knopf Bemerkungen: (n) = 1979 neu verbautes Register
1993 errichtete Klais schließlich eine dritte, nun dreimanualige Orgel als Opus 1717 – nach wie vor im Prospekt von 1734 und zum Teil mit aus der Vorgängerorgel übernommenen Registern. Im Zuge einer Generalsanierung 2024 wurden unter anderem ein Zimbelstern und ein Glockenspiel ergänzt. Das heutige Instrument umfasst also 37 Register auf drei Manualen und Pedal und ist folgendermaßen disponiert:
I Hauptwerk C–g3 1. Bordun 16′ (a) 2. Principal 8′ 3. Viola da Gamba 8′ (a) 4. Rohrflöte 8′ 5. Octave 4′ 6. Gemshorn 4′ 7. Quinte ′ 8. Superoctave 2′ 9. Mixtur IV 2′ 10. Cymbel III 1′ 11. Trompete 8′ II Schwellwerk C–g3 12. Geigenprincipal 8′ (a) 13. Salicional 8′ 14. Vox coelestis 8′ (a) 15. Gedackt 8′ 16. Principal 4′ 17. Traversflöte 4′ (a) 18. Nasard ′ 19. Flageolet 2′ 20. Terz ′ 21. Plein jeu V ′ 22. Basson 16′ 23. Hautbois 8′ 24. Voix humaine 8′ Tremulant III Solo C–g3 25. Flöte 8′ (a) 26. Rohrflöte 4′ (a) 27. Cornet V 8′ 28. Trompet 8′ 29. Clairon 4′ Pedal C–f1 30. Violon 16′ (a) 31. Subbass 16′ (a) 32. Quinte ′ 33. Octavbass 8′ 34. Cello 8′ 35. Superoctave 4′ 36. Bombarde 16′ 37. Trompette 8′
Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P Spielhilfen: 32-fache Setzerkombination, Glockenspiel und Zimbelstern (2024) Bemerkungen: (a) = Register ganz oder teilweise von 1900, Schleiflade, mech. Spiel- und elektr. Registertraktur
Literatur Jürgen Julier: Kath. Stadtpfarrkirche St. Justinus Alzenau. Kunstführer Nr. 1307, Verlag Schnell & Steiner, München/Zürich 1981.
Weblinks
Pfarrei Sankt Justinus Alzenau Geschichte der Pfarrkirche St. Justinus
Einzelnachweise
Alzenau, Justinus Kategorie:Bauwerk in Alzenau Kategorie:Erbaut in den 1750er Jahren Kategorie:Bauwerk aus Sandstein Alzenau Alzenau Justinus Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Disposition einer Orgel