My Fair Lady ist ein Musical aus dem Jahr 1956 mit der Musik von Frederick Loewe sowie Texten und Libretto von Alan J. Lerner. Es handelt sich um eine Adaption von Bernard Shaws Theaterstück Pygmalion. Dabei ist der Titel mehrdeutigOnline Etymology Dictionary fair (adj.); fair (n.) und kann beispielsweise übersetzt werden mit „Meine schöne Dame“ oder „Meine Markt-Frau“ (engl. „fair“ = dt. „(Jahr)markt, Kirmes, Messe“), außerdem handelt es sich in Cockney um ein Wortspiel auf den Londoner Stadtteil Mayfair.
Das Musical spielt in London um 1912 und handelt vom Aufstieg der Blumenverkäuferin Eliza Doolittle, die nur Cockney spricht. Der Sprachforscher Professor Higgins trifft zufällig auf sie und wettet im weiteren Verlauf mit seinem Freund Oberst Pickering, dass er mit Hilfe seiner linguistischen Kenntnisse Eliza binnen weniger Monate in eine Dame verwandelt, die von höheren Kreisen anerkannt wird. Dies gelingt ihm nach anfänglichen Schwierigkeiten schließlich auch.
Entstehung
Idee Die Idee zum Musical stammte von Gabriel Pascal. Er hatte Mitte der 1930er Jahre die Rechte an einigen Shaw-Stücken erworben und 1938 den Film Pygmalion – Der Roman eines Blumenmädchens produziert. George Bernard Shaw gab seine Komödie aber nicht zur Vertonung frei, erst nach seinem Tod konnte das Musical-Projekt nach langen Verhandlungen mit den Erben Shaws in Angriff genommen werden. Pascal trat an Komponisten und Textdichter wie Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II, Leonard Bernstein, Gian Carlo Menotti, Betty Comden und Adolph Green mit dem Vorschlag der Musicalbearbeitung heran, aber erst bei Alan J. Lerner und Frederick Loewe stieß er auf Interesse.
Adaption My Fair Lady ist eine Adaption der am 16. Oktober 1913 im Wiener Burgtheater (in deutscher Übersetzung) uraufgeführten Komödie Pygmalion von George Bernard Shaw, die ihrerseits auf dem antiken Mythos von Pygmalion basiert, einem sagenhaften bildhauernden König, der sich in eine von ihm selbst geschaffene Statue verliebte. Weiterhin sind Bezüge zu Gottfried Kellers Erzählung Regine und zur historischen Person Elise Egloff denkbar. Die Veränderungen des Musical-Plots gegenüber der literarischen Vorlage entstammen zum Teil dem britischen Film Pygmalion – Der Roman eines Blumenmädchens von Anthony Asquith und Leslie Howard, an dessen Drehbuch Shaw selbst mitgearbeitet hatte und wofür er mit anderen 1939 einen Oscar erhielt.The Independent , 20. Dezember 2007
Unterschiede zu Pygmalion Im Gegensatz zu My Fair Lady ist Eliza für Higgins in Shaws Pygmalion lediglich ein Versuchsobjekt, das er zu seiner eigenen Erbauung ausnutzt. Während sich in My Fair Lady aus dem Experiment eine Liebesbeziehung zwischen Eliza und Higgins entwickelt, bleibt in Pygmalion Elizas Liebe unerwidert. Nach dem Auftritt in der Oper, der im Musical zum Auftritt bei einem Ball wird, schickt Higgins Eliza aus dem Haus. Er habe jetzt den Grundstein für ihre Zukunft gelegt, und sie solle froh sein, dass er dafür nicht auch noch Geld verlange. Eliza verlässt tränenüberströmt das Haus und heiratet schließlich ihren Freund Freddy, der ihr schon die ganze Zeit Avancen gemacht hat.
Handlung 1. Akt Professor Higgins, ein angesehener Philologe und Phonetiker, trifft in London nach einem Opernbesuch in Covent Garden auf dem nahegelegenen Blumenmarkt auf die Blumenverkäuferin Eliza Doolittle. Ihre kraftvoll-vulgäre Sprache, die in der englischen Fassung mit starkem Cockney-Dialekt (in der deutschen Version oft mit Berlinerisch oder Wienerisch) ausgeschmückt ist, nimmt er als Beispiel für die Deformierung der Muttersprache (Kann denn die Kinder keiner lehren? / Why Can’t the English?). Higgins glaubt, dass der Mensch sich nicht über die Herkunft, sondern seine Sprache definiere; selbst ein Blumenmädchen wie Eliza, so Higgins, könne ihren Stand verbessern und eine anerkannte Dame sein, sogar einen respektablen Blumenladen führen, sofern sie richtiges Englisch spräche. mini|200px|High-School-Produktion des Musicals My Fair Lady, Szene „Wouldn’t it be loverly?“ Eliza ist von dieser Vorstellung bezaubert, die Wünsche, die sie äußert, sind bescheiden: „Ein Zimmerchen mit einem Sofa drin, Gasbeleuchtung, Pralinen und nie mehr kalte Beine“ – (Wäre det nich wundascheen? / Wouldn’t It be Loverly?). Sie muss jeden Tag um ihren Lebensunterhalt kämpfen und zudem ihren Vater, Alfred P. Doolittle, durchbringen, der sich regelmäßig auf ihre Kosten durchs Leben schlägt. Doolittle hat es auf eine gewisse Art geschafft, nach seiner Façon zu leben, was er mit zwei Saufkumpanen (Mit ’nem kleenen Stückchen Glück / With a Little Bit of Luck) gehörig feiert. Er weist jede Verantwortung und Moral von sich und lebt in den Tag hinein. Auf diese Weise „gesellschaftlich“ vorbelastet und ohne Schulbildung, scheint es, als hätte Eliza keine Chance, je über den Status eines armen Blumenmädchens hinauszukommen.
Eliza nimmt Higgins Gerede für bare Münze und taucht beim Professor auf, um Sprachunterricht zu nehmen. Die Sache ist Higgins kaum einer Diskussion wert, da schlägt ihm sein Freund Oberst Pickering eine Wette vor: Wenn es Higgins gelänge, innerhalb von sechs Monaten aus Eliza eine Dame zu machen, übernähme er die Kosten der Ausbildung. Elizas „Abschlussprüfung“ soll der Diplomatenball im Buckingham Palace sein. Higgins nimmt die Wette an, Eliza bekommt ein Zimmer in seinem Haus zugewiesen, und es beginnt eine schwere Lehrzeit bei dem eingefleischten Junggesellen. Eliza muss von morgens bis abends sprechen üben, wird von Higgins ruppig und herablassend behandelt, sodass der Unterricht eher einer Dressur gleicht. Darüber kocht Eliza vor Wut und träumt von Rache (Wart’s nur ab!/Just You Wait).
Endlich gelingt Eliza der phonetische Durchbruch: Sie spricht „g“ statt „j“, „ei“ statt „e“ und nicht „i“, sondern „ü“ (Es grünt so grün / The Rain in Spain). Dies wird euphorisch gefeiert, und die völlig aufgedrehte Eliza findet in der Nacht keinen Schlaf (Ich hätt’ getanzt heut’ Nacht / I Could Have Danced All Night). Nun muss Eliza den Testlauf in der feinen Gesellschaft bestehen. Professor Higgins und Colonel Pickering wählen das Pferderennen in Ascot aus. Eliza erhält strenge Vorgaben für die Konversation; ihr wird erlaubt, über das Wetter und die Gesundheit zu sprechen. Doch auch diese scheinbar unverfänglichen Themen bergen ihre Tücken, so berichtet Eliza der feinen Gesellschaft im besten Englisch, dass ihre Tante „abgemurkst“ worden sei. Wenig später schockiert sie das Publikum, indem sie beim Rennen ihr Pferd mit dem Ausruf: „Lauf schneller, oder ich streu' dir Pfeffer in den Arsch!“ anfeuert.
Ihr unkonventionelles Auftreten in Ascot beschert ihr einen Verehrer aus besseren Kreisen: Freddy Eynsford-Hill ist sehr angetan von der hübschen und erfrischenden Eliza. Er beginnt in ihrer Straße zu patrouillieren, in der Hoffnung, dass Eliza einmal das Haus verlässt (In der Straße, mein Schatz, wo du lebst / On the Street Where You Live). Außerdem schreibt er ihr Liebesbriefe und schickt Blumen. Die Angebetete bekommt davon allerdings nicht viel mit. Sprechen kann sie zwar nun, aber ihre Bildung lässt nach wie vor zu wünschen übrig.
2. Akt Der große Abend rückt heran und Eliza vermag beim Diplomatenball im Buckingham Palace zu brillieren. Sie verzaubert durch ihr außergewöhnliches und anmutiges Wesen. Es wird gerätselt, wer denn die schöne Fremde sei. Der ungarische Phonetiker Prof. Zoltán Kárpáthy, ein ehemaliger Schüler von Higgins, versucht Licht ins Dunkel zu bringen. Zu Higgins und Pickerings Erbauung lautet seine Diagnose: So sauberes Englisch spricht man nur im Ausland, seiner Meinung nach ist Eliza eine ungarische Prinzessin!
Am selben Abend beglückwünschen sich Higgins und Pickering gegenseitig für die gelungene Arbeit. Sie klopfen sich auf die Schultern (Sie sind’s, der es geschafft hat/You Did It) und feiern ihren Triumph. Eliza fühlt sich übergangen; sie wurde dressiert, hat funktioniert, doch der Ruhm geht allein an den Professor, für den sie die Wette gewann. Sie gibt Higgins zu verstehen, wie sehr sie sich missachtet und erniedrigt fühlt. Auf die Frage, was nun aus ihr werden soll, wirft Higgins ihr Undankbarkeit vor. Er meint, sie sei ein dummes Kind, und ist umso erstaunter, als Eliza am nächsten Tag verschwunden ist.
Zusammen mit Freddy Eynsford-Hill, der vor Higgins Haus Wache hält (Tu’s doch!/Show Me), besucht sie jenes Viertel Londons, in dem sie noch vor einem halben Jahr zu Hause war. Doch dort wird sie nicht mehr erkannt. Für eine Blumenfrau ist sie nun zu fein, aber für eine feine Dame fehlt ihr das Geld. Eliza fasst den Entschluss, selbst Phonetik zu unterrichten und Freddy zu heiraten.
Als sie Professor Higgins mit diesem Entschluss konfrontiert, muss er erkennen, dass er Eliza vermisst (Ich bin gewöhnt an ihr Gesicht/I’ve Grown Accustomed to Her Face), was Eliza hört, da sie wegen einiger Sachen, die sie noch holen will, sich zufällig im Haus des Professors aufhält. My Fair Lady endet zwar versöhnlich, bleibt jedoch offen: Während für Shaw’s Original es durch den Dichter eine später formulierte Auflösung gibt (Eliza heiratet Freddy tatsächlich), kommentierte dies Lerner: „Ich weiß nicht, ob Shaw recht hat.“
Der bekannteste Satz aus dem Musical ist Elizas Sprechübung The rain in Spain stays mainly in the plain, für den es in manchen Sprachen zwei Versionen gibt.
Musik Titel 1. Akt Why Can’t the English? (Kann denn die Kinder keiner lehren) Wouldn’t It be Loverly? (Wäre det nich wundascheen?) With a Little Bit of Luck (Mit ’nem kleenen Stückchen Glück) I’m an Ordinary Man (Bin ein Mann wie jeder Mann) Just You Wait (Wart’s nur ab!) The Servant’s Chorus (Chor des Personals) The Rain in Spain (Es grünt so grün) I Could Have Danced All Night (Ich hätt’ getanzt heut’ Nacht) Ascot Gavotte On the Street Where You Live (In der Straße, mein Schatz, wo du lebst) 2. Akt The Embassy Waltz You Did It (Sie sind’s, der es geschafft hat) Show Me (Tu’s doch!) Get Me to the Church on Time (Bringt mich pünktlich zum Altar) A Hymn to Him (Kann denn eine Frau nicht sein wie ein Mann) Without You (Ohne dich) I’ve Grown Accustomed to Her Face (Ich bin gewöhnt an ihr Gesicht)
Orchesterbesetzung Die ursprüngliche Orchestrierung von Robert Russell Bennett und Philip J. Lang bestand aus: Querflöte, Piccolo, Oboe, Englischhorn, Klarinette (2), Fagott, Horn (2), Trompete (3), Posaune, Bassposaune, Tuba, Schlagzeug (2), Harfe, Violine, Bratsche, Violoncello, Kontrabass.
Für eine Wiederaufführung am Royal National Theatre (London) beauftragte der Musicalproduzent Cameron Mackintosh William David Brohn für eine Neuorchestrierung, sie verwendet folgende Instrumente: Fl/Pic/Klar, Klar/Es-Klar/Fl, Ob/EH, Fag/BarSax/BassKlar, Hr (2), Trp/FlgHr/Kornett (2), Pos/Basspos/Euphonium, Schl, Hf, Key, Vi (4), Va, Vc, Kb
Uraufführung und Auswahl an Erstaufführungen Uraufführung am Broadway (USA) Die Uraufführung fand am 15. März 1956 mit Julie Andrews als Eliza und Rex Harrison als Professor Higgins im Mark Hellinger Theatre am Broadway in New York statt. Dem gingen Probeaufführungen ab dem 15. Februar 1956 im Shubert Theatre New Haven, Connecticut voraus. Im November 1957 übernahm Edward Mulhare die Rolle des Professor Higgins und ab Februar 1958 spielte Sally Ann Howes Eliza.Vallance, Thomas. "Obituary: Edward Mulhare" The Independent (UK), 27. Mai 1997."A Fiery 'Fair Lady' Takes Over" Life, 3. Mai 1958, Titelbild, Seite 51 bis 54.