100px|rechts|Wappen der Stadt Frankfurt am Main mini|hochkant=1.7|Frankfurt von Südwesten, etwa 1617/18 (Ausschnitt eines Kupferstichs von Matthäus Merian dem Älteren) mini|hochkant=1.7|Stadtgebiet und Landwehr, zwischen 1712 und 1714 (Kupferstich von Johann Baptist Homann, Gebietsgrenzen korrigiert nach Friedrich Bothe)
Die Geschichte von Frankfurt am Main ist die Geschichte der Entwicklung von einer Kaiserpfalz zu einer der Bankenmetropolen Europas. Den Anfang markierten eine Furt durch den Main und der Domhügel einschließlich des heutigen Römerbergs. Später stand Frankfurt oft im Zentrum deutscher und europäischer Geschichte.
Frühgeschichte mini|Blick vom Domturm auf die Reste römischer und frühmittelalterlicher Fundamente am Domhügel (2011)
An der Stelle der heutigen Frankfurter Altstadt war ursprünglich eine sumpfige, von zahlreichen Armen des Mains durchzogene Niederung. Sie wurde deshalb später als die oberhalb liegende Hochebene bebaut. Eine Römerstraße, die im Mittelalter so genannte Elisabethenstraße, von Mainz (Mogontiacum) über Heddernheim (Nida) nach Friedberg umging dieses Gebiet. Eine Römerstraße von Nida, dem Hauptort der Civitas Taunensium (heute Heddernheim) führte über die Mainfurt zum südmainischen Civitas-Hauptort Dieburg und nach Groß-Gerau, wo sich eine wichtige Kreuzung mit Anschluss an die rechtsrheinische Römerstraße befand. Zahlreiche Flurnamen belegen noch heute, dass die Niederung auf beiden Seiten des Flusses mit Wald bedeckt war.
Der älteste Teil der Frankfurter Altstadt ist der Domhügel (einschließlich des heutigen Römerbergs), der als Insel aus den Seitenarmen des Mains und der Sumpflandschaft herausragte. Nur von Westen war er trockenen Fußes zu erreichen. Er liegt nahe an einer Furt, die schon sehr früh der Überquerung des Flusses diente und deshalb von wirtschaftlicher und militärischer Bedeutung war.
Archäologische Funde auf dem Domhügel reichen bis in die Jungsteinzeit zurück. Nachgewiesen ist eine erste Besiedlung und Bebauung aber erst für die Römerzeit. Man geht davon aus, dass die römische Besiedelung des Domhügels im letzten Viertel des ersten nachchristlichen Jahrhunderts begann; so fand man Überreste eines römischen Bades, das zu einer größeren Anlage, wohl einem Kastell, gehört haben dürfte. Vermutlich wurde die militärische Stellung aber schon im Laufe des 2. Jahrhunderts wieder aufgegeben und durch eine Villa, ein römisches Gutshaus, ersetzt. Archäologisch erschlossen wurden außerdem einige Wirtschaftsgebäude.
Römische Gutshöfe (villae rusticae) befanden sich am Bockenheimer Friedhof, am Portal des Hauptfriedhofs, am Rebstock (Straße „Am Römerhof“), nahe dem Gelände des heutigen Günthersburgparks im Nordend und möglicherweise im Riederwald nahe dem mittelalterlichen Gutshof Riederhof. Mit der Rücknahme der römischen Grenze auf den Rhein in den Jahren 259/260 scheint die römische Geschichte in Frankfurt beendet.
Im Jahr 2018 wurde auf einem Gräberfeld im Stadtteil Praunheim ein bedeutender archäologischer Fund aus der Endphase des römischen Nida gemacht: Das silberne Amulett stammt aus einem Männergrab und trägt einen eingravierten Text, die Frankfurter Silberinschrift, das früheste Zeugnis des Christentums nördlich der Alpen.„Frankfurter Silberinschrift“ – Ältestes christliches Zeugnis nördlich der Alpen gefunden. Pressemitteilung der Goethe-Universität Frankfurt am Main vom 12. Dezember 2024, abgerufen am 22. Januar 2025.
Mittelalter Frühmittelalter mini|hochkant|Historisierende Statue Karls des Großen in Frankfurt mini|hochkant|Erwähnung Frankfurts im Libellus sacrosyllabus, der von Paulinus von Aquileia auf der Synode von 794 vorgelegt worden war (clm 14468, fol. 42r-42v)
Frankfurt wird erstmals in einer am 22. Februar 794 super fluvium Moin in loco nuncupante Franconofurd (= „Am Fluß Main in dem Frankfurt genannten Ort“) datierten Urkunde erwähnt, mit der Karl der Große dem Kloster Sankt Emmeram zu Regensburg einige Äcker und Wiesen schenkte. Karl der Große war nach Weihnachten 793 aus Würzburg nach Frankfurt gekommen, wo sich seit der späten Merowingerzeit des 7. Jahrhunderts auf dem Domhügel ein Königshof befand. 1992 wurde bei Ausgrabungen im Dom das reich ausgestattete Grab eines Mädchens aus hohem fränkischem Adel gefunden, das zu Beginn des 8. Jahrhunderts beigesetzt wurde.
Im Juni 794 versammelte Karl die Bischöfe des Frankenreichs zur Synode von Frankfurt, auf der der Adoptianismus verdammt und der Bilderdienst verworfen wurde. In der Einleitung des Libellus sacrosyllabus, eines Gutachtens, das Paulinus von Aquileia der Synode vorlegte, vermerkt er über den Tagungsort:
Frankfurt war damals also ein bedeutender Ort in der Gegend von Mainz.
Am 10. August 794 starb Fastrada, Karls vierte Ehefrau, in Frankfurt. Er verließ den Ort und kehrte zu seinen Lebzeiten niemals zurück. Ludwig der Fromme, sein Sohn, wählte Frankfurt zum Wohnsitz, erweiterte den Königshof zur Königspfalz Frankfurt, ließ einen noch größeren Palast erbauen und umgab die Stadt 838 mit Mauern und Gräben. Die Überreste der herrscherlichen Pfalz sind konserviert und als Kaiserpfalz Franconofurd museal zugänglich. Nach dem Vertrag von Verdun (843) wurde Frankfurt zeitweise zu einem der Hauptorte des ostfränkischen Reichs und wurde daher auch principalis sedes regni orientalis genannt. Das häufige Verweilen der Kaiser und Könige in Frankfurt, die wiederholt hier gehaltenen Reichstage und Kirchenversammlungen, die Errichtung eines Stifts und zahlreiche Schenkungen an die dortige Kirche förderten den Ort nachhaltig.
Ein städtisches Gemeinwesen entstand jedoch lange Zeit nicht; noch im Jahr 1146 wird Frankfurt in einer Quelle als „Dörfchen“ (viculus) bezeichnet und zum Territorium von Mainz gerechnet. Trotzdem existierte zu diesem Zeitpunkt bereits eine erhebliche Bevölkerung aus Handwerkern und Händlern, der es im Laufe des vorangegangenen Jahrhunderts gelungen war, weite Teile des Domhügels zu übernehmen. Die dortige Kaiserpfalz war wohl in den 1020er Jahren abgebrannt und das salische Herrscherhaus zeigte – möglicherweise auch deshalb – in der Folgezeit nur wenig Interesse an Frankfurt. Als die nachfolgende Dynastie der Staufer (ab 1138) wieder eine stärkere Präsenz in Frankfurt zeigte, war das Areal der Karolingerpfalz auf dem Domhügel bereits neu parzelliert und entwickelte sich zum Kern der Stadtgemeinde Frankfurt. Als staufische Residenz diente stattdessen möglicherweise der Saalhof südwestlich des Domhügels. Auch als die römisch-deutschen Kaiser des Mittelalters keine beständige Residenz mehr vor Ort hatten, blieb Frankfurt kaiserliches Kammergut und Sitz eines Fiscus, also einer herrscherlichen Domäne, die für die Versorgung des Hauptortes zuständig war und durch den Frankfurter Reichsvogt (später Reichsschultheiß) verwaltet wurde.Zu diesem Absatz: Wolfgang Klötzer: 794. Karl der Große und Frankfurt am Main. Grundlage der Stadtentwicklung. In: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst. Band 63, 1997, S. 5–14, hier S. 11–12.
Hochmittelalter mini|Erhaltene Reste der Staufenmauer mini|Frankfurt am Main im Mittelalter 220px|mini|Erwähnung von Franchenevvrt in der Urkunde vom 18. Januar 1074 König Heinrich IV.
Ein gleichzeitig weltliches und kirchliches Ereignis ließ Frankfurt nach einer weniger bedeutenden Stadtepoche unter den salischen Kaisern wieder in den Mittelpunkt rücken. Bernhard von Clairvaux rief 1147 von der Pfalzkapelle (der heutigen Alten Nikolaikirche) in einer aufwühlenden Predigt den Staufer Konrad III. zur Teilnahme am zweiten Kreuzzug auf. Bevor dieser ins Heilige Land aufbrach, ließ er auf dem Frankfurter Hoftag seinen 10-jährigen Sohn zum Nachfolger wählen, der aber noch vor seinem Vater starb. Deshalb wurde fünf Jahre später abermals in Frankfurt gewählt. Nachdem dann der spätere Kaiser Friedrich I. 1152 hier „auf den Schild gehoben“ wurde, wurde die Stadt durch diesen Brauch zur Wahlstadt der deutschen Könige.
Unter den Stauferkaisern erlebte Frankfurt, das um 1140 erstmals als „oppidum“ (städtischer Marktort) bezeichnet wird,Lothar Gall (Hrsg.): FFM 1200. Traditionen und Perspektiven einer Stadt. Thorbecke, Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-1203-9, S. 69. einen Aufschwung und starkes Wachstum. In ihrer Zeit gewann die Stadt Markt, Mauer, Mainbrücke, Münze und Messe. Um 1180 wurde das Stadtgebiet stark erweitert; die neue Grenze bildete die Staufenmauer, die das Gebiet der heutigen Altstadt umgab. 1194 wird die Frankfurter Münze erstmals urkundlich erwähnt.Lothar Gall (Hrsg.): FFM 1200. Traditionen und Perspektiven einer Stadt. Thorbecke, Sigmaringen 1994, S. 75.
1240 bestätigte Kaiser Friedrich II. das Privileg der Frankfurter Herbstmesse. In dieser ältesten Urkunde für die Messe in Frankfurt, die sich aus einem Jahrmarkt mit landwirtschaftlichen Produkten entwickelt und nun längst die Stadt Mainz als Handelszentrum überflügelt hatte, heißt es: …dass wir alle und jeden einzelnen, die zur Messe in Frankfurt kommen, unter unseren und des Reiches besonderen Schutz stellen. Wir befehlen, dass niemand wage sie beim Kommen und Gehen…zu belästigen oder zu behindern….
1245 wurde Frankfurt unmittelbare Reichsstadt. Das Frankfurter Schöffengericht war der Oberhof (Obergericht) für die ganze Wetterau, die „terra imperii“ war, und die angrenzende Gegend. Anfangs gehörten die meisten Einkünfte der Stadt dem Reich; erst später, besonders unter Heinrich IV. und Friedrich II., wurden diese Einkünfte und sogar die Verwaltung selbst verpfändet oder verkauft.
Die Gewalt in der Stadt lag zuerst in den Händen königlicher Amtsträger, zunächst eines Vogts und später eines Schultheißen. Schon früher wählten sich jedoch die Bürger eigene Bürgermeister mit Beisitzern, denen die Polizeiverwaltung und niedere Gerichtsbarkeit oblag. Da diese die Gunst des Kaisers genossen, wurde die Würde der Vögte zur Zeit des Interregnums (1257) vollständig beseitigt. In diese Zeit fällt auch das Pogrom von 1241, bei dem weit über 100 Frankfurter Juden getötet wurden.
Spätmittelalter mini|Das Eschenheimer Tor, das einzige noch existierende Stadttor aus der Befestigungsanlage von 1333 mini|Siegel an der Goldenen Bulle mini|Karl IV. erteilt die Goldene Bulle
Wachstum im 14. Jahrhundert Kaiser Ludwig der Bayer, dem die Bürger die Tore der Stadt öffneten (obwohl Friedrich der Schöne von Österreich schon Sachsenhausen besetzt hatte), gab Frankfurt 1329 die Erlaubnis, alle ihre verpfändeten Einkünfte, Ämter und Rechte einzulösen und bis zur Wiederauslösung seitens des Reichs zu erhalten. Er erweiterte das Messeprivileg der Messe Frankfurt und gestattete die Abhaltung der Frühjahrsmesse als zweite Messe neben der Herbstmesse (1330). Dazu verbot er die Erbauung neuer Schlösser am Main und die Anlegung neuer Zölle in einem Umkreis von zehn Stunden. Er gewährte der Stadt das Recht, Bündnisse zu schließen, und genehmigte ihr 1333 eine weitere enorme Ausdehnung des ummauerten Stadtgebiets.
Dies tat er nicht ganz uneigennützig, denn Frankfurt stand in Ludwigs Auseinandersetzung mit dem Papst (Johannes XXII.) trotz Bannstrahl und Interdikt (Gottesdienstverbot) zu ihm und tätigte auch finanzielle Zuwendungen. Damit war praktisch der Grundstein für den nun folgenden enormen Aufschwung der Stadt Frankfurt als Handels- und Messestadt gelegt. Mitte des Jahrhunderts zählte die Stadt rund 10.000 Einwohner, ein Höchststand, der erst Anfang des 16. Jahrhunderts wieder übertroffen wurdeNähere Informationen im Artikel Einwohnerentwicklung von Frankfurt am Main. In der Folgezeit errichteten die Frankfurter Bürger eine neue Befestigungsanlage, von der heute unter anderem noch der Eschenheimer Turm erhalten ist.