American Gods (Originaltitel: American Gods) ist ein Roman von Neil Gaiman aus dem Jahre 2001. Er verbindet Elemente der Fantasy, verschiedene Aspekte klassischer und moderner Mythologie sowie US-amerikanischer Folklore. Die erste Übersetzung stammt von Karsten Singelmann und wurde 2003 im Heyne Verlag veröffentlicht. Im Jahr 2015 erschien im Eichborn Verlag eine ungekürzte Fassung in der Übersetzung von Hannes Riffel mit dem Zusatz Director’s Cut.Phantastik-Couch.de: American Gods – Director’s Cut Das Buch wurde 2017 als gleichnamige Serie verfilmt.
Themen Die zentrale These des Buches ist, dass Götter und mythologische Kreaturen nur deshalb existieren, weil Menschen an sie glauben. Im Zuge der Einwanderung kamen so Zwerge, Elfen, Geister und unzählige andere Göttergestalten verschiedenster Kulturen mit nach Amerika. Mit der Zeit und mit dem abnehmenden Glauben der Menschen schwand auch die Macht dieser Wesen und andere, jüngere Götter erhoben sich aus dem Bewusstsein der Menschen: die Medien, neue Technologien, Drogen und nicht zuletzt der Kapitalmarkt. Von der erbitterten Konkurrenz zwischen neuen und alten Göttern berichtet dieses Buch. Dabei wird das Schicksal zahlreicher mythologischer Figuren vom Autor aufgegriffen:
Aus der nordischen Mythologie Odin, Loki, die Nornen, Alwis und Ostara, aus der slawischen Mythologie Czernobog, aus der afrikanischen Mythologie Anansi, aus der indischen Mythologie Kali, aus der ägyptischen Mythologie Thot, Anubis, Horus und Bastet, aus der keltischen Mythologie Gwydion.
Die amerikanischen Volkshelden sind durch Johnny Appleseed und einen bösartigen Kobold bzw. ein Heinzelmännchen präsent. Daneben haben einige Figuren aus Gaimans Comicromanreihe Sandman kurze Cameo-Auftritte.
In einer Nebenerzählung gibt er außerdem eine ausführliche Einführung in die Geschichte der Sklaverei.
Handlung Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des mysteriösen und schweigsamen Protagonisten Shadow. Wegen eines missglückten Raubüberfalls sitzt Shadow eine Haftstrafe ab. Er wird nach drei Jahren entlassen und freut sich auf zuhause. Beim Verlassen des Gefängnisses erfährt er, dass seine Frau und sein bester Freund bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind.
Auf dem Weg zur Beerdigung in Eagle Point nimmt er einen Job als Bodyguard für einen Mr. Wednesday an, der deutlich mehr über Shadows Leben weiß, als er wissen dürfte. Auch wenn sich Wednesday recht bald als Trickbetrüger outet, ist seine Bezahlung gut und überaus real. Bei seiner Anwerbung lernt Shadow einen Leprechaun namens Mad Sweeney kennen, der ihn einen Münztrick lehrt und ihm zum Abschied eine magische Goldmünze schenkt. Shadow wirft sie ins Grab seiner Frau Laura, was dazu führt, dass diese als eine Art Zombie oder Wiedergängerin ins Leben zurückkehrt und nun Shadows weitere Abenteuer von ferne begleitet und ihn manchmal auch handfest beschützt. Im Gegensatz zu „typischen“ Untoten besitzt Laura aber Bewusstsein und ihre Erinnerungen und ist sich der Tatsache, tot zu sein, auch voll bewusst.
Shadow und sein neuer Arbeitgeber reisen durch das ganze Land und besuchen Wednesdays ungewöhnliche Freunde und Kollegen. Es dauert eine Weile, bis Shadow klar wird, dass Wednesday in Wahrheit die Inkarnation von Odin (auch Wotan oder Wodan) ist, dem Allvater aus den nordischen Sagen. Sein Name Wednesday () leitet sich vom altnordischen Wodanstag ab.
Die Besuche dienen einzig dem Zweck, andere alte Götter, deren Kräfte schwinden, für eine letzte große Schlacht gegen die neuen amerikanischen Götter zu rekrutieren. Die Inkarnationen des modernen Lebens wie beispielsweise die Medien, das Internet oder das Börsenkapital bedrohen, nach Wednesdays Meinung, die Existenz der alten Götter.
Im House on the Rock (mit seinem weltgrößten Karussell) lernt Shadow beim ersten größeren Treffen einige der alten Götter kennen, darunter Mr. Nancy (die Manifestation des afrikanischen Spinnengottes Anansi), Czernobog in Gestalt eines ältlichen osteuropäischen Einwanderers und Alwis.
Das Treffen ist eine Pleite. Die meisten der alten Götter sind zu träge und fühlen sich zu sicher, als dass Wednesday sie für seinen Krieg aufrütteln könnte. Im Anschluss an das Treffen entführt ein Kommando schattenhafter Männer in Schwarz, angeführt vom mysteriösen Mr. World, Shadow. Die Männer foltern ihn in einem geheimen Gefängniszug. Laura befreit ihn, wobei sie etliche der Entführer tötet, weshalb sich der gesamte Polizeiapparat an Shadows Fersen heftet.
Wednesday versteckt ihn zunächst in Cairo (Illinois) im Bestattungsinstitut von Mr. Ibis und Mr. Jacquel, den Inkarnationen der ägyptischen Gottheiten Thoth, Anubis und Bastet, die hier als gewöhnliche braune Hauskatze auftritt. Schließlich kommt er nach Lakeside, einer verschlafenen Gemeinde an den Großen Seen. Er lernt verschiedene lokale Originale kennen, darunter Hinzelmann, einen alten Mann, der sich darin gefällt, sehr überzeugende Lügengeschichten zu erzählen, Chad Mulligan, den örtlichen Polizeichef und die Lokalreporterin Marguerite Olsen.
Lakesides ruhige Idylle erscheint Shadow suspekt. Während rundum die kleinen Orte zu Geisterstädten werden, prosperiert Lakeside. Allerdings scheinen in regelmäßigen Abständen dort Kinder zu verschwinden. Weil Shadow häufig mit Wednesday durchs Land reisen muss, kann er diesem Verdacht aber nicht weiter nachgehen.
Wednesday und Shadow treffen sich mit Johnny Appleseed und der Göttin Easter ( oder ), um sie von der Notwendigkeit eines Krieges zu überzeugen, allerdings erfolglos. Hingegen erklären sich die Neuen Götter zu Verhandlungen bereit. Trotz der Zusicherung freien Geleits wird Wednesday bei diesem Treffen erschossen und der Mord live im Fernsehen übertragen. Dieser brutale Akt des Verrats rüttelt die Alten Götter auf, und sie vereinen sich unter dem Banner der Rache, um den Feinden in der letzten Schlacht zu begegnen.
Shadow fühlt sich durch den Vertrag mit Wednesday dazu verpflichtet, für ihn die Totenwache zu halten, eine übermenschliche Herausforderung, denn das bedeutet, Odins Opfer für die Menschen zu reinszenieren. Während neun Tagen und Nächten hing dieser, verwundet vom eigenen Speer, im Weltenbaum Yggdrasil. Shadow tut es ihm nach und stirbt schließlich. Im Jenseits führt ihn Thoth zum Richtplatz, wo Anubis seine Seele wiegt.
Nun erfährt Shadow, dass er der Sohn von Wednesday ist und Teil des Plans, den dieser zusammen mit Mr. World ausgeheckt hat, um alle Götter zu betrügen – ein Zwei-Mann-Schwindel. Mr. World ist in Wirklichkeit Loki der Lügenschmied, sein ehemaliger Knastkumpel, den er als „Low Key Lyesmith“ kennengelernt hatte. Den Mord an Wednesday hatte er arrangiert, um den Krieg in Gang zu bringen. Der vielfache Tod der Götter und das daraus folgende Chaos hätten Odin neu gestärkt zurückgebracht und Loki auf Jahrtausende mit Chaosenergie versorgt.
Mit Ritualen, die sie selbst nicht ganz versteht, bringt Easter Shadow ins Leben zurück. Auf einem Donnervogel () fliegt er nach Rock City, dem Ort des Krieges. Er findet Loki, von Laura tödlich verwundet, vor. Sie hat ihn mit einem Zweig des Weltenbaumes durchbohrt. Anschließend beendet Shadow den Krieg, indem er den Schwindel von Odin und Loki aufdeckt. „Das ist kein geeignetes Land für Götter“, legt er der versammelten Götterschar dar und fordert sie auf, nach Hause zu gehen und eben das Beste daraus zu machen. Die Götter verschwinden, Odins Geist verblasst und auch Laura findet auf eigenen Wunsch ihren Frieden, indem Shadow das magische Goldstück mit einem Trick verschwinden lässt.
Im Epilog kehrt Shadow nach Lakeside zurück und entlarvt Hinzelmann als uralten germanischen Kobold, der die vermissten Kinder als Ausgleich für seine geleisteten Dienste nahm. In einem Nachtrag reist Shadow schließlich nach Island, wo er eine weitere Inkarnation Odins trifft. Er erzählt ihm, was sein Alter Ego in den Vereinigten Staaten getan hat, was den Alten zu der Bemerkung veranlasst: „Er war ich, ja, aber ich bin nicht er.“ Shadow beglückt ihn mit dem künstlichen Auge des toten amerikanischen Odin und verblüfft ihn mit einem abschließenden Münztrick.
Das Buch lebt von einer Vielzahl an Nebenerzählungen und Zwischenschnitten, die den Leser über Herkunft und Abenteuer der verschiedensten mythischen Wesen aufklärt. Die Königin von Saba arbeitet als Prostituierte und hält sich jung und schön, indem sie, ähnlich einem Succubus, regelmäßig Freier in sich einsaugt. Ein Taxi fahrender Ifrit tauscht seinen Job mit dem eines Handelsreisenden. Ein in die Sklaverei verkauftes, schwer misshandeltes Zwillingspaar bringt die Götter des Voodoo aus Afrika in „God's Own Country“. Die älteste dieser Besiedlungsgeschichten reicht zurück bis ins Jahr 14.000 vor Christus.
Figuren Shadow – Ein Ex-Sträfling, Bodyguard für Mr. Wednesday. Laura – Shadows Frau, die am Anfang des Romans bei einem Verkehrsunfall stirbt und dadurch für Shadows vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis verantwortlich ist.
Alte Götter: Mr. Wednesday – Odin, in der nordischen Mythologie der Gott des Wissens und der Weisheit. Im Roman bestreitet er als Trickbetrüger seinen Lebensunterhalt. Er versucht, die anderen alten Götter zu einem Krieg gegen die modernen Götter zu überreden. Czernobog – Der slawische Gott der Finsternis und Zwillingsbruder von Bielebog, dem Gott des Lichtes. Die Zorya-Schwestern – Verwandte von Czernobog, die verschiedene Sterne repräsentieren: den Morgenstern (Zorya Utrennyaya), den Abendstern (Zorya Vechernyaya), und den Mitternachtsstern (Zorya Polunochnaya). In der slawischen Legenden sind sie Dienerinnen von Dažbog, dem Hüter des Weltuntergangshundes Simargl, der an den Stern Polaris im Sternbild Ursa Minor (der „Kleine Bär“) gekettet ist. Wenn die Ketten jemals reißen sollten, wird der Hund die Welt vernichten. Mr. Nancy – Anansi, Gott des Schabernacks, Gauner, Spinnengott aus der westafrikanischen Folklore. Er macht sich häufig über die Dummheit der Menschen lustig. Mama Ji – eine Inkarnation der indischen Göttin Kali. Bilquis – eine Liebesgöttin, die die Königin von Saba verkörpert. Mr. Ibis – Thot, der ägyptische Gott der Weisheit und der Schrift. Er führt ein Bestattungsinstitut in Cairo, Illinois. Mr. Jacquel – Anubis, der ägyptische Gott des Todes und der Mumifizierung. Arbeitet als Experte bei Mr. Ibis. Easter – Ostara, die germanische Göttin der Morgenröte. Mad Sweeney – betrachtet sich selbst als „Leprechaun“, repräsentiert wohl das Bild, das Amerika von den Iren hat; großmäulige, regelmäßige Trinker mit einem Hang zur Handgreiflichkeit. Whisky Jack – Wisakedjak, ein Trickster aus der indianischen Mythologie. John Chapman – Johnny Appleseed, eine amerikanische Pionier-Legende. Low Key Lyesmith – Loki, der Gott der Lüge und des Betrugs, aus der nordischen Sagenwelt.
Neue Götter: Der Technische Junge – Der neue Gott des Computers und des Internets. Entspricht in seinem Aussehen allen Klischees eines Nerds. Auch wenn er inzwischen der mächtigste neue Gott ist, wird er von anderen gerne auch „Das fette Kind“ genannt. Media – Neue Göttin des Fernsehens. Die Men in Black – Mister Town, Mister Stone, Mister Wood und Mister Road entspringen der amerikanischen Obsession für Schwarz. Sie sind Handlanger und Spione für Mr. World. Die Unsichtbaren – Die neuen Götter des Aktienmarktes. Sie personifizieren die berühmte unsichtbare Hand, die den Markt angeblich regelt. Sie verachten direkte Einmischung und möchten gerne die Lösung aller Probleme dem Markt überlassen. Menschliche Charaktere
Samantha Black Crow – junges Mädchen, das von Shadow auf dem Weg nach Lakeside mitgenommen wurde, Schwester von Marguerite Olsen. Audrey Burton – Robbies Frau, Freundin von Shadow und Laura. Robbie Burton – Shadows bester Freund, Besitzer von La Musclerie, einem Fitnessstudio in Egale Point, Indiana. Johnny Larch – Mithäftling von Shadow, Wiederholungstäter. Mrs. McCabe – Lauras Mutter Alison McGovern – junges Mädchen, das Opfer eines Mordes wurde.