mini|100px|Piktogramm Tchoukball ist eine Ballsportart, bei der sich zwei Mannschaften mit je 5–7 Spielern gegenüberstehen. Ziel des Spiels ist es, einen handballähnlichen Ball so auf eine Frame genannte Prallwand zu werfen, dass die gegnerische Mannschaft den Abpraller nicht fangen kann, und so Punkte zu erzielen. miniatur|Tchoukballspiel in der Schweiz im Mai 2006 mini|Spiel Schweiz–Italien EM 2014 Das Wort „Tchouk“ leitet sich von dem Geräusch des Balls ab, wenn er das Frame berührt.
Dadurch, dass beide Teams auf beide Frames spielen dürfen, die sich auf den beiden kürzeren Seiten des rechteckigen Feldes gegenüberstehen, ist Tchoukball extrem schnell und intensiv. Beide Mannschaften müssen ständig zwischen Angriff und Verteidigung umschalten, was zu einem sehr abwechslungsreichen Spielverlauf führt. Gleichzeitig liegt beim Tchoukball der Fokus auf Fair-Play – jeglicher Angriff auf den Gegner oder sein Spiel ist untersagt.
Tchoukball ist eine Hallensportart, prinzipiell kann man es aber überall spielen. Am weitesten verbreitet sind Hallen- und Beachtchoukball, in einigen Ländern wird es aber auch auf Rasen gespielt.
Entstehung und Verbreitung Tchoukball wurde in den späten 1960er Jahren von Hermann Brandt, einem Schweizer Sportmediziner, erfunden. Bei seiner Arbeit erkannte er, dass selbst die körperlich stärksten Sportler aufgrund unphysiologischer Bewegungsabläufe dauerhafte Verletzungen bei der Ausübung ihres Sportes davontrugen.
In der Folge entwickelte er einen eigenen Sport, Tchoukball. Neben dem geringeren Verletzungsrisiko hatte Brandt eine weitere Überlegung mit einfließen lassen: Tchoukball als eine Sportart, in der in seinen Augen geübt wird. Für Brandt sollte der ideale Sport nicht nur ein Wettkampf sein, sondern in erster Linie Spaß bringen und in einer Umgebung des Respekts und der Toleranz stattfinden. Tchoukball soll dazu beitragen, genau diese Werte weiterzugeben. Deswegen schuf Brandt gleichzeitig ein Dokument, in dem die Grundhaltung der Sportart und der Spieler umrissen werden sollten, die Tchoukball-Charta.
Für die Entwicklung des Tchoukballs erhielt Brandt 1970 in Barcelona den Thulin-Preis der Federation Internationale D'Education Phisique (FIEP). Deren damaliger Vorsitzender John Andrews war es auch, der Tchoukball in vielen Ländern bekannt machte.
mini|Verbreitung Tchoukball Stand 04/2014 Anklang fand dieser neue Sport vor allem in Taiwan, wo es rasch zu einem Schul- und Universitätssport wurde, was Taiwans besondere Rolle in der heutigen Tchoukballwelt erklärt. Teams aus Taiwan sind bis heute die großen Favoriten auf jedem Turnier.
Mittlerweile wird Tchoukball in vielen Teilen der Welt gespielt. An der World Tchoukball Championship 2011 in Ferrara, Italien nahmen Teams aus den europäischen Staaten Italien, Schweiz, Großbritannien, Österreich, Deutschland, Tschechien, Frankreich und Spanien teil sowie Mannschaften aus Taiwan, Singapur, Hongkong, den Philippinen und Brasilien, viele davon auch mit Damenmannschaften.
Organisation
Verband Präsident Datum FITB Chris Huang seit 2013 ETBF Chiara Volonté seit 2014 DTBV Karin de Laporte 2010–2013 Thomas Langescheid 2013–2021 Sylvia Zoch seit 2021 ATBF Sebastian Siegel FSTB David Sandoz 2011–2015 Pierre-Alain Girardin seit 2015
Tchoukball ist international in der Federation Internationale de Tchoukball (FITB) organisiert. Diese wurde 1971 durch Vertreter aus der Schweiz und Frankreich gegründet. Erster Präsident war bis zu seinem Ableben Hermann Brandt. Als Mitglieder der FITB sind aktuell 36 nationale Verbände von 4 Kontinenten gemeldet.
Seit März 2014 existiert ein europäischer Dachverband, der die nationalen Verbände in sich vereint und von nun an für europäische Belange zuständig ist. Die European Tchoukball Federation (ETBF) ist Mitglied des FITB.
Aufgrund der geographischen Größe Deutschlands bildeten sich hier bereits erste Landesverbände. Mit dem TTBV wurde 2012 der Thüringer Landesverband gegründet.
Der European Winners' Cup (EWC) stellte bis einschließlich 2015 eine Besonderheit dar. Die Landesmeister aus den europäischen Ligen wurden vom jeweiligen Organisationskomitee eingeladen, um bei einem Turnier die beste Tchoukball-Mannschaft auf Clubebene zu ermitteln. Die Vergabe des Austragungsortes für das Folgejahr wurde üblicherweise unter den teilnehmenden Teams vereinbart. Der Turniermodus und die Zulassungskriterien lagen vollständig in Händen des jeweiligen Organisationskomitees. Seit 2016 hat der ETBF die Verantwortung für den EWC übernommen. Clubs der Mitgliedsländer können sich um die Austragung bewerben. Der Verband hat Regeln für die Qualifikation festgeschrieben, und für die Gestaltung des Spielplanes ist dessen Technische Kommission verantwortlich.
Regelgrundlagen Spielfeld mini|Spielfeld Laut offiziellen Spielregeln des FITB (internationaler Tchoukballverband) ist das Feld rechteckig und misst im Hallenbereich 26 bis 29 m Länge und 15 bis 17 m Breite. Auch das kann in offenen Turnieren variieren. Das Frame steht in der Mitte der kürzeren Seite außerhalb des Spielfelds, ist um 55° geneigt und ist 1 m breit und lang. Seine Vorderseite berührt die Grundlinie. Um das Frame der Grundlinie ist ein Halbkreis mit einem Radius von 3 m gezogen – die sogenannte „verbotene Zone“.
Punkte Ein Spieler erzielt einen Punkt für seine Mannschaft, wenn er den Ball auf den Frame wirft, so dass ihn kein Spieler auffangen kann, bevor er den Boden außerhalb der verbotenen Zone berührt.
Ein Spieler erzielt einen Punkt für die gegnerische Mannschaft, wenn er den Frame beim Wurf verfehlt der Ball nach dem Abwurf außerhalb des Feldes aufprallt ihn der Ball nach dem Aufprall wieder berührt der Ball oder der Spieler vor oder nach dem Aufprall die verbotene Zone betritt
Spielzeit Die Dauer eines offiziellen Tchoukballspiels ist 3 × 15 Minuten. Bei offenen Turnieren wird die Spieldauer meist verringert, ein Spielabschnitt dauert jedoch meist maximal 15 Minuten.
Mannschaften Eine Tchoukballmannschaft besteht aus maximal 12 Spielern, von denen in offiziellen Hallenspielen 7 auf dem Platz stehen, und 5 eingewechselt werden dürfen. Auswechselungen dürfen nur unmittelbar nach einem Punkt beider Mannschaften stattfinden, es gibt jedoch keine Begrenzungen für die Häufigkeit.
Schiedsrichter Für offizielle Wettkämpfe werden am Feld 3 Schiedsrichter benötigt. Je einer, der an seinem jeweiligen Frame steht, und einer, der an der langen Seite des Feldes dem Spiel folgt. Letzterer hat das Recht, die anderen beiden Schiedsrichter zu überstimmen.
Ballführung Wenn ein Spieler den Ball hält, ist sein Bewegungsspielraum begrenzt. Der Ball darf ab dem Moment des ersten Ballkontaktes drei Mal den Boden berühren. Wenn der Ball im Stehen gefangen wird, gilt dies als der erste Bodenkontakt. Wenn der Ball im Sprung gefangen wird und der Spieler mit beiden Füßen landet, gilt dies als zwei Bodenkontakte. Der Spieler darf den Ball nicht fallen lassen, und er hat für seine Aktion maximal 3 Sekunden Zeit. Innerhalb der Mannschaft darf der Ball nach dem Anwurf von der Grundlinie höchstens drei Mal zugespielt werden, bis ein Abschluss auf das Frame erfolgt. In einer ununterbrochenen Spielsituation darf der Abschluss außerdem maximal drei Mal nacheinander auf dasselbe Frame erfolgen.
Tchoukball im deutschsprachigen Raum Deutschland Seit 2010 gibt es eine offizielle Deutsche Tchoukball-Meisterschaft. Die Tchoukball-Abteilung des TuS Oeckinghausen in Halver dominierte lange die deutsche Liga, da hier diese Sportart wiederentdeckt wurde. Weitere Mannschaften entwickelten sich zeitgleich oder etwas später. Tchoukball wird heute vereinsorganisiert in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern gespielt. Am 9. Juli 2023 wurde Tchoukball in einem Kurzbeitrag im ZDF-Fernsehgarten einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.
Die beste Platzierung einer deutschen Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft erreichte das Team der M18 (Maximum 18 Jahre) männlich bei der Jugend-Weltmeisterschaft 2019 in Singapur (Platz 3).
Die beste Platzierung einer deutschen Nationalmannschaft bei einer Europameisterschaft erreichte das Team der M18 männlich bei der Jugend-Europameisterschaft 2018 in Castellanza (Platz 2).
Die beste Platzierung einer deutschen Nationalmannschaft im Erwachsenenbereich erreichte das Damen-Team bei der Europameisterschaft 2024 in Ferrara (Platz 3).
Jahr Austragungsort Deutscher MeisterListe auf tchoukball.de Platz 2 Platz 3 Platz 4 2010 Halver TB Halver M 1 TB Halver W TB Halver M 2 SG Urbich 2011 Weimar TB Halver M TB Halver W SG Pädagogik Jena ASC Weimar I 2012 Weimar TB Halver I TB Halver II TSV Zorneding I ASC Weimar I 2013 Erfurt Tchoukball Halver I Tchoukball Halver II ASC Weimar TSV Zorneding 2014 Weimar TuS Oeckinghausen I TuS Oeckinghausen II ASC Weimar TSV Zorneding 2015 Zorneding BTV Aachen TuS Oeckinghausen TSV Zorneding TuS Oeckinghausen U18 2016 Essen TuS Oeckinghausen I ASC Weimar I TSV Zorneding TuS Oeckinghausen II 2017 Weimar TuS Oeckinghausen ASC Weimar I Lenneper TG SG Urbich I 2018 Düsseldorf TuS Oeckinghausen I ASC Weimar I TBH Düsseldorf TuS Oeckinghausen II 2019 Erfurt TuS Oeckinghausen TBH Düsseldorf I ASC Weimar I ASC Weimar II 2020 Ausfall wegen Covid-19 2021 Ausfall wegen Covid-19 2022 Weimar Vikings Düsseldorf (TBH Düsseldorf I) ASC Weimar I TuS Oeckinghausen Lions Lennep (Remscheid) 2023 Düsseldorf Düsseldorf Vikings ASC Weimar I Lions Lennep (Remscheid) TuS Oeckinghausen 2024DM 2024 auf tchoukball.de Wuppertal Düsseldorf Vikings Lions Lennep TSV Zorneding Düsseldorf Lions2025Düsseldorf MD1 Düsseldorf MD2 Zorneding FinalsDüsseldorf VikingsTSV ZornedingLions LennepCTG Wuppertal 2026Düsseldorf MD1 Düsseldorf MD2 Remscheid Finals Düsseldorf VikingsASC Weimar
Schweiz Tchoukball wurde in der Schweiz entwickelt. Sie ist das Land mit der größten Tradition und der am besten organisierten Vereins- und Verbandsstruktur. Ebenso ist die Schweiz in der Ausbildung vorbildlich, denn Tchoukball ist im offiziellen Sportprogramm von „Jugend und Sport“ dabei und kann somit vorhandene Strukturen für die Trainerausbildung und für Kadertrainings der Nationalteams nutzen, aber auch für die Abhaltung zahlreicher internationaler Turniere. So fand auch das erste internationale Tchoukballspiel in der Schweiz statt. Genf war seit der Gründung 1970 bis zum Jahr 2009 Sitz des Internationalen Tchoukballverbandes.
Hier finden sich die meisten Tchoukball-Mannschaften innerhalb eines europäischen Landes. Zwar wird Tchoukball vorwiegend in der Romandie gespielt, jedoch gibt es inzwischen auch wieder Teams in der Deutschschweiz, das erste Deutschschweizer Team waren dabei die Wizards Sports aus Winterthur. Eine Meisterschaft gibt es im Land seit 1993 und wird vom Schweizerischen Tchoukball-Verband organisiert. Sie ist zurzeit in zwei Stärkeklassen unterteilt. Seit einigen Jahren gibt es auch den Schweizer Cup. Die Auslosung dazu erfolgte zuletzt im Rahmen des größten Tchoukball-Hallenturniers Europas, den Geneva Indoors. Die Geneva Indoors fanden 2019 bereits zum 23. Male statt.https://geneva-indoors.com/registrations-2019-2/
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