Casa Calvet ist ein von Antoni Gaudí entworfenes Gebäude im Stil des Modernisme, das sich in der Carrer de Casp 48 im Stadtviertel Eixample in Barcelona befindet. Das zwischen 1898 und 1900 für die Familie des Textilfabrikanten Pedro Mártir Calvet errichtete Wohn- und Geschäftshaus steht unter Denkmalschutz.
Lage Das Gebäude befindet sich in Barcelona im Viertel Eixample. Im Häuserblock zwischen der Carrer de Casp, Carrer del Bruc, Carrer d'Ausiàs Marc und Carrer de Roger de Llúria liegt das Haus Carrer de Casp 48 im Nordwesten. Die nächste Metrostation ist Urquinaona an den Linien L1 und L4.
Geschichte
Gaudi entwarf den Bau für eine Familie von Textilunternehmern. Es zählt zu seinen reifen Werken.
Der Bauantrag wurde am 29. März 1898 von der Witwe Juliana Pintó, Vertreterin der Rechtsnachfolger von Pedro Mártir Calvet, unterzeichnet. Diesem Antrag war die Fassadenansicht an der Carrer de Casp beigefügt. Die Adresse lautete damals Nr. 52 (im Oktober 1910 wurde sie auf die Nr. 48 geändert). Der Bauantrag wurden vom Stadtarchitekten mit Datum vom 25. Mai 1898 begutachtet. Bemängelt wurde, dass zwei Aufbauten der Fassade um vier Meter über die maximal zulässige Höhe von 22 Metern hinausragten. Später urteilte er, eine Überschreitung dieser Grenze sei möglich, sofern es sich um Giebel, Wappen, Statuen o. ä. handele, die ausschließlich zur Dekoration dienten. Der Leiter der Abteilung Negociado de Ensanche widersprach der Auffassung des Stadtarchitekten. Er vertrat die Ansicht, dass der angeführte Ausnahmefall für dies Baugrundstück nicht gelte. Gaudí und seine Bauherrin reichten am 24. November 1898 einen geänderten Detailplan des oberen Gebäudeabschlusses ein. Auf 22 Metern Fassadenhöhe war eine horizontale Schnittlinie in den ursprünglichen Entwurf eingearbeitet worden. Die Fassade war somit willkürlich gekürzt worden. Darauf wurde am 28. Dezember 1898 die Baugenehmigung erteilt.
Der Baubeginn erfolgte schon 1898, ohne dass eine Baugenehmigung vorlag. In der Bauakte befinden sich mehrere Baustoppverfügungen aus dem November und Dezember, die nicht befolgt wurden. Am 13. Januar 1899 wurde der Stadtbaumeister darüber informiert, dass die Arbeiten unter Einhaltung der Vorgaben seines Gutachtens vom 25. Mai 1898 durchgeführt würden. Gaudí führte die Straßenfassade somit nach dem ursprünglichen Entwurf aus. Das Haus wurde im Jahr 1900 eröffnet. An der Planung wirkten Gaudís damalige Mitarbeiter Francisco Berenguer, Juan Rubió und Juli Batllevell mit.
Das Casa Calvet erhielt trotz der Genehmigungsschwierigkeiten als einziges Gebäude Gaudís zu seinen Lebzeiten eine offizielle Auszeichnung. Im Jahre 1900 gewann er damit den ersten Preis beim jährlichen Architekturwettbewerb der Stadt Barcelona (Concurs anual d'edificis artístics).
Das Gebäude wurde 1995 restauriert. Für die Rückfassade war eine eingehende bauhistorische Untersuchung anhand erhaltener Fotografien notwendig. Diese stellten die einzige Informationsquelle über das ursprüngliche Erscheinungsbild dar. Die Fassade wies bauzeitlich Stuckarbeiten auf, die Trencadís-Mosaike imitierten, sowie Malereien in Form von Girlanden. Auch Monogramme auf der Fassade wurden wiederhergestellt. Fensterläden und Eisenelemente wurden mit traditionellen Verfahren restauriert.
Beschreibung
Architektur mini|links|Fassadenplanung 1898 Die Casa Calvet gilt als das konservativste Bauwerk Gaudis. Die Gestaltung ist für sein Schaffen eher untypisch. Nicht neuartige technische oder kompositorische Lösungen stehen im Vordergrund. Vielmehr wird das formale und dekorative Design mit traditionellen Handwerksmethoden sowie sorgfältiger Ausarbeitung jedes Details ausgewogen umgesetzt. Dennoch weist das Gebäude markante Elemente des Modernisme auf.
Die fünfgeschossige Blockrandbebauung diente als Wohn- und Geschäftshaus. Die Auftraggeber nutzten das erste Obergeschoss als Privatwohnsitz und richteten im Unter- sowie im Erdgeschoss die Geschäftsräume ein. Die oberen Stockwerke dienten als Mietwohnungen. mini|Grundriss Der Grundriss des Gebäudes entspricht einem zeittypischen Schema. Je zwei Wohnungen pro Geschoss werden vom Treppenhaus aus betreten und verlaufen über die gesamte Länge des Gebäudes von der Vorder- zur Rückfassade. Es gibt zentrale Lichtschächte neben dem Treppenhaus und Aufzug sowie zwei weitere seitliche Schächte zur Belüftung. Die Tragstruktur folgt einem üblichen System. Die Fassaden sind tragend ausgebildet.
Die symmetrische 5-achsige Natursteinfassade wurde aus Montjuïc-Sandstein errichtet. Die Erdgeschosszone unterscheidet sich von den darüber liegenden Geschossen durch großzügige Tür- und Fensteröffnungen. Die Fassade der Beletage verfügt über einen Erker mit gestalterischen Anleihen aus dem Neobarock. Die Steinreliefs und schmiedeeisernen Geländer erinnern an verschiedene Pilzarten. Dies ist eine Anspielung darauf, dass Calvet ein begeisterter Amateur-Mykologe war. Der Erker ist zudem mit dem Wappen Kataloniens, darüber dem Buchstaben „C“ und der Darstellung einer Zypresse als Symbol für Gastfreundschaft verziert. Über der zweiten und vierten Fensterachse, die im ersten bis zum fünften Obergeschoss Balkone aufweisen, wurden Giebel mit rundem Abschluss in barocker Anmutung angeordnet. Die Skulpturen am Fuß der Giebel stellen Genesius von Rom, Petrus von Verona und Genesius von Arles dar, den Namenspatron von Calvet und die Schutzheiligen von Vilassar, dem Heimatort der Familie Calvet.
Unter den Symbolen der Fassade stechen die schmiedeeisernen, kreuzförmigen Türklopfer heraus. Bei der Betätigung schlagen diese auf ein Element in Insektenform. Das Kreuz trifft somit auf ein Symbol für die Sünde.
Auf der Rückseite des Gebäudes wechseln sich Balkone mit Balustraden und Erker ab. Die Erker sind an den Brüstungen mit Malereien versehen, die das Monogramm „PMC“ für Pedro Mártir Calvet zeigen.
Die handwerkliche Ausführung Schmiedearbeiten erfolgte durch Lluís Badia und die Holzarbeiten fertigte Casas i Bardé.
Innenarchitektur Wie bei vielen seiner Bauwerke gestaltete Gaudí auch die Innenausstattung von den Wandverkleidungen bis zum Mobiliar. Die Stühle, Tische und weiteren Möbelstücke für die Geschäftszimmer gestaltete er organisch aus Eichenholz. Die Form, Struktur und Funktionalität folgten den Prinzipien der Ergonomie. Die Eingangshalle des Gebäudes ist mit Einbaubänken und Spiegeln ausgestattet. Die Räume der Beletage waren mit vergoldeten, grün gepolsterten Ensembles möbliert. Die Möbelgarnituren wurde 1901 in der Werkstatt Casas i Bardés hergestellt. Für die ergonomische Gestaltung der Beschläge, Türspione und Türgriffe nutzte Gaudí Abdrücke seiner eigenen Hände. Einige Ausstattungsgegenstände werden im Museum des Casa Batlló ausgestellt.
Denkmalschutz Mit Dekret vom 24. Juli 1969 (BOE vom 20. August 1969) wurde die Casa Calvet als Kulturgut von nationalem Interesse ausgewiesen. Laut Beschluss vom 4. Dezember 2007, veröffentlicht am 31. Januar 2008 wurde eine Schutzzone um das Denkmal herum ausgewiesen, um städtebauliche Wechselwirkungen steuern zu können. Das Haus ist, im Gegensatz zum Park Güell, Palau Güell, Casa Milà, Casa Vicens, Gaudís Arbeit an der Fassade und der Krypta der Sagrada Familia, Casa Batlló und der Krypta in Colonia Güell, nicht Teil der UNESCO-Welterbeliste. Literatur
Joan Bergós i Massó/Joan Bassegoda i Nonell/Maria A. Crippa: Gaudí. Der Mensch und das Werk. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2000, ISBN 3-7757-0950-9. Xavier Güell: Antoni Gaudí. Verlag für Architektur Artemis, Zürich 1987, ISBN 3-7608-8121-1.
Weblinks
weitere Informationen und Fotos (in engl.) Hintergründe und Fotos (in engl.)
Einzelnachweise
Kategorie:Eixample Kategorie:Bauwerk des Jugendstils in Barcelona Kategorie:Kulturdenkmal in Barcelona Kategorie:Modernisme Kategorie:Antoni Gaudí Kategorie:Erbaut 1904 Kategorie:Wohngebäude in Spanien