mini|Aussicht über das Bargerveen mini|Hochmoor im Emsland (Renaturierungsfläche) mini|Torfmoos ist in sauren Hochmooren die wichtigste torfbildende Pflanze
Der Internationale Naturpark Bourtanger Moor-Veenland ist ein 2006 gegründeter Naturpark im Westen des deutschen Bundeslandes Niedersachsen sowie im Nordosten der Niederlande. Er erstreckt sich über Teile der niedersächsischen Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim sowie über Teile der niederländischen Provinz Drenthe und ist bei dünner Besiedlung von Mooren, Heideflächen, Wasserflächen und Kanälen sowie von Landwirtschaft, Wäldern und Torfabbau geprägt. Zudem sind bis heute einige Ölförderanlagen in Betrieb. 2023 wurde das Naturpark-Areal um das Emstal bei Geeste und Meppen erweitert. Eine weitere geläufige Bezeichnung lautet Internationaler Naturpark Moor.
Träger des Naturparks ist ein Verein, in dem neben der Provinz Drenthe und den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim auch die einzelnen Gemeinden aktiv sind. Die Ziele des Vereins sind – neben der Erhaltung der Natur- und Kulturlandschaft – die nachhaltige Regionalentwicklung und die Steigerung der Lebensqualität in der Region. Schwerpunkte sind dabei die Umweltbildung und der nachhaltige Tourismus. So wurde das grenzüberschreitende Rad- und Wanderwegenetz in den Niederlanden und in Deutschland einheitlich beschildert. Zudem wurden die Info- und Erlebnisangebote der acht Naturpark-Anlaufstellen beiderseits der Grenze, der sogenannten Moorpforten, vernetzt und erweitert, Naturpark-Schulen wurden in Kooperation mit dem Verband Deutscher Naturparke zertifiziert und es gab Projekte zum Wassermanagement in der Grenzregion, um Erhalt und Renaturierung von Mooren zu sichern. Unterstützt wird der Naturpark durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), durch den Europäischen Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und durch das Land Niedersachsen.
Geographie Der insgesamt 216,8 km² große Naturpark umfasst den südlichen Teil des ehemals rund 1.200 km² großen Bourtanger Moores westlich der Ems und beiderseits der deutsch-niederländischen Grenze. Bis zu seiner Kultivierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts war es das größte zusammenhängende Hochmoor Mitteleuropas. Der niederländische Teil des Naturparks Moor heißt Bargerveen und ist rund 26 km² groß. Twist ist die einzige Gemeinde, die vollständig innerhalb des Naturparkgebietes liegt.
Landschaftsbild Der Charakter einer Moorlandschaft ist vielerorts im Naturpark erhalten, auch wenn Menschen die Region seit Mitte des 19. Jahrhunderts stark veränderten. Neben ursprünglichen und renaturierten Hochmooren gibt es vor allem Wälder, Heide, Äcker und Weiden. Da die unterschiedlichen Natur- und Kulturflächen vielerorts durch die typisch schnurgeraden Entwässerungskanäle getrennt sind, entsteht der Eindruck eines kleinteiligen Landschafts-Mosaiks. Charakteristisch sind zudem die langgestreckten Siedlungen, die entlang der Kanäle wuchsen, sowie die weiten, vollkommen ebenen Moorflächen, auf denen weder Baum noch Strauch den Blick verstellen.
Erdgeschichtliche Entwicklung Als vor rund 11.600 Jahren die Weichsel-Eiszeit endete, taute nach mehr als 100.000 Jahren das Eis. In der Folge entstand erstens durch starke Winde auf der Grundmoräne eine bis zu anderthalb Meter mächtige Flugsanddecke. Auf diesem Boden wuchsen später die Wälder des Emslands. Zweitens bildeten sich zahlreiche Schmelzwasser-Seen in den Senken. Zu den ersten Pflanzen an diesen Gewässern gehörten Schilf und andere Röhricht-Gewächse. Deren Reste zersetzten sich im Seewasser unter Sauerstoffabschluss nur unvollständig. So entstand zunächst Niedermoortorf, auf dem dann Torfmoose in die Höhe wuchsen. Die unteren Teile dieser Pflanze sterben Jahr für Jahr ab und bilden im jetzt sauren, sauerstoff- und nährstoffarmen Milieu Hochmoortorf, das so um rund einen Millimeter pro Jahr wächst.
Flora und Fauna Im Internationalen Naturpark Moor liegen verschiedene ökologische und hydrologische Moortypen vor, die teilweise von Wald, Heide oder Ackerland begrenzt werden. In dieser großenteils nährstoffarmen Landschaft existieren verschiedene hochspezialisierte und daher gefährdete Arten: u. a. die Ringelnatter (Natrix natrix), die Kreuzotter (Vipera berus), die Waldeidechse (Zootoca vivipara), der Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus) und die Sumpfohreule (Asio flammeus) sowie Torfmoosrasen, das Schmalblättrige Wollgras (Eriophorum angustifolium) und der Sonnentau (Drosera). Mehr als 280 Vogelarten sind im Naturpark Moor heimisch, der zudem eine wichtige Raststation für zahlreiche Zugvogelarten ist.
Lebensräume und Schutzgebiete Naturschutzgebiete nehmen rund 45 % der Parkfläche ein. Das größte davon ist mit 2.500 Hektar das Natura 2000-Gebiet Bargerveen. Bereits Ende der 1960er Jahre, nachdem das Hochmoor abgetorft war, begann die niederländische Forstverwaltung mit der Wiedervernässung des heutigen Naturschutzgebietes Bargerveen, das im Rahmen der Europäischen Vogelschutzrichtlinie zum speziellen Schutzgebiet ernannt und zum wichtigen Feuchtgebiet erklärt wurde. Neben weiten Wasserflächen und renaturierten Mooren gehört zum Schutzgebiet auch eine 700 Hektar große feuchte Heidefläche, deren hoher Grundwasserspiegel eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der angrenzenden Hochmoore spielt.
Im Rahmen des EU-Förderprojekts Grenzenlos Moor wurde hier der Schafstall errichtet, der beides ist: Ausflugsziel und Herzstück der Bemühungen um den Erhalt dieser reiz- und wertvollen Heidelandschaft. Rund 1.000 Schafe und etwa 100 Rinder weiden auf der Fläche und verhindern so ein Zuwachsen mit Bäumen und Sträuchern.
Das 1.580 Hektar große Dalum-Wietmarscher Moor ist ebenfalls ein EU-Vogelschutzgebiet, in dem vor allem Wiesen- und Watvögel wie Kiebitz und Rotschenkel brüten. Abgetorfte und wiedervernässte Flächen bilden den fast vegetationslosen Kern des Schutzgebiets. An seinen Rändern gibt es sowohl feuchte Standorte als auch Grünlandbiotope und unterschiedliche Heidelandschaften, die ebenfalls von Schafen baumfrei gehalten werden.
Auch das Naturschutzgebiet Rühler Moor (708 Hektar) zeigt die typische Biotop-Vielfalt eines Moorgebiets, in dem jahrzehntelang und noch bis 2023 Torf abgebaut wurde und wird. Unterschiedliche Renaturierungsmaßnahmen sorgen für einen hohen Wasserstand, so dass sich in überstauten und nassen Bereichen neues Moor entwickeln kann. Prägend sind zudem unterschiedlich dichte Gehölze aus Moorbirke (Betula pubescens) und Waldkiefer (Pinus sylvestris).
Bis 2023 wurde auch in den Naturschutzgebieten Provinzialmoor (530 Hektar) und Wesuweer Moor (409 Hektar) Torf abgebaut. Parallel begann auch hier eine Renaturierung. Zudem lassen sich Flächen mit naturnahem Hochmoor, Wollgras- und Heideflächen sowie kleinere Lärchenwälder und Laubwald-Jungbestände entdecken.
Weitere Naturschutzgebiete sind das Geestmoor (260 Hektar), das Südliche Versener Moor (112 Hektar), der Versener Heidesee (40 Hektar), die Hengstkampkuhlen (40 Hektar) und der Meerkolk (34 Hektar).
Geschichte Erste Jäger und Sammler kamen nach dem Ende der Kaltzeit ins Emsland: Ein rund 10.000 Jahre alter Faustkeil, der bei Torfarbeiten in Twist gefundenen wurde, gilt als ältester Beweis für menschliches Leben in der Region. Die großen Moore standen zu dieser Zeit noch am Anfang ihres Wachstums. Ihre Ausbreitung machte immer größere Landstriche so unwegsam, dass sie über das Mittelalter hinaus unbewohnt blieben. Lediglich an den Rändern des Moores wurde Torf gestochen, der als Brennstoff begehrt war.
Frühe Neuzeit Die systematische Kolonisierung des Bourtanger Moores setzte erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein: An seinem Nordrand wurden 1599 Oude Pekela und 1630 weiter östlich Papenburg als Fehnkolonien gegründet.
Im Bereich des heutigen Naturparks Moor begann die Kultivierung in großem Stil erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Zuvor gab es lediglich räumlich eng begrenzte Versuche, den Boden durch Moorbrandkultur nutzbar zu machen: Nach oberflächlicher Entwässerung wurden Hochmoor-Flächen in Brand gesetzt; in der Asche gediehen Buchweizen, Weizen, Hafer und Kartoffeln. Spätestens im siebten Jahr jedoch waren die Böden ausgelaugt.
Nachhaltiger war die Fehnkultur. Dabei legte man zunächst Kanäle an, die dem Boden erstens das Wasser entzogen und auf denen sich zweitens mit Kähnen der Torf abtransportieren ließ. Die abgetorften Flächen wurden dann mit Schlick aus den Flüssen aufgefüllt. Dass diese Art der Kolonisierung mühsam war und erst in der Enkel-Generation gute Erträge abwarf, fasst dieses in der Region geflügelte Wort zusammen: „Dem Ersten der Tod, dem Zweiten die Not, dem Dritten das Brot“.
19. und 20. Jahrhundert Die Nutzung von Mineraldünger (Guano) ab etwa 1880 ermöglichte die Deutsche Hochmoorkultur: Nach Entwässerung der obersten Moorschicht wurde die Vegetation beseitigt, dann der Boden gedüngt, so dass eine großflächige und intensive Landwirtschaft entstehen konnte. Auf Dauer jedoch schwand auch bei diesem Verfahren die Bodenqualität.
Während der NS-Diktatur befanden sich sechs der insgesamt 15 Emslandlager auf dem Gebiet des heutigen Naturparks Moor. Die alten Lagerfriedhöfe in Wesuwe, Versen, Fullen, Groß Hesepe, Dalum und Wietmarschen erinnern daran, dass hier Tausende von Menschen vieler Nationalitäten unter den unmenschlichen Bedingungen von Haft, Gefangenschaft und Zwangsarbeit in den Mooren litten und ihr Leben verloren.
In den 1950er Jahren begann mit staatlicher Förderung die Umsetzung des Emslandplans. Dessen zentrales Projekt: Nach der Entwässerung großer Moorflächen rissen mit Dampfkraft betriebene Tief-Pflüge das Moor bis zu zwei Meter tief auf, so dass sich der Torf mit dem Sand aus der Tiefe vermischte. So stiegen die landwirtschaftlichen Erträge deutlich und dauerhaft, weite Moorflächen jedoch gingen verloren.
Eine weitere wichtige Rolle beim wirtschaftlichen Aufschwung im Emsland spielte die Erdöl- und Erdgasförderung. Entdeckt wurden die Lagerstätten bereits 1938, die Förderung setzte jedoch erst während der 1950er Jahre ein und dauert bis heute an. Vor allem rund um Twist sind noch einige typische Fördermaschinen, die „Kopfnicker“, aktiv.
In den Niederlanden setzte bereits in den 1960er Jahren ein Umdenken ein, und der Torfabbau wurde eingestellt. Im heutigen Naturreservat Bargerveen mit seinen ursprünglichen bzw. renaturierten Mooren schüttete man Entwässerungsgräben zu und errichtete 40 km lange Dämme, um große Flächen wieder zu vernässen – mit Erfolg: Das Moor begann aufs Neue zu wachsen. Im Rahmen des EU-Förderprojekts Grenzenlos Moor entstand 2018 ein weiterer, rund 1,6 Kilometer langer Damm nahe der deutsch-niederländischen Grenze. Zusammen mit einer 65 Hektar großen Pufferzone samt Auffangbecken am Nordrand des Bargerveen sichert er den Erfolg der Moor-Renaturierung langfristig. Zugleich wird so das Risiko einer Überschwemmung in umliegenden Siedlungsgebieten und auf landwirtschaftlichen Flächen verhindert.
Auf deutscher Seite laufen erst seit den 1990er Jahren Trockenlegungs- und Kultivierungsmaßnahmen aus, so dass hier auf wiedervernässten Flächen noch ein recht frühes Stadium des Moorwachstums zu sehen ist. Der Torfabbau, den es nur noch auf kleinen Flächen gibt, endet in wenigen Jahren.
Der Rote Franz Im Sommer 1900 wurde im Bourtanger Moor bei Meppen-Versen eine mittlerweile etwa 1700 Jahre alte Moorleiche gefunden. Sie erhielt den Namen „Der Rote Franz“, da biologisch-chemische Vorgänge das Haar der männlichen Moorleiche im Morastwasser rotbraun färbten. Neue Untersuchungen haben gezeigt, dass der Mann ein Reiterkrieger war und durch einen Kehlschnitt starb. Der Rote Franz befindet sich heute im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover.
Naturpark-Anlaufstellen Die Geschichte sowie die Flora und Fauna der unterschiedlichen Natur- und Kulturlandschaften machen acht Naturpark-Anlaufstellen anschaulich. Fünf dieser Moorpforten gibt es auf niederländischer, drei auf deutscher Seite.