mini|Torhaus von Haus Thüle Thüle ist eine der ältesten Ortschaften der Stadt Salzkotten im Kreis Paderborn, Nordrhein-Westfalen. Die Ortschaft umfasst eine Fläche von 14,58 km² und hat 2043 Einwohner (Stand 31. Dezember 2022).

Ortsname Zur Zeit der Ersterwähnung wurde der Ort „Tiuhili“ genannt. Daraus haben sich der heutige hochdeutsche Name „Thüle“ und der niederdeutsche Name „Thuile“ entwickelt. Über die Etymologie des Namens besteht keine Einigkeit.Klemens Honselmann: Die alten Mönchslisten und die Traditionen von Corvey. (= Abhandlungen zur Corveyer Geschichtsschreibung. Band 6), Paderborn 1982, S. 104. Heimatverein Thüle, Barbara Meyer [Hrsg] Thüle – ein Ort im Wandel der Zeit. Heimatbuch zum 1150jährigen Ortsjubiläum. Paderborn 2006, S. 31 ff.

Geographie

Geographische Lage Thüle liegt im Übergang von östlichem Hellwegraum zur Lippeniederung.Landkreis Büren [Hrsg.] 150 Jahre Landkreis Büren. Paderborn 1966, S. 7–11. Vgl. Schulamt für den Kreis Paderborn (Hg.): Entdeckungsreise durch den Kreis Paderborn - Ein Heimat- und Sachbuch für die Grundschule. Paderborn 1992, S. 25. Laut der heute meist benutzten Einteilung im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands liegt der Westen des Ortes in der Untereinheit 540.20 Obere Lippetalung, die zu der Teileinheit 540.2 Ostmünsterländer Sande, der Haupteinheit 540 Ostmünsterland und der Haupteinheitengruppe 54 Westfälische Bucht gehört. Der Osten des Orts liegt demnach in der Untereinheit 542.13 Geseker Unterbörde, die zu der Teileinheit 542.1 Unterer Hellweg, der Haupteinheit 542 Hellwegbörden und der Haupteinheitengruppe 54 Westfälische Bucht gehört. Die Grenze verläuft in einem Bogen vom Gut Wandschicht durch das Haslei im Süden des Ortes zur Kreuzung Laurentiusstraße – Thüler Straße, bis zur Einmündung der Eschenstraße östlich der Thüler Straße, von dort durch das Nordfeld zum Weg südlich des Hofes Nordhoff und von dort entlang des Weges zur Scharmeder Grenze.Sofie Meisel: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 98. Detmold. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1959.

Ortsgebiet Das Ortsgebiet des Dorfes umfasst eine Fläche von 14,58 km² mit einer West-Ost-Ausdehnung von 4,658 km und einer Nord-Süd-Ausdehnung von 4,749 km.

+Messpunkte des Höhenniveaus über NN in ThüleHeimatverein Thüle, Barbara Meyer [Hrsg] Thüle – ein Dorf im Wandel der Zeit. Heimatbuch zum 1150jährigen Ortsjubiläum. Paderborn 2006, S. 13.MesspunktHöhe über NNKirche97,735 mGaststätte Lohre94,780 mThüler Str. bei Weber92,493 m

Im Süden wird der Rand des Hellwegraums überwiegend als Ackerland genutzt, während im Nordwesten das Grünland überwiegt. Der Glockenpohl genannte Wald im Norden des Ortes stellt das größte zusammenhängende Waldgebiet im Bereich der Oberen Lippeniederung dar. Dazu kommen mehrere kleinere Gehölze, zumeist Buchen-Eichen- oder Eichen-Birkenwälder und Baumbestände entlang von Gewässern und Wegen. Auch das Ortsbild selbst wird von hochaufragenden Bäumen sowie dem Wald um Haus Thüle bestimmt. Im Westen des Ortes befinden sich ehemalige Torfflächen, während weiter südlich der Thüler Moorkomplex als Kalkflachmoor mit seinen Feuchtwiesen unter Schutz steht. Im Norden des Ortes sollen an der Gunne in den Gunnewiesen Erlenbruchwald und Auwaldreste geschützt werden. Die letzte der im Norden des Ortes auf Podsol entstandenen Heideflächen wurde in den 70er Jahren in Ackerland umgewandelt.Heimatverein Thüle, Barbara Meyer [Hrsg] Thüle – ein Dorf im Wandel der Zeit. Heimatbuch zum 1150jährigen Ortsjubiläum. Paderborn 2006, S. 13–18.

Gewässer An Bächen sind Gunne, der auch Erlenbach oder Thüler Bike genannte Ellerbach, Delle, Liemeke und Benker Bach zu nennen. Die Delle mündet in den Ellerbach, der in die Gunne mündet, die in Boke in die Lippe mündet. Die Liemeke mündet ebenfalls in die Gunne. Der Benker Bach mündet in Verne in die Heder. Diesen Bächen sind einige Quellteiche zuzurechnen. Von Menschenhand wurden, gespeist vom Ellerbach, die Gräfte um Haus Thüle und der Mühlteich angelegt. Nördlich des Ortes findet sich ein kleiner Baggersee. An verschiedenen Stellen wurden Blänken neu angelegt. Verschwunden sind die Glockenpöhle und Röthekuhlen in dem Wald nördlich des Ortes und ein dort als Biotop angelegter Teich.Heimatverein Thüle, Barbara Meyer [Hrsg] Thüle – ein Dorf im Wandel der Zeit. Heimatbuch zum 1150jährigen Ortsjubiläum. Paderborn 2006, S. 13–18.

Nachbarorte Boke Anreppen Bentfeld Schwelle Datei:Windrose klein.svg Scharmede Verne Salzkotten Beginnend im Westen grenzt Thüle im Uhrzeigersinn an die Delbrücker Stadtteile Boke, Anreppen und Bentfeld, sowie die Salzkottener Stadtteile Scharmede, Salzkotten, Verne und Schwelle. Diese Orte gehören alle dem Kreis Paderborn an.Geographische Kommission für Westfalen (Hg.): Geographisch-Landeskundlicher Atlas von Westfalen, Themenbereich X Administration und Verwaltung, Doppelblatt staatliche und kommunale Verwaltungsgliederung, Münster 1990. Vgl. Gerhard Henkel: Geschichte und Geographie des Kreises Büren. Paderborn 1974, S. 101 f und Kartenbeilage.

Geologie Im Bereich von Hellwegraum und Lippeniederung entstanden in der Kreidezeit Kalk- und Mergelstein als Sediment in Meeren. In der Eiszeit entstanden dann unter Gletschern und Inlandeis Grundmoränen, die hier über den genannten Gesteinen als Geschiebemergel und Kies erscheinen. Später lagerte der Wind hierüber an verschiedenen Stellen Löss und Sand ab. Die Thüler Böden bilden einen Übergang zur fruchtbaren Hellwegbörde, wobei die Braunerde stellenweise unterschiedlich aus Sand, Sandlöss, Verwitterungslehmen von Kalkschotter und Geschiebemergel zusammengesetzt ist.

In der Lippeniederung wurde durch die Lippe zusätzlich Sand und Kies aus der Senne herangeführt. Im Bereich von Flüssen und Bächen kam es auch zu alluvialen Ablagerungen und auch die Moore entstanden im Holozän. Durch den Wind wurde der Sand zu Dünen wie dem Thüler Emmersberg geformt, die heute weitgehend abgebaut sind. Aus den Sanden entstand Podsol, bei dem eine Ortsteinschicht das Wurzelwachstum behindert.Gerhard Henkel: Geschichte und Geographie des Kreises Büren. Paderborn 1974, S. 19–24, 59 f, 65.

Klima Thüle gehört wie Ostwestfalen-Lippe insgesamt zum ozeanischen Klimabereich Nordwestdeutschlands, dem es geringe Temperaturgegensätze und milde Winter verdankt. Allerdings sind schon kontinentale Einflüsse wirksam. So liegt die Temperatur im Sommer höher und die Nächte sind kühler als in größerer Nähe zur Küste. An der Abmilderung der Niederschlagsmenge und der höheren Zahl an Sonnentagen sind allerdings auch die umliegenden Mittelgebirge beteiligt.Gerhard Henkel: Geschichte und Geographie des Kreises Büren. Paderborn 1974, S. 24 f.

Die mittlere Jahresniederschlagsmenge (30-jähriges Mittel) beträgt 750 mm, die Jahresdurchschnittstemperatur 8,5 °C.Stadt Salzkotten, Detlef Grothmann [Hrsg] 750 Jahre Stadt Salzkotten – Geschichte einer westfälischen Stadt. (= Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte. Band 32) Paderborn 1996, S. 583.

Geschichte

Vor- und Frühgeschichte Der Wohnplatz von Thüle wurde in der Altsteinzeit als Lagerplatz und in der Frühen Kaiserzeit durch Germanen als Siedlungsplatz genutzt. Auch die dazwischen liegenden Perioden hinterließen Spuren in der Ortschaft. Keramikscherben der Trichterbecherkultur und Steinwerkzeug aus der Jungsteinzeit, Grabhügel der Mittleren Bronzezeit und Keramikscherben sowie Gräber aus der Vorrömischen Eisenzeit stellen allerdings keine große Fundmenge dar.Andreas Haasis-Berner: 7000 Jahre Salzkotten – Besiedlungsgeschichte einer Region am Hellweg. Münster 2003, S. 211 f. Stadt Salzkotten, Detlef Grothmann [Hrsg] 750 Jahre Stadt Salzkotten – Geschichte einer westfälischen Stadt. (= Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte. Band 32), Paderborn 1996, S. 33–38, 563 ff.

Erste Erwähnung Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus den Jahren 826 bis 856 und besagt, dass ein Graf Bardo, vermutlich ein Bardone, seine Güter im Ort dem Kloster Corvey übertrug.Klemens Honselmann: Die alten Mönchslisten und die Traditionen von Corvey. (= Abhandlungen zur Corveyer Geschichtsschreibung Band 6), Paderborn 1982, S. 104.

Kirche Der Kirchturm der St. Laurentius Pfarrkirche soll um 1020 errichtet worden sein, das im Nordschiff erhaltene romanische Kirchenschiff um 1200. Ein Taufbecken kann in das 13. Jahrhundert datiert werden.

1355 wird die Pfarrei Thüle zuerst erwähnt, 1437 das Pfarrhaus, das 1572 neu errichtet wird und 1574 ist mit Konrad Smedt erstmals ein Thüler Pfarrer namentlich bezeugt. Durchgehend sind die Namen ab 1637 bekannt.

Am 12. Juli 1591 wurde der Thüler Pfarrer wegen Zauberei mit dem Schwert hingerichtet. Ob eine 1629 und 1631 von den Bewohnern geforderte Hexenverfolgung stattfand, wird bezweifelt.

1664 wurde die heute noch erhaltene Bauernglocke gegossen und 1697 wurde eine Orgel angeschafft. 1716 zahlte Eberhard von Alten eine Erweiterung der Kirche und stiftete in den folgenden Jahren eine neue Ausstattung mit Altären, Kanzel, Ambo und Paramenten.

1726 kam es mit der Pfarrei Boke zum Streit, ob die Thüler Gemeinde eine Pfarrgemeinde oder eine Boker Vikarie sei. Das Offizialgericht bestätigte den Status einer Pfarrgemeinde. Zur Absicherung von Ansprüchen wurde daher 1727 die Pfarrchronik mit einem Rückblick bis 1637 angelegt.Heimatverein Thüle, Barbara Meyer [Hrsg] Thüle – ein Dorf im Wandel der Zeit. Heimatbuch zum 1150jährigen Ortsjubiläum. Paderborn 2006, S. 94–110, Stadt Salzkotten, Detlef Grothmann [Hrsg] 750 Jahre Stadt Salzkotten – Geschichte einer westfälischen Stadt. (= Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte. Band 32), Paderborn 1996, S. 576 f, 701 f.

Adelssitz und Grundherrschaft Im Mittelalter war das 1626 ausgestorbene Ministerialengeschlecht von Thüle im Ort ansässig. Durch Kauf und Erbfolge ging der Großteil deren Besitzes im Ort über die Herren von Hörde zu Boke an das Geschlecht von Alten über.

Haus Thüle und weitere Güter waren Lehen, mit denen die genannten Geschlechter von den Edelherren zur Lippe belehnt wurden. Weitere Lehnsherren der Herren von Thüle waren die Grafen von Rietberg, die Herren von Verne und von Oeynhausen.

1841 kaufte Ernst August I., König von Hannover Haus Thüle und 1848 erwarb Wilderich Freiherr von Ketteler das Rittergut. Zum 1. Oktober 1965 erfolgte der Verkauf des Gutes an Georg Ferdinand von und zu Brenken, dem heutigen Besitzer. Josef Tönsmeyer: Das Lippeamt Boke. Salzkotten 1968, S. 428 ff, S. 437–441. Heimatverein Thüle, Barbara Meyer [Hrsg] Thüle – ein Dorf im Wandel der Zeit. Heimatbuch zum 1150jährigen Ortsjubiläum. Paderborn 2006, S. 134.

Weitere Grundherren waren der Bischof von Paderborn, das Domkapitel Paderborn, Abdinghofkloster und Busdorfstift in Paderborn, das Damenstift Geseke, die Herren von Schilder, von Verne, von Drewer, von Graffeln, von Oeynhausen, von Krevet und als weitere Erben der Herren von Hörde zu Boke die Freiherren von Fürstenberg.Josef Tönsmeyer: Das Lippeamt Boke. S. 428 ff, 446. Heimatverein Thüle, Barbara Meyer [Hrsg] Thüle – ein Dorf im Wandel der Zeit. Heimatbuch zum 1150jährigen Ortsjubiläum. Paderborn 2006, S. 36–39.

Herrschaft, Gemeinheit und Obrigkeit