mini|hochkant|Infotafel
Der Volkspark Raderthal in Köln ist eine Parkanlage in der Linie des Grünzugs Süd, der den Inneren Grüngürtel im Süden Kölns mit dem Äußeren Grüngürtel verbindet. Der Volkspark liegt zwischen der Brühler und der Bonner Straße und grenzt im Süden an den Militärring. Er gehört damit noch zum Gebiet des äußeren Kölner Grüngürtels.
Entstehung Der Park wurde in den Jahren 1922/1926 vom damaligen Kölner Gartenbaudirektor Fritz Encke auf dem Gelände des ehemaligen Friedenspulvermagazins des Festungsrings Köln im Stadtteil Köln-Raderthal, jetzt zum Stadtbezirk Köln-Rodenkirchen gehörig, angelegt. Wichtig war damals die Idee des sozialen Grüns, ein Volkspark für weite Bevölkerungsschichten mit Spiel- und Lagerplätzen sowie einem in einen Rundtempel eingegliederten Brunnen.
1927 wurde der Rundfunksender Köln-Raderthal im Park anstelle der geplanten Kaffeewirtschaft aufgebaut und bis 1932 betrieben. Ein ebenfalls geplantes „Volkshaus“ am Haupteingang an der Nordseite des Parks wurde aus finanziellen Gründen nicht verwirklicht.
Charakteristische Besonderheiten mini|Fritz Enckes Planzeichnung des Volksparks Köln-Raderthal vom November 1923. „Der neuzeitliche Volkspark kann sämtliche der Erholung und Betätigung im Freien dienenden Einrichtungen vereinen. Er muss so gestaltet sein, dass ein möglichst großer Teil der Grundfläche in irgendeiner Weise von den Besuchern wirklich benutzt werden kann“, schrieb Encke 1926 in einem Lexikonbeitrag.Fritz Encke: Volkspark. In: Illustriertes Gartenbau-Lexikon. 4. Aufl. Bd. 2, Berlin 1926/1927, S. 666. Der von ihm im November 1923 gezeichnete Lageplan des Volksparks RaderthalOriginal im Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin, Inv. Nr. IGG 0990. weist die wie folgt nummerierten Besonderheiten aus: 1. Volkshaus (nicht verwirklicht), 2. zwei Blumengärten (der westliche heute weitgehend überbaut), 3. Volkswiese, 4. zwei Spielplätze für kleine Kinder (beide der Bebauung geopfert; heute: ein neuer Spielplatz auf der Fläche der Volkswiese), 5. Tanzplatz (Reigenplatz), 6. Lesegarten, 7. Naturtheater, 8. großer Sandspielplatz (heute überbaut), 9. großes Planschbecken (heute überbaut), 10. Kaffeewirtschaft (zugunsten des Rundfunksenders nicht verwirklicht), 11. Wohnungen für Beamte und Arbeiter (Außenbereich), 12. Kleingärten (Außenbereich, heute meist überbaut). Da Encke auch die kulturelle Bildung zu den Aufgaben eines Volksparks zählte, schuf er in Raderthal als „benutzbare“ Parkflächen auch ein Naturtheater, einen Reigenplatz und einen Lesegarten. Gerade diese stellen für den Fritz-Encke-Volkspark ein „Alleinstellungsmerkmal“ von überregionaler Bedeutung dar.
Die Blumengärten mini|hochkant|Staudengärten Fritz Encke hatte seinen Volkspark – „in einer Großstadt, in der nur ganz wenig Menschen einen Garten beim Hause oder in dessen Nähe besitzen“Fritz Encke: Ein Volkspark. In: Denkschrift zum 100jährigen Bestehen der Höheren Gärtnerlehranstalt Berlin-Dahlem, früher Wildpark. Frankfurt/O. 1924, S. 220. – im Eingangsbereich mit zwei Blumengärten ausgestattet. Diese zeigten „in farbenfrohem Durcheinander“ eine „üppige Blumenwildnis“.Fritz Encke: Ein Volkspark, S. 222. Für seine Absicht, „den Parkbesuchern in etwas die Reize des Hausgartens zu ersetzen“, war es dabei „gleichgültig, ob die Blumen Rosen oder die Blüten von Baum und Strauch, oder ob sie einjährige oder ausdauernde Kräuter“ sind.
Mit den Blumengärten wollte Encke „für die vielen nach Ruhe und intimerer Gartenfreude Dürstenden kleine, behagliche Räume mit reichem Blumenschmuck und vielen Sitzgelegenheiten“Fritz Encke: Ein Volkspark, S. 222. schaffen. Durch die Einteilung in Beete und Abtrennung durch Hecken entstanden in den beiden Blumengärten insgesamt „zwölf Sondergärten von behaglicher Größe, die in Gruppen von je dreien vereinigt sind“ mit einem durchgehenden Mittelweg für einen „Rundgang durch alle Blumenräume“, darunter zwei Steingärten „für die meist polsterbildenden Alpenpflanzen“.Fritz Encke: Ein Volkspark, S. 222. (Setzfehler in der Quelle: "Algenpflanzen"). Bei diesen wurde der Weg einen halben Meter vertieft angelegt, so dass die auf den dort angebrachten Rundbänken Sitzenden sich „mit dem Auge fast in gleicher Höhe mit den blumigen Steinbeeten“Fritz Encke: Ein Volkspark, S. 224. befanden.
Fritz Encke hat versucht, „die Gartenlaube und den gerade für eine Familie ausreichenden Sitzplatz des Hausgartens“Fritz Encke: Ein Volkspark, S. 225. in die Blumengärten des Volksparks zu integrieren: „Etwa drei Meter im Quadrat umfassende Plätzchen, durch Hecken oder Zäune abgegrenzt, zum Teil auch laubenartig gestaltet, […] auf schmalen Pfaden zugängig. In der Mitte steht ein kleiner feststehender Tisch, darum stehen vier bis sechs Stühle. […] Die beiden Gärten enthalten über fünfzig solcher intimen Ruheplätze, so dass etwa dreihundert Personen wie im Hausgarten in kleinen Gruppen Platz finden können mitten in Blumen.“Fritz Encke: Ein Volkspark, S. 225.
Das Naturtheater mini|Das Naturtheater in der Vogelperspektive, Zeichnung von Fritz Encke November 1923 „Die Bühne wird von Baumwänden umschlossen, deren unbeschnittene Wipfel in den Bühnenraum hineinragen sollen. Die Kulissen sind Heckenwände. Die Sitzreihen des ansteigenden Zuschauerraums sind aus Rasen gebildet, auf dem später Bank- oder Stuhlreihen aufgestellt werden können. Zwischen Bühne und Zuschauerraum ist ein vertiefter Orchesterraum angebracht. Oberhalb der Sitzreihen ist ein geräumiges ‚Foyer‘ geschaffen.“Fritz Encke: Ein Volkspark. In: Denkschrift zum 100jährigen Bestehen der Höheren Gärtnerlehranstalt Berlin-Dahlem, früher Wildpark. Frankfurt/O. 1924, S. 214–225, hier S. 219.
Bespielt wurde das Theater bis zum Zweiten Weltkrieg von der Raderthaler Volksbühne; ab den 1950er Jahren wurde es von den Briten als Open-Air-Kino benutzt.Ulrich Markert: Der Fritz-Encke-Volkspark. Ein wiedererwachter Park des Funktionalismus. In: Flora Colonia 9/10 (2001–2006), S. 197–204, hier Ss. 198, 200. Die 1949–52 in und um den Park für die britische Besatzungsmacht errichtete Gartenstadtsiedlung führte neben sehr umfangreichen Flächenverlusten auch dazu, dass durch den Bau der englischen Schule (heute: Bundeswehrfachschule) das Naturtheater vom übrigen Park abgetrennt wurde.Ulrich Markert: Der Fritz-Encke-Volkspark. Ein wiedererwachter Park des Funktionalismus. In: Flora Colonia 9/10 (2001–2006), S. 197–204, hier Ss. 198, 200. Zum 80. Jubiläum des Parks im Herbst 2004 wurde das Theater gartendenkmalpflegerisch saniert und kurzzeitig (durch das Pantao Großfiguren-Theater) wieder bespielt.Ulrich Markert: Der Fritz-Encke-Volkspark. Ein wiedererwachter Park des Funktionalismus. In: Flora Colonia 9/10 (2001–2006), S. 197–204, hier S. 202.
Durch seine besondere Akustik, die den Verzicht auf eine Verstärkeranlage erlaubt, ließe sich das Naturtheater heute beispielsweise „gut als Ort für Poetry-Slams“ nutzen und damit „gerade auch wieder bei jüngeren Menschen eine Verbindung von Natur und Kultur herstellen“, wie Karin-Bettina Encke, eine Enkelin des Gartenbaudirektors, in ihrer Ansprache zum hundertjährigen Bestehen des Parks hoffte.„Ein Fest zum 100. Geburtstag. Fritz-Encke-Volkspark in Köln“. In: Rheinische Heimatpflege, H. 4/2024, S. 303f. Dies setzt die laufende Pflege (Befreiung von Wildwuchs – insbesondere auch auf der Bühne und im Orchestergraben – und das Mähen des Rasens) durch das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen der Stadt Köln voraus, wie dies in anderen Bereichen des Parks und namentlich beim Reigenplatz schon geschieht. Naheliegend wäre es aus gartendenkmalpflegerischer Sicht, das Naturtheater zu Lasten eines südlichen Randstreifens des Bundeswehrfachschul-Geländes im Sinne der ursprünglichen Parkanlage wieder mit der großen Volkswiese zu verbinden, den direkten Zugang wieder herzustellen.
Der Tanzplatz (Reigenplatz) Vier der Ringwallanlagen, die ursprünglich die Pulvermagazine (zum Schutz im Fall einer Explosion) umgaben, hatte Fritz Encke erhalten und in die Planung des Parks einbezogen. Die nördlichen beiden enthielten Kinderspielplätze und sind nach dem Krieg durch die Überbauung als solche verloren gegangen. „Über die beiden andern Rondellanlagen ist weihevolle Stille und Weltabgeschiedenheit ausgebreitet“, heißt es 1929 in einem Pressebericht. „Die eine ist der sogenannte Platanenring mit den schattenspendenden, kurzgeschnittenen Bäumen, die andere ist der ‚Tanzplatz‘, der mit besonderer Sorgfalt sehr geschmackvoll und idyllisch ausgestaltet ist. Einige Stufen führen zu dem runden Rasenplatz in der Mitte. Rund um ihn gruppieren sich die Blumenbeete. Zur Rosenzeit brechen dort tausende und abertausende Rosenknospen auf, leuchten in mannigfachen Farben, und ihr betäubender Duft ist eingeschlossen in dem engen Rund der kleinen Anlage.“Im Raderthaler Volkspark. In: Stadt-Anzeiger zu Köln, Nr. 43 vom 30. August 1929
Fritz Enckes Vorstellung vom Tanzen im Freien war sicherlich geprägt durch die Kenntnis der Wandervogel- und Jugendbewegung der vorangegangenen zwei Jahrzehnte. Als „älteste Tanzart der Menschheit“ war der „vom Volk im Freien ausgeführte“ ReigenFranz Magnus Böhme: Geschichte des Tanzes in Deutschland, Bd. 1, Breitkopf & Härtel, Leipzig 1886, S. 147; Victor Junk: Handbuch des Tanzes. Klett, Stuttgart 1930, S. 192; Otto Schneider: Tanzlexikon. Schott, Mainz, London, New York, Tokyo 1985, S. 429, 30. die naheliegendste Tanzform für einen Volkspark. Fritz Encke äußerte sich dazu wie folgt: „Der dritte (Ringwall) enthält einen runden, berasten Platz, auf dem einzelne Schulklassen oder Jugendvereine Reigen tanzen können, während von einer Kanzel aus lustige Weisen ertönen, und ringsum Kameraden zwischen übereinander angeordneten Rosenbeeten zuschauen können.“ Es war „Reigentanz bei Gesang und Fiedel“, den Encke sich hier vorgestellt hatte.Fritz Encke: Ein Volkspark. In: Denkschrift zum 100jährigen Bestehen der Höheren Gärtnerlehranstalt Berlin-Dahlem, früher Wildpark. Frankfurt/O. 1924, S. 214–225, hier S. 218, 220.
Nicht vorhersehen konnte Fritz Encke, dass sich ab Anfang der 1920er Jahre auch die Bewegungen und Schulen der Körperbildung, Gymnastik und des modernen künstlerischen Tanzes in öffentlichen Parks zu Übungen, Proben und Aufführungen einfanden. Bezeichnenderweise zeigen die in der neueren Literatur über diesen Park abgebildeten historischen Fotos des Reigenplatzes – „um 1930“ datiert – keine Reigentänze, sondern typische Gruppenbildungen des individuellen künstlerischen Tanzes in der Art von Mary Wigman oder Rudolf von LabanRené Zey: Volkspark. In: Ders.: Parks in Köln. Ein Führer durch die Grünanlagen. Greven Verlag Köln 1993, S. 187–193, hier S. 193 (Quelle: Stadtkonservator); Petra Sophia Zimmermann, Karla Krieger: Das Kölner Stadtgrün. Eine Entdeckungstour. Mercator-Verlag, Duisburg 2009, S. 78–81, hier S. 79 (Quelle: Rheinisches Bildarchiv)., zum Beispiel der Kölner „Schule für künstlerischen Tanz“ von Elisabeth Estas.Zur Schule: "Erziehung zur Grazie durch rhythmisch-gymnastische Übungen und Tanzspiele", Kölner Tageblatt Nr. 556, Abend-Ausgabe vom 16. Dezember 1921.