Carrie (dt. Titelzusatz Des Satans jüngste Tochter) ist ein US-amerikanischer Horrorfilm mit Sissy Spacek in der Titelrolle. Es ist die erste Stephen-King-Verfilmung und basiert auf dessen gleichnamigem Romandebüt. Regie führte Brian De Palma nach einem Drehbuch von Lawrence D. Cohen. Der Film startete am 3. November 1976 in den US-Kinos und am 22. April 1977 in Deutschland.

Handlung Die sechzehnjährige Carrie White wohnt bei ihrer Mutter Margaret. Sie ist unscheinbar, schüchtern und wird in der Schule gehänselt. Als Carrie unter der Dusche nach dem Sportunterricht von ihrer ersten Menstruationsblutung überrascht wird, gerät sie in Panik, weil sie über den Vorgang nicht aufgeklärt ist. Ihre Mitschülerinnen sind amüsiert und machen ihr eine höchst peinlich-demütigende Szene, bis schließlich die Sportlehrerin eingreift. Ein Gespräch beim Direktor der Schule zusammen mit der Sportlehrerin verläuft für Carrie wenig hilfreich, weil der Direktor lieber zu den „populären“ Schülern hält.

Carries Mutter ist einem extremen religiösen Wahn verfallen, seit Carries Vater sie vergewaltigt und verlassen hatte. Sie hält Carries Menarche für ein Ergebnis „sündiger“, sexueller Fantasien des Mädchens und Carries gesamte körperliche Entwicklung zur Frau. Carries Brüste beispielsweise hält sie für einen Ausdruck von Sünde und Schande und bezeichnet sie abwertend als „Kissen“. Margaret sperrt Carrie schließlich zur Züchtigung in einer kleinen Kammer ein. Carrie wird in den nächsten Tagen in der Schule von den anderen Mädchen weiter schikaniert. Lediglich die Mitschülerin Sue Snell unternimmt Versuche, Carrie zu verteidigen. Um sie aufzubauen, bittet Sue ihren Freund, den attraktiven Tommy Ross, mit Carrie als Partnerin zum Abschlussball der Schule zu gehen. Auch die Sportlehrerin unterstützt Carrie darin, selbstbewusster zu werden und ihre Weiblichkeit zu entwickeln. Außerdem geht sie hart gegen die Demütigungen vor: Sie lässt die anderen Mädchen antreten und zur Strafe ein hartes, sportliches Straftraining nach der Schule absolvieren. Besonders die Schülerin Chris Hargensen steigert sich dabei in Rachegelüste gegen Carrie hinein.

Carrie entwickelt, je mehr sie ihre Schüchternheit abzuschütteln versucht, zunehmend telekinetische Fähigkeiten: Einen jungen Schüler, der sie verspottet, lässt sie vom Fahrrad fallen. Als der Direktor Carrie in einem weiteren Gespräch schroff abfertigt und ihren Namen falsch ausspricht, fegt Carrie seinen Aschenbecher vom Tisch und zerbricht ihn. Ihre Mutter, die alles versucht, um sie vom Ball fernzuhalten, hält sie durch ihre telekinetischen Kräfte auf Distanz. Ungeachtet des beschwörenden Geschreis der Mutter näht sich Carrie ein schönes Kleid für den Ball und kümmert sich um eine schönere Frisur. Tatsächlich hält Tommy sein Versprechen und holt sie am Abend zum Ball ab.

Chris verwirklicht während des Schulballs ihren fiesen Plan, Carrie ein für allemal bloßzustellen: Sie lässt Carrie zur Ballkönigin wählen, indem sie die Stimmzettel ihrer Mitschüler durch eigens manipulierte Zettel austauschen lässt. Im Augenblick der Krönung wird Carrie aus einem Eimer, der hoch über der Bühne hängt, mit Schweineblut übergossen. Sue versucht noch, Carrie beiseite zu ziehen, doch die Sportlehrerin hält Sue fest, weil sie irrtümlich glaubt, das Mädchen wolle Carries schönsten Moment aus Eifersucht verderben. Tommy wird vom herunterfallenden Eimer getroffen und bricht bewusstlos auf der Bühne zusammen. Die meisten Anwesenden sind geschockt und sprachlos. Doch dann lachen die meisten von ihnen mit den Tätern mit, was dazu führt, dass Carrie zu halluzinieren beginnt. Sie denkt, dass wirklich jeder der Anwesenden sie auslacht, hatte ihre Mutter doch am selben Abend noch gesagt: „Sie werden dich alle auslachen!“. In ihrer Scham, ihrer Wut und ihrem Schmerz verliert Carrie die Beherrschung und schließt mit ihren telekinetischen Fähigkeiten die Halle, in der das Fest stattfindet, hermetisch ab. Dann tötet sie in einem Amoklauf, bei dem der Ballsaal in Flammen aufgeht, ihre Lehrer und die meisten ihrer Mitschüler auf unterschiedlichste und teils brutale Art und Weise. Nur Sue, die von der Sportlehrerin aus der Halle geworfen worden war, entgeht der Katastrophe. Chris und ihr Freund versuchen anschließend, Carrie aus Rache für das Geschehene mit dem Auto zu überfahren, doch sie werden dabei von Carrie mithilfe ihrer telekinetischen Kräfte getötet, indem das Mädchen das Auto mit nur einem Blick verunglücken und sich mehrfach überschlagen lässt, bis der Wagen in Flammen aufgeht.

Carrie kehrt blutüberströmt und noch immer in einem trance-ähnlichen Zustand zu Fuß nach Hause zurück. Margaret, die nun überzeugt ist, dass ihre Tochter eine Hexe ist, erzählt ihr von der Vergewaltigungsnacht, in der Carrie gezeugt wurde. Sie nimmt sie zum Beten in die Arme und sticht ihr darauf mit einem Messer in den Rücken. In Notwehr richtet Carrie ihre Mutter regelrecht hin, indem sie zahlreiche Messer und scharfe Gegenstände mit ihrer übersinnlichen Gedankenkraft auf sie wirft. Von den scharfen Messern wird Mutter Margaret an einem Türrahmen gekreuzigt. Kurz darauf fängt das Haus Feuer und stürzt ein. Die schwer verletzte Carrie schleppt sich, von widersprüchlichen und zwiespältigen Gefühlen übermannt, mit dem Leichnam ihrer Mutter in eine kleine Kammer des Hauses und stirbt. Das Haus versinkt auf übernatürliche Weise im Boden.

Die traumatisierte Sue überlebt als Einzige ihres Jahrgangs. Sie hat einen Albtraum, in dem sie sich zu den Überresten von Carries Haus begibt, auf denen ein Zu-Verkaufen-Schild steht, das mit den Worten „Carrie White burns in Hell!“ beschmiert ist. Sue möchte dort einen Blumenstrauß niederlegen. Plötzlich greift Carries blutige Hand aus dem Grab nach ihr. Als die Hand Sue packt und nicht mehr loslässt, wacht sie schreiend in den Armen ihrer Mutter auf.

Besetzung und Synchronisation Carrie White Sissy Spacek Sabine Plessner Margaret White Piper Laurie Rose-Marie Kirstein Sue Snell Amy Irving Marion Hartmann Tommy Ross William Katt Michael Ande Miss Collins Betty Buckley Viktoria Brams Chris Hargensen Nancy Allen Constanze Engelbrecht Billy Nolan John Travolta Ivar Combrinck Norma Watson P. J. Soles Uschi Wolff Mrs. Snell Priscilla Pointer Gisela Hoeter Mr. Morton Stefan Gierasch Franz Rudnick Mr. Fromm Sydney Lassick Donald Arthur Freddy Michael Talbott Hartmut Neugebauer

Sissy Spacek spielte die Rolle der 16-jährigen Carrie, als sie selbst bereits 26 Jahre alt war. Für die Hauptrolle der Carrie sprach auch die Schauspielerin Melanie Griffith vor.

Regisseur Brian De Palma war es wichtig, dass der Rollenbesetzung unbekannte und unerfahrene Schauspieler angehörten. Im Vorfeld hatten die beiden Regisseure Brian De Palma und George Lucas ein gemeinsames Vorsprechen veranstaltet, bei dem De Palma Schauspieler für seinen Horrorfilm Carrie suchte und Lucas für seinen Science-Fiction-Film Krieg der Sterne. Mit dem Bestreben, die Hauptrolle des Luke Skywalker in Krieg der Sterne zu ergattern, erschien der blonde Schauspieler William Katt beim Casting, erhielt jedoch stattdessen die Rolle des Highschool-Schülers Tommy Ross.

Um unter den anderen Bewerberinnen hervorzustechen, schmierte sich Sissy Spacek fettige Vaseline in die Haare und wusch sich das Gesicht nicht, bevor sie das Vorsprechen besuchte. Auf diese Weise wollte Spacek möglichst verwahrlost, furchtbar und missbraucht wirken, als naheliegendes Erscheinungsbild der Hauptrolle Carrie White. Außerdem zog sie einen von ihrer Mutter geschneiderten alten Matrosenanzug an. Von diesem Auftreten war das Filmteam begeistert, deshalb bekam Sissy Spacek die Zusage, obwohl Regisseur De Palma bereits eine andere Mitbewerberin dafür vorgesehen hatte. Für die Darstellung der sozial gehemmten Schülerin Carrie ließ sich die Schauspielerin Sissy Spacek als Orientierung von dem Oscar-prämierten Film Licht im Dunkel aus dem Jahre 1962 inspirieren, in dem die Schauspielerin Patty Duke die Jugendjahre der taubblinden Schriftstellerin Helen Keller verkörpert.Videointerview mit der Schauspielerin Sissy Spacek im Dokumentarfilm Acting Carrie (Die Darsteller), 43 Minuten, enthalten als Featurette im Bonusmaterial der Blu-Ray Disc Carrie, 2018, 20th Century Fox Home Entertainment Deutschland GmbH, Frankfurt/Main, + Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). Das Featurette wurde von dem Regisseur Laurent Bouzereau gedreht, 2001, Metro-Goldwyn-Mayer Home Entertainment Inc.

Die deutsche Synchronfassung entstand nach einem Dialogbuch und unter der Dialogregie von Werner Uschkurat.

Rezeption

Roger Ebert schrieb in der Chicago Sun-Times, dass der Film einem „die Sprache verschlagen“ würde. Das Ende sei das schockierendste seit dem Film Der weiße Hai. Der Film sei gleichzeitig eine Studie des menschlichen Verhaltens, was ihn besonders gut mache. Ebert lobte besonders die Darstellungen von Sissy Spacek und Piper Laurie.Filmkritik von Roger Ebert

Im Lexikon des internationalen Films wird der Film als „effektbewußter, zuweilen etwas prätentiöser Horrorfilm“ gelobt, der mit „tiefenpsychologischen und sexuellen Metaphern“ spielt. Er sei „faszinierend fotografiert und mit einer überzeugenden Hauptdarstellerin“. Katharina Stumm schreibt auf Critic.de, dass De Palma „gekonnt mit den dem Horrorfilm eigenen Manipulationstechniken“ spiele und „das Grauen mit Freudschen Metaphern zu einem versonnenen, pulverisierenden Ganzen“ verwebe.Kurzkritik auf Critic.de

Für einen Horrorfilm ungewöhnlich, erhielt der Film 1977 zwei Oscar-Nominierungen, in den Kategorien Beste Hauptdarstellerin für Sissy Spacek als Carrie und Beste Nebendarstellerin für Piper Laurie als fanatisch religiöse Mutter Margaret White. Es war einer der ersten Horrorfilme, dem diese Ehre durch die Academy zuteilwurde. Am Ende gingen die Auszeichnungen jedoch an Faye Dunaway (Beste Hauptdarstellerin) und Beatrice Straight (Beste Nebendarstellerin) für deren beider Mitwirkung in dem Spielfilm Network von 1976. Vor Carrie hatte Piper Laurie seit 15 Jahren in keinem Spielfilm mehr mitgewirkt. Acht Jahre zuvor, 1969, war der Horrorfilm Rosemaries Baby auch für zwei Oscars nominiert gewesen, dabei gewann die Schauspielerin Ruth Gordon den Oscar als beste Nebendarstellerin in dem Film von Roman Polański. 1974 erhielt der Horrorfilm Der Exorzist zehn Oscar-Nominierungen.

Piper Laurie wurde 1977 für den Golden Globe Award nominiert. Sissy Spacek gewann 1977 den National Society of Film Critics Award. Lawrence D. Cohen wurde 1977 für den Edgar Allan Poe Award nominiert. Brian De Palma gewann 1977 einen Preis des Avoriaz Fantastic Film Festivals. Der Film wurde 1977 als Bester Horrorfilm für einen Preis der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films nominiert.https://www.imdb.com/title/tt0074285/awards

2022 wurde der Film in das National Film Registry aufgenommen.

Hintergründe

Die Dreharbeiten fanden in Kalifornien statt.https://www.imdb.com/title/tt0074285/locations Die Produktionskosten betrugen ca. 1,8 Millionen US-Dollar,https://www.jpbox-office.com/fichfilm.php?id=8117 das Einspielergebnis in den Kinos der USA ca. 33,8 Millionen US-Dollar.https://www.boxofficemojo.com/release/rl1095271937/ Im Film verbergen sich zahlreiche Anspielungen auf den Thriller Psycho von Alfred Hitchcock von 1960: Die Schule heißt Bates High School, beide Filme behandeln tyrannische Mutterfiguren, Carrie beginnt mit einer Duschszene, die in einigen Einstellungen ihr Pendant in Psycho zitiert, und schließlich hört man in der Szene, während Carrie zu Hause in einen zerbrechenden Spiegel blickt, die berühmten spitz quietschenden Streicher in Staccato von Filmmusik-Komponist Bernard Herrmann aus der erwähnten Duschszene des Films Psycho. Derartige Reverenzen an Hitchcocks Filme finden sich in Brian De Palmas Werken regelmäßig. In Carrie sind zwei Handlungsstränge miteinander verwoben, eine Geschichte über eine dysfunktionale Mutter-Tochter-Beziehung und eine Highschool-Teenager-Geschichte.