mini|Am 19. Mai findet der Welt-CED-Tag statt mini|Unterschiedliches Befallsmuster bei Morbus Crohn (links) und Colitis ulcerosa (rechts) Unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED; , IBD) versteht man wiederkehrende (rezidivierende) oder kontinuierliche entzündliche Erkrankungen des Darms. Die beiden häufigsten Vertreter sind die Colitis ulcerosa und der Morbus Crohn. Seltener sind die kollagene und lymphozytäre Colitis als Formen der mikroskopischen Colitis, die nur histologisch diagnostiziert werden kann.Gerd_Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin 2020. Selbstverlag, Köln 2020, ISBN 978-3-9814660-9-6, S. 485.

Am 19. Mai ist der Welt-CED-Tag.

Typische Symptome und Differentialdiagnostik +Unterschiede bei Symptomen und unterschiedliche endoskopische CharakteristikaAndreas de Weerth, Michael Bläker: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (PDF; 7,6 MB), Hamburger Ärzteblatt, 2016Colitis ulcerosaMorbus CrohnEntzündungsmuster: kontinuierlicher Befall, erstreckt sich vom Mastdarm aus, nur der Dickdarm ist betroffen, selten Ausbreitung ins Ileum (Backwash-Ileitis)diskontinuierlicher Befall (wird von gesunden Abschnitten unterbrochen), gesamter Verdauungstrakt betroffen (Mund bis Anus)morphologisch: Granulierung, flächenhafte Blutungen, Pseudopolypen, UlzeraAphthen, flache Ulzera, einzelne Ulzera, Fissuren, tiefe UlzeraStenosen sind immer tumorverdächtigStenosen häufigblutig schleimige Durchfällebreiige oder flüssige DurchfälleBauchschmerzen, krampfartig, oft mit Stuhlentleerung, oft im linken Unterbauch schmerzhafter Stuhldrang („Tenesmus“)Bauchschmerzen, oft krampfartig, häufig im Unterbauch lokalisiertaufgehobene Gefäßzeichnung der Darmschleimhaut (nur die oberste Schicht der Darmwand ist betroffen, also Mukosa und Submukosa)Pflastersteinrelief; alle Schichten der Darmwand können betroffen sein (transmural), (epitheloide) Granulomeselten bis nie FistelnFisteln bei schwerem Verlauf, Abszesse und Stenosen bei schwerem VerlaufBlutarmutGewichtsverlust, Symptome einer Mangelversorgung mit Nährstoffen (vor allem bei MC des Dünndarms) Wenn man diagnostisch nicht zwischen einer CD und MC unterscheiden kann, spricht man von einer unklassifizierten Colitis (früher auch Colitis indeterminata).

Bei einem Viertel der Patienten kommt es zu Beschwerden außerhalb des Verdauungstrakts, insbesondere bei Patienten, die an MC leiden (sogenannte extraintestinale Manifestationen): Periphere Arthritis, Spondylarthropathie, Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum, Uveitis, Skleritis, Primär sklerosierende Cholangitis oder Aphthöse Ulzera. Pathophysiologie der CED Die genaue Ursache der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen konnte bisher nicht geklärt werden. Die aktuelle Forschung zeigt ein komplexes Zusammenspiel aus genetischen Faktoren, dem Mikrobiom des Darms, Umweltfaktoren sowie eine abnormale Immunantwort als mögliche Ursachen für diese Erkrankungen.

Genetische Disposition

Genomweite Assoziationsstudien (GWAS), Sequenzierungsstudien der nächsten Generation und andere Analysen haben über 240 nicht überlappende genetische Risikoorte identifiziert, von denen etwa 30 genetische Orte zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gemeinsam sind (Vgl. Zhang et al.). Diese Gene beeinflussen u. a. die Durchlässigkeit der Epithelbarriere und ermöglichen dadurch das Eindringen von Bakterien. Diese stimulieren das angeborene Immunsystem. Es resultieren entzündliche Reaktionen, teilweise durch Sekretion extrazellulärer Mediatoren. Es werden dadurch andere Zellen angelockt, einschließlich Zellen des adaptiven Immunsystems.

Psychosomatik Es wurde angenommen, dass bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen psychosozialer Stress auch zu einer Fehlregulation der Immunantwort und – bei entsprechender Veranlagung – zur Krankheitsaktivierung beitrug. 1950 beschrieben Franz Alexander in den Holy Seven die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen als psychosomatische Krankheit. Diese historische Annahme kann inzwischen als widerlegt gelten; es lassen sich keine Persönlichkeitseigenschaften, psychischen Störungen oder bestimmten Einzelfaktoren bestimmen („CED-Persönlichkeit“), die in enger, kausaler Verbindung zu CED stehen.

Beschwerden wie Angst und Depression, die als Komorbidität verstanden werden, kommen bei Patienten mit CED gehäuft vor und können den Erkrankungsverlauf erschweren.

Literatur Leitlinien

Fachliteratur

Weblinks Andreas de Weerth, Michael Bläker: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (PDF; 7,6 MB), Hamburger Ärzteblatt, 2016

Einzelnachweise

Kategorie:Krankheitsbild in der Gastroenterologie