Learning English Lesson One ist das siebte Studioalbum der Band Die Toten Hosen und ihr erstes Album mit ausschließlich englischen Texten. Es wurde innerhalb eines Jahres in London, New York, Rio de Janeiro und Köln unter der Leitung von Jon Caffery produziert und erschien erstmals am 11. November 1991.

Das Album besteht größtenteils aus Coverversionen von Punkmusikstücken, die ursprünglich Ende der 1970er Jahre in England und den USA veröffentlicht wurden. Bei den Aufnahmen zu dieser neuen Produktion wirkte an jedem Lied mindestens ein Mitglied der Originalbands als Gastmusiker mit.

Entstehung Nach dem Erfolg ihres Albums Auf dem Kreuzzug ins Glück und restlos ausverkauften Tourneen befand sich die Band kreativ in einer Sackgasse. Zudem behinderten Alkohol- und Drogenprobleme innerhalb der Gruppe die Proben für ein neues Album.Jan Weiler: Kinder, wie die Zeit vergeht … Die Toten Hosen erzählen – Jan Weiler hört zu 1982–2007. Begleitheft zur Neuauflage 2007, Folge 8: Learning English, Lesson 1. Um Abstand zu gewinnen, reiste die Band im Winter 1990 gemeinsam nach England, um dort Freunde zu treffen und an der Poolbillard-Meisterschaft von Fulham im „Golden Dragon“ teilzunehmen. Am ersten Abend in London trafen sich die Musiker mit Honest John Plain und Arturo Bassick, und es entstand die Idee, einige Titel der Punkbands zu covern, deren Musik die Toten Hosen entscheidend beeinflusst hatte. Sie wollten möglichst viele Mitglieder der Originalbands einladen, an den Aufnahmen teilzunehmen.Bertram Job: Die Toten Hosen erzählen ihre Geschichte, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1996, Seite 242–248. Einige Tage später nahm die Band mit Ian „Knox“ Carnochan von den Vibrators, John Plain und Matt Dangerfield von den Boys, Arturo Bassick und Pete Stride von den Lurkers und Charlie Harper von den UK Subs jeweils einen von deren Erfolgstiteln auf. Vom Ergebnis der Zusammenarbeit begeistert, entschloss sich die Band, das Spektrum erheblich zu erweitern und daraus ein neues Album zu entwickeln.Die Toten Hosen: Magazin zur Tour Menschen, Tiere, Sensationen. Universa Medien Verlags GmbH, Dortmund 1992, S. 8–11.

Es folgte die Suche nach den „Veteranen“ des Punk aus den 1970er Jahren. Punkrock war aus der Mode gekommen. Viele „Helden“ des Genres waren unbekannt verzogen oder gingen inzwischen einem bürgerlichen Beruf nach. Adressen und Telefonnummern waren nicht immer einfach zu erhalten. Arturo Bassick, der in vielen Punkbands gespielt hatte und nun als Möbelfahrer arbeitete, um seinen Lebensunterhalt zu sichern, konnte verschiedene Kontakte vermitteln. Den meisten der ehemaligen Punks war die deutsche Band „Die Toten Hosen“ zudem unbekannt, und einige standen dem Vorhaben skeptisch gegenüber. Johnny Rotten von den Sex Pistols war zum Beispiel nicht dazu bereit, am Projekt teilzunehmen. Die Mehrheit freute sich jedoch über das Interesse an ihren alten Stücken und folgte der Einladung. Im Frühjahr 1991 konnte das Londoner Church Studio für zwölf Tage angemietet und weitere Titel eingespielt werden.

Beim Transport nach Düsseldorf, mit dem ein Kurierdienst beauftragt worden war, erlitten die Aufnahmebänder erheblichen Schaden und wiesen an verschiedenen Stellen Ausfälle auf. Deshalb lud die Band die meisten ihrer Gäste ins Studio Dierks nach Stommeln ein, um einige Spuren neu einzuspielen. Wegen Terminüberschneidungen musste die Band die für den Sommer bereits angekündigten Konzerte auf den Sommerfestivals absagen.

Zwischenzeitlich konnte Wreckless Eric in Frankreich ausfindig gemacht werden, wo er mit seinem Wohnmobil unterwegs war. Er setzte seine Reise Richtung Köln fort, um an den Aufnahmen teilzunehmen.Jürgen Seibold: V.I.P. Die Toten Hosen Paul Zsolnay Verlag, Wien 1992, ISBN 3-552-05005-1, S. 22–27.

Die Privatnummer von Johnny Thunders bekamen die Toten Hosen über seine amerikanische Plattenfirma heraus. Er besuchte die Band nach deren Einladung in Köln und nahm mit ihr gemeinsam das Cover seiner Komposition Born to Lose auf. Johnny Thunders konnte jedoch die fertigen Aufnahmen nicht mehr anhören, da er 36 Stunden später, am 23. April 1991, an den Folgen seiner Drogensucht starb.

Die Telefonnummer des Postzugräubers Ronald Biggs, der bereits mit den Sex Pistols eine Platte aufgenommen hatte, wurde mühevoll über einen befreundeten Journalisten vom Daily Telegraph ermittelt. Später stellte sich heraus, dass ein Anruf bei der Auskunft genügt hätte, da Biggs’ Nummer im brasilianischen Telefonbuch stand. Im August besuchte die Band Biggs in dessen Exil in Rio de Janeiro. Im Studio „Nos Nuvens“ entstand, neben einigen Coverversionen, der Song Carnival in Rio (Punk Was), der später als einzige Erstveröffentlichung auf dem Album erschien.

Für Joey Ramone waren Die Toten Hosen keine unbekannte Band, denn Campino hatte bereits 1989 für die Zeitschrift Musikexpress ein Interview mit der Punkikone geführt. Im Sommer 1991 ging die Band mit Joey Ramone, Dick Manitoba und Cheetah Chrome (Dead Boys) in New York ins Studio. Am 11. November 1991 wurde das Album Learning English erstmals veröffentlicht.

Kapitel Das Album ist wie eine Lehrschallplatte für die englische Sprache konzipiert. „Janet“ und „John“ führen durch den Kurs und bringen dem Hörer die Sprache schrittweise näher. Die Stimme der „Janet“ gehört Campinos Mutter Jenny Frege. „John“ wird von Geoffrey Haslam, dem ehemaligen Produzenten von The Velvet Underground, gesprochen.Musikexpress, Ausgabe 11/1991, Seite 12. Die Kapitel sind wie in einem Lehrbuch nach Themen gegliedert und in einzelne Schritte unterteilt. Als Übungstexte dienen die einzelnen Musiktitel. Hierbei handelt es sich durchweg um schnelle, melodische Songs aus der Hochzeit des Punkrock. Text, Rhythmus und Melodie wurden prinzipiell nicht verändert. Die Stücke profitieren jedoch von der zwischenzeitlich verbesserten Aufnahmetechnik und einer professionellen Einspielung.

Erster Schritt mini|hochkant=2|Ausschnitt aus Blitzkrieg Bop Janet und John stellen das Album als Anfängerkurs für Urlauber und Geschäftsleute, Rock-’n’-Roll-Fans und Irregeleitete vor. Man solle aufmerksam zuhören und Papier und Bleistift für Notizen parat haben. Das erste Kapitel trägt die Überschrift „Relax“, beginnt jedoch mit dem schnellen Song Blitzkrieg Bop der Ramones und der zehnfachen Aufforderung „Hey Ho, Let’s go!“, gemeinsam gesungen von Campino, Joey Ramone und Handsome Dick Manitoba.

In dem Lied Brickfield Nights erinnerten sich die Band The Boys einst an ihre Jugend im verschlafenen Ort „Brickfield“, wo es weder ein Café noch einen Jugendclub gab. Jeden Abend trafen sie sich am gleichen Platz, um einen Fußball vor sich herzukicken und ihre Initialen in die Schulmauer zu ritzen. Die einfache Melodie singt Campino zusammen mit Matt Dangerfield. Honest John Plain unterstützt dabei an der Gitarre.

Zweiter Schritt Das zweite Kapitel widmet sich den Zahlen. Zunächst rechnet John lachend vor, dass jemand, der keine zwölf mehr ist und noch keine 14, ganz einfach 13 Jahre alt sein muss. Dann zählt Campino als Intro für Just Thirteen bis 13 hoch. Im Lied, das Pete Stride von den Lurkers mit der Gitarre begleitet, geht es um ein Mädchen, das stellvertretend für alle steht, welche diese Altersgrenze überschritten haben. Vorher war sie schüchtern, jetzt ist sie ein „wild girl“, vorher hat sie nachmittags im Park gespielt, jetzt wartet sie damit, bis es dunkel wird. Vorher hatte sie ihre Schulfreunde liebevoll behandelt, nun will sie lieber „cool“ wirken.

Die Urheberbands der beiden folgenden Songs tragen Zahlen in ihrem Namen. Mit dem Song If the Kids Are United riefen Sham 69 zur Zeit der Bandenkriege Ende der 1970er Jahre in England, zwischen Punks, Skins, Teds, Rockern und Mods, die Jugendlichen dazu auf sich zu vereinigen.Booklet zum Album, 262 310. Jimmy Pursey, der hier zusammen mit Campino singt und den Song geschrieben hat, war immer offen für alle, die seine Musik hören wollten. Auch die Band 999 spricht in ihrem Song Nasty Nasty einen Jugendlichen direkt an und fragt ihn, was in ihm vorgeht, wenn er nachts auf die Straßen geht, um Streit zu suchen. Hier wirken Nick Cash und Guy Days von 999 mit.

Dritter Schritt Janet und John erzählen von ihrem Hobby, das sie mit den Radio Stars gemeinsam haben. Sie machen gerne Fotos, und wie sie sagen, handelt es sich dabei nicht um Urlaubsschnappschüsse. Im Rock-’n’-Roll-Stück Dirty Pictures erhält Campino gesangliche Verstärkung von Andy Ellisons. Zur rollenden Gitarrenbegleitung und zum Backbeat des Schlagzeugs singen sie im 4/4-Takt: „I wanna take some dirty pictures of you!“ Im Punkschlager Baby Baby von den Vibrators singt Campino mit Knox: „Ah, your eyes are so pretty, and the clothes you wear they're so fine.“

Die Hauptfigur in Gary Gilmore’s Eyes fürchtet sich vor dem, was sie in Zukunft sehen wird. Sie wacht nach einer Hornhautverpflanzung im Krankenhaus auf und erkennt, dass sie die Augen eines hingerichteten Mörders erhalten hat, und möchte die Lider nie wieder öffnen. Als T. V. Smith den Song 1977 schrieb, hatte er zuvor einen Zeitungsbericht über Gary Gilmore gelesen. Der Mann war ein verurteilter Mörder, der auf seiner schnellen Hinrichtung bestanden hatte und darauf, dass seine Augen für Transplantationszwecke verwendet würden. Smith fragte sich, ob der Empfänger der Hornhaut den Artikel ebenfalls gelesen hätte, ohne zu wissen, durch wessen Augen er blickte. Der Song der The Adverts hatte 1977 einen unerwartet schnellen Erfolg in den britischen Charts. Ironischerweise wurde der Titel von den Moderatoren der BBC ständig falsch ausgesprochen, und viele dachten, es ginge um einen Sportler. Gary Gilmour war einer der Stars der englischen Cricketmannschaft.Dave Thompson: Your Ticket Out Of Here – The Armchair Guide to TV Smith, E-Book, Seite 21.

Ohne Übergang geht es mit Johnny Thunders’ Born to Lose weiter, das den Mittelpunkt des Tonträgers kennzeichnet. Das Album ist, laut zentral angebrachter Aussage im Begleitheft , dem verstorbenen Musiker gewidmet. Johnny Thunders hatte durchgesetzt, sein Gitarrenspiel wegen der besonderen Akustik im Badezimmer aufzunehmen. Jeder einzelne Gast hatte den Refrain später auf Band gesungen. Die Aufnahmen wurden so zusammengemischt, dass am Ende ein Chor aller Teilnehmer zu hören ist.Edgar Klüsener: Die Toten Hosen – Learning English die Erste. In Toten Hosen lebt der Punkrock weiter, Metal Hammer, Ausgabe 1, Januar 1992, S. 32–35. T. V. Smith gefiel der Text nicht. Er meinte, er hätte in seinem gesamten Leben noch nie das Wort „Baby“ gesungen und würde damit bestimmt an diesem Tage nicht anfangen. Stattdessen würde er „Maybe“ singen.

Als die Rockafellas nach Amerika gingen Janet und John setzen die Sprachübungen fort und fragen: Dann erzählen sie von den vier glücklichen Jungs, die als Band „The Rockafellas“ nach Hollywood gingen, um Ruhm und Ehre zu erlangen, von denen man aber nie wieder etwas hörte. Die erste Strophe zum Song Do You Remember wurde neu geschrieben. Die Toten Hosen erinnern sich darin, wie sie nach einem Auftritt in Birmingham, für den sie nicht bezahlt wurden, weil der „Lärm“ nicht ankam, so schnell es ging, enttäuscht nach Düsseldorf zurückfuhren. Weiter geht es mit dem Originaltext, der von den „Rockafellas“ erzählt, denen es 1977 in Los Angeles ähnlich erging. Wolfgang Rohde schreibt im Booklet über die Band:

Auch Englandflüchtling Ronald Biggs erinnert sich an alte Zeiten und antwortet seinem kleinen Sohn Robin in Carnival in Rio (Punk Was) auf die Frage: Booklet zum Album: : Er erklärt ihm, dass Punk boshaft, anspruchslos, geschmacklos war und Aufruhr bedeutete. Er sei billig, schamlos und kriminell gewesen und jeden Abend hätte es ein Besäufnis gegeben. Sie hätten sich von niemandem unterkriegen lassen und es sei ihnen egal gewesen, wem ihre Musik gefallen würde.

Vierter Schritt Weiter geht es im Lernprogramm: