Der Volkswagen Polo IV ist die von November 2001 bis Mai 2009 gebaute vierte Generation des Kleinwagenmodells Polo des Wolfsburger Automobilherstellers Volkswagen. Im Frühjahr 2005 wurde im Rahmen der Modellpflege ein überarbeitetes Modell präsentiert, dessen technische Grundkonzeption jedoch weitgehend unverändert blieb.
Seit März 2010 wird ein leicht modifiziertes Modell unter dem Namen Polo Vivo auf dem südafrikanischen Markt angeboten.
Polo (Typ 9N, 2001–2005)
Sterne im Euro-NCAP-Crashtest 105px| Die erste Version des Polo IV wurde im September 2001 auf der IAA in Frankfurt am Main vorgestellt und nach der Markteinführung im November 2001 bis zur Ablösung durch das überarbeitete Modell am 30. April 2005 gebaut.
Technisch basiert das Fahrzeug auf der gleichen Plattform wie Seat Ibiza (6L), Seat Cordoba (6L) und Škoda Fabia I. Der Motor ist vorn quer eingebaut, daneben das Getriebe, das mit dem dahinter liegenden Differential in einem Gehäuse vereinigt ist. Über zwei unterschiedlich lange Antriebswellen werden die Vorderräder angetrieben, die einzeln an MacPherson-Federbeinen und Dreiecksquerlenkern aufgehängt sind. Die Lenkung ist über Ritzel und Zahnstange realisiert. Die Hinterräder sind an einer Verbundlenkerachse aufgehängt. Die selbsttragende Karosserie aus tiefgezogenem Stahlblech ist gegenüber der Vorgängergeneration 15,4 Zentimeter länger und erreicht damit annähernd die Außenmaße der des Golf II. Der 5,3 Zentimeter längere Radstand kommt vor allem der Beinfreiheit der Passagiere im Fond zugute. Der ebenfalls vergrößerte Kofferraum fasst in der Standardkonfiguration 270 Liter und kann durch Umklappen der Rückbank auf bis zu 1030 Liter erweitert werden.
Die Front des Fahrzeugs mit ihren vier runden Klarglas-Frontscheinwerfern erinnert an die des Volkswagen Lupo.
Sicherheit Deutsche Fahrzeuge sind serienmäßig mit Antiblockiersystem (ABS) und geschwindigkeitsabhängiger Servolenkung ausgerüstet. In Verbindung mit der optional erhältlichen Fahrdynamikregelung (Elektronisches Stabilisierungsprogramm, ESP) bekam der Polo IV zum ersten Mal einen hydraulischen Bremsassistenten, der in einer Gefahrensituation den Anhalteweg verkürzen kann.
Fahrer und Beifahrer werden durch serienmäßige Front- und Seitenairbags und Gurtstraffer mit Gurtkraftbegrenzer geschützt. Kopfairbags für die vorderen Sitze waren ab dem Jahr 2002 gegen Aufpreis erhältlich. Die Pedale im Fußraum des Fahrers werden bei einem Unfall vom Körper des Fahrers wegbewegt, um das Verletzungsrisiko im Beinbereich zu verringern.
Im Euro-NCAP-Crashtest erreichte der Polo IV im Jahr 2002 vier von fünf möglichen Sternen bei der Bewertung der Insassensicherheit und einen von vier Sternen bei der Bewertung der Fußgängersicherheit.
Sondermodelle Ab Ende 2003 wurde das ausschließlich mit fünf Türen erhältliche Sondermodell Special gebaut, dessen Grundausstattung unter anderem Alarmanlage, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, 16-Zoll-Leichtmetallräder und ein MP3-fähiges Radio von Volkswagen Individual umfasste.
Zu Beginn des Jahres 2004 wurde das Sondermodell Cricket angeboten, das die Serienausstattung unter anderem mit automatisch abblendendem Innenspiegel, CD-Wechsler, elektrischen Fensterhebern, Geschwindigkeitsregelanlage, Klimaanlage, Regensensor und Zentralverriegelung erweiterte.
Ebenfalls ab Anfang 2004 war das Sondermodell GT erhältlich, dessen Grundausstattung unter anderem ein Sportfahrwerk mit etwa 15 Millimeter Tieferlegung und 16-Zoll-Leichtmetallrädern, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung beinhaltete. Der GT war mit Ottomotoren oder Dieselmotoren ab 55 kW (75 PS) Leistung verfügbar.
Modellvarianten Im Laufe der Zeit wurden mehrere Varianten der ersten Version des Polo IV angeboten, die sich von der normalen Serienversion durch eine geänderte Grundausstattung und Veränderungen an der Karosserie unterschieden.
Polo Limousine (Typ 9N2) mini|VW Polo Limousine (2003–2005)
Die Polo Limousine genannte Stufenheck-Variante des Polo IV wurde ab Oktober 2003 in Brasilien gebaut und von dort aus nach Europa exportiert. Die Fahrzeuge haben eine ab der B-Säule eigenständige und gegenüber der Steilheck-Version um 28 Zentimeter verlängerte Karosserie. Dadurch steht den Insassen im Fond mehr Platz zur Verfügung und der Kofferraum fasst 432 Liter statt der 270 Liter beim Steilheck. Die Grundausstattung der Fahrzeuge umfasst unter anderem elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung.
Polo Fun mini|VW Polo Fun (2004–2005) Der von Volkswagen Individual entwickelte Polo Fun wurde im Frühjahr 2004 eingeführt. Ursprünglich war er nur als Sondermodell mit 5000 gebauten Exemplaren geplant, wurde aufgrund der hohen Nachfrage aber bald als eigene Modellvariante etabliert. Der ausschließlich mit fünf Türen erhältliche Polo Fun unterschied sich äußerlich von der Normalversion des Polo durch das an ein SUV erinnernde Aussehen mit eigenständiger Front- und Heckschürze, Kunststoffabdeckungen an Kotflügeln, Schwellern und Türen, Dachreling, serienmäßigen Nebelscheinwerfern und 17-Zoll-Leichtmetallrädern von BBS. Dachreling und Außenspiegelgehäuse waren unabhängig von der Außenfarbe des Fahrzeugs immer silbern lackiert. Die Serienausstattung umfasste unter anderem Sportsitze für Fahrer und Beifahrer, Lederlenkrad, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, elektrische Fensterheber und Kassettenradio. Als Motorisierung waren Ottomotoren von 40 bis 74 kW (54 bis 101 PS) und Dieselmotoren mit 55 und 74 kW (75 und 101 PS) Leistung erhältlich.
Die Fahrzeuge haben serienmäßig ein Fahrwerk mit rund 15 Millimeter mehr Bodenfreiheit und strafferer Abstimmung, das auch für die Normalserie gegen Aufpreis erhältlich war, sind wegen des fehlenden Allradantriebs aber nur bedingt für den Einsatz im Gelände geeignet.
Motoren Zur Markteinführung des Polo IV waren zunächst drei verschiedene Motoren verfügbar: Ein komplett neu entwickelter 3-Zylinder-Ottomotor mit 1,2 Liter Hubraum und 47 kW (64 PS) Leistung, der bereits im Vorgänger erhältliche 4-Zylinder-Ottomotor mit 1,4 Liter Hubraum und 55 kW (75 PS) und der ebenfalls bereits im Vorgänger verfügbare 3-Zylinder-TDI-Dieselmotor mit 1,4 Liter Hubraum und 55 kW (75 PS) Leistung. Kurze Zeit später waren auch ein neu entwickelter 3-Zylinder-Ottomotor mit 1,2 Liter Hubraum und 40 kW (55 PS) Leistung, ein 4-Zylinder-SDI-Dieselmotor mit 1,9 Liter Hubraum und 47 kW (64 PS) und ein 4-Zylinder-TDI-Dieselmotor mit ebenfalls 1,9 Liter Hubraum und 74 kW (101 PS) Leistung erhältlich.
Ab Januar 2002 war ein weiterer, aus dem Vorgänger bekannter Ottomotor mit 1,4 Liter Hubraum und einer Leistung von 74 kW (101 PS) erhältlich. Im April 2002 folgte ein Ottomotor mit FSI-Technik, der bei einem Hubraum von 1,4 Liter eine Leistung von 63 kW (86 PS) erreichte.ADAC: Gebrauchtwagen Information VW Polo (2001–2009) Diesel (), abgerufen am 27. September 2009
Im Oktober 2003 wurde der leistungsstärkste TDI-Motor eingeführt, der aus einem Hubraum von 1,9 Liter eine Leistung von 96 kW (130 PS) entwickelte und damit die Top-Motorisierung der ersten Version des Polo IV markierte.
Alle Ottomotoren erfüllten bereits bei ihrer Einführung die Anforderungen der Euro-4-Abgasnorm. Die Dieselmotoren erreichten zunächst nur eine Einstufung in die Euro-3-Norm. Während die TDI-Motoren im Laufe der Zeit überarbeitet wurden, um die Euro-4-Einstufung zu erreichen, erfüllte der 47-kW-SDI-Motor (64 PS) während seiner gesamten Bauzeit lediglich die Anforderungen der Klasse Euro 3.
Technische Daten Ottomotoren Modell 1.2 1.4 1.4 FSI 1.4 Bauzeitraum 11/2001–05/2005 04/2002–05/2005 01/2002–06/2002 07/2002–05/2005 Motorkennbuchstaben AWY, BMD AZQ, BME AUA, BBY, BKY AXU AUB BBZ Bauart und Zylinderzahl R3-Ottomotor mitMulti-Point-Einspritzung R4-Ottomotor mitMulti-Point-Einspritzung R4-Ottomotor mitDirekteinspritzung R4-Ottomotor mitMulti-Point-Einspritzung Ventile 6 12 16 Hubraum, cm³ 1198 1390 max. Leistung, kW (PS) bei 1/min 40 (54)/4750 47 (64)/5400 55 (75)/5000 63 (86)/5000 74 (101)/6000 max. Drehmoment, Nm bei 1/min 106/3000 112/3000 126/3800 130/3750 126/4400 Getriebe, serienmäßig 5-Gang-Schaltgetriebe Getriebe, optional — 4-Stufen-Automatikgetriebe — — Höchstgeschwindigkeit, km/h 152 162 172 (168) 178 188 Beschleunigung von 0–100 km/h, s 17,5 14,9 12,9 (15,3) 12,1 10,9 Kraftstoffverbrauch, l/100 km(nach EWG-Richtlinie) 5,8–6,0 5,9–6,0 6,4–6,5 (7,4–7,6) 5,8–5,9 6,6–6,7 CO2-Emission, g/km (kombiniert) 139–144 142–144 154–156 (178–182) 139–142 158–161 Abgasnorm nach EU-Klassifikation Euro 4 Bemerkung auch als Stufenheck nicht für E10-Kraftstoff geeignetListe der nicht E10-geeigneten Fahrzeugmodelle von Volkswagen (), abgerufen am 5. März 2011 auch als Stufenheck
Dieselmotoren Modell 1.9 SDI 1.4 TDI 1.9 TDI 1.9 TDI Bauzeitraum 11/2001–05/2005 10/2003–05/2005 Motorkennbuchstaben ASY AMF, BAY ATD, AXR ASZ, BLT Bauart und Zylinderzahl R4-Dieselmotor mitVerteilereinspritzpumpe R3-Dieselmotor mitPumpe-Düse-Einspritzsystem R4-Dieselmotor mitPumpe-Düse-Einspritzsystem Motoraufladung — Turbolader Turbolader Ventile 8 6 8 Hubraum, cm³ 1896 1422 1896 max. Leistung, kW (PS) bei 1/min 47 (64)/4000 55 (75)/4000 74 (101)/4000 96 (130)/4000 max. Drehmoment, Nm bei 1/min 125/1600–2800 195/2200 240/1800–2400 310/1900 Getriebe, serienmäßig 5-Gang-Schaltgetriebe 6-Gang-Schaltgetriebe Getriebe, optional — Höchstgeschwindigkeit, km/h 160 170 188 206 Beschleunigung von 0–100 km/h, s 17,0 13,6 10,7 9,2 Kraftstoffverbrauch, l/100 km(nach EWG-Richtlinie) 4,7–4,9 4,4–4,6 4,9–5,0 5,2–5,3 CO2-Emission, g/km (kombiniert) 127–132 119–124 132–135 140–143 Abgasnorm nach EU-Klassifikation Euro 3 Euro 3/Euro 4 Bemerkung auch mit Stufenheck
Polo (Typ 9N3, 2005–2009)
Am 14. März 2005 startete der Vorverkauf des überarbeiteten Polo IV. Nach der offiziellen Markteinführung am 30. April 2005 wurde diese Version bis Mai 2009 gebaut. Die modernisierte Ausführung unterschied sich von ihrem Vorgänger vor allem durch diverse äußerliche Veränderungen, wohingegen die zugrunde liegende Technik weitgehend gleich blieb. Die Serienausstattung der Fahrzeuge wurde mit elektrischen Fensterhebern und Zentralverriegelung aufgewertet, das Fahrwerk modifiziert und straffer abgestimmt.
Die Fahrzeugfront trägt das zum Zeitpunkt der Markteinführung aktuelle „Konzerngesicht“ der Marke Volkswagen mit V-förmigem Wappengrill. Das Design der Klarglas-Frontscheinwerfer lehnt sich an dem des Golf V an, Motorhaube und vordere Kotflügel wurden neu geformt. Die Seitenblinker wurden aus den Kotflügeln in die Gehäuse der Außenspiegel verlegt und in LED-Technik ausgeführt. Die Heckklappe wurde leicht mit einer tiefer nach unten gezogenen Heckscheibe modifiziert, die Rückleuchten überarbeitet und erschienen nun im sogenannten „Lexus-Design“.
Der Innenraum wurde gegenüber dem des Vorgängermodells nur wenig verändert. Die dritte Sonnenblende über dem Innenspiegel wurde entfernt und durch einen schmalen Blendstreifen an der Frontscheibe ersetzt. Das Armaturenbrett wurde nun generell aus Hartplastik gefertigt, während es im Vorgänger in den höheren Ausstattungslinien aus geschäumtem Kunststoff bestand. Das gegen Aufpreis erhältliche Lederlenkrad und in späteren Modelljahren auch das serienmäßige Lenkrad wurden neu gestaltet.
Die mögliche Sonderausstattung wurde um ParkPilot, Reifendruckkontrollsystem und Coming-Home-Funktion ergänzt und die im Vorgänger erhältlichen Kassettenradios durch ein CD-Radio ersetzt, das wahlweise auch mit der Möglichkeit zum Abspielen von MP3-Dateien erhältlich war.
Sondermodelle Von Januar 2006 bis Juli 2006 wurde anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland das Sondermodell Goal angeboten, das serienmäßig mit CD-Radio, Geschwindigkeitsregelanlage, Klimaanlage, Multifunktionsanzeige und ParkPilot ausgestattet war.