mini|hochkant=1.2|Bild 1. Teil der nördlichen Befestigungsmauer von Eleutherai. mini|hochkant=1.5| Bild 3. Kartenausschnitt mit der Nordwestgrenze des antiken Attika („Athenian Frontier“). Die drei Orte, die in der Diskussion um die Lokalisierung von Eleutherai eine Rolle spielten, liegen südlich der Nordgrenze zwischen Attika und Böotien (von West nach Ost): Eleutherai (Gyphtokastro), Oinoe (Myopolis) und Panakton. mini|hochkant=1.2| Bild 4. Grundriss der ehemaligen Festung nach Stanhope, 1817 (die Nord-Richtung ist falsch eingezeichnet). mini|hochkant=1.2| Bild 5. Grundriss der ehemaligen Festung nach Ziller, 1876.

Eleutherai war ein antiker griechischer Ort an der Grenze zwischen Attika und Böotien, der durch seine Festung, als ursprünglicher Kultort des Dionysos Eleuthereus und als Geburtsort des Bildhauers Myron bekannt wurde.

Lokalisierung Unter den Fachgelehrten herrschte lange keine Einigkeit über den Standort des historischen Eleutherai (Bild 2 und 3). Zwei Lokationen standen zur Diskussion: Giftokastro Panakton Die in der Literatur angeführten antiken Quellen waren nicht klar genug, um die Diskussion zu entscheiden.Bonacasa 1976; Fields 2006, S. 27. So wurde z. B. für Giftokastro eine Stelle bei Pausanias ins Feld geführt:

Als Beleg für Panakton diente eine Stelle bei Thukydides:

Es standen sich zwei Fraktionen gegenüber, die beide auf ihrer Meinung beharrten.Siehe Cooper 2000, S. 157, Fußnote 9. – Bonacasa 1976 führt außerdem ohne Belegangabe Myoupolis als dritten möglichen Standort an, in dem andere das historische Oinoe sehen: „a location proposed by others as the site of Oinoe“. Bei Ausgrabungen in den 1980er Jahren fand der US-amerikanische Archäologe Mark Munn in der Nähe von Panakto eine Inschrift, die den Ort als das historische Panakton identifizierte,Papadopoulos 2011; dort sind auch Quellenangaben angeführt. so dass es als Lokation von Eleutherai ausschied.

Die Gleichsetzung von Giftokastro mit Eleutherai hat sich inzwischen offenbar durchgesetzt.Siehe z. B. das Odysseus-Portal des Griechischen Ministeriums für Kultur und Tourismus (odysseus.culture.gr) oder die Hinweistafel in Giftokastro, die den Titel „Fortress of Eleutherai“ trägt (flickr.com). Auch Bonacasa 1976 tendiert zur Gleichsetzung von Giftokastro mit Eleutherai: „The first of the theories [Giftokastro = Eleutherai] seems perhaps the most acceptable“. Die weiteren Ausführungen gehen von der Identität Eleutherais mit Giftokastro aus.

Lage Die strategische Grenzbastion zwischen Attika und Böotien liegt in 468 Meter Höhe auf einem isolierten Felshügel, etwa 100 Meter höherZiller 1879, Spalte 285. als der westlich vorbeiführende Kaza-Pass, dem in der Antike einzigen fahrbaren Weg zwischen dem Kithairon- und dem Parnes-Gebirge. Über diesen Pass verlief die Straße von Athen nach Theben, der Hauptverbindungsweg zwischen Nordgriechenland und der Peloponnes.

Ursprünglich zu Böotien gehörig, schlossen sich die Bewohner von Eleutherai in mythischer Zeit oder im 6. Jahrhundert vor Christus den Athenern an.Pausanias 1.38.8, Übersetzung: Pausanias 1829, S. 127. – Im 6. Jahrhundert soll die Statue des Dionysos Eleuthereus nach Athen verbracht worden sein, eine Aktion, die freundschaftliche Beziehungen zu den Athenern voraussetzt (siehe Abschnitt Dionysos Eleuthereus).

Heute gelangt man über die Nationalstraße 3 nach Giftokastro. Auf dem Streckenabschnitt zwischen den Orten Erythres und Oinoi mündet von Westen her die Straße von Vilia ein. Etwa ein Kilometer nördlich der Einmündung liegt rechts von der Nationalstraße Giftokastro.

Festung Die Ausführungen in diesem Abschnitt stützen sich auf Ariadne 2011, Papadopoulos 2011, Ziller 1879, den Artikel „Eleutherai“ in dem Odysseus-Portal des Griechischen Ministeriums für Kultur und TourismusOdysseus-Portal: odysseus.culture.gr. und die Hinweistafel der „3. Ephorie für Prähistorische und Klassische Altertümer“, die in der Nähe eines Eingangs der Festung angebracht ist.

Zu den Grundrissen (Bild 4 und 5): Auf Flickr findet sich ein Foto der Hinweistafel.Foto der Hinweistafel in Giftokastro mit einer aktuellen Grundrisszeichnung der Festung. Google Maps bietet eine detaillierte Luftbildansicht des aktuellen Zustands der Festung.Luftbildansicht der Festung in Google Maps: maps.google.de.

Festungsmauer Eleutherai/Giftokastro ist eine der besterhaltenen Befestigungen des antiken Griechenland. Die Festungsmauer, die zwischen 370 und 360 vor Christus erbaut wurde, passt sich in einem unregelmäßigen Viereck der Geländeformation an. Die Langseiten verlaufen fast geradlinig in beinahe west-östlicher Richtung und sind etwa 300 Meter lang. Die unregelmäßigen Schmalseiten haben eine Länge von etwa 100 Meter. Der Gesamtumfang der Festungsmauer betrug ca. 860 Meter. „Die ummauerte Fläche entspricht also etwa der Akropolis von Athen [oder vier Fußballfeldern] und umfasst ungefähr 3 ha“.Beloch 1911, S. 436.

An wichtigen Punkten war die Mauer durch zwei- oder dreistöckige Türme mit Schießscharten verstärkt. Sie hatten einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von sechs Meter und waren über begehbare, durchschnittlich etwa zweieinhalb Meter breite Wallmauern miteinander verbunden. Die Nordseite war mit sieben Türmen am dichtesten besetzt, die übrigen fünf Türme verteilten sich auf die restlichen Seiten. Die Festung verfügte über einen doppelten Haupteingang im Westen, einen Nebeneingang im Südosten sowie zwei schmale Pforten an der Nordseite.

Mauerwerk Das aus Kalksteinquadern bestehende Mauerwerk wurde in isodomer Bauweise errichtet, d. h. die Mauern wurden ihrer ganzen Dicke nach aus Quadern hergestellt. Zum Mauerwerk bemerkte 1879 der anonyme Autor eines Reiseberichts über Eleutherai: „Die Steine sind glatt und wohlbehauen, genau auf einander passend. Ohne Mörtel ist der Bau gefügt und in den Fugen wächst kein Gras. … Wir haben eine Leistung von Sauberkeit und Liebe in der Ausführung vor uns, welche an die Mauern der besten hellenischen Zeit erinnern, z. B. an die des Dipylon von Messene oder die Mauern der Propyläen zu Athen.“

Garnisonsgebäude Auf dem höchsten Punkt des Festungsgeländes, nahe an der nördlichen Mauer, wurden die Grundmauern eines wohl zweistöckigen Gebäudes mit einer Grundfläche von 16 mal 11 Meter gefunden. Der Bau aus mächtigem Polygonalmauerwerk, von dem noch 3–4 Lagen erhalten sind, ist mit seinen Langseiten genau in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet. Durch ein Tor in der östlichen Längswand gelangt man in einen Gang, zu dessen Seiten sich je zwei aneinandergrenzende Räume befinden. Der Bau wurde wahrscheinlich im 5. Jahrhundert errichtet und nach Fertigstellung der Festung vermutlich als Garnisonsgebäude benutzt. Andere verstreute Funde niedrigen Mauerwerks auf dem Gelände deuten darauf hin, dass es außer dem Garnisonsgebäude noch weitere Bauten gab.

Erhaltungszustand Die Nordseite der Festung ist am besten erhalten. Das Mauerwerk steht bis zu einer Höhe von vier bis sechs Meter, von den sieben Türmen sind erhebliche Reste geblieben, und die Wallmauer ist teilweise noch begehbar. Von den übrigen Seiten haben nur geringe Reste überdauert.

Personen mini|hochkant=2| Bild 6. Attischer Skyphos mit Schiffskarrenprozession während der Großen Dionysien. Ausschnitt: Schiffskarren mit der Holzstatue des sitzenden Dionysos Eleuthereus. Eleuther, Eleuthera, Artemis Eleuthera, Mnemosyne, Myron, Pegasos Einige Personen sind durch Mythos oder Geburt mit Eleutherai verbunden. Der mythische Gründer und Namensgeber der Stadt war Eleuther, der vielleicht mit einer realen Person übereinstimmen könnte, die im 6. Jahrhundert vor Christus gelebt haben mag.Eleuther soll einst bei den Pythischen Spielen in Delphi einen Preis errungen haben (Pausanias 10.7.3. Übersetzung: Pausanias 1766). Da die historischen Pythischen Spiele um 586 vor Christus begonnen haben sollen, müsste Eleuther im 6. Jahrhundert vor Christus gelebt haben.

Die Existenz einer Göttin namens Eleuthera wird nur von Karl Kerényi behauptet: „Eleutherai, dem der Name der Göttin Eleuthera zugrunde liegt, wie diesen beiden Eleuther“.Kerényi 1994, S. 110. Allerdings führt er dafür keine Belege an.

Auch die Göttin Artemis wird als Artemis Eleuthera nur in Verbindung mit dem lykischen Ort Myra erwähnt, ohne dass ein Bezug zu Eleutherai nachweisbar wäre.

Nach Hesiods Theogonie war die Göttin Mnemosyne, die dem Zeus die neun Musen gebar, die „Beherrscherin von Eleuthers Höhen“.Hesiod Theogonie 54.

Nach einer Quelle wurde die Statue des Dionysos Eleuthereus durch Pegasos von Eleutherai nach Athen gebracht (siehe Abschnitt Dionysos Eleuthereus).

Der Bildhauer Myron soll in Eleutherai geboren worden sein. Er wurde u. a. berühmt durch die Bronzestatue eines Diskuswerfers (Diskobolos), die in unzähligen Kopien nachgeahmt wurde.

Dionysos Eleuthereus Es ist nicht zweifelsfrei belegt, warum Dionysos, der griechische Gott des Weines, auch den Namen Dionysos Eleuthereus (lateinisch: Dionysos Eleutherius) oder Dionysos von Eleutherai erhielt. Die geläufigen Deutungsvarianten beruhen auf der etymologischen, mythischen bzw. historischen Herleitung des Namens.