Philippe Lejeune (* 13. August 1938 in Paris) ist ein französischer Literaturwissenschaftler, der sich hauptsächlich mit der Autobiografie befasst. Er ist außerdem Mitbegründer der 1992 ins Leben gerufenen Autobiografischen Gesellschaft (Association pour l'autobiographie et le patrimoine autobiographique). Als seine wichtigste Arbeit gilt das Buch Der autobiografische Pakt, das im französischen Original 1975 erschien.
Lejeune versuchte, eine theoretische Grundlage zu schaffen, um das Genre der Autobiografie besser abgrenzen zu können. Dazu formulierte er zunächst deren Definition: die Autobiografie ist "die retrospektive Schilderung in Prosaform, die eine real existierende Person ihres Daseins gibt, wobei sie den Hauptakzent auf das individuelle Leben legt, insbesondere auf die Lebensgeschichte der eigenen Persönlichkeit." Darüber hinaus bildete Lejeune das Konzept des autobiografischen Pakts: "Damit es überhaupt eine Autobiografie geben kann, muss der Autor mit seinen Lesern einen Pakt, einen Vertrag eingehen, in dem er verspricht, sein Leben, und nichts als sein Leben, in allen Einzelheiten zu erzählen."
Somit sind für Lejeune einerseits die genaue Introspektion und andererseits der Anspruch von Wahrhaftigkeit die beiden Merkmale des autobiografischen Genres. Dennoch räumt er ein, dass vielerlei Faktoren (Erinnerungslücken, mangelnde oder übermäßige Wahrheitstreue, die gewählte Erzähltechnik usw.) das Unternehmen erschweren, die eigene Lebensgeschichte aufzuzeichnen.
Insbesondere der Autor und Filmemacher Alain Robbe-Grillet widersprach dem von Lejeune eingemahnten Pakt. Beim Schreiben der eigenen Autobiografie, Le Miroir qui revient (1985, deutsche Übersetzung von Andrea Spingier: Der wiederkehrende Spiegel, Suhrkamp 1986) formulierte er eine Gegenposition, was eine längere Kontroverse unter den französischen Intellektuellen auslöste.
1998 wurde Lejeune als korrespondierendes Mitglied in die British Academy gewählt.
Veröffentlichungen 1971: L'Autobiographie en France 1975: Le Pacte autobiographique Der autobiographische Pakt, übers. von Dieter Hornig und Wolfram Bayer (edition suhrkamp/SV 1994) 1980: Je est un autre. L'autobiographie de la littérature aux médias 1986: Moi aussi 1990 «Cher cahier...» Témoignages sur le journal personnel 1990: La Pratique du journal personnel 1997: Un journal à soi, ou la passion des journaux intimes 1998: Pour l'autobiographie 2000: Les Brouillons de soi 2000: «Cher écran...» Journal personnel, ordinateur, Internet 2005: Signes de vie (Le pacte autobiographique, 2) (2005) 2006: Le Journal intime. Histoire et anthologie 2013: Autogenèses. Brouillons de soi 2 deutsch: Liebes Tagebuch. Zur Theorie und Praxis des Journals, übersetzt von Jens Hagestedt, belleville, München 2014, ISBN 978-3-943157-76-5
Weblinks Website von Philippe Lejeune Homepage der Association pour l'Autobiographie et le patrimoine autobiographique
Einzelnachweise
Kategorie:Literaturwissenschaftler Kategorie:Hochschullehrer (Universität Paris XII Val-de-Marne) Kategorie:Mitglied der British Academy Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1938 Kategorie:Mann