mini|hochkant=0.7|Wappen von Cheb im Fenster von St. Nikolaus mini|hochkant=1.3|Panorama der Innenstadt mini|Marktplatz mit Stöckl, Rathaus und St. Nikolaus

Cheb [] (, deutsch: Eger) ist eine Stadt in der Region Karlsbad im äußersten Westen Tschechiens. Sie ist ein bedeutender Standort für Bildung und Industrie. Nach dem gleichnamigen Fluss Eger ist die Region Egerland benannt. Die Stadt liegt im böhmischen Vogtland.

Im Hoch- und im Spätmittelalter war Eger eine Freie Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich, was sich im Stadtwappen widerspiegelt.

Geographie Die Stadt liegt am Fluss Eger im nördlich und südwestlich an Deutschland grenzenden Egerland, dessen historisches Zentrum die Stadt bildet, etwa 42 km westsüdwestlich von Karlsbad.

Acht Kilometer nordöstlich der Stadt befindet sich das Naturschutzgebiet Soos bei der Ortschaft Nový Drahov (Rohr), ein Torf- und Mineralwiesenmoor mit aus Mofetten ausströmendem Kohlendioxid-Gas vulkanischen Ursprungs. Als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind außerdem die Komorní hůrka (Kammerbühl) nordöstlich der Stadt und die Železná hůrka (Eisenbühl) südlich an der tschechisch-bayerischen Grenze, Reste der beiden jüngsten böhmischen Vulkane. Goethe forschte dort.

Bei der Stadt befinden sich zwei Stauseen, auf denen Wassersport betrieben werden kann: westlich die von der Eger gespeiste Talsperre Skalka und südöstlich die von der Wondreb durchflossene Talsperre Jesenice.

Der 634 Hektar große Egerer Stadtwald liegt direkt hinter der Grenze auf deutschem Gebiet und gehört zur Marktgemeinde Bad Neualbenreuth.

Stadtgliederung Die Stadt Cheb gliedert sich in je 19 Katastralbezirkeuir.cz und Ortsteile:uir.cz

Ortsteile / Name des Katastralbezirkes – wenn abweichend Bříza (Pirk) / Bříza nad Ohří Cetnov (Zettendorf) Dolní Dvory (Unterschön) Dřenice (Treunitz) / Dřenice u Chebu Háje (Gehaag) / Háje u Chebu Horní Dvory (Oberschön) Hradiště (Reichersdorf) / Hradiště u Chebu Hrozňatov (Kinsberg) / Starý Hrozňatov Cheb (Eger) Chvoječná (Sebenbach) Jindřichov (Honnersdorf) / Jindřichov u Tršnic Klest (Reißig) Loužek (Au) Pelhřimov (Pilmersreuth) / Dolní Pelhřimov Podhoří (Kreuzenstein) / Podhoří u Chebu Podhrad (Pograth) Skalka (Stein) / Skalka u Chebu Střížov (Triesenhof) / Střížov u Chebu Tršnice (Tirschnitz)

Grundsiedlungseinheiten sind Bříza, Cetnov, Dolní Dvory, Dřenice, Háje, Horní Dvory, Hradiště-průmyslový obvod, Hrozňatov, Cheb-historické jádro I, Cheb-historické jádro II, Chvoječná, Jesenická přehrada, Jindřichov, Klášterní dvůr (Köstelhof), Klest, Komorní Dvůr (Kammerhof), Loužek, Maškov (Matzelbach), Na Vyhlídce, Nádraží, Nádrž Skalka, Pelhřimov, Pod Horní branou, Pod Chlumečkem, Podhoří, Podhrad, Podhrad-východ, Sídliště Zlatý vrch, Skalka, Slapany (Schloppenhof), Střížov, Svatý Kříž (Heiligenkreuz), Tršnice, U Horní brány, U Hradiště, U Lodní brány, U nádraží, U nemocnice, U stadiónu, U Zátiší, Za klášterem, Za nádražím, Zahrádky, Zátiší-Myslivna und Zlatý vrch.uir.cz

Geschichte Name Der Name der Stadt war 1061 Egire. Ab dem 14. Jahrhundert sind Eger und Cheb dokumentiert, 1374 sogar im selben Text, Egra in boemica lingua Cheb (deutsch: „Egra, das in böhmischer Sprache Cheb ist“). Der tschechische Name kann auf eine alte Form von ohyb („Biegung“) zurückgeführt werden und bezieht sich wahrscheinlich auf den Verlauf des Flusses bei der Stadt.Antonín Profous: Místní jména v Čechách: Jejich vznik, původ, význam a změny. Band 2: CH-L. Česká akademie věd a umění, Prag 1949. Daneben wird erwogen, Slawen hätten eine ursprünglich germanische Bezeichnung (Chub) für eine Höhen- oder Hanglage über dem Fluss übernommen.

Im Deutschen ist die Stadt nach dem Fluss Eger benannt, an dessen Ufern sie liegt. Der Gewässername hat indoeuropäische Wurzeln: Agriā hat in etwa die Bedeutung ‚der stark strömende, wilde Fluss‘.Karlheinz Hengst: Warum heißt Eger als Fluss tschechisch Ohře und als Stadt Cheb? In: Erzgebirgische Heimatblätter. 35(2013)1, , S. 3–5.

Ab 1850 hieß die Stadt amtlich Eger und Cheb. Seit 1945 ist der offizielle Name Cheb.

Früh- und Hochmittelalter mini|links|Kaiserpfalz mini|links|Romanische Doppelkapelle

Eger wurde am 13. Februar 1061 das erste Mal urkundlich als Egire erwähnt. Die Burg wurde möglicherweise im beginnenden zehnten Jahrhundert errichtet.Bernhard Grueber: Die Kaiserburg zu Eger und die an dieses Bauwerk sich anschließenden Denkmale. Prag / Leipzig 1864; books.google.de Ders.: Der schwarze Thurm auf der Kaiserburg zu Eger. (Mit Abbildung.) In: Mittheilungen des Vereines für Geschichte der Deutschen in Böhmen, Nr. 4, Prag 1863, S. 2–8; books.google.de 1167 kam Eger in den Besitz des staufischen Kaisers Friedrich Barbarossa.Ernst Theodor Gaupp: Deutsche Stadtrechte des Mittelalters, mit rechtsgeschichtlichen Erläuterungen. Erster Band: Die Stadtrechte von Straßburg, Hagenau, Molsheim, Colmar, Annweiler, Winterthur, Landshut in Bayern, Regensburg, Nürnberg, Eger, Eisenach und Altenburg. Breslau 1851, S. 182–193; books.google.deJohann Theodor Benjamin Helfrecht: Ruinen, Alterthümer und noch stehende Schlösser auf und an dem Fichtelgebirge. Ein Versuch. Hof 1795, S. 181 ff.; . Eger wurde schon vor 1179 zur Stadt erhoben. König Friedrich II. unterzeichnete dort am 12. Juli 1213 die Goldbulle von Eger, durch die die Rechtsstellung der Bischöfe des Reiches gestärkt und der Kirchenstaat vergrößert wurde. 1242 erhielt Eger Nürnberger Stadtrecht, 1277 wurde es Reichsstadt. Infolge des Aussterbens der Staufer 1268 kam Eger wenige Jahre später erstmals unter böhmische Hoheit. Am 4. Oktober 1322 verpfändete Ludwig der Bayer die Stadt mit deren Zustimmung für 20.000 Mark Silber an den böhmischen König Johann. Der Stadt Eger wurde in einer Urkunde vom 23. Oktober 1322 weitgehende Eigenständigkeit gegenüber dem Königreich Böhmen zugesichert, einschließlich der Wahrung ihrer Stellung als Reichsstadt. Dieser Status wurde dennoch in einem langen Prozess ausgehöhlt und ging schließlich verloren. Das Reichspfand wurde nie eingelöst, in der Literatur wird in der Folgezeit von der Reichspfandschaft Eger gesprochen. Nachdem die Kronen des Königreichs Böhmen und des Heiligen Römischen Reiches unter Karl IV., dem Sohn Johanns, in einer Hand vereinigt waren, war für eine Einlösung des Pfandes kein Grund mehr gegeben. Kaiser Ludwig hatte in seinen letzten Regierungsjahren durchaus Interesse an einer Einlösung gezeigt, König Johann verhielt sich aber abweisend. Im Jahr 1350 kam es in Eger zu einem Pogrom gegen die ansässigen Juden, bei der die jüdische Gemeinde nahezu ausgelöscht wurde. mini|Stadtansicht von 1572 mini|Burgansicht von Nordwesten ausAls wirtschaftlich aufstrebende Stadt hatte sich Eger mit den verarmten Landadeligen der Umgebung auseinanderzusetzen, z. B. in der Adelsfehde Ende des 14. Jahrhunderts. Vergehen wurden dokumentiert im Buch der Gebrechen und in zwei Achtbüchern. Am 5. Mai 1389 wurde in Eger während eines Reichstages der Landfrieden von Eger zwischen König Wenzel und einem Städtebund südwestdeutscher Reichsstädte geschlossen, nachdem Wenzel zuvor erfolglos versucht hatte, seine Interessen den Städten gegenüber durchzusetzen. Hussitenkriege und Dreißigjähriger Krieg In den Hussitenkriegen beteiligte sich die katholische Stadt Eger aktiv auf der Seite der antihussitischen Koalition. Sie entsandte mehrmals Bereitschaftstruppen und nahm an allen Kreuzzügen gegen die Hussiten teil. Im Juni 1430 geriet die Stadt in große Gefahr, als die Hussiten auf ihrem Rückweg von Nürnberg nach Böhmen Eger passierten. Sie zerstörten in der Obertorvorstadt einen Teil der Stadtmauern, konnten aber durch Zahlung einer hohen Summe zum Abzug bewegt werden. Da sich die neugegründete jüdische Gemeinde aufgrund von Privilegien nicht an der Stadtverteidigung beteiligt hatte, beklagte sich der Rat der Stadt bei König Sigismund, der daraufhin die Juden aus der Stadt verwies; die vertriebenen Familien wurden zumindest teilweise entschädigt. Am 25. April 1459 wurde in der Stadt der Vertrag von Eger über die Grenze zwischen Böhmen und dem Kurfürstentum Sachsen geschlossen.

Später schloss sich Eger der lutherischen Reformation an und geriet dadurch unter massiven Druck des Kaisers Rudolf II. 1609 wurde der Stadt die den böhmischen Ständen zugestandene Religionsfreiheit versagt und 1626 die böhmische Gegenreformation auch in Eger durchgeführt.mini|Ermordung Wallensteins in Eger 1634

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde in Eger am 25. Februar 1634 Albrecht von Wallenstein ermordet. Im Jahr 1647 wurde Eger von den Schweden belagert und eingenommen.Franz Kürschner: Zur Geschichte der Belagerung Egers durch die Schweden 1647. In: Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen. Band 11, Prag 1873, S. 27–31; books.google.de Um die Stadt zurückzugewinnen, blockierten kaiserliche Truppen unter dem Pilsener Stadtkommandanten Jan van der Croon über den folgenden Winter die von Johann Koppy befehligte schwedische Besatzung. Diese stand durch das lange Aushungern kurz vor der Aufgabe, als der schwedische General Königsmarck im April 1648 die Blockade durchbrach und die Stadt mit Proviant versorgte.Ernst Höfer: Das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Strategie und Kriegsbild. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 1997, ISBN 3-412-04297-8, S. 95–96, 171–172. Die Schweden verließen Eger erst 1649 endgültig.encyklopedie.cheb.cz

18. und 19. Jahrhundert mini|Lokomotiven während der Lokomotivflucht 1866 im Bahnhof Eger

1723 wurde Eger Freie Königliche Stadt. 1809 ereilte den Nordteil der Stadt ein großer Brand. Die dabei vernichteten mittelalterlichen Bauten wurden nicht wieder aufgebaut. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Eger Sitz des Gerichtsbezirks Eger im Bezirk Eger.

Bis 1851 gehörte Franzensbad (Františkovy Lázně) dem Magistrat der Stadt Eger. Das Mineralwasser der Franzensbader Quellen, die ursprünglich als Egerer Sauerbrunnen bezeichnet wurden, erhielten Kurgäste, die sich damals in Eger aufhielten.

Im Laufe des Deutschen Krieges 1866 wurde Eger Ziel der sogenannten Lokomotivflucht, bei der mehr als 140 sächsische Lokomotiven und mehr als 1000 Waggons vor dem Zugriff der preußischen Streitkräfte evakuiert wurden.

Österreichische Geographen errechneten zur Zeit des Kaiserreiches den 939 Meter hohen Tillen in der Nähe Egers, unmittelbar an der Grenze zu Bayern, als den geographischen Mittelpunkt Europas und dokumentierten dies auf einer Kupferplatte auf dem Gipfel (siehe Mittelpunkt Europas am Tillenberg). (Eine Modernere Definition sieht den Mittelpunkt Europas nördlich von Vilnius in Litauen.)

Während der k.u.k.-Monarchie war Eger Garnisonsstadt. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 lagen dort das IV. Bataillon des Infanterieregiments „Albrecht von Württemberg“ Nr. 73 und das k. k. Landwehrinfanterieregiment „Eger“ Nr. 6. Am 21. Oktober 1918 bildeten die deutschen Abgeordneten des österreichischen Reichsrates eine deutschösterreichische Nationalversammlung. Am 28. Oktober 1918 wurde in Prag die Gründung der Tschechoslowakei proklamiert. Am 11. November 1918 war mit dem Rückzug Karls I. von allen Regierungsgeschäften die Auflösung der Donaumonarchie besiegelt. Am 16. Dezember 1918 gegen 12:45 Uhr wurde Eger von 500 Mann des tschechoslowakischen Infanterieregiments 35 aus Pilsen besetzt. Die restlichen kaisertreuen Truppen gaben die Stadt erst nach Androhung einer Beschießung durch Artillerie auf.

Tschechoslowakische Republik, deutsche Besetzung und Nachkriegszeit mini|Marktplatz

mini|hochkant=0.7|Stadtplan von 1922