Burkhardtsdorf ist eine Gemeinde im Norden des Erzgebirgskreises in Sachsen. Sie ist erfüllende Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft Burkhardtsdorf, deren Mitglied sie seit dem 21. März 2008 ist.
Geografie und Verkehr Burkhardtsdorf liegt an der Zwönitz 12 km südlich von Chemnitz und 12 km östlich der Stadt Stollberg/Erzgeb. am Nordrand des Erzgebirges im Zwönitztal. Die Höhen im Gemeindegebiet erreichen knapp 600 Meter. Im Ort kreuzt die B 95 die B 180. Auch die Bahnstrecke Chemnitz–Aue führt durch die Gemeinde. Die A 4 ist über Chemnitz und die A 72 über Stollberg zu erreichen.
Ortsteile Burkhardtsdorf Eibenberg mit Neu-Eibenberg Kemtau Meinersdorf
Geschichte mini|Ruine der 1945 durch Bombenangriff zerstörten Michaelskirche mini|Die umgebaute Friedhofskapelle wird als Kirche genutzt
Ortsteil Burkhardtsdorf Mittelalter Die wahrscheinlich ersten Siedler des Ortes waren Mainfranken. Sie kamen Mitte des 12. Jahrhunderts im Auftrag von Kaiser Friedrich Barbarossa. Der Ort wurde als Waldhufendorf mit Scheinwüstungen angelegt: Man platzierte alle Wohnstätten an den Gleithängen der Zwönitz, außerhalb der hochwassergefährdeten Zone, in Reihe und Rufweite zueinander. Im Bereich der steilen und steinigen Prallhänge der Zwönitz wuchs weiterhin Wald. Ihn hat man lediglich in Parzellen gegliedert ("verhuft") und diese den Bauern zugeteilt. Bei den so entstandenen, nie bebauten „wüsten Gütern“ an den Prallhängen handelt es sich daher um bloße Scheinwüstungen, denn echte Wüstungen sind ehemals bebaute, dann aber verlassene und verwilderte Gebiete.
Der Name Burkhardtsdorf ist entstanden, als der Ort zum Chemnitzer Benediktinerkloster „St. Marien“ gehörte. Burkhardtsdorf war bis zur Reformation dem Chemnitzer Kloster tributpflichtig, wie auch die Nachbarorte Adorf und Klaffenbach.
In zwei Urkunden aus den Jahren 1216 und 1218 wird der „Abt Burchard“ erwähnt: Als weltlicher Herr nimmt König Friedrich II. 1216 das Kloster Kempnitz in seinen Schutz. Er bestätigt dem Abt Burchard und dessen Nachfolgern alle Rechte und Freiheiten. Die Kirche gibt 1218 eine ähnliche Erklärung ab: Papst Honorius III. nimmt den Abt Burkhard und das Kloster Camnitz in seinen Schutz.
Diese beiden Urkunden lassen den Schluss zu, dass der 4. Abt des Bergklosters St. Marien zu Chemnitz, Burkhard, als Gönner und Förderer des Ortes geehrt werden sollte, indem man die neue Siedlung nach ihm benannte.
Die Schreibweise des Namens hat sich im Laufe der Jahre mehrfach geändert. So schrieb man 1331 „Burckerstorff“ 1368 „Burckarstorff“, 1408 „Burkirsdorff“, 1427 „Burgkerstorf“ 1475 „Burgkerhrsdorff“, 1495 „Borckerßdorff“ 1555 „Borkersdorff“ und 1624 „Burcartsdorff“. Die heute gültige Schreibweise „Burkhardtsdorf“ wurde im Jahre 1891 durch Entschließung des Königlichen Ministeriums des Inneren festgelegt.
Nach aktueller Quellenlage wird Burkhardtsdorf erstmals 1331 urkundlich erwähnt, als „Burckerstorff“. Die Urkunde liegt im Dresdner Hauptstaatsarchiv. In ihr wird festgehalten, dass Burkhardtsdorf zu dieser Zeit als einziges Dorf selbst Bier brauen durfte, während die anderen Klosterdörfer Chemnitzer Bier zapfen mussten.
Die Kirche von „Borckersdorff“ wird 1346 im Meißner Bistumsmatrikel erwähnt. Um 1600 war das Kirchgebäude baufällig. Gelder für einen Neubau kamen vom Kurfürsten, von der Gutsherrschaft Neukirchen und von der Gemeinde und ihren Handwerkern. Allerdings wurde fast das gesamte an der Ahnermühle gelagerte Bauholz 1628 bei einem Hochwasser weggespült. Auch die Pest und die Wirren des Dreißigjährigen Krieges verhinderten einen baldigen Neubau. Er gelang erst 1695. 1749 wurde das Schindeldach der Kirche durch ein Schieferdach ersetzt. 1839 folgte eine umfassende Kirchensanierung. Am 14. Februar 1945 fiel die Burkhardtsdorfer Kirche einem amerikanischen Bombenangriff zum Opfer. Sie wurde nicht wieder aufgebaut. Die heutige Burkhardtsdorfer Kirche ist die durch Baumeister Uhlig umgebaute Trauerhalle des Orts. Sie wurde am 15. Februar 1948 als Notkirche geweiht. Die Ruine der alten Kirche wurde beräumt und dient heute in den Sommermonaten zu Freiluftgottesdiensten u. ä.
Frühe Neuzeit Für das Jahr 1501 gab es für Burkhardtsdorf ein Türkensteuerregister, welches man als erstes Einwohnerverzeichnis ansehen kann. Einige der Namen existieren noch heute im Ort.
Nach der Säkularisation und der Auflösung des Chemnitzer Klosters wurden 1543 die drei Klosterdörfer Burkhardtsdorf, Klaffenbach und Neukirchen durch Herzog Moritz von Sachsen an den Annaberger Bürger Wolf Hünerkopf verkauft. Es entstand die Gutsherrschaft Neukirchen. Als Hünerkopf 1570 verstarb, kaufte der sächsische Kurfürst August den Neukirchner Besitz von Hünerkopfs Erben und ließ ihn dem Amte Chemnitz zuordnen. Die Gutsherrschaft Neukirchen gelangte nach mehreren Eigentumswechseln schließlich 1615 in den Besitz des Dietrich von Taube. Die Familie von Taube war über 200 Jahre Herrscher auf Herrengut und Schloss Neukirchen und somit auch Herrscher über Burkhardtsdorf. Über die Lehnrichter übte die Herrschaft Neukirchen die Aufsicht über die Gemeinde aus. Deshalb gab es in Burkhardtsdorf ein Lehngericht.
Ab 1560 wurden für Burkhardtsdorf Gerichtsbücher geführt, das älteste Kirchenbuch stammt aus dem Jahr 1605.
Für das Gutsdorf Burckersdorff (Burkhardtsdorf) ist für 1568 eine Marktgerechtigkeit beurkundet. Sie beinhaltete die Herstellung und den Verkauf von Leinenstoffen auf jährlichen Märkten in Burckersdorff. 1674 geht die Marktgerechtigkeit für den Tuchhandel jedoch an Neukirchen über. 1868 oder 1869 verkaufte Neukirchen das Marktrecht wieder an Burkhardtsdorf. Seitdem fanden zweimal im Jahr Jahrmärkte statt, einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Jeder dieser Märkte begann am Montag 8 Uhr und endet am Dienstag der nächsten Woche um 21 Uhr. Diese Jahrmärkte sind bis etwa 1948, mit Unterbrechungen durch die Kriege, für Burkhardtsdorf nachweisbar.
Während des Dreißigjährigen Krieges blieb der Ort selbst in den ersten Jahren vom Krieg verschont. Jedoch gab es während der Zeit des Krieges tragische Ereignisse, wie die rote Ruhr, die Pest und hitzige Fieber sowie Unwetter und Hochwasser, welche die Sterbefälle rasant ansteigen ließen. Von den 41 Bauerngütern und 5 Gartennahrungen sollen 40 Güter über viele Jahre unbewirtschaftet gelegen haben. Ein Landtagsbeschluss von 1646, wonach ein jeder, der ein wüst liegendes Gut übernimmt, sechs Jahre von der Landsteuer befreit wird, sollte den Wiederaufbau fördern.
Um 1570 war auf den sogenannten Stallungsplänen des Georg von Öder d. J. Burkhardtsdorf erstmals aufgetragen. Es folgten weitere Darstellungen, so um 1620 auf einem Ur-Öder-Blatt von Balthasar Zimmermann und nach 1790 auf dem „Sächsische Meilenblatt“, Berliner Ausgabe, Blatt 201.
Im Jahre 1696 wurde die Postroute Leipzig-Chemnitz-Annaberg eingerichtet. Diese führte anfangs über Einsiedel, Gelenau und Herold. Ab 1712 wurden zahlreiche neue Postkurse festgelegt, darunter auch der von Chemnitz über Burkhardtsdorf nach Annaberg. 1721 wurde durch Adam Friedrich Zürner im Auftrag des Kurfürsten von Sachsen eine kartografische Vermessung durchgeführt. Im Zusammenhang damit wurden Postmeilensäulen aufgestellt. In Burkhardtsdorf stand eine Ganzmeilensäule, deren Reste noch im Buchdruckereimuseum zu besichtigen sind. Eine Nachbildung steht heute gegenüber der Apotheke.
19. Jahrhundert 1785 wurde ein Brandversicherungskataster erstellt. Darin sind außer Kirche und Lehngericht 59 Bauerngüter und 123 Häusler benannt. Die im neuen Entwurf zum Brandversicherungskataster von 1839 für die Anwesen vergebenen Brandkatasternummern entsprachen den bis Mitte des 20. Jahrhunderts gültigen Ortslistennummern. Das eigentliche bestätigte Kataster konnte leider bisher in keinem Archiv aufgefunden werden.
Nach Ablösung der Lehnsherrschaft und Erlass der Sächsischen Landgemeindeordnung am 11. November 1838 wurden ab 1839 Gemeindevorstände gewählt. Burkhardtsdorf hatte zu dieser Zeit etwa 1800 Einwohner. Der erste Gemeindevorstand war von 1839 bis 1844 August Knobloch.
1875 wurde die Eisenbahnlinie Chemnitz–Aue in Betrieb genommen. Auch Burkhardtsdorf erhielt einen Bahnhof. Im Zusammenhang mit dem Eisenbahnbau erfolgte auch die Anhebung der Poststraße nach Annaberg. Die Querung des Zwönitztals erfolgte nun über eine Brücke. 1892/93 erfolgt der Bau der Zwönitztalstraße von Burkhardtsdorf nach Dittersdorf, die heutige B 180.
1895 wurde Burkhardtsdorf an das Fernsprechnetz angeschlossen. 1900 erhielt der Ort ein Postamtsgebäude in der Unteren Hauptstraße 31. 1904 erfolgte der Bau des Elektrizitätswerkes an der Alten Poststraße.
20. Jahrhundert 1908 begann der Bau des Freibades durch ausgesperrte Textilarbeiter und Mitglieder des Naturheilvereins. 1993 wurden die alten Anlagen des Freibades abgerissen und es entstand ein neues zeitgemäßes Freibad.
1911 fuhr die letzte Pferdepost durch Burkhardtsdorf. Das alte Lehngericht wurde abgerissen und an dieser Stelle ein neues Rathaus gebaut, welches am 28. Dezember 1911 geweiht wurde. Es dient noch heute als Sitz der Gemeindeverwaltung.
Im April 1913 erfolgte in Burkhardtsdorf auf der Grundlage eines Beschlusses des Gemeinderates die Einführung der Straßennamen.
1926 erfolgte der Bau der Ortswasserleitung, dem 1930 der Bau eines Hochbehälters auf dem Niclasberg folgte.
1927 erhielt der Ort ein eigenes Kino, wo bis Mitte der 1990er Jahre ein regelmäßiger Kinobetrieb stattfand. Danach wurde es noch gelegentlich von Vereinen genutzt bzw. stand leer. Im November 2021 wurde es abgerissen.
1929 wurde das gemeindeeigene Wannenbad eingeweiht. Es enthielt 19 Wannenbäder, 4 Brausebäder, Heilbäder aller Art, ein Schulbrausebad sowie eine öffentliche Waschanstalt. Um 1960 waren viele Reparaturen notwendig. Durch die Schaffung eigener Bäder in den Haushalten nahm der Bedarf zusehends ab und der Betrieb wurde in den 1970er Jahren eingestellt.
Burkhardtsdorf war bei seiner Gründung ein reines Bauerndorf. Doch schon frühzeitig begann man mit der Leineweberei, so gab es 1545 neben den Bauern bereits 11 Leineweber, 9 Schneider, 6 Schmiede, 5 Stellmacher, 4 Böttcher, 4 Tuchscherer und 2 Schuster. 1747 wird der erste Burkhardtsdorfer Strumpfwirker Johann Christian Köhler erwähnt. In den 1830er Jahren werden einige Burkhardtdorfer Mühlen zu Baumwollspinnereien umfunktioniert. So schnell wie die Baumwollspinnereien entstanden waren, so schnell kam deren Niedergang, da die Baumwolle nicht mehr aus Amerika geliefert wurde. Dadurch gewann die Strumpfwirkerei großen Aufschwung, so dass es 1835 bereits 132 Strumpfwirker mit 230 Wirkstühlen gab. 1873 verwendete Adolf Hofmann die erste Dampfmaschine zur Strumpfherstellung. Es folgten weitere Strumpffabriken. Bis etwa 1927 gab es in Burkhardtsdorf 43 Strumpffabriken und damit verbunden sechs Wirknadelfabriken.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neue Industriezweige, in erster Linie die chemische Industrie durch die Schüngel-Chemie KG, später VEB Schaum-Chemie, Recticel und Eurofoam. Auch Zweige des Buchungsmaschinenwerkes Karl-Marx-Stadt siedelten sich im Ort an. Die Strumpfindustrie kam in den 1980er Jahren vollständig zum Erliegen.
Die gesundheitliche Betreuung ist bis 1580 zurück zu verfolgen. Damals gab es in der Pfarre eine Badestube und einen Andreas Bauer, der sich „Ergebener der Leib und wundt Artzney“ nannte. Bis 1790 sind weitere Bader bekannt. 1865 gab es im Ort eine Krankenstube in der Chemnitzer Str. 2. Ab 1909 gab es Gemeindeschwestern und ab 1910 waren Dentisten nachweisbar. 1846 wurde eine Apotheke eröffnet, die sich heute noch an diesem Ort befindet. 1956 wurde das erste Pflegeheim in der einstigen Berufsschule und 1958 ein Feierabendheim in der ehemaligen Villa vom Strumpffabrikanten Pfau eingerichtet. Von 1959 bis 1991 gab es in Burkhardtsdorf ein Landambulatorium. Nach der politischen Wende gibt es eine Praxis für Allgemeinmedizin und eine zahnärztliche Einrichtung. 2001 erfolgte der Neubau des AWO-Seniorenzentrums in der Canzlerstraße.