mini|Darstellung von Alexander Zick mini|Zeichnung von Adrian Ludwig Richter mini|Illustration von Carl Offterdinger Aschenputtel ist die Titelperson eines Märchens (ATU 510 A). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 21 (KHM 21) und geht zum Teil auf Charles Perraults Cendrillon ou la Petite Pantoufle de verre (Aschenputtel oder der kleine Glasschuh)Französisch cendre bedeutet „Asche“, pantoufle in diesem Zusammenhang „Schuh“, nicht „Pantoffel“ oder „Hausschuh“. von 1697 zurück. Ludwig Bechstein übernahm es als Aschenbrödel in sein Deutsches Märchenbuch (1845 Nr. 70, 1853 Nr. 62). Das Märchen erschien auch als Die drei Schwestern in Ignaz und Josef Zingerles Kinder- und Hausmärchen aus Tirol. Ein früheres Märchen ähnlichen Typs ist Die Aschenkatze in Giambattista Basiles Pentameron. Perraults Fassung mit in Apfelschimmel verwandelten Mäusen und einem Kürbis, der mit Hilfe einer Fee zur Kutsche wird, prägte Walt Disneys Zeichentrickfilm Cinderella von 1950 maßgeblich.
Inhalt nach den Brüdern Grimm (1812) mini|Bild von Jenny Nystrøm, um 1890 mini|Illustration von Hermann Vogel Die Tochter eines reichen Mannes wächst wohlbehütet auf. Als die Mutter stirbt, bittet sie auf dem Totenbett die Tochter, ein Bäumlein auf ihrem Grab zu pflanzen, an dem sie rütteln solle, wenn sie einen Wunsch habe, was die Tochter auch tut. Zwei Jahre nach dem Tod ihrer Mutter heiratet der Vater eine Witwe, die zwei Töchter mit ins Haus bringt. Stiefmutter und Stiefschwestern machen dem Mädchen auf alle erdenkliche Weise das Leben schwer. Weil es nicht nur gröbste Schmutzarbeit leisten, sondern fortan auch in der Asche neben dem Herd schlafen muss, wird das Mädchen Aschenputtel genannt.Die Brüder Grimm weisen darauf hin, dass ähnliche Begriffe im Deutschen bereits im 18. Jahrhundert nachzuweisen sind, etwa „Aschepuddel“ als „ein geringfügiges unreines Mädchen“ in Johann Georg Estor: „Versuch eines Oberhessischen Wörterbuchs“. In: Ders.: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt am Main 1767, S. 1403–1424, hier S. 1403. Online im Dt. Textarchiv.
Eines Tages gibt der König einen Ball, der drei Tage dauert. Die Stiefschwestern lassen sich von Aschenputtel für den Ball vorbereiten und geben ihr eine Schüssel voller Linsen, die sie bis zum Abend lesen soll. Als Aschenputtel sich an die Arbeit macht, kommen zwei Tauben angeflogen und fragen sie, ob sie ihr helfen sollen. Aschenputtel antwortet: „Ja, die schlechten ins Kröpfchen, die guten ins Töpfchen.“ Dann stellt sie sich auf die oberste Stufe des Taubenschlages und kann so ihre Schwestern beim Tanz mit dem Prinzen sehen.
Als die Schwestern am nächsten Tag die gelesenen Linsen sehen und hören, dass Aschenputtel ihnen zugesehen hat, lassen sie den Taubenschlag abreißen. Sie geben dem Mädchen einen Sack voll Wicken, die Aschenputtel wieder auslesen soll. Abermals fliegen die Tauben herbei und helfen ihr bei der Aufgabe. Sie raten ihr, zu dem Bäumlein auf dem Grab ihrer Mutter zu gehen und sich schöne Kleider zu wünschen, aber sie solle vor Mitternacht wieder zu Hause sein. Als Aschenputtel also das Bäumchen schüttelt und spricht: „Bäumlein, rüttel und schüttel dich, wirf schöne Kleider herab für mich!“, liegen danach ein silbernes Kleid sowie Perlen, Strümpfe und silberne Pantoffeln vor ihr.
Als sie das Kleid angezogen hat, steht vor ihrer Tür ein Wagen mit sechs Rappen, der sie zum Schloss bringt. Im Schloss hält der Prinz sie für eine fremde Prinzessin, und die Schwestern, die sie nicht erkennen, ärgern sich, dass jemand schöner ist als sie. Um Mitternacht verlässt Aschenputtel den Ball und gibt die Kleider an das Bäumchen auf dem Grab zurück.
Am nächsten Morgen sind die Schwestern schlechtgelaunt und geben Aschenputtel eine Schüssel mit Erbsen, die sie aussortieren muss. Wieder helfen ihr die Tauben, und sie geht zu dem Bäumchen für ein neues Kleid. Diesmal ist es aus Gold und Edelsteinen, und sie erhält auch goldene Schuhe. Vor ihrer Tür steht diesmal ein Wagen mit sechs Schimmeln, der sie zum Ball fährt. Als die Schwestern sie sehen und nicht erkennen, werden sie blass vor Neid. Der Prinz hat aber, damit sie nicht so schnell fortlaufen kann, die Schlosstreppe mit Pech bestrichen. Aschenputtel vergisst beim Tanzen die Zeit. Als sie den Glockenschlag hört, fällt ihr die Warnung der Tauben ein, und sie erschrickt.
Beim Hinausrennen bleibt einer ihrer Schuhe im Pech hängen. Der Prinz lässt bekanntgeben, dass er Diejenige heirate, der der Schuh passe, doch allen ist der Schuh zu klein. Der Königssohn forscht auch im Haus des Vaters nach. Die beiden Stiefschwestern versuchen vergebens, den zierlichen Schuh über ihre Füße zu ziehen. Auf den Rat der Mutter hin schneidet sich die erste die Ferse und die zweite den großen Zeh ab. Auf dem Weg zum Tor wird der Betrug jedoch beide Male durch die Tauben aufgedeckt: „Rucke di guck, rucke di guck! Blut ist im Schuck (Schuh): Der Schuck ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim.“ Aschenputtel, der als Einziger der Schuh passt, wird schließlich als wahre Braut erkannt.
Veränderungen bei Grimm (1819) und Bechstein (1845) Ab der Fassung von 1819 pflanzt Aschenputtel das Haselnussbäumchen, das es sich von seinem Vater gewünscht hat, auf dem Grab der Mutter. Auf dem Baum lässt sich dann ein Vöglein nieder, das Aschenputtel gibt, was es sich wünscht. Nun sind es nicht mehr nur zwei Tauben, die Aschenputtel beim Lesen der Linsen helfen, sondern eine ganze Schar. Als Aschenputtel zu dem Baum sagt: „Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich! wirf Gold und Silber über mich!“, da wirft der Vogel ein goldenes und silbernes Kleid herunter. Der Königssohn begleitet Aschenputtel auf dem Heimweg, doch es entwischt ihm ins Taubenhaus, das der Prinz auf der Suche nach ihm mit einer Axt entzweischlägt.
Am nächsten Abend wiederholt sich der Vorgang, diesmal entwischt Aschenputtel auf einen Birnbaum im Garten, den der Vater mit einer Axt schlägt. Als die Stiefschwestern mit dem Prinzen davonreiten wollen, kommen sie am Haselbäumchen auf dem Grab vorbei, wo die beiden Tauben auf das Blut im Schuh hinweisen. Im Vergleich zur Urfassung von 1812, die mit dem Erkennen der richtigen Braut endet, erweitern die Brüder Grimm in der Fassung von 1819 das Märchen um Aschenputtels Hochzeit mit dem Prinzen. Dabei erhalten die Stiefschwestern, die Aschenputtel zur Kirche begleiten, ihre gerechte Strafe, indem ihnen die zwei Tauben die Augen auspicken.
Inhaltsangabe nach Perrault (1697) mini|Illustration von Gustave Doré, 1897 Cendrillon ist wie bei den Brüdern Grimm, die das Märchen aus mündlichen Erzählungen (Adaptionen von Perrault) übernommen und in ihre Sammlung aufgenommen hatten, das gedemütigte Mädchen aus erster Ehe eines Edelmannes. Das Motiv des Grabes und des Haselbäumchens fehlt bei Perrault. Stattdessen ist es eine gute Fee, eine Tante von Cendrillon, die dem schönen Mädchen hilft. Als die Stiefschwestern zum Ball wollen, darf Cendrillon, die die Dienste einer niederen Magd verrichten muss, sie nicht begleiten.
In ihrer Not wendet sie sich an ihre Tante. Diese lässt Cendrillon zunächst einen Kürbis holen, den die Tante aushöhlt und mit ihrem Zauberstab in eine Kutsche verwandelt. Mäuse und Ratten und einige Eidechsen werden von ihr in Apfelschimmel, einen Kutscher und Lakaien verwandelt. Als die Fee Cendrillon mit ihrem Zauberstab berührt, hat diese prächtige Kleider an. Die Fee gibt ihr auch Glasschuhe (bei Grimm und Bechstein hingegen: kleine goldene Schuhe), in denen Cendrillon zum Ball erscheint. Ein entscheidendes und bei Perrault deutlicher herausgearbeitetes Motiv ist, dass Cendrillon vor Mitternacht zurückkehren muss, weil sonst der Zauber vergeht.
Cendrillon gilt als Schönste auf dem Ball und wird auch von den Stiefschwestern nicht erkannt. Am zweiten Ballabend, an dem Cendrillon noch prächtiger herausgeputzt ist, verpasst sie beinahe die Mitternacht, eilt beim ersten Glockenschlag hinaus und verliert dabei einen ihrer Glasschuhe, der sich nicht zurückverwandelt. Nun lässt der Prinz im ganzen Land bekannt geben, dass er nur das Mädchen heiraten will, dem der Schuh passt. Er beauftragt einen Höfling, die Anprobe vorzunehmen.
Die beiden Stiefschwestern scheitern bei dem Versuch, während der Schuh Cendrillon passt. Sie zieht nun den zweiten Schuh aus der Tasche. In diesem Moment kommt die Fee hinzu und verwandelt Cendrillons Küchenkittel in die prächtigsten Kleider. Eine Bestrafung der Stiefschwestern erfolgt nicht, weil ihnen Cendrillon verzeiht. Am Tag von Cendrillons Hochzeit mit dem Prinzen werden auch die Stiefschwestern mit zwei vornehmen Herren vom Hof verheiratet.
Textgeschichte bei Grimm mini|Illustration von Otto Ubbelohde, 1909 Im Text der 1. Auflage von 1812 treten die Vögel erst auf, als sie Aschenputtel die Linsen lesen, den ersten Festabend sieht es dann nur vom Taubenschlag aus. Ab der 2. Auflage entsteht der Grabbaum (vgl. KHM 47, 130) aus des Vaters Mitbringsel (vgl. KHM 88), dem Haselreis, wo das weinende Kind nun dem Vogel begegnet. So kann es am Festabend um Hilfe bitten. Alle Vöglein unter dem Himmel kommen dazu (die Szene wurde oft bildlich dargestellt), es lässt sich „Gold und Silber“ vom Baum werfen. So bringen drei Festtage lediglich die Steigerung mit noch schöneren Kleidern (vgl. KHM 65, 186). Taubenhaus und neu eingeführter Birnbaum sind nur Fluchtversteck vor dem Prinzen. Der Vater ahnt, „sollte es Aschenputtel sein.“ Anstelle mitternächtlichen Verschwindens der Festkleider (wie bei Perrault) tritt nun die Pechfalle, worin Aschenputtel den Schuh verliert. Dass die Tauben die Schwestern mit Blindheit strafen, ist neu. Es entfiel Aschenputtels Klage: „wenn das meine Mutter wüßte!“ (vgl. KHM 89) sowie die Wendung, der Prinz wollte wissen „woher sie gekommen und wohin sie fahre“ (vgl. KHM 9).
Spätere Auflagen ändern nur einzelne Formulierungen. Die Schwestern schimpfen ab der 3. Auflage „Was soll das Geschöpf (statt „Was will der Unnütz“) in den Stuben“, ab der 6. Auflage „Soll die dumme Gans (vgl. KHM 15)Lothar Bluhm und Heinz Rölleke: „Redensarten des Volks, auf die ich immer horche“. Märchen – Sprichwort – Redensart. Zur volkspoetischen Ausgestaltung der Kinder- und Hausmärchen durch die Brüder Grimm. Neue Ausgabe. S. Hirzel Verlag, Stuttgart/Leipzig 1997, ISBN 3-7776-0733-9, S. 62. bei uns in der Stube sitzen!“, sie spotten: „Seht einmal die stolze Prinzessin, wie sie geputzt ist!“. Aus „hast nichts am Leib, und hast keine Kleider, und kannst nicht tanzen, und willst zur Hochzeit!“ wird zur 4. Auflage: „du willst zur Hochzeit, und hast keine Kleider, willst tanzen, und hast keine Schuhe!“ Der „Birnbaum voll herrlichem Obst“ wird zur 4. Auflage ein „Baum an dem die herrlichsten Birnen hiengen“, die Heldin klettert „behend wie ein Eichhörnchen“. Die Pechfalle auf der Treppe wird klar als List des Prinzen benannt, die Schwestern leiden mit verletztem Fuß Schmerzen. Des Vaters „kleines, garstiges Aschenputtel“, ab der 4. Auflage „kleines verbuttetes Aschenputtel“, drückt den Fuß etwas in den Schuh, „so stand es darin, als wär er ihm angegossen“, ab der 6. Auflage setzt es sich auf einen Schemel und steckt den Fuß einfach in den Schuh.
Bechstein mini|Aschenbrödel, Ölbild von Karl Heinrich Hoff mini|Illustration von Walther Caspari, 1905 Ludwig Bechsteins Aschenbrödel erschien 1845 in Deutsches Märchenbuch erst an Stelle 70, später an Stelle 62. Es entspricht inhaltlich weitgehend der damals aktuellen 4. oder 5. Auflage von Grimms Märchen, die er als Quelle auch nennt, ist aber kürzer und im Wortlaut neu, mit weniger wörtlichen Reden.Hans-Jörg Uther (Hrsg.): Ludwig Bechstein. Märchenbuch. Nach der Ausgabe von 1857, textkritisch revidiert und durch Register erschlossen. Diederichs, München 1997, ISBN 3-424-01372-2, S. 292–295, 391. Das Linsenlesen findet im Garten beim Haselbaum statt, die Heldin bekommt zweimal zwei Stunden Zeit, statt wie bei Grimm zuletzt nur eine halbe Stunde. Der Vogel ruft:
„Mein liebes Kind, o sage mir,