mini|Windsor Castle bei Sonnenuntergang mini|Windsor Castle, Blick durch den Oberen Hof auf den Südflügel mini|Empfang des Emirs von Kuwait durch die Königin mit der Household Cavalry
Windsor Castle [], auf Deutsch auch Schloss Windsor, liegt in der englischen Stadt Windsor im Süden Englands in der Grafschaft Berkshire. Es ist das größte durchgängig bewohnte Schloss der Welt. Die Ursprünge von Windsor Castle liegen in der Zeit Wilhelms des Eroberers. Das Schloss ist mit dem gesamten Windsor-Anwesen im Besitz der britischen Krone und wird durch den königlichen Haushalt verwaltet. Es ist Teil der Royal Collection, während das Windsor-Anwesen dem Crown Estate untersteht.
Zusammen mit dem Buckingham Palace in London und dem Holyrood Palace in Edinburgh ist Windsor Castle eine der offiziellen Hauptresidenzen des britischen Monarchen. Unterhalb des Schlosses fließt die Themse auf ihrem Weg nach Osten zur 35 km entfernten Hauptstadt London. Windsor Castle wird auch als „englisches Versailles“ bezeichnet.
Schloss Windsor war die offizielle Wochenend-Residenz von Königin Elisabeth II. Es wurde von ihr jährlich für einen Monat zu Ostern genutzt, während sie die Weihnachtsferien auf ihrem privaten Anwesen Sandringham House und die Monate August und September im schottischen Balmoral Castle verbrachte. Anlässlich ihres 80. Geburtstags verlegte die Königin ihren ständigen Wohnsitz nach Windsor Castle und hielt sich seither nur noch drei Tage pro Woche (gewöhnlich Dienstag bis Donnerstag) zu Arbeitszwecken im Londoner Buckingham Palace auf. Ihre Anwesenheit erkannte man an der königlichen Wappenstandarte auf dem Round Tower, während in ihrer Abwesenheit dort der Union Jack wehte.
Die meisten Könige und Königinnen Englands hatten direkten Einfluss auf die Konstruktion und die Entwicklung des Schlosses, das ihnen zu ihren Zeiten jeweils als Garnison, Festung, Wohnhaus, offizieller Palast und manchmal auch als Gefängnis diente. Heute dienen die Gebäude sowohl als Museum als auch für staatliche Veranstaltungen sowie zu privaten Zwecken des Königs. Die Geschichte des Schlosses und die der britischen Monarchie sind untrennbar verbunden; sie lässt sich chronologisch durch die Herrschaftszeiten der Monarchen nachvollziehen, die es besessen haben. Zu Friedenszeiten wurden dem Schloss große und prächtige Zimmer hinzugefügt. In Kriegszeiten wurde das Schloss stärker befestigt. Dieses Muster setzt sich bis in die heutige Zeit fort.
Das Schloss ist nur zu besonderen Zeiten für die Öffentlichkeit zugänglich. 2024 betrug die Besucherzahl etwa 1,36 Millionen Personen.
Grundriss des Schlosses mini|400px|Luftbild von Windsor Castle – von links nach rechts: Unterer Hof (Lower Ward), Mittlerer Hof (Middle Ward) mit Motte und Rundturm (Round Tower), Oberer Hof (Upper Ward), oben links im Bild die Themse mini|400px|A: Runder Turm (Keep) B: Oberer Hof (das „Viereck“) C: Staatsgemächer D: Private Gemächer E: Südflügel F: Unterer Hof G: St George’s Chapel H: Hufeisen-Kreuzgang (Horseshoe Cloister) K: Tor König Heinrichs VIII. (Haupteingang) L: Der Lange Weg (The Long Walk) M: Normannisches Tor N: Nordterrasse O: Turm Eduards III. T: Glockenturm (Curfew Tower)
In seiner eintausendjährigen Geschichte änderte und entwickelte sich das Schloss entsprechend den bevorzugten Baustilen, Vorlieben, Erfordernissen und finanziellen Möglichkeiten der aufeinanderfolgenden Monarchen. Auf dem nebenstehenden Plan sind die wichtigsten Gebäude des Schlosses eingetragen. Das heutige Schloss gruppiert sich noch immer um die Motte (A), einen künstlichen Erdhügel. Auf diesem errichtete Wilhelm der Eroberer die erste hölzerne Burg. An dieser Stelle steht heute der aus Stein errichtete runde Turm, das weithin sichtbare Wahrzeichen des Schlosses. Trotz seines Namens ist der runde Turm nicht exakt zylindrisch, sondern etwas unregelmäßig geformt.
Der Grundriss des Schlosses entwickelte sich aus den mittelalterlichen Befestigungen. Der Runde Turm teilt das Schloss in zwei unterschiedliche Bereiche, die sogenannten Höfe. Im Unteren Hof (F) befindet sich die St George’s Chapel (G), während im Oberen Hof (B) die privaten königlichen Gemächer (D) sowie die Staatsgemächer (C) liegen. Die St George’s Chapel ist eines der schönsten Beispiele des Perpendicular Style in England. Zu den Staatsgemächern gehört die St.-Georgs-Halle. Diese ist ein sehr großer Raum, dessen Decke mit den Wappentafeln der früheren und heutigen Ritter des Hosenbandordens ausgeschmückt ist. Der Eingang zu den Staatsgemächern erfolgt über die Nordterrassen. In der Gemäldeausstellung sind Werke von Michelangelo und Leonardo da Vinci zu sehen und im Vestibül Ritterrüstungen sowie die Kugel, durch die 1805 Admiral Nelson während der von ihm siegreich geführten Schlacht von Trafalgar gegen Napoleons Flotte tödlich verwundet wurde. Im Queen’s Ball Room findet der Besucher wertvolle Gemälde von Rembrandt, Peter Paul Rubens und Van Dyck. Neben Schloss Windsor liegt der Home Park, in dem Frogmore mit dem Mausoleum von Königin Victoria und Prinz Albert steht.
Im Curfew Tower (T) sind Reste des Gefängnisses aus dem 13. Jahrhundert zu sehen. Alle drei Stunden erklingt aus dem Turm ein Glockenspiel.
Die Albert-Memorial-Chapel wurde ursprünglich von Heinrich VII. als Grabkirche gebaut, er wurde jedoch in der Westminster Abbey beigesetzt. Königin Victoria ließ die Kapelle nach dem Tod ihres Mannes Prinz Albert 1861 zur Gedenkstätte für ihn umbauen.
Geschichte des Schlosses Gründung Wilhelm der Eroberer kaufte den Mönchen von Westminster Abbey das Grundstück ab und ließ ab 1078 eine Holzburg errichten. Unter Heinrich I., seinem Sohn, entstanden die ersten Steinhäuser.
Heinrich III. veranlasste den Bau der ersten modernen Befestigungen, unter anderem des Zapfenstreich-Turms („Curfew Tower“). Der 24 m hohe Round Tower wurde in der Regierungszeit von Eduard III. gebaut, der 1312 hier geboren wurde. Er ließ die alte Burg abreißen, die unter Wilhelm dem Eroberer errichtet worden war, und veranlasste den Ausbau der Burg zu einer Residenz, deren Grundriss bis heute unverändert blieb.
Windsor Castle ab 1350 mini|Unterer Hof mit St George’s Chapel und Rundem Turm 1848
König Eduard III. wurde 1312 auf Schloss Windsor geboren. Er wurde deshalb häufig Eduard von Windsor genannt. Ab 1350 begann er ein 24 Jahre dauerndes Umbauprogramm, bei dem er das bestehende Schloss bis auf den Glockenturm (T) und einige kleinere Außenanlagen abreißen ließ. Er beauftragte William von Wykeham mit dem Umbau und der Umgestaltung des Schlosses. Der Bergfried Heinrichs III. (der Runde Turm) wurde durch den gegenwärtig erhaltenen Turm ersetzt. Die heutige Höhe bekam er erst im 19. Jahrhundert. Die Befestigungen wurden ebenfalls weiter verstärkt. Die Schlosskapelle wurde bedeutend erweitert. Pläne, eine neue Kirche zu errichten, wurden jedoch nicht umgesetzt. Dies lag vermutlich an einem Mangel an Arbeitskräften und Mitteln nach dem Ausbruch des Schwarzen Todes. Aus dieser Zeit stammt auch das Normannische Tor (M). Dieses große und ehrfurchtgebietende Tor am Fuße des Runden Turmes ist die letzte Befestigung vor dem Oberen Hof (B), um den sich die königlichen Gemächer gruppieren.
Im Jahr 1348 gründete Eduard III. den Hosenbandorden, dessen jährliche Zusammenkunft in der St George’s Chapel gefeiert wird, der Hauptkapelle des Schlosses.
Während der Herrschaft von Richard II. im Jahr 1390 wurde festgestellt, dass die St.-Georgs-Kapelle akut einsturzgefährdet war. Deshalb wurde sie erneuert. Der Leiter der Arbeiten war einer der Favoriten Richards II., Geoffrey Chaucer. Er diente dem König als Diplomat sowie als Leiter der königlichen Bauprojekte. Ihre enge Verbundenheit währte über die gesamte Herrschaft Richard II. Im Jahrzehnt vor dem Tod Chaucers gewährte ihm Richard mehrere Geschenke und Renten, darunter 1394 eine Zahlung von 20 £ im Jahr auf Lebenszeit sowie 1397 eine jährliche Lieferung von 955 Liter Wein (252 Gallonen). Chaucer starb am 25. Oktober 1400. Was auch immer seine Fähigkeiten als technischer Sachverständiger und Bauherr gewesen sein mögen, innerhalb von 50 Jahren war die Kapelle erneut baufällig.
König Eduard IV. (1461–1483), dem ersten König aus dem Haus York, wurde nachgesagt, er sei süchtig nach der Förderung des eitlen Prunks gewesen. Er begann den Bau der St George’s Chapel in ihrer heutigen Form. Tatsächlich ist die Kapelle, die ab 1475 in ihrer heutigen Form errichtet wurde, eher eine kleine Ausgabe einer Kathedrale und ein königliches Mausoleum. Sie ist in Perpendicular Style errichtet. Während der Herrschaft Heinrich VII. wurde ein Teil der Kapelle abgerissen, um Raum für die Marienkapelle (Lady Chapel) zu schaffen, deren Bau später vom König abgebrochen wurde. Das Gebäude der Kapelle war eines der ersten prächtigen Architekturwerke auf dem Burggelände.
Die Errichtung der Kapelle markierte einen Wendepunkt in der Architektur des Schlosses. Das gefestigtere politische Klima nach dem Ende der Rosenkriege führte dazu, dass bei den späteren Erweiterungen und Umbauten eher Gestaltung und Bequemlichkeit im Mittelpunkt standen, nicht, wie zuvor, stärkere Befestigung. Auf diese Weise änderte sich der Charakter der Burg von einer königlichen Festung zu einem königlichen Palast. Ein Beispiel dafür ist der Hufeisenkreuzgang (Horseshoe Cloister) aus dem Jahr 1480, der in der Nähe der Kapelle errichtet wurde, um die Kleriker unterzubringen. Dieses geschwungene Backsteingebäude soll die Form einer Pferdefessel haben. Dies war ein Abzeichen Eduards IV. Im Jahr 1871 wurden Restaurierungsarbeiten vorgenommen, die den größten Teil der ursprünglich verwendeten Baumaterialien beseitigten.
Von der Festung zum Palast mini|Rotwild quert den „Long Walk“ (L), der durch den „Windsor Great Park“ zum Schloss führt
Eduard III. war der Monarch, der den Umbau der Burg von einer Festung hin zu einem komfortablen Palast begann. Verglichen mit den königlichen Residenzen wie Whitehall und Nonsuch blieb Windsor jedoch unscheinbar. König Heinrich VIII. (Herrschaft 1509–1547) errichtete den Haupteingang des Schlosses (K) um 1510 neu. Dabei wurde er so platziert, dass ein Angreifer nach der Erstürmung des Tores einen Kampf bergauf führen musste. Das Wappen über dem Torbogen und dem Fallgitter zeigt das Granatapfelwappen der ersten Königin Heinrichs VIII., Katharina von Aragón.
Der Sohn und Nachfolger Heinrichs VIII., König Eduard VI., schrieb als Junge während seines Aufenthalts im Schloss sinngemäß: „Ich denke, ich befinde mich in einem Gefängnis hier, es gibt weder Galerien noch Gärten zum Spazierengehen hier.“
Die Halbschwester Eduards VI., Königin Elisabeth I. (Herrschaft 1558–1603) verbrachte den größten Teil ihrer Zeit auf Schloss Windsor und hielt es für den sichersten Ort in ihrem Königreich. In Zeiten der Anspannung zog sie sich hierhin zurück. Sie ging davon aus, dass das Schloss im Bedarfsfall auch einer Belagerung widerstehen könnte. Obwohl sie augenscheinlich das Schloss auch noch als Festung betrachtete, trug sie ebenfalls zu dessen Umgestaltung zur bequemen Residenz bei. So ließ sie die Nordterrasse als Ort der Leibesertüchtigung herrichten und ließ darüber eine überdachte Galerie anlegen. Dies ist ein frühes Beispiel eines Wintergartens. Das Gebäude ist weitgehend in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben. Es enthält einen gewaltigen Kamin aus der Tudorzeit und beherbergt heute die königliche Bibliothek.
Englischer Bürgerkrieg