|} Die Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT) ist eine ehemalige Eisenbahngesellschaft in der Ostschweiz. Sie bestand von 1910 bis zur Fusion mit der «alten» Südostbahn (SOB) zur «neuen» Schweizerischen Südostbahn (SOB) per 1. Januar 2001. Die Strecke bildet heute zusammen mit dem Abschnitt Wattwil–Ebnat-Kappel das Ostnetz der Südostbahn.
Der BT gehörten die am 3. Oktober 1910 eröffneten, normalspurigen Adhäsionsstrecken von Romanshorn nach St. Gallen St. Fiden (19,13 km) und von St. Gallen nach Wattwil (31,74 km) sowie die am 1. Oktober 1912 eröffnete Strecke von Ebnat-Kappel nach Nesslau-Neu St. Johann (7,85 km).
Die dazwischenliegenden Strecken von St. Gallen St. Fiden nach St. Gallen HB und von Wattwil nach Ebnat-Kappel gehörten den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), wobei die Strecke Wattwil–Ebnat-Kappel von der BT gepachtet wurde.
Geschichte Der Drang zum Zürichsee mini|links|130px|Isidor Grauer-Frey, Initiant der Bodensee-Toggenburgbahn mini|links|Aktie über 500 Franken der Bodensee-Toggenburgbahn-Gesellschaft vom 2. April 1907 Die ersten Eisenbahnverbindungen in der Ostschweiz folgten den Flusstälern und ergaben damit für Reisen in die im Osten gelegene Kantonshauptstadt St. Gallen zum Teil grosse Umwege. Nachdem mit dem Bau der Appenzeller Bahn (AB) durch die Schweizerische Gesellschaft für Localbahnen aufgezeigt worden war, dass es im hügeligen Gelände der Voralpen mit Schmalspurbahnen möglich ist, zu relativ geringen Kosten eine Erschliessung zu verwirklichen, entstand eine grosse Zahl von Projekten, die Voralpengegend zwischen Bodensee und Zürichsee zu erschliessen. Ein Teil der Projekte sah Strecken im Anschluss an die Appenzeller Bahn vor, andere Projekte entstanden unabhängig von der AB. Die schmalspurige Überschienung von Ricken und Wasserfluh hätte allerdings zu einer kurvenreichen, langsamen Verbindung geführt. Es wurde deshalb gefordert, die wichtige innerkantonale Verbindung zwischen Rapperswil und St. Gallen mit einer Normalspurbahn sicherzustellen. Insbesondere «ennet dem Ricken» baute sich politischer Druck zugunsten des Projekts auf.
Am 17. Mai 1887 beschloss deshalb der sankt-gallische Grosse Rat auf Antrag der Regierung einen Kredit von 7000 Franken für Vorarbeiten für eine Eisenbahnverbindung aus dem Linthgebiet über das Toggenburg nach der Kantonshauptstadt. Das erste Expertengutachten empfahl einen Lückenschluss zwischen Ebnat und Uznach, was aber für die Reise nach St. Gallen immer noch den Umweg über Wil erfordert hätte. Ausgehend von der «Donnerstagsgesellschaft» in Degersheim, bildete sich 1889 ein Initiativkomitee für eine Eisenbahnverbindung St. Gallen–Herisau–Degersheim–Neckerthal–Wattwil–Rapperswil. Führender Kopf war der Degersheimer Stickereifabrikant Isidor Grauer-Frey, der sich auch für eine Fortsetzung über Rapperswil hinaus nach Zug einsetzte, um einen Anschluss an die Gotthardbahn zu verwirklichen. Die mit maximal 50 ‰ Steigung geplante Zürichsee–Gotthardbahn – die spätere Schweizerische Südostbahn (SOB) – schien ihm für das Verkehrsaufkommen einer Hauptbahn ungeeignet. 1889 gewährte der Grosse Rat dem Initiativkomitee einen Beitrag von 5000 Franken, um ein Konzessionsgesuch St. Gallen–Zug einzureichen. Diese Konzession wurde von der Bundesversammlung am 27. Juni 1890 erteilt.
Noch standen 15 Jahre Auseinandersetzungen um die Linienführung bevor, wobei Grauer-Frey sich stets vehement gegen lokale Ansinnen zur Wehr setzte, die Linienführung zwecks besserer lokaler Erschliessung zu verlängern. Er konnte sich nicht vollständig durchsetzen, aber es gelang dennoch eine verhältnismässig direkte Verbindung St. Gallen–Rapperswil zu planen, deren Trassierung einer Hauptbahn entsprach. Zudem konnte der Plan, eine Maximalsteigung von 18 Promille nicht zu überschreiten, eingehalten werden. Dies wurde möglich, nachdem es gelungen war, eine Überschienung des Rickens zu verhindern und stattdessen einen Basistunnel unter dem Ricken vorzusehen.
Ernsthafte Probleme zeigten sich bei der Finanzierung. Nach langwierigen Verhandlungen erklärte sich der Bund bereit – nachdem 1898 entschieden worden war, die grossen Privatbahnen zurückzukaufen und zu verstaatlichen –, durch seine zu gründenden Bundesbahnen die Rickenbahn zu bauen, wenn dafür der Kanton St. Gallen die Toggenburgerbahn Wil–Ebnat zurückkaufe und sie den SBB übergebe. Entsprechende Verträge wurden 1901 noch mit den bald zu verstaatlichenden Vereinigten Schweizerbahnen (VSB) abgeschlossen. Die Bundesversammlung genehmigte am 19. Dezember 1901 diesen Handel und übertrug am 20. Dezember 1901 die Konzession Wattwil–Rapperswil auf die VSB.
Die Fortsetzung Rapperswil–Zug blieb ein unerfüllter Traum von Grauer-Frey. Die Konzession erlosch, nachdem die Bundesversammlung am 22. Dezember 1906 eine weitere Fristverlängerung abgelehnt hatte. Knapp 90 Jahre später sollte dieser Traum mit dem NEAT-Anschlussprojekt «Hirzeltunnel» erneut für kurze Zeit Auftrieb erhalten. Hingegen wurden die von anderen Initianten vorangetriebenen, nachfolgend beschriebenen Projekte St. Gallen–Romanshorn und Ebnat–Nesslau-Neu St. Johann mit der Strecke St. Gallen–Wattwil zu einer Konzession zusammengefasst (Bundesbeschlüsse vom 19. Dezember 1902 und 11. April 1907).
St. Gallen–Romanshorn und die Verlängerung ins Obertoggenburg 1889 wurde das Projekt einer schmalspurigen Strassenbahn St. Gallen–Wittenbach–Kügeliswinden–Neukirch–Amriswil präsentiert. Arbon versuchte eine Schmalspurbahn über Roggwil nach St. Gallen zu realisieren. Der St. Galler Gemeinderat wollte jedoch eine Normalspurbahn zum Trajekthafen Romanshorn. Damals war Romanshorn ein wichtiger Knotenpunkt im Güterverkehr zwischen der Schweiz und Deutschland. Die Basler Rheinhäfen nahmen erst im Jahre 1922 ihren Betrieb auf. Kohle, Eisen und andere Güter gelangten über Rorschach von Romanshorn nach St. Gallen.
Um die Linienführung wurde heftig gestritten. Das ursprüngliche Projekt sah vom Bahnhof St. Gallen einen 980 Meter langen Tunnel durch den Rosenberg vor. Die Strecke sollte dann der Sitter entlang zum Dorf Wittenbach führen. Man entschied sich dann für die Mitbenutzung der SBB-Strecke von St. Gallen nach St. Fiden, und die SBB bauten den doppelspurigen Rosenbergtunnel an Stelle der einspurigen offenen Linienführung durch die Stadt aus dem Jahr 1856. Grosse Kunstbauten waren mit Ausnahme des Bruggwaldtunnels nicht erforderlich. Am 15. April 1898 erteilte die Bundesversammlung die Konzession.
Als das Projekt der Bodensee–Toggenburg-Bahn öffentlich bekannt war, kämpfte jedes Dorf im st.-gallisch-thurgauischen Grenzgebiet um eine möglichst gute Erschliessung durch die Bahnlinie. Ein Gemeinschaftsbahnhof Muolen-Steinebrunn wurde von der Bevölkerung nicht gutgeheissen und musste fallengelassen werden. Das ursprüngliche Projekt sah bei der Station Egnach die Einmündung in die Seelinie vor. Egnach wollte trotz dem Bahnhof an der Seelinie auch einen eigenen Anschluss an die BT. Schlussendlich konnten sich Neukirch und Egnach auf einen gemeinsamen Bahnhof mit dem entsprechenden Doppelnamen einigen.
Die Stichlinie von Wil nach Ebnat der Toggenburgerbahn wurde bereits 1870 in Betrieb genommen. 1890 liess der St. Galler Regierungsrat das Projekt einer Fortsetzung von Ebnat nach Nesslau ausarbeiten. Am 17. Juni 1898 erteilte die Bundesversammlung die Konzession. Mit einer Statutenänderung wurde am 6. Februar 1909 die Strecke Ebnat-Kappel–Nesslau-Neu St. Johann ein Teil der Bodensee-Toggenburg-Bahn. Kurz vor Baubeginn tauchten Gegenprojekte von schmalspurigen Strassenbahnen auf. 1907 wurden die Pläne einer Bahn von Ebnat nach Unterwasser vorgestellt, 1908 von Wattwil nach Buchs. Weil die BT bereits die Konzession bis Nesslau besass, erteilte die Bundesversammlung am 24. Juni 1910 die Schmalspurbahn-Konzession nur von Nesslau bis Buchs.
Der Bau mini|Bagger bei Herisau beim Beladen von Wagen mit Bauschutt. Die Dampfbagger erfüllten die an sie gestellten Erwartungen nicht vollständig. Am 17. November 1903 begannen die noch jungen Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) mit dem Bau des Rickentunnels zwischen Wattwil und Kaltbrunn. Der Durchschlag erfolgte, nach Verzögerungen durch Grubengaserscheinungen, am 30. März 1908.
Am 27. Dezember 1905 wurden in Lichtensteig die ersten Vorarbeiten für den Bau des Wasserfluhtunnels aufgenommen und damit mit dem Bau der BT begonnen. Die ersten Arbeiten am 99 Meter hohen Sitterviadukt erfolgten hingegen erst im Sommer 1908. Die aus Italien und Kroatien kommenden Bauarbeiter waren oft der deutschen Sprache nicht mächtig, und es kam zu Spannungen zwischen der Bevölkerung und den Arbeitern.
Die BT hatte bei ihrem Bau mit zahllosen Schwierigkeiten zu kämpfen, so dass die für den Frühling 1910 geplante Eröffnung um ein halbes Jahr verschoben werden musste. Grosse Auseinandersetzungen hatte die BT mit der Appenzeller Bahn (AB), deren Linie nach St. Gallen Winkeln durch die BT Konkurrenz bekam. Ihre nahe beim Dorf Herisau gelegene Station musste auf Kosten der BT verlegt werden (→ siehe Abschnitt Planung und Bau im Artikel Bahnhof Herisau). Im Bahnhof St. Gallen verweigerten die SBB der BT die Benutzung von Gleis 1, was den Bau einer Brücke über die SBB-Strecke aus Bruggen notwendig machte.
Am 22. Juni 1909 stürzte ein Teil des im Bau befindlichen Bruggwaldtunnels ein, was sieben Todesopfer und einen Streik zur Folge hatte. Die mit der Erstellung des Wasserfluhtunnels beauftragte Firma war von zwei Arbeitsniederlegungen und finanziellen Schwierigkeiten betroffen. Die BT entzog ihr den Auftrag und erstellte den Tunnel, bei dessen Bau sieben Menschen ums Leben kamen, in Eigenregie fertig. Starke und anhaltende Regenfälle führten zu Dutzenden von Erdrutschen, deren Instandsetzung viele Mühen und Kosten verursachten. Der seitlich wegrutschende Hohenbühldamm bei Roggwil-Berg war erst wenige Wochen vor der Streckeneröffnung befahrbar.
Siehe auch: Abschnitte «Bau» in den Artikeln Wasserfluhtunnel, Sitterviadukt (Südostbahn) und Bruggwaldtunnel
Eröffnung Am 1. Oktober 1910 konnten die Strecken Romanshorn–St. Gallen St. Fiden und St. Gallen–Wattwil zusammen mit der Rickenbahn Wattwil–Uznach feierlich eröffnet werden. Der Eröffnungszug war aus Rollmaterial der BT und SBB zusammengestellt. Am 3. Oktober 1910 wurde der fahrplanmässige Verkehr aufgenommen.
Die als Verlängerung der Toggenburgerbahn konzipierte Strecke Ebnat-Kappel–Nesslau wurde erst am 30. September 1912 eröffnet. Am 1. Oktober 1912 wurde der Betrieb auf der 7,6 Kilometer langen Strecke aufgenommen. Sie überwindet einen Höhenunterschied von 119 Metern. Es war der Bau dreier Tunnels und mehrerer Brücken notwendig.
Stationsgebäude mini|Steinebrunn mit Mansardendach
Beim Bau der BT wurden die Aufnahmegebäude nicht als standardisierte Typen erstellt, sondern wie bei der Rhätischen Bahn versuchte man sich an die in der Gegend üblichen Bauformen anzupassen. Gebaut wurden die Stationsgebäude der BT und der Gemeinschaftsbahnhof in Lichtensteig nach Skizzen des St. Galler Architekten Salomon Schlatter.
Die Stationsgebäude in Wittenbach, Häggenschwil, Muolen und Steinebrunn lehnen sich an das Thurgauer Riegelhaus an. Die Gebäude in Wittenbach und Steinebrunn zeichnen sich durch Mansardendach und gekuppelte Fenster aus, die in Häggenschwil und Muolen haben regelmässig verteilte Fenster mit Schlagläden. Mogelsberg und Brunnadern erhielten einen ans Toggenburgerhaus angelehnten Ständerbau, Schachen im Kanton Appenzell einen in jener Gegend typischen Schindelschirm.
Die Bahnhöfe Roggwil-Berg und Neukirch-Egnach zeigen Ähnlichkeiten mit den Landhäusern, die sich reiche St. Galler und Konstanzer Bürger im 18. Jahrhundert gebaut haben. Die grösseren Stationen Haggen, Herisau und Degersheim sind verwandt mit den in der Gegend zu findenden Fabrikantenhäusern.
Betrieb durch die SBB mini|In den ersten Jahren wurde der Betrieb durch die SBB geführt. Zug mit Eb 3/5 6 in Muolen.