mini|Ortsteile von Niederorschel Niederorschel ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Eichsfeld.

Geografie Die Gemeinde liegt im nordwestlichen Teil Thüringens, rund fünf Kilometer östlich von Leinefelde im Eichsfelder Kessel zwischen Ohmgebirge und Dün. Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Deuna, Gerterode, Hausen, Kleinbartloff, Niederorschel, Oberorschel, Reifenstein, Rüdigershagen und Vollenborn. Nachbargemeinden sind Gernrode und Breitenworbis im Norden, Sollstedt (Landkreis Nordhausen) im Osten, Helbedündorf (Kyffhäuserkreis) im Südosten, Unstruttal (Unstrut-Hainich-Kreis) und Dingelstädt im Süden sowie Leinefelde-Worbis im Westen.

Durch Niederorschel fließt die Ohne, die kurz hinter der Ortslage in die Wipper mündet. Innerhalb der Gemarkung münden kleinere Bäche in die Ohne, unter anderem der Ahlenbach und der Schwarzburger Laubach. In der hügeligen Landschaft des Eichsfelder Kessels sind die höchsten Erhebungen der Gemeinde der Galgenberg (330,3 m), der Lewedesberg (331,5 m) und der Rote Berg (bis 355 m), an der Schichtstufe des Dün werden Höhen bis etwa 450 bis 500 Meter erreicht. Die Landschaft um Niederorschel wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt, nur südlich der Ortsteile Rüdigershagen und Kleinbartloff am Nordhang des Dün bestehen größere Waldflächen.

Geschichte Der Ort Niederorschel wurde erstmals 1221 in einer Schenkungsurkunde des Klosters Beuren als Asla erwähnt. Der Name lässt darauf schließen, dass Niederorschel zu den ältesten Dörfern im Eichsfeld gehört und bereits im 5. bis 6. Jahrhundert gegründet wurde. Der Ort war 1525 Ausgangspunkt des Bauernaufstands im Eichsfeld.

Bis zur Säkularisation gehörte Niederorschel zu Kurmainz, von 1816 bis 1945 war er Teil des Landkreises Heiligenstadt in der preußischen Provinz Sachsen. 1847 erhielt der Ort Marktrechte.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten ab 1940 mehr als 250 Kriegsgefangene, Frauen und Männer aus Polen, der Ukraine, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Italien, in der Mechanischen Weberei, im Sperrholzwerk Hermann Becher Gernrode, auf dem Rittergut Oberorschel, bei der Fa. Backhaus & Co. und Fa. Josef Dirk in Rüdigershagen Zwangsarbeit verrichten. 1944 wurde in der Mechanischen Weberei das Außenkommando Niederorschel des KZ Buchenwald eingerichtet, in dem mehr als 600 Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen eingesetzt wurden. Fast alle wurden 1945 auf einen Todesmarsch geschickt. Durch den Einsatz des politischen Gefangenen Otto Herrmann, der als Kapo des Lagers im Auftrag des illegalen Lagerkomitees für eine Verbesserung der Haftbedingungen sorgte, kamen vergleichsweise wenig Insassen zu Tode.Daniel Fraenkel, Jakob Borut (Hrsg.): Lexikon der Gerechten unter den Völkern: Deutsche und Österreicher. Wallstein Verlag, Göttingen 2005; ISBN 3-89244-900-7, S. 149 f. Ein Gedenkstein in der Bahnhofstraße erinnert seit 1965 an sie. Seit 2002 ist eine Tafel mit den Namen von 19 umgekommenen Häftlingen angebracht.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 41f., ISBN 3-88864-343-0

Am 10. April 1945 wurde der Ort kampflos von der US Army besetzt. Anfang Juli 1945 kam er zur Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und war ab 1949 Teil der DDR. Hier gehörte er seit 1952 zum Kreis Worbis im Bezirk Erfurt, der 1990 im Land Thüringen aufging.

Am 1. Januar 1996 wurde Rüdigershagen eingemeindet,Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt zum 1. Januar 2019 Deuna, Gerterode, Hausen und Kleinbartloff.Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 14/2018 S. 795 ff., aufgerufen am 26. Januar 2019 Niederorschel war bis zu deren Auflösung am 1. Januar 2019 Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Eichsfelder Kessel.

Adelsgeschlecht von Asla In Niederorschel war das nach dem Ort Asla (oder auch Orschel) benannte eichsfeldisch-thüringische Adelsgeschlecht sesshaft. Erstmals wurde 1225 mit Hermann von Asla ein Adliger genannt.Johann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen 1819 (Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel, als Beitrag zu dessen Geschichte). Seite 9. Ob sie dort einen befestigten Herrensitz oder eine Burg besaßen, ist nicht bekannt. Im 15. Jahrhundert ist die Adelsfamilie erloschen. Das Wappen zeigt eine Krähe oder einen Raben. Folgende weitere Vertreter der Familie sind nachgewiesen:J. Siebmacher’s grosses und allgemeines Wappenbuch, VI. Band, 6. Abteilung; Ausgestorbener Preussischer Adel: Provinz Sachsen; Verfasser: G.A. von Mülverstedt (1825–1914), Ad. M. Hildebrandt (1844–1918); Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1884, S. 6. 1302 Friedrich (von Orschel), Vogt zu WorbisRIplus Regg. EB Mainz 1,1 n. 768, in: Regesta Imperii Online, URI: (Abgerufen am 22. August 2017) und 1311 mit seinem Bruder Eckard 1324 Heinrich von Orschel, in einer Urkunde des Erzbischofs Mathias als Zeuge genannt 1339 Eckard in einer Schlotheimer Urkunde 1396 Eckard in einer Mühlhäuser Urkunde und eventuell nochmals der gleiche Eckard 1432 Nach Siebmacher gibt es noch eine weitere Familie derer von Asla (II) als Vasallen der Grafen von Hohnstein, deren Wappen zwei gestürzte Angelhaken zeigt. Dieses Wappen hat aber eine deutliche Übereinstimmung mit dem Wappen des im benachbarten Rüdigershagen sesshaften Adelsgeschlecht von Hagen. Dieses Geschlecht soll Anfang des 15. Jahrhunderts erloschen sein. Als Vertreter werden hier genannt: 1279 bis 1292 Gottfried 1285 Dietrich 1340 Knappe Tiliko 1356 bis 1378 die Brüder Tizelo (evtl. der oben genannte), Dietrich, Heinrich und Hugo auf Vockkstedt 1365 Heinrich als Schwarzburgischer Vasall mini|hochkant=1.7|Im Ort

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember): 1994: 2.867 1995: 2.877 1996: 3.562 1997: 3.574 1998: 3.569 1999: 3.575 2000: 3.594 2001: 3.573 2002: 3.534 2003: 3.494 2004: 3.469 2005: 3.438 2006: 3.384 2007: 3.367 2008: 3.338 2009: 3.274 2010: 3.258 2011: 3.114 2012: 3.095 2013: 3.086 2014: 3.073 2015: 3.095 2016: 3.082 2017: 3.126 2018: 3.066 2019: 5.380* 2020: 5.380 2021: 5.397 2022: 5.489 2023: 5.410 2024: 5.357 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik * ab 2019: neugebildete Gemeinde Niederorschel

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat von Niederorschel setzt sich aus 20 ehrenamtlichen Gemeinderatsmitgliedern zusammen, die sich seit der Kommunalwahl am 26. Mai 2024 folgendermaßen auf die einzelnen Listen und Parteien verteilen:Thüringer Landesamt für Statistik: Gemeinderatswahl 2024 in Thüringen – Niederorschel, abgerufen am 9. März 2025 Partei / Liste Sitze Stimmenanteil Freie Liste 7 32,2 % Bürgerinitiative Niederorschel 6 31,5 % Allianz der Vereine 4 17,5 % AfD 2 10,6 % SPD 1 6,7 % FDP 0 1,5 %

Bürgermeister Seit 2025 ist Mario Jaritz von der Bürgerinitiative Niederorschel (BIN) der hauptamtliche Bürgermeister. Er setzte sich bei der Wahl am 25. Mai 2025 mit 50,6 Prozent der gültigen Stimmen gegen Ingo Michalewski (CDU) durch, der seit 2015 im Amt war. Die Wahlbeteiligung betrug 71,0 Prozent.

Wappen Blasonierung: „In Gold ein linksgewendeter roter Greif, die rechte Vorderklaue auf einen von Silber und Schwarz gespaltenen Schild stützend, darin ein rechtsgewendeter Adler in verwechselten Tinkturen.“

Partnerschaften Partnerschaftliche Beziehungen bestehen seit 1990 mit den deutschen Gemeinden Nordkirchen im Münsterland und Bestwig im Hochsauerland sowie seit 1997 mit der polnischen Stadt Nowy Dwór Mazowiecki.

Sehenswürdigkeiten mini|St. Marienkirche in Niederorschel Die barocke Pfarrkirche „St. Marien“ wurde 1685 vom italienischen Baumeister Dominico Bennoth erbaut. Das katholische Pfarramt „St. Marien“ wurde 1694–1696 im fränkischen Fachwerkstil (Kulturdenkmal) erbaut. Das Rathaus wurde 1905 im barockisierenden Fachwerkstil (Kulturdenkmal) errichtet. Am Oberen und Unteren Steinweg steht ein Denkmalensemble aus mehreren im Fachwerkstil erbauten Weber- und Gewerbehäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Es wurde im Juni 2018 in das Denkmalbuch des Freistaates Thüringen eingetragen.Thüringer Staatsanzeiger Nr. 25/2018, Seite 726 Die Heimatstube Niederorschel am Marktplatz 10 zeigt eine ständige Ausstellung „KZ Buchenwald – Außenkommando Niederorschel“; in der Ortslage steht auch ein Mahnmal der Opfer des KZ Buchenwald – Außenkommando Niederorschel. Thomas-Müntzer-Gedenkstein Der Lindenbestand auf dem Lindenplatz ist als Naturdenkmal ausgewiesen Die ehemalige Bergschule mit Gewölbekeller aus dem 15./16. Jahrhundert, erbaut 1844, ist das Geburtshaus des Eichsfeldhistorikers Philipp Knieb. Heute ist das Gebäude Verwaltungssitz der Gemeinde.

Infrastruktur Verkehr Haltepunkt (Gernrode-Niederorschel) in Gernrode, an der Bahnstrecke Halle–Hann. Münden.

Bildung Staatliche Regelschule Niederorschel Grundschule

Persönlichkeiten Helmut Braun (* 1925 in Niederorschel), Bildhauer Josef Hartmann (1934–2025), Archivar und Historiker Heinrich Maria Waldmann (* 1811 in Niederorschel; † 1896 in Heiligenstadt), katholischer Priester, Lehrer, Heimatforscher und Politiker.

Literatur

Weblinks

Website der Gemeinde Niederorschel

Einzelnachweise

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