Kreuzebra ist ein Dorf im Eichsfeld und gehört verwaltungsmäßig als Ortschaft zur Stadt und Landgemeinde Dingelstädt im Landkreis Eichsfeld in Thüringen. Damit hat Kreuzebra eine Ortschaftsverfassung mit Ortschaftsrat und Ortschaftsbürgermeister nach der Thüringer Kommunalordnung.
Geographische Lage mini|links|Blick auf Kreuzebra vom Galgenkopf mini|Blick vom Friedhof auf den unteren Angerberg mit den naturgeschützten Linden
Die Landesstraße 1005 verbindet Kreuzebra mit Heilbad Heiligenstadt und der Stadt Dingelstädt im Eichsfeld. Die Ortslage befindet sich am Übergang vom Dün im Norden zum Oberen Eichsfeld im Südwesten. Höchster Punkt in der Gemarkung ist der Hockelrain (514,4 m) im Nordosten, weitere Berge sind die Kreuzebraer Höhe (484,4 m) im Osten, der Angerberg (479,1 m) im Süden und der Höhenberg (485,2 m) im Nordwesten. Das Quellgebiet der Geislede, einem linken Nebenfluss der Leine, befindet sich in Kreuzebra am Rande eines Talkessels.
Geschichte Kreuzebra wurde im beginnenden 9. Jahrhundert als Eborahe im Codex Eberhardi des Klosters Fulda als eines der Klostergüter genannt.Wolfgang Kahl: „Kreuzebra“. In: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer – Ein Handbuch. Erfurt 1996, ISBN 3-931426-09-2, S. 43 Im Jahre 1374 wurde die Pfarrei erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort Kreuzebra gehörte bis zur Säkularisation zu Kurmainz, von 1802 bis 1945 war er Teil der preußischen Provinz Sachsen.
Nach zweitägiger Verteidigung durch die Wehrmacht, Artilleriebeschuss und Jagdbomber-Angriffen wurde Kreuzebra am 9. April 1945 durch US-Truppen besetzt. Die Kirche war durch den Beschuss schwer beschädigt worden, wie auch zahlreiche Wohnhäuser.Eduard Fritze: Die letzten Kriegstage im Eichsfeld. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2002. ISBN 3-936030-06-5. S. 193
Anfang Juli 1945 kam der Ort zur Sowjetischen Besatzungszone und war ab 1949 Teil der DDR. Von 1961 bis zur Wende und Wiedervereinigung 1989/1990 wurde Kreuzebra von der Sperrung der nahen innerdeutschen Grenze beeinträchtigt. Seit 1990 gehört der Ort zum Bundesland Thüringen.
Der Angerberg war bis 1990 Standort der Funktechnischen Truppen der NVA der DDR.
Die Gemeinde Kreuzebra gehörte der Verwaltungsgemeinschaft Dingelstädt von deren Gründung am 3. April 1991 bis deren Auflösung zum 31. Dezember 2018 an. Am 1. Januar 2019 wurden die Landstadt Dingelstädt und die Gemeinden Kreuzebra, Kefferhausen, Helmsdorf und Silberhausen zur neuen Stadt und Landgemeinde Dingelstädt zusammengeschlossen.
Namensherkunft Die ersten Namensnennungen lauten auf Eborahe (etwa 817, 1160). Das ahd. „ebar“ für Eber wurde mit einem Gewässersuffix „-aha“ verbunden und bedeutet Eberbach.Erhard Müller: Die Ortsnamen des Kreises Heiligenstadt. Heilbad Heiligenstadt 1989, S. 26 Vermutlich mit der Übergabe von Kreuzreliquien an die hiesige Kirche zwischen 1262 und 1341 wird der Ort dann Kruziseber oder Kreuzebra genannt. Zur Unterscheidung des gleichnamigen Ortes bei Heiligenstadt wird dieser wegen der ungünstigen Lage Kalteneber genannt.Johann Vinzenz Wolf: Die heiligen Märtyrer Sergius und Bacchus, Kirchen-Patronen zu Kreuzeber auf dem Eichsfelde. Göttingen 1823, S. 24–26
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember): 1994: 775 1995: 774 1996: 776 1997: 796 1998: 779 1999: 789 2000: 809 2001: 818 2002: 810 2003: 800 2004: 810 2005: 809 2006: 819 2007: 810 2008: 802 2009: 794 2010: 787 2011: 745 2012: 750 2013: 745 2014: 741 2015: 733 2016: 703 2017: 716 2018: 720 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik
Wappen Blasonierung: „In Blau über einem mit sechsspeichigem rotem Rad belegten silbernen Dreiberg ein silbernes Hochkreuz.“ Eines der vielen Mainzer Räder.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche St. Sergius und Bacchus die 1739–1740 erbaute Pfarrkirche ist den frühchristlichen Märtyrern Bakchos und Sergios geweiht die Burg Scharfenstein befindet sich auf einem Bergsporn am Nordrand des Dün das Johann-Wolf-Denkmal
Persönlichkeiten Johann Vinzenz Wolf (1743–1826), Historiker Ingrid Kraushaar (* 1944); CDU-Politikerin, ehemaliges MdL in Thüringen Bernward Müller (* 1950); CDU-Politiker, ehemaliges MdB, ehemaliger Thüringer Kultusminister Damian Thüne (* 1996), Schauspieler
Literatur
Helmut Godehardt: Johann Wolfs Stiftung „zum Besten armer Hauskranker zu Kreuzeber“ vom 22. April 1825. In: Hussong/Müller: Johann Wolf – Historiker des Eichsfeldes, Duderstadt 2005, S. 191–194 Ulrich Hussong: Die Ersterwähnung von Dingelstädt, Kreuzebra und Diedorf im Jahre 817. In: Eichsfeld-Jahrbuch 18 (2010), S. 13–26
Einzelnachweise
Weblinks
Kategorie:Geographie (Dingelstädt) Kategorie:Ort im Landkreis Eichsfeld Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Eichsfeld) Kategorie:Ort im Eichsfeld Kategorie:Ersterwähnung im 9. Jahrhundert Kategorie:Gemeindeauflösung 2019