mini|Ferdinand Brütt: An der Börse, 1888 Kapitalist meint meist eine Person, die über ökonomische Werte (Kapital) verfügt, die sie planmäßig dazu einsetzt, um einen größeren Wert zurückzuerhalten. Der Kapitalist übernimmt für den Investitionsprozess selbst das Risiko. Der Ausdruck Kapitalist kann auch benutzt werden, um auf einen Anhänger des Kapitalismus zu referieren.

Etymologie Laut Duden trägt das Wort Kapitalist heute die Bedeutung ‚jemand, der Kapital besitzt‘ oder ‚Anhänger des Kapitalismus‘. In beiden Fällen wird es meist abwertend benutzt. Etwas veraltet kann es auch meinen ‚jemand, dessen Einkommen (überwiegend) aus Zinsen, Renten oder Gewinnen besteht‘.

Das Wort Kapital in seiner Bedeutung ‚Vermögen, (zinstragende) Geldsumme‘ geht auf das lateinische Wort capitalis zurück. Dieses bedeutete ‚den Kopf, das Leben betreffend, hauptsächlich‘ oder ‚wichtig‘. Im Mittellateinischen findet es sich als Substantivierung ‚bewegliches Gut, Wert, Grundsumme‘. Auf capitalis beruht das italienische capitale ‚Wert, Grundsumme, Vermögen in Geld, Reichtum‘; daraus wird im 16. Jahrhundert Kapital entlehnt. Kapital ersetzte zunehmend frühere Ausdrücke wie Hauptgut bzw. spätmittelhochdeutsche Ausdrücke wie houbetguot, houbetsumme, houbetgelt. Im 16. Jh. wurde in deutschen Texten mitunter die altvenezianische Form cavedal benutzt.

Im 17. Jahrhundert konnte Kapitalist ‚Geldbesitzer‘ bedeuten und im 18. Jh. ‚Unternehmer, Besitzer von Produktionsanlagen‘.

Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache gibt relativ zum DWDS-Korpus an, dass das Wort Kapitalist seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts öfter benutzt wurde und dass sich diese Tendenz gegen Ende des 19. Jahrhunderts allmählich umkehrte.

Adam Smith Adam Smith (1723–1790) unterscheidet in seinem Werk Der Wohlstand der Nationen drei Einkommensquellen: Arbeit, Kapital und Grundbesitz. Dem entsprechen die Einkommensarten Lohn, Profit/Zins und Grundrente.

Smith versteht Kapital als einen profitablen Vorrat. Wer einen hinreichend großen Vorrat besitzt, so dass er sich damit etwa über Monate oder Jahre hinweg erhalten kann, der wird meist einen Teil anwenden wollen, um ein Einkommen zu erzielen. Nur diesen Teil nennt Smith Kapital; den anderen Teil, welcher unmittelbar konsumiert wird, bis Gewinne erzielt werden, ist kein Kapital. Wer keinen solchen Vorrat besitzt, kann nur seine Arbeitskraft verkaufen. Smith wendet seinen Begriff auf Individuen und auf Gesellschaften an. Er bemerkt jedoch einen Unterschied. Ein Individuum kann einen Teil seines Gütervorrats, der für den unmittelbaren Konsum gedacht ist, als sein Kapital nutzen, indem es ihn verleiht, vermietet usw. Im Gegensatz dazu kann eine Gesellschaft nur dadurch vermögender werden, indem sie mehr produziert. In volkswirtschaftlicher Sicht ist der Umfang des Kapitalbegriffs somit auf Güter, die zur Produktion dienen, beschränkt.

Eine Person kann prinzipiell mehrere Einkommensquellen haben, aber es gibt nach Smith typische Besitz- und Einkommensverteilungen. Für gewöhnlich bestellt der Grundherr sein Land nicht selbst, sondern Arbeiter tun das für ihn. Von dem Produkt ihrer Arbeit müssen sie dem Grundherrn etwas als Grundrente abgeben. Oft braucht derjenige, der das Land bestellt, einen Pächter, der ihn bis zur Ernte versorgt. Letzterer zieht dem Arbeiter etwas von seinem Produkt ab, um so einen Profit zu erzielen. Dieses Prinzip gilt in vielen Bereichen der Wirtschaft. Es gibt einen Kapitalbesitzer, der den Arbeitern zu bearbeitendes Material bereitstellt und ihnen Lohn zahlt. Die Arbeiter setzen dem Material einen neuen Wert zu, von dem sich der Kapitalbesitzer einen Teil als Profit aneignet. Smiths Ansatz kann daher als Lohnabzugstheorie bezeichnet werden. Zwar könnte jemand bspw. Kapital besitzen und selbst arbeiten, wie ein selbstständiger Handwerker, aber das kommt selten vor.

Die Herren bzw. Besitzer von Land oder Kapital kämpfen mit den Arbeitern um die kontraktlich zu fixierende Lohnhöhe. Erstere wollen möglichst wenig zahlen, während letztere einen möglichst hohen Lohn wollen. Laut Smith behalten die Herren die Oberhand. Sie können sich leichter organisieren, im Streikfall aufgrund ihres Kapitals länger durchhalten und der Staat erlaubt es ihnen – im Gegensatz zu den Arbeitern – sich zu vereinigen.

Smith fasst den Profit, den er Kapitalbesitzer erzielt, als Durchschnittsprofit auf, der sich vom Arbeitslohn unterscheidet. Die Höhe des Profits richtet sich nicht etwa danach, wie viel oder wie hart der Kapitalbesitzer leitet und überwacht, sondern nach der Höhe seines investierten Kapitals. In Smiths Kostentheorie ist der Profit eine wichtige Determinante, die bestimmt, wie groß der Wert einer Ware ist. Der natürliche Preis einer Ware deckt sich mit den natürlichen Erträgen der Faktoren Arbeit, Boden und Kapital, die in ihre Produktion eingehen und entsprechend durch die natürliche Lohn-, Renten- bzw. Profitrate bestimmt werden; die Marktpreise, die sich um die natürlichen Preise bewegen, tendieren langfristig zu den natürlichen Preisen, indem Kapitalakkumulation und Konkurrenz dazu führen, dass Lohn, Grundrente und Profit zu ihren natürlichen Raten tendieren.

Smith fasst die Kapitalbesitzer als historisches Phänomen auf. Er beschreibt einen Zustand, in dem es keinen Privatbesitz an Boden und keinen Kapitalbesitz gegeben habe. Damals habe der Arbeiter das ganze Produkt seiner Arbeit erhalten, anstatt es mit einem Besitzer von Boden oder Kapital teilen zu müssen. Vor der Kapitalbildung gab es Zeiten, als die Menschen sich selbst mit dem versorgten, was sie spontan fanden, anstatt Vorräte zu bilden, und nicht arbeitsteilig produzierten, sondern nur selten Güter tauschten; unter Bedingungen der Warenproduktion muss jedoch jeder Warenproduzent über einen Vorrat verfügen, um sich zu erhalten, bis sein Produkt fertig und getauscht worden ist. Wie Smith in seinen Glasgow Lectures bemerkt, konnten sich Kapitalbildung und Handel erst durch einen Bruch mit den feudalen Verhältnissen besser entfalten. Zuvor nahmen die Grundbesitzer den Bauern zu viel von deren Produkt, faulenzten oder bekriegten einander; die Händler fürchteten sich vor Gewalt und Raub.

Laut Smiths stoischer Überzeugung waltet ein göttlicher Plan im Universum, der zum Wohle des Ganzen und zu allgemeiner Harmonie tendiert und in dem jedes Ereignis seinen Platz und Sinn hat; der Mensch sollte diese Ordnung sich entfalten lassen. In Wealth of Nations überträgt Smith dieses Prinzip auf den Bereich der Wirtschaft: indem die Individuen ihre eigenen Interessen verfolgen, fördern sie unbeabsichtigt das Wohl der Allgemeinheit. Die Kapitalbesitzer werden zu Agenten der unsichtbaren Hand: dass die Kapitalbesitzer nach Profit streben, führt zu höherer Produktivität und zu höheren Reallöhnen; Kapital und Ressourcen werden optimal allokiert, da der Kapitalbesitzer sein Kapital in Branchen anlegen wird, wo er sich den meisten Profit erhofft, und da er in seiner Branche um des Profits willen im Rahmen seiner Möglichkeiten die beste Maschinerie und Arbeitsteilung einführen wird. Dem Staat weist Smith im Wesentlichen drei Aufgaben zu: den Schutz vor äußeren Feinden, Rechtspflege sowie die Aufgabe, nötige Infrastruktur und Bildungseinrichtungen zu schaffen, die der Einzelne nicht profitabel betreiben kann. Laut Smith kann sich die natürliche Ordnung auch gegen ihr zuwiderlaufende administrative Maßnahmen oder politische Beschränkungen durchsetzen.

David Ricardo David Ricardo (1772–1823) unterscheidet im Vorwort seines Werkes On the Principles of Political Economy and Taxation (1817) drei Hauptklassen: Grundbesitzer, Kapitalbesitzer und Arbeiter. Durch Einsatz von Natur, Arbeit, Maschinen und Kapital erzeuge die Gesellschaft ein Produkt, von dem sich die Klassen entsprechend einen Teil als Grundrente, Profit oder Lohn aneignen. Nach dem Kapitel On Wages umfasst der Kapitalbegriff denjenigen Teil des Vermögens eines Landes, der in der Produktion angelegt und notwendig ist, damit die Arbeit wirken kann; das betrifft Nahrung, Kleidung, Rohmaterial, Werkzeuge, Maschinerie usw.

Der Kapitalbesitzer als solcher erzielt im Profit ein Residualeinkommen: der Profit umfasst, was bleibt, nachdem Lohn- und Grundrentenzahlungen abgezogen sind. Die Kapitalisten müssen nach Ricardo mit einer tendenziell sinkenden Profitrate rechnen. Da die Bevölkerungszahl steigt und die Produktivität der Landwirtschaft sinkt, steigt der Anteil der Grundrente am Sozialprodukt, während die Löhne stabil bleiben. Wenn mehr Böden, die weniger fruchtbar sind, bebaut werden, tendiert der Kapitalprofit gen Null. Da der Profit jedoch der einzige Zweck ist, weshalb Kapital gebildet wird, wird die Kapitalbildung schon vorher eingestellt. Bevölkerungswachstum und Reichtumsbildung werden dann stagnieren.

Es bleibt unklar, woraus der Kapitalist den Kapitalzins gewinnt. Neben Ansätzen einer Abstinenztheorie weist Ricardo auf zeitliche Aspekte der Wertbildung hin. Wenn ein Kapitalist sehr lange Kapital anwenden muss, um ein bestimmtes Gut zu produzieren, dann ist dessen Wert größer als der Wert von Gütern, für die Kapital relativ kurzfristig angewandt werden muss. Der Kapitalist wird für die Zeit, in der er keinen Gewinn realisieren kann, durch den Wertunterschied entschädigt. Ferner wollte Ricardo Kapital als bereits geleistete Arbeit auffassen, um somit eine einheitliche Arbeitswerttheorie begründen zu können; an diesen Punkt konnten Ausbeutungstheoretiker anknüpfen.

Begriffe des Kapitalisten bei Marx und Engels In Karl Marx’ Hauptwerk Das Kapital gibt es keine abgeschlossene systematische Abhandlung der Klassen. Während Marx im Kommunistischen Manifest bereits zu Beginn des Werkes über Klassen schrieb und dabei den Klassenbegriff nicht weiter problematisierte, behandelte er in Das Kapital die Klassen erst am Ende des dritten Bandes; vermutlich meinte er, er müsse zuerst die Kategorien seines Werkes genügend entwickelt haben, um die Klassen systematisch behandeln zu können. Das Manuskript, auf dem dieser dritte Band beruht, endet nach wenigen Seiten. Marx nimmt dort eine klassische Einteilung in drei Hauptklassen vor, nämlich Grundbesitzer, Kapitalisten und Arbeiter entlang der entsprechenden Einkommensarten Grundrente, Profit und Lohn. Zwar schränkt er ein, dass man diese Dreiteilung nicht rein vorfinde und es Zwischenformen gebe, aber die kapitalistische Produktionsweise tendiere zu einer solchen Klassenstruktur. Man findet im Manuskript weder eine Definition des Kapitalisten noch eine Einteilung in verschiedene Kapitalistentypen. Wer ein Kapitalist ist, muss anhand verschiedener Stellen aus Das Kapital erschlossen werden.

Marx verstand Kapital als abstrakten Wert, der sich verwertet. Die allgemeine Formel der Kapitalbewegung lautet G - W - G'. Der Wert erscheint als Geld. Mit Geld werden Waren gekauft, um für mehr Geld zu verkaufen. Wertwachstum wird dabei zum Selbstzweck; die Bewegung ist ohne immanentes Ende und Maß.

Der Kapitalist macht sich diese Bewegung zu seinem subjektiven Zweck. Als Kapitalist muss er nach einer größtmöglichen Verwertung streben. Nur so kann er ins Unternehmen reinvestieren bzw. modernisieren, damit er sich in der Konkurrenz als Kapitalist erhalten kann. Die dem Kapital immanenten Gesetze erscheinen ihm somit als äußere Zwangsgesetze. Marx betrachtete den Kapitalisten als personifiziertes Kapital, d. h. als Kapital, das mit Bewusstsein und Willen begabt ist; das Kapital ist das automatische Subjekt: zwar ist es leblos, aber es leitet die Bewegung. Marx verwies auf Sachzwänge, anstatt den einzelnen Kapitalisten zu verurteilen. Davon distanzierte er sich explizit bereits im Vorwort zur ersten Auflage.