mini|Ansicht auf Stöckey aus Südrichtung

Stöckey ist ein Ortsteil der Landgemeinde Sonnenstein im thüringischen Landkreis Eichsfeld. Es ist eines der wenigen Dörfer im Landkreis Eichsfeld, das nicht zum historischen Eichsfeld gehört.

Geographie, Geologie und Relief Stöckey liegt am Rand des Südharzes im Tal der Helme, die in der Nähe des Dorfes entspringt. Ebenso durchziehen viele Nebenflüsse der Helme, wie Die Buchte, Pinte, Lindai, Rinnebach. Kulmbach, Schmerbach, Alt-Helme und dem Biertaler Bach, die Gemarkung Stöckey. Der Boden in dieser Region des Südharzes weist eine prägnante Rotfärbung auf, welche aus dem Grundgestein (Buntsandstein) resultiert. Der Ort ist von folgenden Bergen und Erhebungen umgeben: dem Questenberg (bis 253 m) und Rainsberg (237,3 m) im Süden, dem Brandskopf (bis 300 m) und Hüttenheimer Berg (333 m) im Westen, dem Nordberg (268), dem Weißen Stein (346,7 m) und dem Gnatzberg (300 m) im Nordwesten. In nördlicher Richtung prägt der Oberharz mit dem Ravensberg (659 m) das Landschaftsbild am Horizont. Ein großer Teil der Gesamtfläche ist mit Wald, landwirtschaftlicher Nutzfläche und teilweise moorigem Gebiet belegt. Zwischen Nordberg und Gnatzberg liegt das sogenannte Biertal (tiefste Stelle: um 267 m). Des Weiteren gibt es den Höhenzug der Hohen Straße, die einst bis zum Kloster Gerode führte und bis auf eine Höhe um 260 m auf unserer Gemarkung ansteigt. Unterhalb der Hohen Straße erstreckt sich das Liebesdorf mit dem Düstertal (tiefste Stelle: um 251 m). Der Helmespring als Quelltopf der Helme liegt auf einer Höhe von 237 m. Die bebaute Fläche von Stöckey bewegt sich auf einer Höhe zwischen 223 m und 250,9 m. mini|Blick auf den Ravenberg mini|Typisches Landschaftsbild Stöckeys (Bildmitte: Einschnürung des Rinnebach)

Geschichte

Mittelalter mini|Wüstungskarte der Weilerorte um Stöckey Das Dorf Stöckey beruft sich in seiner Entstehung angeblich auf eine dörfliche Siedlung, welche als 'Auf dem Helmeried' oder kurz 'Helmeried' verzeichnet wurde. Diese lag in unmittelbarer Nähe des Helmespring vorm Düstertal. Jenes Dorf siedelte sich laut Karten ungefähr Ende des 8., Anfang des 9. Jahrhunderts am hiesigen Ort zwischen Ohmgebirge und dem Südharzrand an. Um das Dorf urbar zu machen, wurden Rodungsmaßnahmen eingesetzt, wie das Suffix -ried, aber auch -rode bei anderen Dörfern der Umgebung, erahnen lässt. Auf der Gemarkung des Helmeried gab es ebenso wie später auch bei Stöckey viel Unterholz, welches gerodet werden musste. Der Name unseres Ortes leitet sich vom alt- und mittelhochdeutschen Wort stok für Baumstumpf oder -stamm sowie Stock oder Gestöck ab. Der Ort Stöckey selbst entstand im Verlauf des 10. Jahrhunderts zum 11. Jahrhundert unmittelbar um den Gutshof. Als eigenständiges Dorf ist es um 1029 herum erstmals verzeichnet und wurde selbst erst 1287 als Ort urkundlich erwähnt. Ein anderes Datum der Ersterwähnung wird auf das Jahr 1229 datiert und korrespondiert somit mit der Ersterwähnung des Nachbarortes Limlingerode besser. Die Gemarkung des entstandenen Rittergutes ist schon wesentlich früher als Stöckey in den mittelalterlichen Gaukarten verzeichnet gewesen. Aber in jenen späteren Karten sind bereits an der Grenze vom Helmegau zum Liesgau an Helme bzw. Ichte Stohka (Stöckey) und Maggenrod (Mackenrode) als Ortschaften benannt. Helmeried ist in diesen Karten im Zeitraum des 12. Jahrhunderts nur noch gelegentlich als Weiler verzeichnet und gegen Ende des Jahrhunderts nicht mehr aufzufinden. Denn an irgendeinem Punkt war Helmeried durch den Abzug ins flussaufwärts liegende Stöckey nicht mehr autonom lebensfähig und wurde somit zur Wüstung. Zudem ist die geringe Einwohnerzahl jeglicher Weiler stets leichte Beute für durchziehende Raubritterscharen gewesen. Da aber in Weilern, die Menschen näher aneinander wohnten und mehr miteinander arbeiteten, waren Seuchen in solchen einer schnelleren Ausbreitung unterworfen. Diese Gründe mögen bei mannigfaltigen Weilern der Region zur Wüstwerdung beigetragen haben.

In den umliegenden Wäldern auf der Markung Stöckeys bot ein hohes Vorkommen an Buchen und Eichen mit den dazugehörigen Fallfrüchten den Anwohnern die Chance eine hervorragende Schweinemast zu etablieren.

Zudem war Wassernot in Stöckey und seinen Weilern nie gegenwärtig, da sowohl die Helme als auch die größeren Zuflüsse Ichte, Sete und Ohe höchstens einen Kilometer entfernt lagen. Die zahlreichen Quellen nahe Stöckey sorgten für reines Wasser mit angeblicher Wunderkraft. So soll nach dem Volksmund eine hohe Dame von Nordhusena (Nordhausen) sich das Helmewasser hatte liefern lassen und folgend davon genesen sein. Darauf vermachte sie dem Rittergut 4 Taler als Dank, somit war die Helmespring vermutlich Eigentum des Gutes. Für einen Hochwasserschutz wurden hunderte Hecken am Ufer Helme angepflanzt.

mini|Grenzstein mit Mainzer Rad am Weißen Stein, Stöckey Bereits im 12. Jahrhundert untergliederte man die Region in Grafschaften. So erlangte erst die Grafschaft Klettenberg das Lehnsrecht an Stöckey und wurde zeitnah durch die Grafschaft Hohenstein in dieser Funktion beerbt. Innerhalb dieser Herrschaft kam Stöckey in die Hände von Wilhelm von Mainz als Erblehen seines Vaters Kaiser Otto I. Nach seinem Tod fiel es wieder in die Hände der Hohensteiner Grafen. Durch das Aussterben der Klettenberger Grafen erhielten dann die Grafen von Hohenstein (später Hohenstein-Klettenberg-Lohra) das Vollrecht an unserem Ort als Lehen. Zinspflicht herrschte für Stöckey unabhängig vom weltlichen Herrscher stets über das Kloster Walkenried an das Kloster Fulda.

Hagensche Ära mini|Thomas Müntzer, Kupferstich, Christoph van Sichem: 1608 mini|Gericht zu Schiedungen im Südharz, Stich, um 1525 Zur Zeit des Bauernkrieges in Mitteldeutschland, als Thomas Müntzer zum Widerstand aufrief, folgten auch die unterdrückten Bauern aus Stöckey dem Ruf der Aufständischen. Darauf unterstellte sich der Graf von Hohenstein-Klettenberg zum Schein der Bewegung. Man wollte Schloss und Besitz in sicherer Obhut wissen. Somit fanden die Stöckeyer in Klettenberg einen Gleichgesinnten und auch andere Bauern aus dem Helmetal schlossen sich der Revolte an. Man stürmte das Kloster Walkenried und von dort aus zog man zur Flarichsmühle. Dort erfuhr man von der Niederlage der Bauernheere bei Frankenhausen und von den Hinrichtungen Thomas Müntzers und Heinrich Pfeiffers. Von der Hoffnung verlassen kehrte man zu seinen Dörfern zurück. Im Erntejahr 1525 befahl Graf Heinrich von Hohenstein-Klettenberg, dass alle ihm unterstehenden Bauern sich an einem bestimmten Tag am Schiedunger Deich einzufinden hätten. Die Bauern sollten sich mit einem weißen Stock bewehren und in weiße Hemden gekleidet sein. Der weitere Befehl lautete, dass jeder Adlige seiner Grafschaft ohne weigern 9 Bauern aufspießen und den restlichen Trott ertränken solle. Da sprach Balthasar von Sundhausen (1509–1546): Wenn diese ums Leben gebracht werden, wer soll denn die Dienste tun, wer soll die Ländereien bestellen? Denn denkt an die vielen Witwen und Waisen, wer soll sie ernähren? Ich halte dafür, man schenkt ihnen das Leben und belegt sie mit einer Geldbuße. So geschah es, dennoch wurden einige Bauernführer hingerichtet und die resultierenden Frondienste, Abgaben und Liegenschaftsverpflichtungen drückten die Bauern noch einige hundert Jahre. Im Dreißigjährigen Krieg besetzten kaiserliche und schwedische Soldaten Dörfer, Städte und Schlösser und raubten Vieh und Eigentum, brandschatzten, verwüsteten die Ländereien und erpressten die zu leistenden Abgaben der Bauern. Nach deren Abzug waren lediglich noch 24 Häuser bewohnbar.

Zu Stöckey gehörte ein Gutshof mit viel Landbesitz; dieser wurde durch die Leibeigenen oder Hörigen des Dorfes bewirtschaftet. Zudem musste man dem Feudalherren Frondienst und Wehrdienst leisten. Das Leben war durch Entbehrungen und Sorgen geprägt. Dies wollte die Komtess vom Hagen, welche mit einem vom Bodenhausen verheiratet war, auflockern. Die Freiherren vom Hagen residierten vom 16. bis ins 19. Jahrhundert auf dem Gutshof. Nachdem die Komtess verwitwete, kam sie auf den Elternhof nach Stöckey zurück und führte das Rosenfest nach dem Vorbild von Salency ein. Dieses Fest plädierte auf die Tugend der Bevölkerung. In den Jahren vor 1787 ging der Titel der Rosenkönigin an Katharina Kirchner (1784), Maria Schulze (1785) und Dorothea Schiedung (1786). Im vierten Jahr 1787 wurde die Tugendhaftigkeit der Bevölkerung von Stöckey durch die angebliche Jungfrau Maria Brodhun unwürdig vertreten, denn das Fräulein Brodhun war zum Zeitpunkt ihrer Ernennung unehelich schwanger. Darauf verschwand Henriette vom Hagen in den Dienst der Gräfin von Waldeck. Während ihrer 34-jährigen Lebenszeit beherbergte das Dorf Dichter wie Friedrich Gottlieb Klopstock, Gotthold Ephraim Lessing, Leopold Friedrich Günther von Goeckingk und Christoph August Tiedge, aber auch Adlige aus Nordhausen, Bleicherode, Sangerhausen und Osterode/Harz, sowie die einflussreichen Herrscher derer zu Werther. Auch durch ihren Vater Ludwig Philipp vom Hagen konnte man militärische und politische Größen dieser Zeit hier vorfinden, da dieser Kriegs- und Dömanenkammervorstand zu Ellrich und Minister unter Friedrich II. war. Auch inspirative Bürger Berlins kamen hierher, da auch der Großvater der Komtess, Friedrich Philipp vom Hagen, Politik, Kunst und Architektur in Berlin förderte.

Revolutionsjahr 1848 In Stöckey fand am 28. März 1848 abends 7 Uhr ein Auflauf von 150 Hintersättlern und Einmietlingen statt, welche die Hutberechtigten zwingen wollten, ihr Vieh mit auf die Weide zu nehmen. Durch Vermittlung des amtierenden Pfarrers Heinrich Adolf Kegel wird der Aufruhr gedämpft; nur auf dem Grundstück des Karl Fincke wurde das Stacket umgerissen und beschädigt.

Über die Bewegung in Stöckey berichtet des Weiteren die Chronik: "Die Nachricht von der Berliner Märzrevolution bringt alles in Aufregung. Der Pfarrer Kegel benutzt den ersten Sonntag nach beendeter Predigt, eine verständigende und die Gemüter versöhnende Ansprache an die Gemeinde zu halten. Für den Nachmittag wird sie von ihm im Schullokal versammelt, um mehr im einzelnen auf die Gemüter zu wirken und einen Verein zu bilden, dessen Zweck sein sollte, sich gegen angedrohte äußere und innere Störungen der gesetzlichen Ordnung künftig zu sichern. Das Werk schien nach vielen Bemühen gelungen, leider aber wurde die vor einigen Jahren beendete Separation schon nach einigen Tagen Anlass des Ausbruches der Erbitterung gegen die Ackerleute. Hintersättler und Einmietlinge glaubten sich durch diese verletzt. Schon hatten sich abends über 100 unweit des Pfarrgartens versammelt, in die Häuser der Ackerleute einzudrangen, um das durch die Separation verlorene Recht der Freihütung wieder zu erlangen. Da gelang es dem Pastor Kegel, die durch Branntweingenuss erhitzte Menge zum Abzug zu bewegen, unter dem Versprechen, dass er die Ackerleute im Wege freier Entschließung dazu vermögen wolle, die Hütung des Viehes zu gestatten. Die andern Tages zu dem Zweck von dem Pfarrer im Hause des Schulzen Schruppe versammelten Ackerleute machten zum bösen Spiel gute Miene. Sie unterschrieben sämtlich eine vom Dorfpfarrer aufgenommene Urkunde, wonach den Genannten das Hütungsrecht eingeräumt wurde. Das Schriftstück wurde den Schneidern Gebrüder Friedrich Ferdinand und Christian Friedrich Seele zur Verwahrung und zur Bekanntmachung ausgehändigt. Das Gemüt der ungestüm Fordernden war besänftigt und es wurde dadurch jedem weiteren Exzess vorgebeugt. Im gesamten Jahr wurde die Hütung seitens der Hinsättler und Einmietlinge auch geduldet, aber bald war man dann wieder darauf bedacht die Entscheidung, die auf dem erzwungenen Versprechen basierte, zu wiederrufen."

Wirtschaftliche Neuorientierung