Die Bentheimer Eisenbahn AG (BE) ist eine nichtbundeseigene Eisenbahngesellschaft mit rechtlichem Sitz in Bad Bentheim. Verwaltung, Betriebshof und Werkstatt befinden sich in Nordhorn. Das Unternehmen wurde 1895 gegründet und betreibt Eisenbahnverkehr im Landkreises Grafschaft Bentheim sowie grenzüberschreitende Verbindungen zwischen Deutschland und den Niederlanden.

Die Bentheimer Eisenbahn ist als Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) im Güter- und Personenverkehr tätig und über ihre hundertprozentige Tochtergesellschaft BE Netz GmbH als Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) für die Bahnstrecke Gronau–Coevorden zuständig.Bundesanzeiger: Bentheimer Eisenbahn AG – Jahresabschluss 2016, Lagebericht (Ausgliederung Infrastruktur in die BE Netz GmbH), veröffentlicht 2018, abgerufen am 3. Nov. 2025.

Im Schienenpersonennahverkehr betreibt sie die Linie RB 56 (Regiopa Express) zwischen Bad Bentheim und Neuenhaus. Neben dem Schienenverkehr ist das Unternehmen auch in den Bereichen straßengebundener öffentlicher Personennahverkehr, Spedition und Logistik tätig.

Geschichte Das Unternehmen wurde am 1. April 1895 als Bentheimer Kreisbahn gegründet, um die Region an das überregionale Eisenbahnnetz im deutsch-niederländischen Grenzraum anzuschließen. Der erste Streckenabschnitt von Bentheim nach Nordhorn wurde 1896 eröffnet. Bis 1911 wurde das Netz über Neuenhaus und Emlichheim bis in das niederländische Coevorden erweitert. 1924 erfolgte die Umbenennung in Bentheimer Eisenbahn AG. Maßgeblich für die wirtschaftliche Entwicklung war zunächst die Versorgung der Textilindustrie in Nordhorn sowie der Abtransport von Torf und Agrarprodukten. Ab den 1930er Jahren entwickelte sich der Transport von Rohöl aus den regionalen Ölfeldern zu einem stabilen Standbein des Güterverkehrs. Nach 1945 modernisierte die Gesellschaft als eine der ersten Privatbahnen in Deutschland ihren Betrieb durch den vollständigen Übergang von Dampf- auf Dieseltraktion.

Infolge der zunehmenden Motorisierung und des Ausbaus des Straßennetzes sanken die Fahrgastzahlen nach dem Zweiten Weltkrieg kontinuierlich. Die BE reagierte darauf ab den 1950er Jahren mit dem Aufbau eines eigenen Omnibusnetzes. Am 25. Mai 1974 wurde der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) auf der gesamten Strecke eingestellt und durch Busverbindungen ersetzt. Nachdem die Infrastruktur über Jahrzehnte primär für den Güterverkehr erhalten worden war, begannen nach 2010 Planungen zur Wiederaufnahme des Personenverkehrs. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten an der Strecke und den Bahnhöfen wurde am 7. Juli 2019 der SPNV auf dem Abschnitt Bad Bentheim–Neuenhaus unter dem Markennamen „Regiopa Express“ wieder aufgenommen.Schienenpersonenverkehr in der Grafschaft Bentheim. BE-Mobil. Abgerufen am 26. November 2022.

Die Eigentümerstruktur blieb seit der Gründung weitgehend stabil im öffentlichen Besitz, wobei der Landkreis Grafschaft Bentheim stets die Aktienmehrheit hielt. Um den Anforderungen des europäischen Eisenbahnrechts (Trennung von Netz und Betrieb) zu entsprechen, gliederte die AG im Jahr 2016 ihre Schieneninfrastruktur in die Tochtergesellschaft BE Netz GmbH aus. Seit den 1970er Jahren erweiterte das Unternehmen sein Portfolio durch Zukäufe im Bereich Spedition, Logistik und Tourismus zu einem regionalen Konzern.

Unternehmen

Organisation und Eigentümerstruktur Die Bentheimer Eisenbahn ist seit 1935 als Aktiengesellschaft organisiert. Mehrheitseigentümer ist der Landkreis Grafschaft Bentheim (93,9896 %), der die Gesellschaft im Rahmen seiner kommunalen Aufgaben steuert. Minderheitsanteile halten die Städte Nordhorn (6,0044 %) und Neuenhaus (0,006 %). Die Gesellschaft wird von einem Vorstand geleitet (aktuell Joachim Berends), der vom Aufsichtsrat kontrolliert wird. In diesem Gremium sind traditionell Vertreter der kommunalen Anteilseigner sowie Arbeitnehmervertreter vertreten.

Seit 2016 ist der Infrastrukturbereich organisatorisch vom operativen Eisenbahnverkehr getrennt. Während die Bentheimer Eisenbahn AG als Eisenbahnverkehrsunternehmen tätig ist, wird die Schieneninfrastruktur durch die hundertprozentige Tochtergesellschaft BE Netz GmbH betrieben.

Zum 1. März 2022 wurde der straßengebundene ÖPNV auf die Tochter Nutzfahrzeuge GmbH, Nordhorn übertragen. Grundlage ist ein öffentlicher Dienstleistungsauftrag mit dem Landkreis Grafschaft Bentheim bis zum 28. Februar 2031.

Die Bentheimer Eisenbahn ist Mitglied im Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE).

Geschäftsfelder Kerngeschäft der Bentheimer Eisenbahn ist der Schienenverkehr im regionalen und grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Deutschland und den Niederlanden. Darüber hinaus ist die Gesellschaft über Tochterunternehmen in weiteren verkehrsnahen Geschäftsfeldern tätig, darunter straßengebundener öffentlicher Personennahverkehr, Spedition und Logistik sowie touristische Dienstleistungen. Seit 2019 betreibt das Unternehmen wieder Schienenpersonennahverkehr.

Konzernstruktur Die Bentheimer Eisenbahn ist Muttergesellschaft eines regional ausgerichteten Konzerns. +Konzernstruktur der Bentheimer Eisenbahn AG Unternehmen Beteiligung Sitz Tätigkeit BE Netz GmbH 100 % Nordhorn Betrieb und Unterhaltung der Eisenbahninfrastruktur (EIU) Kraftverkehr Emsland GmbH 100 % Nordhorn Spedition und Logistikdienstleistungen Nutzfahrzeuge GmbH, Nordhorn 100 % Nordhorn Straßengebundener öffentlicher Personennahverkehr und Werkstattbetrieb Reisebüro Berndt GmbH 100 % Nordhorn Touristische Dienstleistungen und Reisevermittlung GPM Grafschafter Parkraum Management GmbH 100 % Nordhorn Bau und Betrieb von Parkflächen und Parkhäusern Euroterminal Coevorden B.V. 40 % Coevorden (NL) Betrieb eines grenzüberschreitenden Güter- und Containerterminals Als Finanzanlage hält die Gesellschaft zudem eine Beteiligung von 0,10 % an der RWE AG (Stammaktien). Der Anteil wurde 1992 vom Landkreis auf die Bentheimer Eisenbahn AG übertragen. Das Stimmrecht in der Hauptversammlung übt der Landkreis als Treuhänder aus. Infrastruktur mini|Streckennetz bis in die 1980er Die Bentheimer Eisenbahn betreibt als Infrastrukturunternehmen ein regionales, normalspuriges Eisenbahnnetz in der Grafschaft Bentheim sowie grenzüberschreitende Streckenabschnitte in die Niederlande. Zentrale Achse ist die Verbindung von Bad Bentheim über Nordhorn, Neuenhaus und Emlichheim bis nach Coevorden, die zugleich den Kern des heutigen Schienenbetriebs bildet. Der frühere Südast nach Gronau zur Hauptbahn Münster–Enschede ist in den 1980er Jahren weitgehend zurückgebaut worden. An der Grenze bei Laarwald erfolgt die betriebliche Übergabe in Richtung Coevorden. Südlich schließt das Netz in Bad Bentheim an die DB-Infrastruktur an.mini|Gleisanlagen im Bereich des Bahnhofs Nordhorn (2019)Kernstück der Infrastruktur ist die Bahnstrecke Gronau–Coevorden. Der heute betriebene Teil erstreckt sich von der Anbindung an das Netz der DB InfraGO im Bahnhof Bad Bentheim über Nordhorn und Neuenhaus bis zur niederländischen Grenze bei Laarwald. Der Südabschnitt von Bad Bentheim bis Gronau wurde in den 1980er Jahren weitgehend stillgelegt und entwidmet. Lediglich ein kurzes Teilstück dient heute noch als Anschlussgleis. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Abschnitts von Bad Bentheim bis Neuenhaus wurde im Zuge der Reaktivierung des Personenverkehrs auf weiten Teilen für Personenzüge auf 80 km/h angehoben. Gleise und Schwellen wurden in weiten Teilen erneuert. Die Sicherung der Bahnübergänge erfolgt durch moderne Lichtzeichenanlagen und Halbschranken. Die Steuerung des Betriebs erfolgt über ein elektronisches Stellwerk (ESTW) in Nordhorn. Die Bahnhöfe Bad Bentheim, Nordhorn und Neuenhaus sowie die neuen Haltepunkte (Quendorf, Nordhorn-Blanke, Neuenhaus Süd) wurden barrierefrei mit einer Bahnsteighöhe von 76 cm ausgebaut, um einen niveaugleichen Einstieg in die eingesetzten Triebwagen zu ermöglichen. Geplant ist die Ausweitung des Personenverkehrs im Jahr 2026 über Neuenhaus hinaus mit mehreren Haltepunkten bis nach Coevorden. Perspektivisch werden zudem Optionen für eine erneute Schienenanbindung Richtung Gronau geprüft.mini|Bahnübergang und Gleisanlagen in Nordhorn (2008)Neben der Hauptstrecke unterhält die BE Netz GmbH mehrere strategisch wichtige Anschlussgleise für den Güterverkehr zum Gewerbe- und Industriepark Nordhorn (GIP), der in Emlichheim ansässigen Stärkeindustrie (Emsland-Group) und zum Materialdepot der Bundeswehr in Ochtrup-Brechte führt. Das Euroterminal Coevorden ist als grenzüberschreitendes Terminal für den kombinierten Ladungsverkehr (KLV) mit Anschluss an das niederländische Netz (ProRail).

Schienenverkehr Der Schienenverkehr ist ein zentrales Geschäftsfeld der Bentheimer Eisenbahn. Der Schwerpunkt liegt im Schienengüterverkehr mit regionalen und grenzüberschreitenden Verkehren zwischen Deutschland und den Niederlanden. Das Unternehmen ist insbesondere im Ganzzugverkehr sowie im kombinierten Verkehr tätig und bedient Industrie- und Logistikkunden, unter anderem über Gleisanschlüsse und Umschlaganlagen in der Region.

In der Frühzeit übernahm die Bahn neben dem Personen- und Güterverkehr auch Aufgaben der Postbeförderung in Nord-Süd-Richtung. Nach Einschnitten durch den Ersten Weltkrieg und die Nachkriegsjahre wurde der Betrieb in den 1920er Jahren durch Instandsetzungen und Fahrzeugerneuerungen stabilisiert. Höhere Streckengeschwindigkeiten und dichtere Fahrpläne gingen ab 1930 teilweise mit einer Verknüpfung zum beginnenden Omnibusverkehr einher.

Im Zuge des Strukturwandels der 1960er und 1970er Jahre wurde der Schienenpersonenverkehr schrittweise eingeschränkt und 1974 eingestellt. Der Schienengüterverkehr blieb dagegen prägend und umfasst heute regionale und grenzüberschreitende Relationen zwischen Deutschland und den Niederlanden. Seit 2019 ist die Bentheimer Eisenbahn zudem wieder im Schienenpersonennahverkehr aktiv. Auf der Linie RB 56 verkehren im Auftrag der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen stündliche Zugverbindungen zwischen Bad Bentheim, Nordhorn und Neuenhaus. Eine Verlängerung der Linie bis Coevorden ist vertraglich vereinbart und für Ende 2026 vorgesehen.

Busverkehr Im straßengebundenen öffentlichen Personennahverkehr ist die Bentheimer Eisenbahn im Landkreis Grafschaft Bentheim als Verkehrsunternehmen tätig. Das Angebot umfasst Stadt-, Regional- und Schulbusverkehre sowie ergänzende Sonder- und Bedarfsverkehre. Der Linienverkehr wird im Auftrag der zuständigen öffentlichen Aufgabenträger durchgeführt und ist in die regionalen Verkehrsstrukturen eingebunden. Organisatorisch ist der Busverkehr innerhalb des Konzerns angesiedelt und wird über Tochtergesellschaften abgewickelt. Mit einem Liniennetz von rund 1.280 km Länge ist die Bentheimer Eisenbahn der größte Konzessionsnehmer im Landkreis Grafschaft Bentheim. Zum 1. März 2022 wurde der straßengebundene ÖPNV konzernintern auf die Nutzfahrzeuge GmbH, Nordhorn, übertragen. Grundlage ist ein öffentlicher Dienstleistungsauftrag mit einer Laufzeit bis 28. Februar 2031.

Der Busverkehr entwickelte sich zunächst ergänzend zum Schienenverkehr, gewann jedoch ab den 1950er und 1960er Jahren zunehmend an Bedeutung. Mit dem schrittweisen Rückgang des Schienenpersonenverkehrs übernahm der Omnibusbetrieb immer größere Anteile der Verkehrsleistungen und bildete nach der Einstellung des Personenverkehrs auf der Schiene im Jahr 1974 das Rückgrat des öffentlichen Personennahverkehrs der Bentheimer Eisenbahn. mini|Ein Bus der Bentheimer Eisenbahn mit der Linie 100 am Bahnhof Bad Bentheim Im Februar 2024 umfasste die Omnibusflotte unter anderem sieben Hybridbusse, im Stadtverkehr von Nordhorn werden zudem vier Elektrobusse eingesetzt. Zur Unterstützung des emissionsarmen Betriebs ist der Aufbau von Ladeinfrastruktur an Betriebshöfen und ausgewählten Bahnhöfen vorgesehen. Langfristig wird eine vollständige Umstellung des Busbetriebs auf Elektro- und Brennstoffzellenantrieb angestrebt.