mini|300px|Max-Delbrück-Haus des Max Delbrück Center (2015) Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) in Berlin-Buch, im Nordosten Berlins gelegen, ist eine von 18 Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Es verbindet die molekularbiologische Grundlagenforschung mit klinischer Forschung und widmet sich den Forschungsschwerpunkten Systemmedizin und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Benannt ist das Forschungszentrum nach dem in Berlin geborenen Biophysiker und Nobelpreisträger Max Delbrück.

Historie Vorgeschichte Das Forschungszentrum wurde im Zuge der deutschen Wiedervereinigung im Januar 1992 in Berlin-Buch gegründet. Gründungsdirektor war der Heidelberger Mediziner Detlev Ganten. Es ist die Nachfolgeeinrichtung von drei bis 1990 zur Akademie der Wissenschaften der DDR gehörenden Institutionen: des Zentralinstituts für Molekularbiologie, des Zentralinstituts für Krebsforschung und des Zentralinstituts für Herz-Kreislaufforschung, die aus dem ab 1947 in Berlin-Buch bestehenden Institut für Medizin und Biologie entstanden waren.Heinz Bielka: Die Medizinisch-Biologischen Institute Berlin-Buch. Beiträge zur Geschichte. Mit 91 Abbildungen und zahlreichen Faksimile. Springer. Berlin, Heidelberg, Singapur etc. 1997, S. 54–114, ISBN 978-3-540-62965-8.

Organisatorische Entwicklungen 1995 begann die Mitgliedschaft in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Mit der Verleihung des Deutschen Zukunftspreises Ende November 2001 durch Bundespräsident Johannes Rau wurde das „Max Delbrück Communications Center“ eröffnet. Die Einweihung des Timoféeff-Ressovsky-Hauses erfolgte im Sommer 2006; es dient seither dem Max Delbrück Center und dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie für die medizinische Genomforschung.Rose-Luise Winkler, Tamara I. Nikišanova: Dimitri Timoféeff-Ressovsky, genannt Foma. In: Leibniz Online, Jg. 2015, Nr. 17, S. 5. Seit 2007 betreiben die Charité und das Max Delbrück Center ein gemeinsames Forschungszentrum: das „Experimental and Clinical Research Center“ (ECRC).Kliniken in Berlin. Das älteste Krankenhaus der Stadt. Am Anfang war die Charité ein Pesthaus. Heute ist sie die größte Universitätsklinik Europas. In: Berliner Zeitung, 6. August 2008. 2008 nahm das „Berliner Institut für Medizinische Systembiologie“ (MDC-BIMSB) seine Arbeit auf. Im Jahr 2013 zählte das Max Delbrück Center zu den 13 Gründungsmitgliedern der EU-LIFE-Allianz, einem Netzwerk europäischer Forschungszentren der Lebenswissenschaften zur Förderung der Spitzenforschung. Im April desselben Jahres wurde das „Max-Rubner-Haus“ eröffnet, das Wissenschaftlern bei der Erforschung von Stoffwechselvorgängen dient.Torsten Harmsen: Max-Delbrück-Centrum macht 12 Millionen Miese. Doch die Planung mit der Charité scheint nicht bedroht. In: Berliner Zeitung, 14. August 2013. Ebenfalls im Jahr 2013 nahm das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (englisch: Berlin Institute of Health at Charité (BIH)) seine Arbeit auf, eine gemeinsame Einrichtung von Charité und Max Delbrück Center für Translation und Präzisionsmedizin. Seit dem 1. Januar 2021 gehört das BIH zum Translationsforschungsbereich der Berliner Charité und bildet neben Klinikum und Medizinischer Fakultät deren dritte Säule; das Max Delbrück Center ist seither Privilegierter Partner des BIH. Im Februar 2019 eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel das Laborgebäude des MDC-BIMSB in Berlin-Mitte. Im Jahr darauf zählte das Max Delbrück Center zu den Gründern von BR50, ein Verbund außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, der die Region Berlin-Brandenburg als Wissenschaftsstandort stärken soll.Torsten Harmsen: Kampf um die besten Köpfe. In: Berliner Zeitung, 6. Oktober 2021. Das „Käthe-Beutler-Haus“ wurde im März 2021 eröffnet, es dient der Translationalen Vaskulären Biomedizin.„Blutgefäße sind die Schnittstelle zum Immunsystem“ (Interview von Torsten Harmsen mit Holger Gerhardt). In: Berliner Zeitung, 22. März 2021. Das Max Delbrück Center und die Universität Heidelberg gründeten im Sommer 2023 das Helmholtz-Institut für translationale AngioCardioScience (HI-TAC). Es soll an einem Frühwarnsystem für Herz-Kreislauf-Erkrankungen forschen.

Leitungen Gründungsdirektor war der Heidelberger Mediziner Detlev Ganten, der danach Leiter der Charité wurde.Curriculum Vitae Professor Dr. Detlev Ganten auf der Website der Leopoldina, abgerufen am 27. Juni 2023. Von 2004 bis 2009 war Walter Birchmeier wissenschaftlicher Direktor des Max Delbrück Center.Siehe . Ihm folgte von 2009 bis 2014 Walter Rosenthal. Thomas Sommer war von 2014 an Interimsdirektor, bis Martin Lohse am 1. April 2016 die Position des Vorstandsvorsitzenden und wissenschaftlichen Vorstands antrat. Im Mai 2019 legte Martin Lohse nach Unregelmäßigkeiten bei einem Berufungsverfahren für das „Berliner Institut für Gesundheitsforschung“ sein Amt nieder. Kommissarischer Wissenschaftlicher Vorstand war seitdem erneut Thomas Sommer. Seit 1. November 2022 ist Maike Sander Wissenschaftliche Vorständin und Vorstandsvorsitzende.

Forschungsprogramm Ziel der Forschung am Max Delbrück Center ist es, die Ursachen von Krankheit und Gesundheit auf der kleinsten Ebene, von den elementarsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen, zu untersuchen. Die Teams wollen herausfinden, was das natürliche Gleichgewicht in einzelnen Zellen – in einem Organ oder im ganzen Körper – steuert oder stört. Die Forschungen lassen sich in folgende große Themenbereiche untergliedern:

Gene, Zellen und zellbasierte Medizin Molekulare Prozesse und Therapien Integrative Biomedizin

Der vierte Schwerpunkt, „Cross-Cutting Areas“ (Querschnittsthemen) genannt, befasst sich mit Data Science und Künstlicher Intelligenz Immunologie und Inflammation Single-Cell-Ansätzen (Einzelzell-Technologien) für die personalisierte Medizin Translation auf dem Gebiet der vaskulären Biomedizin („Berlin Center for Translational Vascular Biomedicine“)

Ein besonderer Fokus des Max Delbrück Center ist die Systembiologie, für das es 2008 eigens das „Berliner Institut für Medizinische Systembiologie“ (MDC-BIMSB) gründete.

Technologie-Plattformen Zur wissenschaftlichen Infrastruktur des Max Delbrück Center zählen 18 Technologie-Plattformen (Stand: 2023). Sie unterstützen und entwickeln etablierte und standardisierte Technologien ebenso wie solche, die sich noch in der Erkundung, Entwicklung oder Erforschung befinden. Die Technologie-Plattformen stellen Geräte, Methoden und Ressourcen bereit und arbeiten in kollaborativen Wissenschaftsprojekten und in der Technologieentwicklung mit. So ist zum Beispiel die „Kryo-EM Core Facility“ seit März 2021 verfügbar, ein Kryo-Elektronenmikroskop, das biologische Moleküle auf Nanometerebene in höchster Auflösung sichtbar machen kann. Eine andere dieser Plattformen stellt der Forschung Organoide zur Verfügung.

Kooperationen Das Max Delbrück Center kooperiert intensiv mit der Charité. Zentrale Institutionen dieser Zusammenarbeit sind das ECRC und das BIH. Ziel der Arbeit des ECRC ist die Umsetzung grundlagenwissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Anwendung, um die Diagnose, Prävention und Therapie häufiger Erkrankungen (Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, Krebs, neurologische Erkrankungen) zu verbessern. Zentrales Ziel des BIH ist die Förderung der Translation; biomedizinische Erkenntnisse werden dabei in neue praktische Ansätze zur personalisierten Prognose, Prävention, Diagnostik und Therapie überführt, um die Gesundheit Einzelner und der Gesellschaft insgesamt zu fördern.Andreas Abel: Wo aus Forschung Gesundheit wird. in: Berliner Morgenpost, 25. Juni 2023.

Das Max Delbrück Center arbeitet darüber hinaus im Bereich „Helmholtz Health“ mit weiteren Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft zusammen. Das sind konkret das Deutsche Krebsforschungszentrum, das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf, das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und Helmholtz Munich. Hier werden fünf Forschungsprogramme verfolgt. Gemeinsam mit der Leibniz-Gemeinschaft, deutschen Universitäten, Universitätskliniken, Bundes- und Landesinstituten und der Fraunhofer-Gesellschaft wird darüber hinaus seit 2014 eine bundesweite Langzeit-Gesundheitsstudie durchgeführt, die NAKO Gesundheitsstudie.

Neben Einzelstudien, bei denen das Max Delbrück Center mit Dritten kooperiert, wie zum Beispiel mit den Berliner Wasserbetrieben und dem Labordienstleister Amedes bei neuen Methoden zur Abwasseruntersuchung oder mit verschiedenen deutschen Universitäten, dem Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen und dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung bei der Suche nach Ursachen von Herzmuskelerkrankungen,Fabian Thiele: Wegweisende Erkenntnisse zu Herzmuskelerkrankungen. In: Göttinger Tageblatt, 16. Februar 2022. ist das Max Delbrück Center an umfassenden nationalen Forschungskooperationen beteiligt, wie beispielsweise im Rahmen der „Nationalen Dekade gegen Krebs“ im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen oder im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung. An großen internationalen Forschungskooperationen nimmt das Max Delbrück Center ebenfalls teil. So wirkt es an der Erstellung des Herzatlas' mit, einem Teilprojekt des „Human Cell Atlas“.Sabine Sütterlin: Pfadfinder für die Gesundheit. In: Berliner Zeitung, 4. November 2020. Die Erstellung des „Fly Cell Atlas“ (Fliegenatlas) trieb es ebenfalls voran, ebenso die Erforschung chronischer Krankheiten mit hoher Morbidität und Mortalität (wie kardiometabolische oder neurodegenerative Krankheiten) sowie Krebs im „NOVA Institute for Medical Systems Biology“ (NIMSB) in Portugal.

Kooperationen finden auch auf europäischer Ebene statt. Ein Beispiel ist die EU-LIFE-Allianz, die in den Lebenswissenschaften Spitzenforschung fördern will.

Spin-offs Mehrfach gab es aus der Arbeit des Max Delbrück Center heraus Unternehmensgründungen. Zu diesen Spin-offs gehören:

Jahr Unternehmen Gegenstand 1997EPO Experimentelle Pharmakologie & Onkologie Berlin-Buch GmbH, Neueintragung in das Handelsregister (12. März 1997). EPO Experimentelle Pharmakologie & Onkologie Berlin-Buch GmbH Prüfung neuer onkologischer Therapeutika und Diagnostika in präklinischen Modellen 2010MRI.TOOLS GmbH, Neueintragung in das Handelsregister (15. Oktober 2010). MRI.TOOLS GmbH Forschung und Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Service von Hardware, Software, Zubehör und Dienstleistungen für die diagnostische und biomedizinische Bildgebung und die Medizintechnik 2013OMEICOS Therapeutics GmbH, Neueintragung in das Handelsregister (9. Juli 2013). OMEICOS Therapeutics GmbH Forschungen zur Erschließung des therapeutischen Potenzials synthetischer Analoga der Epoxyeicosanoide (Metaboliten von Omega-3-Fettsäuren) gegen Herz-Kreislauf- und Augenkrankheiten 2014 Berlin Cures Holding AG Entwicklung von Wirkstoffen gegen bestimmte AutoimmunerkrankungenMarco Mrusek: Nebulöses um Long-COVID. In: Ärzte Zeitung, Heft 56/2022. 2015 T-Knife GmbH Krebstherapien, insbesondere T-Zellen-TherapienMaike Telgheder: Die Biontechs von morgen. In: Handelsblatt, 17. September 2021. 2021MyoPax GmbH, Neueintragung in das Handelsregister (15. September 2021) MyoPax GmbH Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Arzneimitteln gegen Muskeldefekte, generalisierten Muskelschwund und genetisch bedingte Muskelkrankheiten

Teams des Max Delbrück Center, die geeignete Projekte und Interesse an einer Ausgründung haben, werden durch spezielle Fördermittel unterstützt.

Outreach und Wissenstransfer