miniatur|Veitskirche in Flein Die Veitskirche in Flein im Landkreis Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg ist eine evangelische Pfarrkirche. Ihre Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2024 zum ehemaligen Kirchenbezirk Heilbronn und gehört seit 2025 zum fusionierten neuen Kirchenbezirk Heilbronn-Brackenheim in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die 1233 erstmals erwähnte Kirche ist vor allem wegen ihres spätgotischen Schnitzaltars auch überregional bekannt.

Baugeschichte Ursprünge als Kirchenburg Die Fleiner Kirche befindet sich in ortsbeherrschender Lage auf dem „Kirchberg“ (früher „Weiherberg“) auf einer steilen Anhöhe am südlichen Ufer des Deinenbachs erbaut. Der Kirchberg besteht aus Nagelfluhfelsen, die wohl auch Namensgeber des Ortes waren. Man nimmt an, dass der heilige Veit jeher Namenspatron der Kirche war und die Gründung der Kirche mit der Ausbreitung des Veitskults in Württemberg im frühen 11. Jahrhundert zusammenfällt. Die Kirche lässt noch heute ihre Ursprünge als Kirchenburg erkennen, in der sich die Fleiner bei Kriegsgefahr flüchten konnten. Starke Stützmauern grenzen noch heute den Kirchhofbereich ab, in dem sich einst Gaden befanden. Bis in das 19. Jahrhundert waren in den Kirchenhofmauern auch noch Schießscharten zu erkennen. Das Turmuntergeschoss der Kirche stammt noch aus der Zeit der Romanik und war einst als Turmchor ausgestaltet. Auch das mittlere Turmgeschoss ist noch im Kern romanisch. Die Schießscharten wurden innen zugemauert, sind aber außen teilweise noch sichtbar. Das heute als Sakristei genutzte Gewölbe im Turmchor war nach Westen hin zum Kirchenschiff geöffnet und schloss nach oben mit einem Kreuzgratgewölbe ab und war mit romanischen Fresken bemalt.

Die Kirche zählte wie das ganze Dorf Flein zum Reichsgut, kirchlich gehörte sie zum Bistum Würzburg. Die Grundherrschaft über Flein kam als kaiserliches Lehen an die Stadt Heilbronn, die Kirche hingegen mit einer Schenkung 1233 an das Wimpfener Heiliggeistspital. Anlässlich dieser Schenkung wurde die Kirche erstmals urkundlich erwähnt.

Die Ersterwähnung am 4. Juni 1233 König Heinrich (VII.) schenkte die Veitskirche mit einer Urkunde vom 4. Juni 1233 samt Kirchensatz, Zehnten und Patronatsrecht dem Heiliggeistspital in Wimpfen:

Später wurde die Schenkung von Kaiser Friedrich II. in einer 1238 in Verona ausgestellten Urkunde bestätigt. 1267 erfolgte eine erneute Bestätigung von Papst Clemens IV.

Die gotische Kirche ab 1434 Im 15. Jahrhundert wurde der Sakralbau im Stil der Gotik erneuert. In einem Schreiben des Pfarrers Weisert wird beschrieben, dass über der alten Kirchentür die Jahreszahl 1434 eingemeißelt war. Das Schreiben von Weisert – er wirkte in der Kirche von 1832 bis 1866 – wurde 1981 im Kirchturmknopf gefunden. Das gotische Kirchenschiff schloss im Westen des Turms an. Die Kirche war 54 Schuh lang, 27½ Schuh breit und 21 Schuh hoch (1 Schuh = 28,6 cm). In gotischer Zeit wurde aus dem romanischen Mauerwerk aus dem Untergeschoss des Turmes Fenster herausgebrochen. Das Kreuzgratgewölbe wurden mit gotischen Fresken ausgestattet, die noch den Adler des Evangelisten Johannes erkennen lassen. Vermutlich waren in den Ecken die vier Evangelistensymbole dargestellt worden.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder . In einem gotischen Triumphbogen war ursprünglich ein gotisches Kruzifix aufgehängt. So sind im ehemaligen Chor Löcher in den Profilsteinen des Triumphbogens zu erkennen, woran das Kruzifix mit der gotischen Figur des Gekreuzigten angebracht war. Im früheren Turmchor (der heutigen Sakristei) befindet sich an der Nordwand ein gotisches Sakramentshäuschen mit 152 × 70 cm. Eine eiserne Gittertür von 72 × 40 cm verschließt diese. Im früheren Turmchor befand sich wohl auch schon ein St. Veits-Altar, der im 14. Jahrhundert schon mehrfach erwähnt wurde.

Im Jahre 1450 wurde der Ort Flein und die Kirche im Württembergischen Städtekrieg von Ulrich V. „schwer in Mitleidenschaft gezogen“. So ist damals zu lesen: „ecclesia in Flyn desolata“ – „Kirche in Flein verödet“Evangel. Kirchengemeinde Flein und Heimatverein Flein (Hrsg.): 750 Jahre Kirche in Flein. 1233-1983. Festschrift zum 750jährigen Jubiläum der ersten urkundlichen Nennung der Kirche in Flein., Flein 1983, S. 9. Vermutlich ging dabei auch ein Großteil der alten Ausstattung der Kirche verloren. Man hat sie jedoch bald wieder hergerichtet. 1480 wird ein Marienaltar in der Kirche genannt, vermutlich bestanden damals auch noch weitere Altäre. 1519 stiftete der Heilbronner Bürgermeister und Fleiner Vogt Conrad Erer den heute noch erhaltenen Veitsaltar.

Im Bauernkrieg war die Kirche Kulisse, als am 2. April 1525 Jäcklein Rohrbach im Ort seinen „Fleiner Tag“ abhielt viele Fleiner als Anhänger gewinnen konnte. Schultheiß Lorenz Ulmer ließ anderntags die mit Gewehren bewaffnete Gemeinde sich hinter den Schießscharten auf der Kirchenburg versammeln.Hartmut Gräf: Die Fleiner Veitkirche mit dem Altar Jörg Kuglers, Evangel. Kirchengemeinde Flein (Hrsg.) 1980, S. 6.

Zeit der Reformation Die Reformation vollzog sich von Heilbronn ausgehend in Flein über mehrere Jahrzehnte. 1528 wurde der altgläubige Fleiner Vogt und Stifter des Hochaltars, Conrad Erer, als Bürgermeister von Heilbronn durch den reformatorisch gesinnten Hans Riesser abgelöst. 1529 schloss sich die Reichsstadt der Speyerer Protestation an. Die Veitskirche gehörte jedoch zum weiterhin altgläubigen Wimpfener Heilig-Geist-Spital, das sich der Bestellung eines protestantischen Pfarrers in Flein widersetzte. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts waren dann nacheinander Pfarrer unterschiedlicher Konfessionen in Flein: ab 1549 ein Katholik, 1562 ein Protestant, 1563 und 1568 wieder jeweils ein Katholik und ab 1569 schließlich mit Kaspar Sartor ein zunächst noch katholisch gesinnter Pfarrer, der später das evangelische Bekenntnis im Ort durchzusetzen vermochte.

Kriegszeiten im 17. und 18. Jahrhundert Die Reichsstadt Heilbronn versuchte ihren Einfluss auf die Fleiner Kirche zu festigen und erwarb 1573 vom wirtschaftlich angeschlagenen Wimpfener Spital das Vorkaufsrecht. Nachdem die Verwaltung des Spitals an das Ordenshaus in Stephansfeld im Bistum Straßburg übergegangen war, stellte die Reichsstadt dem Ordenshaus umfangreiche Kredite zur Verfügung und erhielt im Gegenzug als Pfand den Kirchensatz und das Pfarrlehen in Flein sowie den Hipfelhof bei Frankenbach. Als der Heilig-Geist-Orden keine Möglichkeit zur Rückzahlung der angehäuften Schulden mehr sah, verkauften die Stephansfelder 1601 das Pfand an die Reichsstadt Heilbronn, widerriefen den Verkauf jedoch bereits im Folgejahr. Langwierige Rechtsstreite schlossen sich an, die sich auch über den Dreißigjährigen Krieg hinaus fortsetzten. Im Krieg diente die Kirche erneut mehrmals als Fliehburg, nach der Schlacht bei Nördlingen floh die gesamte Einwohnerschaft dann in die schützenden Mauern der Stadt Heilbronn und kehrte erst mit dem Westfälischen Frieden 1648 wieder zurück. Während des Krieges musste die Reichsstadt Heilbronn den Hipfelhof 1628 an das Stephansfelder Ordenshaus zurückgeben, doch blieben ihr die Fleiner Kirchenrechte bis zur Rückzahlung der Ordensschulden im Jahr 1728. Die Besetzung der Pfarrstelle wurde so geregelt, dass der Heilbronner Rat zwei Kandidaten vorschlug, von denen der Heilig-Geist-Orden (ab 1695 dessen Oberspital in Memmingen) einen einzusetzen hatte.

Die langen Streitigkeiten um die Kirche bezogen die Baulasten für Kirche und Pfarrhaus mit ein, so dass nötige Instandsetzungen oft unterblieben oder sich über Jahre hinzogen. 1751 kam es zum Streit über den Inschriftenstein am neu erbauten Fleiner Pfarrhaus, der das Doppelkreuz des Heilig-Geist-Ordens und die Initialen eines Paterpflegers zeigt. Der Heilbronner Rat verlangte erfolglos die Entfernung des Steins, den man als Anspruch auf das Kirchenpatronat verstand.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 ging das Patronatsrecht der Kirche mit weiteren Rechten vom Heilig-Geist-Orden auf das bayerische Königshaus und von diesem auf einen General von Beckers über, von dessen Erben sich die Gemeinde Flein 1837 freikaufte und damit auch die Pfarrbesoldung sowie die Kirchen- und Pfarrhausbaulast übernahm.

Neoromanischer Kirchenneubau 1841 miniatur|hochkant|Portal der Veitskirche im Langhaus von 1841 Anfang des 19. Jahrhunderts war die Kirche auf dem Weiherberg stark baufällig und zu klein geworden. Auch der Friedhof war zu klein. Um die Kirche befand sich der ursprüngliche Fleiner Friedhof, der später mehrfach nach Osten erweitert wurde, während der Bereich westlich der Kirche im 19. Jahrhundert zum Vorplatz umgenutzt wurde. So ist im Kirchenkonventsbuch zu lesen, dass 1835 der Beschluss erging, wonach 3/4 der Kirchhofsmauer abzureißen sei. Damit verschwand der Rest der alten Wehranlage aus dem frühen Mittelalter.

Die Gemeinde wehrte sich im Jahre 1839 jedoch gegen den Neubau der Kirche und verlangte einen Aufschub von fünf Jahren. Die Kreisregierung des Neckarkreises und das Oberamt Heilbronn forderten Anfang 1840 die Fleiner Gemeinde dazu auf, sich bis zum 15. August 1840 für einen Neubau oder eine Erweiterung des Sakralbaus zu entscheiden. Am 8. November 1840 beschloss die Gemeinde eine neue Kirche an die nördliche Turmseite anzubauen. Im Frühjahr 1841 erfolgte der Abbruch des gotischen Kirchenschiffs. Am 20. April 1841 wurde der Grundstein für den neuen Sakralbau gelegt.

1841 wurde nach einem Entwurf des Ludwigsburger Kreisbaurates Abel ein neues Schiff im neuromanischen Stil erbaut, das gegenüber dem alten Schiff um 90 ° nach Norden gedreht ist. Das einschiffige Langhaus wurde von Norden nach Süden zum damals aufgestockten Turm hin ausgerichtet. Da zum älteren Turmchor kein Durchbruch gemacht wurde, wurde der Chor mit dem Altar an der südlichen Giebelseite des Langhauses angelegt. Der romanische Turmchor wurde zur Sakristei. Eine ursprünglich schmalere und auf drei Seiten umlaufende hölzerne Empore wurde eingezogen. Der Turm wurde um ein Glockengeschoss erhöht.

1891/92 wurden die Kirchenfenster an der Westseite mit Kathedralglas ausgestattet. Die getünchte Kirchendecke wurde bemalt. Es entstand eine Gipsdecke mit zum Teil ausgemalten 15 Feldern. Auch die Altarwand erhielt ein Gemälde von Ernst Christian Bader. Der Kirchturm wurde verputzt.

Sanierungen und Umbauten seit 1945 1957/58 wurde das Gebäude im Innern restauriert. Als die alten riesigen Sandsteinplatten entfernt wurden, die den Fußboden bildeten, entdeckte man drei Reihen von Gräbern. So musste der neue Kirchenfußboden nach statischen und hygienischen Aspekten betoniert werden. Die alten, oft unbequemen Bänke wurden durch neue Bänke ersetzt. Eine elektrische Heizung wurde unter Sitzen und Fußbänken eingerichtet. Der Fußboden wurde mit Mosaikplatten belegt. Während die „Empore der männlichen Jugend“ an der Friedhofsseite vollständig beseitigt wurde, vergrößerte man die bis dahin schmale Orgelempore. So verlief die Empore nur noch im Westen und im Norden. Die Turmwand, die ursprünglich mit dem Veitsaltar geschmückt war, wurde durch Entfernen des Putzes freigelegt und prägt seither als Natursandstein-Altarwand den Raum. Ein neuer Altar wurde vor ihr errichtet. Der historische Veitsaltar wurde an der Ostwand des Chorbereichs aufgestellt. Die Rundfenster über dem Ost- und dem Westportal wurden vom Fleiner Künstler Hans Epple (1927–2006) mit Glasmalerei in Form von Farbkreuzen versehen. Die alte Kirchendecke wurde durch eine Kassettendecke aus Holz mit 20 Feldern ersetzt. Die Kosten beliefen sich auf 144 516,65 DM.