Denis Mamadou Gerhard Cuspert (* 18. Oktober 1975 in West-Berlin; † vermutlich 17. Januar 2018 nahe Gharanidsch, Deir ez-Zor, Syrien) war ein deutscher Musiker und Salafist, der als dschihadistischer Kämpfer und Terrorist am Syrienkrieg teilnahm und dort vermutlich getötet wurde. Der Verfassungsschutz Berlin schätzte ihn als Kriegsverbrecher und führenden deutschsprachigen Propagandisten der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) ein.Der Berliner Denis Cuspert – Kriegsverbrecher und Propagandist des IS. In: Verfassungsschutzbericht Berlin 2015. Pressefassung. Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Abteilung Verfassungsschutz, April 2016, S. 37 f. .
Cuspert war ab 2002 als Berliner Gangsta-Rapper unter dem Künstlernamen Deso Dogg bekannt. Ab 2010 war er als islamistischer Prediger und Sänger von Anāšīd in Form islamistischer Kampflieder (Naschid) aktiv, anfangs unter dem Namen Abou Maleeq, später als Abu Talha al-Almani. Mehrere seiner Lieder wurden in Deutschland als jugendgefährdend indiziert.
Cuspert setzte sich 2012 nach einer bundesweiten Razzia gegen islamistische Extremisten ins Ausland ab und schloss sich 2013 den Dschihadisten in Syrien an. 2014 legte er den Treueschwur auf den Anführer des Islamischen Staats, Abu Bakr al-Baghdadi, ab. Das Bundeskriminalamt und das Auswärtige Amt warnten vor Cuspert. Er wurde im Februar 2015 in die Terrorlisten der Vereinten Nationen und der Vereinigten Staaten aufgenommen.
Jugend und Musikkarriere Cuspert, dessen Vater Ghanaer und Mutter Deutsche ist, wurde im Berliner Bezirk Kreuzberg geboren. Er wuchs in Charlottenburg, Moabit und Schöneberg auf, vor allem jedoch im damaligen Kreuzberger Problemkiez SO 36. Sein Vater wurde abgeschoben, bevor Cuspert geboren war.Tobias Rapp: Getöteter IS-Kämpfer Denis Cuspert: Vom Rapper zum Mörder. In: spiegel.de, 30. Oktober 2015, abgerufen am 30. Oktober 2015. Sein Stiefvater, mit dem es immer wieder zu Konflikten kam, war ein Angehöriger der US-Armee.
In seiner Jugend verkehrte Cuspert in kriminellen Milieus und war Mitglied einer Gang. Laut Bild-Zeitung soll er an einer Messerstecherei beteiligt gewesen sein.M. Becker, O. Kröning: Wie Erfolglos-Rapper Deso Dogg zum ISIS-Kämpfer wurde. In: Bild. Bis Mitte 2004 wurde er mehrfach wegen diverser Delikte inhaftiert, zum Beispiel wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, so verbrachte er auch eine Zeit in der Justizvollzugsanstalt Tegel.
Cuspert machte zwischen 2002 und 2010 eine kleine Karriere als Gangsta-Rapper.
2002 begann Cuspert, der sich anfangs Darkness D nannte, mit dem Berliner Rapper Charnell unter dem Namen Deso Dogg Musik aufzunehmen. Cuspert befand sich zu dieser Zeit im offenen Vollzug. Nach einem Regelverstoß wurde Cusperts offener Vollzug widerrufen und er war wieder ganztags in der Justizvollzugsanstalt. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wurden Montana Beats und Dean Dawson von Streetlife Entertainment seine Produzenten. Mit Charnell, Jasha und Riad war er Teil der 030 Gangxta Clicc. Er konnte an der DMX-Tour im Jahr 2005 teilnehmen. Nach einem psychischen Zusammenbruch und einem Psychiatrieaufenthalt wurde er auf der Tour durch D-Flame ersetzt. In einem Interview erklärte er: „In meiner damaligen Situation wusste keiner, ob ich am nächsten Tag wieder im Knast bin oder tot in der Ecke liegen würde. Wenn ich was erreichen wollte, musste ich mein Leben ändern.“Deso Dogg. In: laut.de. Abgerufen am 16. September 2013. 2006 bekam Deso Dogg eine zweite Chance bei Streetlife Entertainment und beteiligte sich an der DMX-Tour 2006.
Deso Dogg arbeitete ab Juni 2007 nicht mehr mit seinem ehemaligen Label Streetlife zusammen; er sagte, er wolle die volle künstlerische Freiheit über seine Musik erlangen. Im September 2007 kündigte er ein Doppelalbum mit dem Titel Alle Augen auf mich an. Außerdem gab er bekannt, dass er nach diesem Projekt mit deutschem Rap aufhören wolle, weil ihm die Musik nicht den erwünschten Erfolg eingebracht habe. Er fühle sich von vielen Leuten in der deutschen Rap-Szene enttäuscht und betrogen. Das Album Alle Augen auf mich erschien schließlich im November 2009.
2007, 2008 und 2009 hatte er Auftritte auf dem Myfest in Berlin-Kreuzberg.Programm Myfest
Er tauchte im August 2008 auch in einer Folge der RTL-II-Doku-Soap Der Bluff auf, in der es darum ging, einen Studenten zu einem Gangsta-Rapper zu formen. 2010 war sein Lied Willkommen in meiner Welt im ARD-Film Zivilcourage zu hören.
Seine Musikkarriere blieb trotz der relativen Bekanntheit wirtschaftlich ohne nennenswerten Erfolg. 2010 zog sich Cuspert aus der Musikszene zurück.
Aus verschiedenen Beziehungen hatte Denis Cuspert drei Kinder.
Salafistischer Aktivismus Deutschland Während eines Gefängnisaufenthalts konvertierte Denis Cuspert zum Islam. Er begann, radikalislamische Berliner Gemeinden zu besuchen, zunächst die As-Sahaba-Moschee im Wedding. Anfang 2010 hatte Cuspert laut Verfassungsschutz Berlin Kontakt zur Al-Nur-Moschee. Im Februar 2010 entstand ein Video, das Cuspert mit dem salafistischen Prediger Pierre Vogel zeigt.Deutscher Islamist im engeren IS-Zirkel. fr-online.de, 7. September 2014.
Im November 2010 gab Cuspert bekannt, er wolle seine Musikkarriere beenden und fortan als islamischer Prediger unter dem Namen Abou Maleeq auftreten.Frank Jansen: Ein Ex-Rapper hetzt für den Dschihad. In: Der Tagesspiegel, 6. September 2011. Abgerufen am 16. September 2013. Im April 2011 erhob die Berliner Staatsanwaltschaft Anklage wegen illegalen Waffenbesitzes. Auf einem Video bei YouTube hatte Cuspert das Durchladen einer Glock 26 demonstriert. Bei Hausdurchsuchungen wurden 16 Patronen der Kaliber 9 mm und .22 gefunden.Anklage gegen Berliner Rapper Deso Dogg. In: Berliner Morgenpost, 17. April 2011. Abgerufen am 16. September 2013. Er wurde am 18. August 2011 zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt.
In einem Interview vom November 2010 erklärte er, er hoffe auf den Sieg islamistischer Mudschaheddin in Afghanistan, im Irak sowie in Tschetschenien und Somalia und bezeichnete Berlin als „eine weitere KuffarEinen Menschen oder eine Gruppe von Menschen als Kuffar („Ungläubige“, Plural von Kāfir) einzustufen, ist ein als Takfirismus bekanntes Konzept von heute überwiegend salafistischen Gruppierungen zur Legitimierung des militanten Kampfes gegen die so Bezeichneten.-Metropole“. Später wurde er erst unter dem Namen Abou Maleeq und dann als Abu Talha al-AlmaniBerliner Ex-Rapper Deso Dogg in Syrien verwundet. In: Berliner Morgenpost, 9. September 2013. Abgerufen am 16. September 2013. wieder musikalisch aktiv und veröffentlichte deutschsprachige Naschid via Internet. In einem im Juni 2011 aufgenommenen Naschid preist er Osama bin Laden.
Wegen seiner Aufrufe zum bewaffneten Dschihad galt Cuspert als Extremist und war Beobachtungs- bzw. Ermittlungssubjekt deutscher Sicherheitsbehörden.Souad Mekhennet: German Officials Alarmed by Ex-Rapper’s New Message: Jihad. In: New York Times, 31. August 2011. Abgerufen am 3. September 2011.Florian Flade: Berliner Islamisten ziehen nach Nordrhein-Westfalen. In: Die Welt, 31. Januar 2012. Abgerufen am 16. September 2013. Der islamistische Flughafenterrorist Arid Uka bezeichnete sich als Bewunderer Cusperts und soll zu seiner Tat, bei der er im März 2011 zwei US-Soldaten tötete, durch ein von Cuspert im Januar 2011 auf Facebook veröffentlichtes Video inspiriert worden sein, das Ausschnitte aus dem US-amerikanischen Spielfilm Redacted mit Vergewaltigungsszenen muslimischer Frauen durch US-Soldaten zeigte.Florian Flade: Islamistische Kampflieder auf den Index gesetzt. In: Die Welt, 16. März 2012. Abgerufen am 16. September 2013.
Im Oktober 2011 regte der Berliner Verfassungsschutz die Überprüfung mehrerer islamistischer Kampflieder des ehemaligen Rap-Musikers an. Daraufhin ermittelte im Frühjahr 2012 die Staatsanwaltschaft Berlin gegen den „radikalen Islamisten Denis C. alias ‚Abu Maleeq‘ wegen Volksverhetzung“. Hintergrund waren Videos, auf denen zu sehen ist, wie Cuspert in Naschids im Internet unter anderem Osama bin Laden verherrlicht und zum Heiligen Krieg aufruft.. swr.de, 24. Januar 2012. Abgerufen am 16. September 2013. Im März 2012 setzte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) erstmals drei im Internet verbreitete Dschihad-Songs von Cuspert auf den Index.
Ende Januar 2012 wurde der Umzug Cusperts von Berlin nach Bonn etwa im Zeitraum der Jahreswende 2011/2012 bekannt. Zeitlich parallel soll sein ägyptisch-österreichischer Gesinnungsgenosse Mohamed Mahmoud von Berlin nach Solingen umgezogen sein. Die Wohnortwechsel dienten zur Konzentration der deutschsprachigen salafistischen Szene in Nordrhein-Westfalen.
Bei einem durch das Bundesinnenministerium veranlassten Schlag der Polizei gegen verschiedene Zentren und Wohnungen des gewaltnahen Salafismus in Deutschland wurde am 14. Juni 2012 bei der Durchsuchung einer Islamistenwohnung durch die Polizei in Berlin eine selbst gebaute Sprengstoffweste gefunden. Nach einem Bericht der Welt war die Weste bereits am 15. Mai entdeckt und offenbar von Cuspert angefertigt worden.Schlag gegen radikale Salafisten: Großrazzia und Vereinsverbot. RTL, 14. Juni 2012.
Gegen den flüchtigen Cuspert wurde im Juni 2012 ein Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der Begehung besonders schweren Landfriedensbruchs bei den salafistischen Ausschreitungen in Bonn im Mai 2012 erlassen.Jörg Diehl, Fidelius Schmid, Hubert Gude: BKA warnt vor Denis Cuspert. In: Spiegel Online, 22. Oktober 2013.
Nahost Cuspert konnte sich im Juni 2012 der Beobachtung durch die deutschen Sicherheitsbehörden entziehen und nach Ägypten absetzen, wohin auch Mitglieder der verbotenen Millatu Ibrahim ausgewichen waren.Salafisten planen „Abrechnung“ mit Deutschland. In: Die Welt, 8. Oktober 2012. Abgerufen am 9. Oktober 2012. Er veröffentlichte im September 2012 ein Video, in dem er Drohungen gegen den deutschen Staat aussprach.Bettina Vestring: Berliner Salafist droht Deutschland. In: Frankfurter Rundschau, 4. September 2012. Abgerufen am 16. September 2013. Ein weiteres Drohvideo von Cuspert wurde im September 2012 an das ZDF geschickt, in dem er mit dem Dschihad in Deutschland und weiteren Anschlägen droht.„Deutschland ist ein Kriegsgebiet“: Salafist droht mit Anschlägen. n-tv, 3. September 2012.
Im Februar 2013 gingen Sicherheitskreise davon aus, dass Cuspert im syrischen Bürgerkrieg bei der al-Nusra-Front mitkämpfen und als Märtyrer sterben wolle.Frank Jansen: Europäische Islamisten zunehmend in Syrien. In: Der Tagesspiegel, 22. Februar 2013. Abgerufen am 16. September 2013.
Im August 2013 wurde über ein weiteres Drohvideo von Cuspert im Internet berichtet; inzwischen solle er sich mit anderen Dschihadisten in Syrien aufhalten.Jörg Diehl, Christoph Sydow: Deutscher Salafist ruft zu Selbstmordanschlägen auf. In: Spiegel Online, 1. August 2013. Abgerufen am 16. September 2013.
Im September 2013 wurde berichtet, Cuspert sei im syrischen Bürgerkrieg zusammen mit weiteren Dschihadisten bei einem Luftangriff verwundet worden. Dies habe die Dschihadisten-Gruppe in einer Facebook-Erklärung am 9. September mitgeteilt.Salafist Denis C. in Syrien verwundet. In: B.Z., 9. September 2013. Abgerufen am 16. September 2013.
Seit dem 18. Oktober 2013 warnte das Bundeskriminalamt mit Plakaten vor dem Dschihadisten Denis Cuspert. Im November 2013 erfolgte eine Warnung des Auswärtigen Amts vor einem möglichen Selbstmordattentat durch Cuspert an deutschen Einrichtungen in der Türkei: Es sei „nicht auszuschließen, dass Cuspert ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug einsetzen könnte“.Deutschland warnt vor Anschlag durch Ex-Rapper. In: Die Welt, 7. November 2013. In einem YouTube-Video bestritt Denis Cuspert, jemals solche Pläne gehabt zu haben oder überhaupt irgendetwas gegen die Türkei unternehmen zu wollen. Deutschland sei nicht sein „Ziel, was Anschläge angeht“.Florian Flade: „Deutschland ist nicht mein Anschlags-Ziel“ In: Die Welt, 14. November 2013. Abgerufen am 24. November 2013.