Rumkale (Rum Kalesi „Römerfestung“ bzw. „Rhomäerfestung“, , , , , assyrisch Shitamrat) ist eine ruinierte Festungsstadt in der Südost-Türkei am oberen Euphrat 30 km nördlich von Birecik im Landkreis Yavuzeli (Provinz Gaziantep) etwa 40 km nordöstlich der Großstadt Gaziantep. Die ältesten erhaltenen Teile der Festung wurden von den Byzantinern (Rhomäern) errichtet; darauf ist wohl auch die Bezeichnung Rum Kalesi oder Rumkale, d. h. »Burg der Byzantiner (Rhomäer)« zurückführen.

Lage und Erreichbarkeit links|mini|Blick auf die Ost- und Nordostfront der Burg der Festungsruine Rumkale 2011

Rumkale, auch unter den Bezeichnungen Kal-a Rhomayta, Hromklay, Ranculat, Kal-at al-Rum, Kal-at al-Muslim und Kale-i Zerrin (Goldene Burg) firmierende Burgstelle, liegt auf einem hohen spornartigen Felsplateau in Art einer schmalen Halbinsel über dem Westufer des langgestreckten Birecik-Stausees etwa 4 km nordwestlich gegenüber von Eski Halfeti (Alt Halfeti im Bezirk Halfeti, Provinz Şanlıurfa, ehemals Halfeti), wo das Tal des Merzimen Çayı (bei den Armeniern Barzeman, der Marsifan bzw. Marzeban bei Abu’l-Fida) in den Euphrat mündet. Aufgrund seiner isolierten Lage ist der Ort nur über Halfeti (Yeni Halfeti/Neu Halfeti, Karaotlak) und Eski Halfeti oder von Yavuzeli (Gaziantep) aus zu erreichen. Der Transport zu Land erfolgt in der Regel von Urfa oder Gaziantep aus via Birecik bzw. Yavuzeli und dann mit Booten von Eski Halfeti bzw. Kasaba aus über den Birecik-Stausee. Anfang November 2021 wurde auf der Ostseite des Birecik-Stausees auf steilen Klippen gegenüber von Rumkale in Zusammenarbeit mit dem Gouvernement Gaziantep und der Metropolitan Municipality eine 270 m² große gläserne Aussichtsterrasse mit Blick auf den Euphrat und Rumkale eröffnet.

links|mini|Noch in den 1990er Jahren war der Transport von Mensch, Tier und Waren auf dem Euphrat zwischen Halfeti und Rumkale mit den traditionellen Booten (Kelek) erfolgt, wie sie dort bereits im 19. Jahrhundert gebräuchlich waren. mini|2010 erfolgte die Beförderung der Besucher von Eski Halfeti aus nach Rumkale mit kleinen wendigen modernen Ausflugsschiffen über den Birecik-Stausee. Noch in den 1990er Jahren war der Transport von Mensch, Tier und Waren auf dem Euphrat zwischen Halfeti und Rumkale mit den traditionellen Booten (Kelek) erfolgt, wie sie dort bereits im 19. Jahrhundert nach Beschreibung der Archäologen Carl Humann und Otto Puchstein auf ihrer Reise im Auftrage der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin gebräuchlich waren: „ein Kahn, ein merkwürdig unbeholfenes Ding, der vorne zum Einsteigen breit und offen ist und von zwei Leuten mit aller Kraft gerudert wird, und hinten hoch emporragend von einem dritten Manne vermittels eines über zwanzig Fuß langen Steuers gelenkt wird. Die Seitenwände sind hoch mit alten Brettern vernagelt. Solch ein Kahn fasst demnach acht Pferde und ein Dutzend Menschen. Bei der heftigen Strömung treibt er während des Übersetzens fast um die doppelte Flussbreite hinab und muss nachher am anderen Ufer wieder heraufgezogen werden“. 2010 erfolgte die Beförderung der Besucher von Eski Halfeti aus dann mit kleinen wendigen modernen Ausflugsschiffen über den Birecik-Stausee nach Rumkale.

links|mini|Blick von Westen über den Euphrat auf den Ort Halfeti (heute Eski Halfeti) 1992 vor der Flutung des Birecik-Stausees. mini|Blick von Westen über den Euphrat auf den Ort Halfeti (heute Eski Halfeti) 2004 nach der Flutung des Birecik-Stausees. links|mini|Blick auf den Ortsteil Savaşan der Kreisstadt Halfeti 2010 nördlich von Eski Halfeti nach der Flutung des Birecik-Stausees. mini|Blick auf die Hauptmoschee im Ortsteil Eski Halfeti der Kreisstadt Halfeti 2010 nach der Flutung des Birecik-Stausees. Im Jahr 2000 nach dem Bau des Birecik-Staudamms waren der östliche Teil von Halfeti und Partien der ruinierten Festungsstadt Rumkale im Wasser versunken. Von diesem Zeitpunkt an wurde das Zentrum des Kreises in das Dorf Karaotlak östlich der alten Siedlung verlegt. Durch diesen Umzug war die Bevölkerung des alten Halfeti, bestehend aus den Ortsteilen Rüştiye, Savaşan (Beresül) und Şimaliye, noch weiter zurückgegangen, und einige der Häuser wurden nur noch in den Sommermonaten genutzt. Diese Siedlung Alt-Halfeti (Eski Halfeti) am linken Euphratufer wurde im Jahr 2002 zu einem archäologischen Ort erklärt. Es wurden Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung des kulturellen Erbes ergriffen, nachdem die Häuser mit den durchgeführten Registrierungsverfahren unter Schutz genommen worden waren. Eski Halfeti wurde im Jahr 2013 vom Cittàslow International Committee zur „Slow City“ erklärt, was wiederum seinen Bekanntheitsgrad in der nationalen und internationalen Tourismusbranche steigerte.

Zur Geschichte von Rumkale links|mini|Blick nach Norden in das Euphrattal bei Eski Halfeti 1992 vor der Flutung des Birecik-Stausees. mini|Blick nach Süden in das Euphrattal bei Eski Halfeti 2010 nach der Flutung des Birecik-Stausees.

Die Gründung der Stadt Rumkale geht auf die Proto-Hethiter im Jahr 1230 v. Chr. zurück. Es wird jedoch auch behauptet, dass die Stadt 855 v. Chr. vom assyrischen König Salmanasar gegründet wurde. Die Stadt ist im historischen Prozess in die Hände der Hethiter, Assyrer, Meder, Perser, Makedonier, Seleukiden und Parther übergegangen. Der Überlieferung nach soll Johannes, einer der Apostel Jesu Christi, Rumkale während der Römerzeit bewohnt und Kopien der Bibel in einem in den Fels gehauenen Raum angefertigt und eine Kopie der Bibel in einer Höhle in Rumkale aufbewahrt haben. Auch sollen Kopien von dort u. a. nach Beirut gebracht worden sein.

Urfa und Umgebung wurden bereits während der Herrschaft von Abū Hafs ʿUmar ibn al-Chattāb, dem zweiten islamischen Kalifen (634–644), von den Muslimen erobert, und damit vermutlich auch Rumkale. Anschließend ging es in die Hände der Umayyaden, Abbasiden, Seldschuken, Zengiden und Ayyubiden über. Allerdings blieb die Region Rumkale zunächst nicht auf Dauer unter muslimischer Herrschaft, da sich die armenische Vorherrschaft in der Region fortsetzen konnte. Nach dem Ersten Kreuzzug (1096–1099) entfernte Boudovin (Balduin 1098–1100) de Boulogne in Urfa und seiner Umgebung die islamischen Herrschaft und gründete 1098 in der Region die Kreuzfahrer-Grafschaft Edessa (Urfa). Balduin II. (1100–1118) nahm Rumkale dem armenischen Prinzen Gog Vasil im Jahr 1116 ab und gliederte es unter dem Namen „Ranculat“ in das Kreuzritterfürstentum Edessa (Urfa) ein.

Als Sitz des Katholikos der Armenischen Kirche Um 1150 verlegte Gregor III. Pahlawuni, der Katholikos der Armenischen Apostolischen Kirche, auf Einladung von Beatrice, Gattin des kriegsgefangenen Joscelin II. von Edessa, seinen Amtssitz von Tzvok nach Hromkla. Laut Gregorius Bar-Hebraeus vertrieb er 1151 den dortigen Kastellan Michael; er scheint die byzantinische Burg in Wahrheit gekauft und bei den Verhandlungen mit Beatrice den Kastellan übergangen zu haben. Gregor III. kaufte die Stadt dem damaligen Besitzer, dem Sohn des Franken Joscelin, des Grafen von Edessa, ab.

Von etwa 1150 bis 1292 war Hromkla der Amtssitz und die Grablege der Katholikoi der Armenier (anschließend Sis in Kilikien) und wurde mit drei Kirchen ausgestattet sowie zu einer nahezu uneinnehmbaren Festung ausgebaut. Hier residierte unter anderem der berühmte Katholikos Nerses IV. Schnorhali und fand dort seine letzte Ruhe. 1179 tagte in Hromkla ein Konzil über die Frage der Vereinigung der armenischen mit der byzantinischen Kirche. Zu den Teilnehmern gehörte auch der Katholikos der kaukasischen Albanier sowie Bischöfe aus Ostarmenien (Großarmenien), nicht jedoch die unionsfeindlichen Vorsteher der bedeutenden nordarmenischen Klöster Haghpat und Sanahin.

Häufig zu Gast in Hromkla war der Patriarch der syrisch-orthodoxen Kirche aus dem nahen Barsauma-Kloster. Der syrische Patriarch Ignatius II. David (1222–1252) ließ die gesamte Bibliothek jenes Klosters nach Hromkla überführen, darunter Originalhandschriften des Patriarchen Michael I. d. Gr. († 1199). Nach mehrjährigem Aufenthalt in Hromkla gestorben, wurde Ignatius David 1252 ebendort beigesetzt.

Als Leiter des Skriptoriums von Hromkla und einer der bekanntesten Vertreter der Schule von Hromkla wirkte etwa 1256 bis 1268 der berühmte Buchmaler Toros Roslin.

Unter dem Islam Aus der Geschichte ist die Feste Rumkale bei den Syrern unter dem Namen Kalah Rumitha oder Kalat ol Rum (lat. Castellum Graecorum) bekannt, wie es der Zeitgenosse Gregorius Bar-Hebraeus nennt, als Hulagu Khan, der mongolische Eroberer, nachdem er im Jahre 1258 das Kalifat in Bagdad gestürzt hatte, bis hierher vorgedrungen war. Er gibt uns die sehr interessante Nachricht, dass dieser mongolische Sieger im Jahre 1259, als er seinen Eroberungszug gegen Syrien fortsetzte, zur Übersetzung seines gewaltige Heeres zu gleicher Zeit über den Euphrat an drei Stellen Brücken schlagen ließ: die eine zu Malatya, die zweite zu Kalat ol Rum (Rumkale) und die dritte an der damals von Muslimen am häufigsten begangenen Handelsstraße bei Kerkesia (Circesium am Khabur, das antike Zeugma). „Dies ist das einzige, ausdrückliche, uns bekannte historische Zeugnis von einer bei Rumkale geschlagenen Brücke. In der armenischen Geschichte wird derselbe Ort, den die Araber auch Kalat er Rum schreiben, Hrhomgla oder Hrhomglai, auch Gla horhomagan genannt, und im Vulgär-armenischen Urhum ghala, nämlich Urhum, das Schloß“. Reste sind allerdings nicht nachweisbar.

1260 eroberten die Mongolen unter Hulagu Khan Rumkale. Bereits 20 Jahre später, am 19. Mai 1280 versuchten die Mamluken unter den Kommandanten Beysari und Ayıntablı Hüsameddin mit ihrem Gefolge, Rumkale einzunehmen, konnten zwar die Stadt, aber nicht die gut gesicherte Burg erobern. Nach einer fünftägigen Plünderung und Zerstörung der armenischen Stadtviertel zogen sich Beysari und Ayıntablı Hüsameddin mit ihren Armeen zurück. 1292 bereitete sich der mamlukische Sultan erneut darauf vor, Rumkale einzunehmen, und unternahm zusammen mit dem Gouverneur von Hama, Melik Muzaffer, einen Feldzug gegen Rumkale. Nach einer harten Belagerung mit 33 Katapulten zwischen dem 26. Mai und dem 29. Juni 1292 eroberte die mamlukische Armee unter Sultan Melik el-Eşref die Festungsstadt. Dabei wurde der Ort von dem syrischen Regenten Sancar Uca aufgrund der Belagerung stark zerstört, auf Befehl von Sultan Melik Eşref allerdings wieder aufgebaut und „Kal’at el Müslimin“ genannt. Nach Hethum von Korykos nahmen die Eroberer Katholikos Stephan IV., Bischöfe, Wardapets, Priester sowie viele Christen gefangen, plünderten den Kirchenschatz und übergaben Bischofspalast und Kirchen von Hromkla vormals christlichen Apostaten. Stephan IV. wurde nach Ägypten verbracht, wo er nach einjähriger Gefangenschaft 1293 starb.

Hromkla blieb unter den Mamluken eine bedeutende Grenzfestung, die sogar ausgebaut wurde. Dabei wurde die Kathedrale des Katholikos in eine Moschee umgewandelt, und ein Basar entstand. Unter mamlukischer Herrschaft wurde der Ort zum Zufluchtsort von Untertanen, die sich der mamlukischen Verwaltung widersetzten, und Herrschern, die gegen den Sultan rebellierten. Tatsächlich fanden die aufständischen Mamluken-Kommandeure Çekem, Nevruz, Devadar Özbek und Demürtaş nach ihren erfolglosen Kämpfen Zuflucht in Rumkale. Aus diesem Grund gaben die mamlukischen Sultane der Grenzburg Rumkale größere Bedeutung und besichtigten Rumkale sogar selbst. Aus dieser Zeit unter den ägyptischen Sultanen stammen vermutlich manche der Bauten. 1401 ließ Timur unter anderem auch Rumkalah zerstören. Danach verfiel der Ort offenbar für längere Zeit.

Unter osmanischer Herrschaft