praline (auch PRALINE) war eine wöchentlich erscheinende Erotik-Zeitschrift, die bis 2014 vom ungarischen Verlag GLM publiziert wurde.

Die Zeitschrift erschien donnerstags zu einem Preis von 2,50 Euro. Von 1954 bis 2006 gehörte die Zeitschrift zur Bauer Verlagsgruppe.

Inhalte Inhaltlich beschäftigte sich das bilderreiche Boulevardblatt mit Sex und Erotik. Titelbeiträge lauteten beispielsweise „Tabulose Paare verraten. Die geilsten Orgasmus-Tricks“ (33/2006) oder „Hier sexeln die Deutschen am schärfsten“ (29/2006). Auf Fotografien wurden primäre Geschlechtsmerkmale retuschiert und sexuelle Handlungen nur angedeutet.

Geschichte Das Blatt wurde 1954 als Unterhaltungszeitschrift mit dem Schwerpunkt Reisen auf den Markt gebracht („für Heim und Mode, Reise und Unterhaltung“) „als Billigantwort auf die illustrierten Dickschiffe Quick, Stern und Revue“.Uli Schulte-Doeinghaus, Wolfgang Fuerstner: Dem Zeitgeist auf den Fersen Zeitschriften. In: Werben und Verkaufen, Vol. 24, S. 132, 16. Juni 2000

1975 erreichte die in Hamburg produzierte praline 1,25 Millionen Verkaufsexemplare.Andreas Vogel: media perspektiven 9/2002.Von der Frauenzeitschrift zum Erotikblatt: Nach über 50 Jahren stellt der Bauer-Verlag "Praline" ein Abschied vom Schmuddelkram, Berliner Zeitung, 20. September 2006 Nach der Wendezeit 1990 wurde die Zeitschrift vor allem im Osten Deutschlands gelesen. Die zuvor fallende Auflage stieg noch einmal von 704.833 Exemplaren (IV/1990) um 37 % auf 965.562 Exemplare (I/1991).www.pz-online.de, Auflagen der Publikumszeitschriften (IVW) (Ergebnisse nicht mehr abrufbar) Mitte der 1990er Jahre hatte das Blatt jedoch nur noch eine wöchentliche Auflage von etwa 431.000 Exemplaren, die bis zum Jahr 2000 weiter auf etwa 200.000 Exemplare fiel.

2001 erschien die Zeitschrift nach der Ausgliederung wegen Imageproblemen bei der Bauer-Tochter Inter Publish GmbH in Rastatt. Die Redaktion Intermedia Content KG befand sich wie Bauer jedoch weiterhin in Hamburg.

Ab der 19. Ausgabe des Jahres 2003 wurde der angeschlagene Zeitschriftentitel praline ebenso wie Das neue Wochenend nicht mehr von der Bauer-eigenen Rubin KG in Hamburg produziert, in der die etwa 30 Beschäftigten weder Tarifverträge noch einen Betriebsrat besaßen, Deutscher Journalisten-Verband, Pressemitteilung, 3. April 2003. sondern von der Bauer-Tochter Content KG.

Im Herbst 2005 erreichte das Blatt nur noch 66.464 Käufer wöchentlich. Nach dem dritten Quartal 2005 meldete Bauer praline und die Titel Das neue Wochenend und Blitz-Illu bereits bei der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. ab. Nach dem Einbruch der Leserzahl beschloss Bauer, das Blatt Anfang Oktober 2006 einzustellen.Sexzeitschrift „praline“ wird eingestellt, Focus.de, 3. September 2006 Am 29. September wurde jedoch vom Verlagsunion Zeitschriftenbetrieb, einer Bauer-Tochter, und nicht dem neuen Verleger, bekanntgegeben, dass der Titel ab dem 12. Oktober 2006 vom ungarischen Verlag GLM weitergeführt werde. In: Werben & Verkaufen, 29. September 2006

Mitarbeiter Chefredakteur in den 1980er Jahren war Jürgen Köpcke.Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 671. Die FDP-Politikerin und damalige Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin widmete sich ab 2004 in einer Kolumne des Blattes jede Woche einer Leserfrage zur EU. europa-einfach.de, September 2004; u. a. Link zu einer Kolumne, PDF In einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel sagte sie zu ihrer Mitarbeit: „Alle Deutschen, die älter als achtzehn sind, haben das Wahlrecht. Es ist für die Politik deshalb wichtig, alle Schichten der Gesellschaft anzusprechen. Nicht alle schauen Sender wie Phoenix, wie die Einschaltquoten zeigen“.Ulrike Simon: Koch-Mehrin ist Kolumnistin bei „Praline“, Tagesspiegel, 6. Oktober 2004 Zuvor hatte bereits der FDP-Politiker Dirk Niebel die Kolumne „Mit Niebel und Praline raus aus der Arbeitslosigkeit“ gestartet, was auf Widerspruch in der FDP-Fraktion stieß.Der Liberale und die Praline. In: Die Welt, 3. Mai 2004. Bauer richtete Niebel vor der Bundestagswahl 2005 die Webseite www.raus-aus-der-arbeitslosigkeit.de ein („Arbeitslos? Wir helfen Ihnen! Eine Initiative der praline“). Informationen der Fachgruppe Verlage und Agenturen über die Bauer Verlagsgruppe, August 2005

Zu den ständigen Mitarbeitern gehörten 2006 Lotto King Karl und Isabel Golden (Venus Award 2002).

Trivia Bei der Zerschlagung von KirchMedia 2002 lehnte der Medienunternehmer Haim Saban einen vom bayerischen Wirtschaftsminister Otto Wiesheu angeregten Kauf durch ihn und seinen Konkurrenten Bauer ab. Seine Begründung lautete, Sexheftchen wie praline oder Wochenend seien nicht sein Niveau.Hans-Jürgen Jakobs, Saban und Bauer liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen, Süddeutsche Zeitung, 8. März 2003, S. 22.

Website Die Website praline Interaktiv war nach Angaben der Bauer Media KG die „erfolgreichste Erotik-Site Deutschlands“., VPM Online (Pabel-Moewig Verlag) – mit 1,2 Millionen Nutzern im Juli 2006. In den Jahren 2000 und 2001 gehörte die Seite (2001: 11,9 Millionen Visits, 41,18 Millionen Seitenaufrufe) zu den fünf meistbesuchten deutschen Webauftritten. Die Leser der Printausgabe sind nicht zuletzt durch Heftwerbung zu dieser und ähnlichen kostenpflichtigen und einträglichen Websites von Bauer ins Internet migriert.Sex allein zieht nicht mehr. Aus für „Praline“ – Bauer arbeitet an neuen Titeln, Tagesspiegel, 5. September 2006Thomas Forster: Mehr als scharfe Bilder Erotik-Sites boomen ohne Werbung. Die Auflagen der Erotik-Blaetter dagegen haben Schwindsucht. Werben & Verkaufen, 11. August 2000, Vol. 32, S. 72. Im November 2014 hat Bauer die Internetseite zusammen mit anderen Internetseiten wie coupe.de an die aximus GmbH des Enkels von Beate Uhse, Philipp Rotermund, verkauft und erhält dafür monatliche Lizenzgebühren.Florian Zettel: Bauer Media Group: Bauer zieht sich aus Erotikgeschäft zurück. In: W&V, 6. November 2014

Literatur Judith Richter: Die perfekte Frau – Weiblichkeitsideale in den Illustrierten „Brigitte“ und „Praline“. Diplomarbeit an der Universität Wien, 124 Seiten. Thomas Schuler: In: Berliner Zeitung, 28. Oktober 1999

Einzelnachweise

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