Astheim ist ein Gemeindeteil der Stadt Volkach im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Die Gemarkung Astheim hat eine Fläche von 3,309 km². Sie ist in 1763 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1877,03 m² haben.
Astheim war bis zum freiwilligen Zusammenschluss mit Volkach am 1. Januar 1972 eine selbstständige Gemeinde. Astheim liegt auf der gegenüberliegenden, westlichen Mainseite und ist durch eine Brücke mit Volkach verbunden.
Astheim erhielt im Jahr 1409 mit der Kartause Marienbrück einen eigenen Dorfherrn. Die Kartäuser besaßen ein eigenes Halsgericht und konnten das Marktrecht für ihr Dorf durchsetzen. Nach der Auflösung des Klosters im Jahr 1803 hatte der Ort mit dem Niedergang des Weinbaus zu kämpfen. Die Astheimer verlegten sich auf den Obstbau, der neben dem wieder erstarkten Weinanbau noch heute die Gegend prägt.
Als einwohnerreichster Volkacher Gemeindeteil beherbergt Astheim heute mehrere öffentliche Institutionen, wie das Volkacher Gemeindearchiv und die Ritter’sche Kindergartenstiftung. Zusätzlich erfuhr der Tourismus durch die Lage in der Mainschleife in den letzten Jahrzehnten eine starke Aufwertung. Als Endstation der Mainschleifenbahn zieht Astheim Ausflugsgäste an.
Geografische Lage Geografie und naturräumliche Lage Astheim liegt im Westen des Volkacher Gemeindegebiets. Nördlich, getrennt durch den Main, liegt Gaibach. Der Osten wird von der Stadt Volkach eingenommen, ebenfalls jenseits des Mains. Auch im Süden fließt der Main durch Astheimer Gemarkung, dort liegen gegenüber die Hallburg und der gleichnamige Volkacher Gemeindeteil. Im Südwesten beginnt das Gemeindegebiet von Nordheim am Main, im Westen steht die Vogelsburg.
Nächstgelegene größere Städte sind Kitzingen mit einer Distanz von etwa 14 Kilometern und Schweinfurt, das ungefähr 20 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das 22 Kilometer entfernte Würzburg.
Naturräumlich liegt Astheim im Gebiet der Volkacher Mainschleife, die als Untereinheit zum Mittleren Maintal der Mainfränkischen Platten gezählt wird.Geographie Giersbeck: Karte 152 Würzburg, PDF-Datei, abgerufen am 10. Januar 2019.
Das Dorf liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Klimazonen in Deutschland zählt. Dies erklärt auch den Weinbau im Ort. Astheim liegt als Scheitelpunkt im Zentrum der Mainschleife. Sie rahmt den Ort auf drei Seiten ein. So verläuft im Norden, Osten und Süden der Fluss. Geologisch überwiegen Steine des Oberen Muschelkalks und in höheren Lagen Lettenkeuper.
Dorfgliederung Die Astheimer Gemarkung ist auf drei Seiten durch den Main begrenzt. Zentral befindet sich darin das ummauerte Gelände der Kartause Marienbrück. Südöstlich schließt sich das Haufendorf mit der Pfarrkirche an. Drei Neubaugebiete, die 1950, 1965Benedum, Christa (u. a.): Astheim und seine Kartause. S. 57. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts ausgewiesen wurden, erstrecken sich südlich und westlich des alten Dorfkerns.
Der Sportplatz verbindet im Süden die durchgängige Bebauung mit dem sogenannten Setzhof, einem Aussiedlerhof. Im Norden des Altortes, getrennt durch die Staatsstraße 2260, befinden sich der Haltepunkt Astheim der Mainschleifenbahn und der Friedhof. Der Westen geht in den Vogelsberg über, im äußersten Norden liegen die Mitterwehrseen. Diese Seen waren ursprünglich Kiesbaggerflächen und dienen heute als Wärmespeicher, um den Früh- und Spätfrösten entgegenwirken zu können. Im Südwesten begrenzt die sogenannte Bördleingrube die Gemarkung, ein etwa 17 ha großes überflutetes Kies- und Sandbaggerareal, das von vielen seltenen Tierarten wie Turmfalke und Flussregenpfeifer bewohnt wird.LZR: LZR Broschüre Renaturierung, PDF-Datei, S. 9 f., abgerufen am 8. März 2019.
Naturschutzgebiete mini|Das Naturschutzgebiet Astheimer Dürringswasen (Juni 2013)
Astheim liegt inmitten des Geotops Volkacher Mainschleife. Bereits 1969 wurde das Gebiet zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Zusätzlich wurde im Areal ein Vogelschutzgebiet und ein Fauna-Flora-Habitat ausgewiesen.
Drei Naturschutzgebiete auf Astheimer Gemarkung erstrecken sich im Süden, Südwesten und im äußersten Westen der Gemarkung. Das Gebiet Alter Main bei Volkach umfasst Areale auf den Gemarkungen von Astheim, Escherndorf, Nordheim am Main und Volkach. Schutzgegenstand ist die Erhaltung des Mains als Fließgewässer. Dazu zählen die kleinreliefreichen Flussterrassen, die mit Weidenbäumen bestanden sind und als Mähwiesen genutzt werden. Ältestes Naturschutzgebiet im Landkreis sind die sogenannten Astheimer Dürringswasen (auch Weißer Sand). Es wurde bereits 1977 eingerichtet und dient dem Schutz der Sandgrasheiden. Das Naturschutzgebiet Mainhang an der Vogelsburg schließt Gebiete auf den Gemarkungen von Astheim und Escherndorf ein. Es umfasst die Nordseite des Vogelberg-Hangs und erstreckt sich auf einer Fläche von etwa 53 ha. Schutzgegenstand ist der nördliche Prallhang zu Füßen der Vogelsburg. Es umfasst die Biotope Hangwald, Halbtrockenrasen, Buschflächen und das charakteristische Mainufer.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte (bis 906) Astheim hat eine lange Siedlungsgeschichte. Bereits in prähistorischer Zeit war die Stelle des heutigen Dorfes dauerhaft besiedelt, dies belegen Archäologischer Fund|Funde einer Knaufhammeraxt aus der Jungsteinzeit.Gerhard Egert: Astheim. S. 208. Im Südosten des Dorfes wurde eine sogenannte Freilandstation lokalisiert, sodass die Stelle wohl während des Mesolithikums und der späten Hallstattzeit als zumindest saisonal bewohnt gelten kann. Ein Grund für die frühe Besiedlung ist wohl der Mainübergang nahe dem Ort.
Während der Latènezeit kam es überall in der Mainschleifenregion zur Bevölkerungsüberlagerung: Die zugezogenen Kelten verdrängten die ursprüngliche Bevölkerung. Um 50 vor Christus stießen elbgermanisch-alamanische Völker in das Gebiet um Astheim vor. Das heutige Dorf entstand im Zuge der fränkischen Besiedlung im 6. und 7. nachchristlichen Jahrhundert als Hintersassendorf für Klosteruntertanen am Mainübergang. Die Franken brachten erste Verwaltungsstrukturen mit und forcierten die Christianisierung im heutigen Mainfranken.
Kurze Zeit später etablierte sich in der Gegend einer der fränkischen Urgaue, das Volkfeld. Die Errichtung eines Königshofs im nahen Prosselsheim machte die Sicherung des Mainübergangs bei „Ostheim“, wie Astheim damals genannt wurde, notwendig. Astheim war als Königsgut direkt dem Herrscher unterstellt.Christa Benedum u. a.: Astheim und seine Kartause. S. 19. Die fränkischen Könige begannen allerdings bereits im 9. Jahrhundert dieses geschlossene Land aufzulösen. Sie vergaben ganze Gebiete an andere Herrschaften und sicherten sich so deren Treue.
Castell und Würzburg (bis 1399) Erstmals genannt wurde Astheim im Jahr 906. In einer Urkunde bestätigte Ludwig das Kind die Schenkungen seines Vaters Arnulf von Kärnten. „Ostheim“ war 889 zusammen mit vielen anderen Orten der Umgebung an das Kloster Fulda gekommen. Zu diesem frühen Zeitpunkt bestand das Dorf wohl lediglich aus einem ursprünglich königlichen, dann fuldischen Fronhof und einigen Leibeigenenhäusern. Die Bevölkerung lebte vom Weinbau und der Fischerei im Main.Gerhard Egert: Astheim. S. 209.
Kirchlich orientierte sich Astheim weg von der Urpfarrei auf der Vogelsburg und wurde als einzige Gemeinde auf der westlichen Mainseite Filiale der Pfarrkirche auf dem Volkacher Kirchberg. Im Schatten der Abtei Fulda und des immer mächtiger werdenden Hochstifts Würzburg stiegen im 12. Jahrhundert einige kleinere Ministerialengeschlechter zu bedeutenden Lehnsherren an der Mainschleife auf. In Astheim waren die Grafen zu Castell, die Herren von Henneberg, Hohenlohe und Seinsheim sowie das Kloster Ebrach begütert.
Nach und nach setzten die Grafen Castell ihren Anspruch auf die Siedlungen in der Region durch. Vor 1230 erwarben sie die Vogtei über Astheim und wurden neue Dorfherren. Nach dem Vertrag vom 18. Januar 1230 erhielt Graf Rupert II. zu Castell, der in einer Fehde dem Würzburger Fürstbischof Hermann I. von Lobdeburg unterlag, das Dorf als hochstiftisches Lehen zurück. Die Vogtei blieb im Besitz seiner Familie.
Für die nachfolgende Zeit fehlen Urkunden. Im Jahr 1266 tauchte die „villa Ostheim“ (Dorf Ostheim) im Teilungsvertrag der Grafen Heinrich zu Castell und Hermann zu Castell auf, das Dorf kam an die Linie Castell-Unterschloss. Im Jahr 1314 hielt Rupert VI. zu Castell noch die Fischweide in Astheim. Die Schulden der Familie führten kurze Zeit später, um 1328, zur Verpfändung der Vogtei.Christa Benedum u. a.): Astheim und seine Kartause. S. 21. Neue Dorfherren wurden die Herren von Seinsheim. Sie erwarben im Laufe des 14. Jahrhunderts den Ort auch käuflich.
Die Kartause Marienbrück (bis 1525) mini|Die Kartause in Astheim auf einer alten Ansicht Nach dem Tod des Michael von Seinsheim im Jahr 1399 kam sein Sohn Erkinger in den Besitz von Astheim. Ihm gelang es durch geschickte Politik die Burg Schwarzenberg nahe Scheinfeld zu erwerben. Fortan nannte er sich auch Freiherr von Schwarzenberg. Für Astheim bedeutete die Herrschaft des Erkinger einen großen Bedeutungsgewinn, denn der Adelige war mit König Ruprecht von der Pfalz verbunden und erhielt durch ihn mehrere Rechte für seine Besitzungen.Meyer, Herbert: Erkinger von Seinsheim und die Kartause Astheim. S. 146.
Am 29. Oktober 1408 erteilte der König dem Maindorf das Marktrecht, also die Möglichkeit, einmal wöchentlich einen Markt abzuhalten. Die Einwohner erhielten das Bürgerrecht, außerdem wurde der Ort Sitz eines Blutgerichts mit Stock und Galgen. Erkinger trieb auch den Bau eines Klosters im Ortskern voran. Er hatte sein Hofgut als Sitz eines Kartäuserkonventes ausersehen, der zur Grablege seiner Familie werden sollte. Das Kloster Marienbrück wurde am 2. Juni 1409 gegründet.
Ein Jahr später, am 7. Juni 1410, wurde die Johanneskirche aus der Pfarrei Volkach ausgepfarrt. Astheim besaß fortan eine eigene Pfarrei, in der die Herren von Seinsheim-Schwarzenberg das Patronatsrecht besaßen. Am 16. Juni 1410 erteilte König Ruprecht das Stadtrecht. Diese Aufwertung setzte sich jedoch niemals durch, da das nahe Volkach wirtschaftlich zu stark war und außerdem die Topographie für eine städtische Infrastruktur unzureichend erschien.
Die Prioren der Kartause hatten bereits die Dorfherrschaft von Erkinger von Seinsheim erhalten. Am 7. Februar 1440 erteilten ihnen dessen Nachkommen noch das Patronatsrecht der Pfarrei. Die Klostervorsteher waren nun weltliche und geistliche Herren Astheims geworden. Der neue Rechtsträger an der Mainschleife brachte aber auch viele Streitigkeiten mit sich. So verhandelte man mit den Nachbargemeinden bis ins 19. Jahrhundert über Fischereirechte und Gemarkungsgrenzen.Benedum, Christa (u. a.): Astheim und seine Kartause. S. 27.
Im Jahr 1488 erhielt die Kartause einen Schutzbrief des Heiligen Römischen Reiches, nachdem ein Jahr zuvor das Dorf von Thüngener Truppen geplündert worden war. Mit dem Jahr 1502 wurden diese Schutzversprechungen auf den Würzburger Bischof übertragen, der sie verlängerte.Schwarz, Ignaz: Die Karthause Astheim. S. 13. 1496 hatte sich im Dorf eine Sebastianibruderschaft zur Förderung der Volksfrömmigkeit gegründet.
Bis zur Klosteraufhebung (bis 1803) Der Bauernkrieg im Jahr 1525 erreichte auch Astheim, wo die Klosteruntertanen drückende Abgaben zu entrichten hatten. Unabhängig von den großen Bauernhaufen versammelten sich am 3. Mai 1525 Bürger aus Volkach und Astheim und überfielen die Kartause. Sie entwendeten die Mobilien, der Prior Jodokus musste nach Schweinfurt fliehen. Kurze Zeit später erreichte auch der Bauernhaufen aus Gerolzhofen und Haßfurt den Ort.