miniatur|Mandatsflagge der Völkerbunds-Treuhandgebiete Syrien und Libanon Das Völkerbundmandat für Syrien und Libanon (, ) wurde 1922 vom Völkerbund in Bestätigung der Beschlüsse der britisch-französischen Konferenz von Sanremo (1920) an Frankreich erteilt. Es umfasste das Gebiet der heutigen Staaten Syrien und Libanon sowie der heutigen türkischen Provinz Hatay.

Das Mandat français en Syrie wurde nach dem Ersten Weltkrieg und dem Auseinanderbrechen des osmanischen Reiches geschaffen. In den Jahren 1919 und 1920 entsprechend dem Sykes-Picot-Abkommen, welches zwischen Großbritannien und Frankreich im Ersten Weltkrieg geschlossen worden war, erhielt Großbritannien das britische Mandat Mesopotamien auf dem Gebiet des heutigen Irak sowie das Völkerbundsmandat für Palästina, welches den südlichen Teil der osmanischen Provinz Syrien (Syrien, Palästina und Jordanien) umfasste, während Frankreich den Rest des osmanischen Syriens (das moderne Syrien, den Libanon und Hatay) kontrollierte.

Anfang der 1920er wurden die britische und die französische Kontrolle über diese Gebiete durch ein Mandatsystem des Völkerbundes formalisiert und Frankreich bekam das Mandat über Syrien am 29. September 1923, welches neben dem modernen Syrien den modernen Libanon und Hatay (Alexandretta) umfasste.

Das französische Mandat bestand bis 1943, als die zwei unabhängigen Staaten Syrien und Libanon aus dem im Osmanischen Reich ungeteilten Gebiet entstanden waren. Hatay wurde 1939 nach einem Referendum an die Türkei angeschlossen. Die französischen Truppen verließen Syrien und den Libanon im Jahr 1946. miniatur|hochkant=1.7|Aufteilung des Mandatsgebietes

Arabisches Königreich Syrien

Mit der Niederlage der Armee des Osmanischen Reiches in den Vilâyets Syrien und Beirut kamen gegen Ende des Ersten Weltkrieges 1918 britische Truppen unter Marshall Edmund Allenby nach Damaskus, begleitet von den Unabhängigkeitskämpfern der Arabischen Revolte, die von Faisal I., dem Sohn Scherif Husseins von Mekka, angeführt wurden. Im Oktober 1918 errichtete Faisal die erste arabische Regierung in Damaskus und benannte Ali Rida ar-Rikabi zum Militärgouverneur. Die neue arabische Regierung bildete in den größeren syrischen Städten örtliche Verwaltungen und die panarabische Flagge wurde in ganz Syrien gehisst. Die Araber vertrauten auf frühere britische Versprechungen, dass der neue arabische Staat das gesamte arabische Land von Aleppo in Nordsyrien (, TEO Nord) bis Aden im Südjemen umfassen würde.

Jedoch überließ General Allenby entsprechend dem geheimen Sykes-Picot-Abkommen zwischen Großbritannien und Frankreich der arabischen Regierung nur die Binnenregionen Syriens (die östliche Zone; , TEO Est). Palästina (die südliche Zone; , OETA South) war Großbritannien vorbehalten und am 8. Oktober landeten französische Truppen in Beirut und besetzten die ganze syrische Küste bis Naqura (die westliche Zone; , TEO Ouest); sie ersetzten dort britische Truppen und lösten umgehend die arabischen Regierungen der Region auf.

Die französische Regierung verlangte die vollständige Umsetzung des Sykes-Picot Vertrags und die Anerkennung der französischen Vorherrschaft über Syrien. Am 26. November 1919 zogen sich die britischen Truppen aus Damaskus zurück, um eine bewaffnete Auseinandersetzung mit dem Entente-Partner zu vermeiden und überließen die arabische Regierung den französischen Truppen.

Faisal reiste seit November 1918 mehrere Male nach Europa und versuchte ohne Erfolg, die Regierungen in Paris und London von einer Änderung ihrer Positionen zu überzeugen. Die französische Regierung besiegelte ihre Intervention in Syrien mit der Ernennung Henri Gourauds (1867–1946) zum Hochkommissar für das syrische Kilikien. Bei der Pariser Friedenskonferenz 1919 wurde die Position Faisals noch prekärer, als sich die europäischen Mächte entschieden, die arabischen Forderungen zu ignorieren.

Im Juni 1919 kam die US-amerikanische King-Crane Commission nach Syrien, um die örtliche Meinung bezüglich der Zukunft des Landes zu erfragen. Das Untersuchungsgebiet der Kommission reichte von Aleppo bis Beʾer Scheva. Es wurden 36 größere Städte aufgesucht, über 2.000 Delegationen aus mehr als 300 Dörfern empfangen und mehr als 3.000 Petitionen entgegengenommen. Die Ergebnisse bestätigten die Ablehnung des Mandats durch die Syrer wie auch der Balfour-Deklaration und demgegenüber erhobene Forderung nach einem Großsyrien unter Einschluss Palästinas. Frankreich wies die Ergebnisse der Kommission zurück und Großbritannien ignoriert sie.

Im Mai 1919 wurden Wahlen für einen Allgemeinen Syrischen Kongress abgehalten. 80 % der Sitze gingen an die Konservativen. Zur Minderheit gehörten dynamische arabische Nationalisten wie Dschamil Mardam-Bey, Schukri al-Quwatli, Ahmad al-Qadri, Ibrahim Hananu und Riad as-Solh.

miniatur|Faisal mit T. E. Lawrence und der Hejaz-Delegation auf der Pariser Friedenskonferenz 1919 Unruhen brachen in Syrien aus, als Faisal einen Kompromiss mit Georges Clemenceau und Chaim Weizmann bezüglich der jüdischen Immigration nach Palästina fand. Es wurde für Antihaschemititismus demonstriert und die muslimischen Einwohner um die Höhen des Libanons revoltierten aus Furcht, sie würden gegen ihren Willen in einen neuen – hauptsächlich christlichen – großlibanesischen Staat integriert.

Im März 1920 nahm der syrische Nationalkongress in Damaskus unter dem Vorsitz Haschim al-Atassis eine Resolution an, welche die Vereinbarungen Faisals mit Clemenceau zurückwies. Der Kongress erklärte die Unabhängigkeit Syriens in seinen natürlichen Grenzen einschließlich Palästinas, proklamierte König Faisal zum König der Araber, eine Wirtschaftsgemeinschaft mit dem benachbarten Irak und forderte ebenso dessen Unabhängigkeit. Am 9. Mai 1920 wurde eine neue Regierung von Ali Rida ar-Rikabi gebildet.

Auf der Konferenz von Sanremo übertrug der Oberste Rat der Alliierten am 25. April 1920 Frankreich das Mandat über Syrien einschließlich der Libanon-Höhen und Großbritannien die Mandate über Palästina einschließlich Jordaniens sowie den Irak. Die Syrer reagierten darauf mit gewalttätigen Demonstrationen und der Bildung einer neuen Regierung unter Haschim al-Atassi am 7. Mai 1920. Die neue Regierung beschloss eine allgemeine Mobilmachung und begann, eine Armee aufzustellen.

miniatur|links|Banknote über 25 syrische Piaster, ausgegeben 1919 in Beirut durch die Banque de Syrie. Die Banque de Syrie, später in Banque de Syrie et le Grand Liban umbenannt, setzte die Ausgabe von Banknoten für Syrien und den Libanon bis in die 1950er Jahre fort.

Diese gewalttätigen Demonstrationen riefen feindliche Reaktionen beim französischen Besatzungsheer wie auch beim maronitischen Patriarchen des Libanonberges hervor, welcher die Entscheidungen als Staatsstreich bezeichnete. In Beirut bezog die christliche Presse Opposition gegen die Entscheidungen der Regierung Faisals. Die libanesischen Nationalisten profitierten von der Krise und überzeugten einen Rat aus christlichen Personen in Baabda am 22. März 1920, die Unabhängigkeit des Libanons zu proklamieren.

miniatur|Französische Zeichnung von Damaskus 1920 Am 14. Juli 1920 stellte General Gouraud Faisal ein Ultimatum und ließ ihm die Wahl zwischen Unterordnung und Abdankung. Faisal erkannte, in der schwächeren Position zu sein und wählte die Zusammenarbeit. Sein junger Kriegsminister Yusuf al-Azma verweigerte ihm jedoch die Gefolgschaft und traf in der Schlacht von Maysalun auf die Franzosen, die unter General Mariano Goybet in weniger als einem Tag siegten. Al-Azma fiel in der Schlacht zusammen mit den meisten seiner Getreuen. General Goybet zog am 24. Juli 1920 siegreich in Damaskus ein.

Als die französischen Truppen im Libanon an Land gingen, wurden sie von der christlichen Gemeinde als Befreier begrüßt, in Syrien stießen sie jedoch auf starken Widerstand. Erst 1923 konnte Frankreich die ausbrechenden Aufstände in den alawitischen Gebieten des Dschebel ad-Duruz und in Aleppo niederschlagen und erlangte die volle Kontrolle über ganz Syrien.

Das Mandat Nach der Konferenz von Sanremo und der Niederlage von Faisals Monarchie bei der Schlacht von Maysalun teilte der französische General Henri Gouraud das Mandat von Syrien in sechs Staaten. Es handelte sich um den Staat von Damaskus 1920, den Staat von Aleppo 1920, den Staat der Alawiten 1920, den Staat der Dschebel ad-Duruz 1921, den autonomen Sandschak Alexandrette 1921 und den Staat Großlibanon 1920, aus welchem später der moderne Libanon wurde.

Sowohl Arabisch als auch Französisch wurden zu Amtssprachen erklärt.Erich Topf: Die Staatenbildungen in den arabischen Teilen der Türkei seit dem Weltkriege nach Entstehung, Bedeutung und Lebensfähigkeit (= Abhandlungen aus dem Gebiet der Auslandskunde. Band 31 = Abhandlungen aus dem Gebiet der Auslandskunde. Reihe A: Rechts- und Staatswissenschaften. 3). Friedrichsen – de Gruyter & Co, Hamburg 1929, S. 37.

miniatur|links|Flagge des syrischen Bundes (1922–1924) und des folgenden Staates von Syrien (1924–1930).

Im Juli 1922 errichtete Frankreich einen losen Bund zwischen drei dieser Staaten: Damaskus, Aleppo und den Alawiten unter dem Namen syrischer Bund (Fédération syrienne). Dschebel ad-Duruz, Sandschak Alexandrette und Großlibanon waren nicht Teil dieses Bündnisses. Am 1. Dezember 1924 trennte sich der Staat der Alawiten vom Bündnis ab, als der Staat von Aleppo und der Staat von Damaskus zum syrischen Staat verbunden wurden.

1925 weitete sich eine von Sultan al-Atrasch angeführte drusische Revolte in Dschebel ad-Duruz auf andere syrische Staaten aus und wurde zum allgemeinen Aufstand in Syrien. Mitte Juli 1925 eroberten die Aufständischen den kleinen Ort Salchad, zwei Wochen später die Distriktshauptstadt as-Suwaida. Die französischen Truppen erlitten Verluste von mehreren hundert Mann. Die Unruhen dauerten bis zum Frühjahr 1928. Das französische Militär versuchte sich zu revanchieren, indem es das Parlament von Aleppo dazu drängte, die Trennung von Damaskus zu erklären, was jedoch durch syrische Patrioten zum Scheitern gebracht wurde. Am 14. Mai 1930 erklärte sich der syrische Staat zur Republik (→ Syrische Republik) und eine neue Verfassung wurde erlassen. 1932 zeigte die Flagge drei rote Sterne, welche die drei Distrikte Damaskus, Aleppo und Deir ez-Zor darstellten. 1936 wurden ein französisch-syrischer und ein französisch-libanesischer Unabhängigkeitsvertrag unterzeichnet. Die Verträge nach dem Modell des anglo-irakischen Vertrags von 1930 sollten die Staaten im Kriegsfall an Frankreich binden, im Gegenzug wurde ihnen die Unabhängigkeit und Aufnahme in den Völkerbund zugesichert. Bis 1940 wurden die Unabhängigkeitsverträge nicht vom französischen Parlament ratifiziert; auch unter dem Vichy-Regime wurden sie nicht ratifiziert. Jedoch erlaubte der Vertrag Dschebel ad-Duruz, den Staat der Alawiten, welcher nun Latakia genannt wurde, und Alexandrette in den folgenden beiden Jahren in die syrische Republik integriert zu werden. Der Großlibanon, nun die libanesische Republik, war der einzige Staat, welcher der syrischen Republik nicht beitrat. Haschim al-Atassi war der erste gewählte Präsident unter der neuen Verfassung, welche nach dem Unabhängigkeitsvertrag angenommen wurde. 1938 wurde der Staat Hatay ausgerufen, der sich 1939 nach einem entsprechenden Abkommen zwischen der Türkei und Frankreich sowie einem Beschluss seines Parlamentes der Türkei anschloss. Syrien erkannte die Einverleibung Hatays, in dem die Araber gegenüber den Türken eine Mehrheit bilden, in die Türkei nicht an, und die Angelegenheit wird bis heute diskutiertDalal Arsuzi-Elamir: Arabischer Nationalismus in Syrien. Zakī al-Arsūzī und die arabisch-nationale Bewegung an der Peripherie Alexandretta/Antakaya 1930–1938 (= Studien zur Zeitgeschichte des Nahen Ostens und Nordafrikas. 9). Lit, Münster u. a. 2003, ISBN 3-8258-5917-7, S. 25..