Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 1824 fand vom 26. Oktober bis zum 2. Dezember 1824 statt und wird allgemein als Neuorientierung angesehen. Die vorhergegangenen Jahre waren die USA von einer Ein-Parteien-Regierung geführt worden, da sich die Föderalisten aufgelöst hatten und somit nur mehr die Demokratisch-Republikanische Partei übrigblieb. In dieser Wahl splittete sich diese Partei auf, als sich vier ihrer Kandidaten um die Präsidentschaft bewarben.

Der Teil der Partei, der von Andrew Jackson geführt wurde, entwickelte sich später zur heutigen Demokratischen Partei, die Kreise um John Quincy Adams und Henry Clay wurden später zur National Republican Party, aus der Mitte der 1830er Jahre die United States Whig Party hervorging.

Diese Wahl ist insofern bemerkenswert, als es die einzige war, die seit der Einführung des 12. Verfassungszusatzes im Repräsentantenhaus entschieden wurde, da keiner der Kandidaten im Wahlmännergremium eine Mehrheit auf sich vereinigen konnte. Von dieser Wahl wird auch oft behauptet, dass es die erste gewesen wäre, in der ein Präsident den Popular Vote nicht gewonnen hätte. Dies trifft jedoch nicht zu, da ein Viertel der Staaten überhaupt keine Volkswahlen abhielten, sondern die jeweiligen Parlamente die Wahlmänner wählten.

Kandidaten Um die Präsidentschaft bewarben sich:

General Andrew Jackson aus Tennessee, ein charismatischer Held des Krieges von 1812 und früherer Abgeordneter und Senator; John Quincy Adams aus Massachusetts, der Sohn des früheren Präsidenten John Adams und damaliger Außenminister; William H. Crawford aus Georgia, der damalige Finanzminister und früherer Botschafter der USA in Frankreich, Senator aus Georgia und US-Kriegsminister Henry Clay aus Kentucky, bekannt als der 'Große Kompromissfinder', damals Sprecher des Repräsentantenhauses.

Um die Vizepräsidentschaft bewarben sich:

John C. Calhoun aus South Carolina, amtierender Kriegsminister und späterer Senator; Nathaniel Macon aus North Carolina, Senator und früherer Abgeordneter und Sprecher des Repräsentantenhauses; Nathan Sanford aus New York, früherer Senator;

Ergebnis Wahl des Präsidenten

Keiner der Präsidentschaftskandidaten konnte eine absolute Mehrheit im Wahlmännergremium auf sich vereinigen, deshalb hatte das Repräsentantenhaus über die Präsidentschaft zu entscheiden.

Kandidat Partei Stimmen Wahlmänner Anzahl Prozent Andrew Jackson Demokratisch-Republikanische Partei 151.271 41,3 99 John Quincy Adams 113.122 30,9 84 William H. Crawford 40.856 11,2 41 Henry Clay 47.531 13,0 37 Massachusetts Votes 6616 1,8 0 Andere 6437 1,8 0 Gesamt 365.833 100 261

Die erforderliche Stimmenanzahl im Wahlmännergremium wäre 131 gewesen; keiner der Kandidaten erreichte diese Mehrheit.

Wahl des Vizepräsidenten

Anders als bei der Präsidentschaftswahl erhielt John C. Calhoun, der sowohl von Andrew Jackson als auch von John Quincy Adams nominiert wurde, im Electoral College eine absolute Mehrheit und war somit gewählt.

Kandidat Partei Wahlmänner John C. Calhoun Demokratisch-Republikanische Partei 182 Nathan Sanford Demokratisch-Republikanische Partei 30 Nathaniel Macon Demokratisch-Republikanische Partei 24 Andrew Jackson Demokratisch-Republikanische Partei 13 Martin van Buren Demokratisch-Republikanische Partei 9 Henry Clay Demokratisch-Republikanische Partei 2 Gesamt 261

Stichwahl im Repräsentantenhaus

Durch den 12. Verfassungszusatz durften sich nur die drei Kandidaten zur Wahl stellen, die die meisten Stimmen im Wahlmännergremium erhalten hatten. Henry Clay schied also aus und die Präsidentschaft entschied sich zwischen Andrew Jackson, John Q. Adams und William Crawford. Clay, der Jackson hasste, unterstützte in der Wahl im Repräsentantenhaus (dessen Sprecher er zu der Zeit war) Adams – auch weil sich seine Vorstellungen mit denen Adams’ größtenteils deckten.

Adams erhielt bei der Wahl am 9. Februar 1825 im ersten Wahlgang 87 Stimmen, Jackson 71 und Crawford 54. Ausschlaggebend für den Sieg sind bei einer Wahl im Repräsentantenhaus aber die Staaten, hier ergab sich mit 13 zu 11 – davon 7 für Jackson und 4 für Crawford – Stimmen eine absolute Mehrheit für Adams.

Adams’ Sieg schockierte Jackson, der, da er sowohl die meisten Wählerstimmen als auch die meisten Wahlmännerstimmen erhalten hatte, nach seiner Ansicht eigentlich zum Präsidenten hätte gewählt werden müssen. Als Präsident Adams Clay zu seinem Außenminister und damit quasi zu seinem designierten Nachfolger ernannte – Adams und seine drei Vorgänger waren jeweils vorher Außenminister gewesen –, beschuldigte Jackson Adams und Clay, einen Kuhhandel gemacht zu haben. Die Anhänger Jacksons trugen das die nächsten vier Jahre auf ihren Fahnen, was schlussendlich zu Jacksons Sieg 1828 führte, als dieser wiederum gegen Adams antrat, die Wahl dann aber im Wahlmännerkollegium gewann. Stichwahl um die Präsidentschaft 1825 9. Februar 1825, 1. Wahlgang Kandidat Stimmen % John Quincy Adams 13 54,2 Andrew Jackson 7 29,1 William H. Crawford 4 16,7 Gesamt: 24 100 Absolute Mehrheit: 13 >50 Staat 1. Wahlgang John Quincy Adams Andrew Jackson William H. Crawford Gesamt Alabama 0 3 0 3 Connecticut 6 0 0 6 Delaware 0 0 1 1 Georgia 0 0 7 7 Illinois 1 0 0 1 Indiana 0 3 0 3 Kentucky 8 4 0 12 Louisiana 2 1 0 3 Maine 7 0 0 7 Maryland 5 3 1 9 Massachusetts 12 1 0 13 Mississippi 0 1 0 1 Missouri 1 0 0 1 New Hampshire 6 0 0 6 New Jersey 1 5 0 6 New York 18 2 14 34 North Carolina 1 2 10 13 Ohio 10 2 2 14 Pennsylvania 1 25 0 26 Rhode Island 2 0 0 2 South Carolina 0 9 0 9 Tennessee 0 9 0 9 Vermont 5 0 0 5 Virginia 1 1 19 21 Gesamt 13 Staaten (87 Stimmen) 7 Staaten (71 Stimmen) 4 Staaten (54 Stimmen) 24 Staaten (212 Stimmen)

Literatur Donald Ratcliffe: The One-Party Presidential Contest: Adams, Jackson, and 1824’s Five-Horse Race. University Press of Kansas, Lawrence 2015, ISBN 978-0-7006-2130-9. Donald Richard Deskins, Hanes Walton, Sherman C. Puckett: Presidential Elections, 1789-2008: County, State, and National Mapping of Election Data. University of Michigan, Ann Arbor 2010, ISBN 978-0-472-11697-3, S. 80–87 (= Kapitel 12: John Quincy Adam’s Election.). Paul F. Boller: Presidential Campaigns: From George Washington to George W. Bush. 2., verbesserte Auflage. Oxford University Press, New York 2004, ISBN 978-0-19-516716-0, S. 33–41 (= 1824–John Quincy Adams and the “Corrupt Bargain”).

Weblinks

USA, Präsidentschaftswahlen 1824 nach Landkreisen: Karte und Daten

#1824 Vereinigte Staaten Kategorie:John Quincy Adams Kategorie:Andrew Jackson Kategorie:Geschichte der Vereinigten Staaten (1789–1849)