mini|hochkant=1.25|Spremberg – Perle der Lausitz mini|Marktplatz mit Rathaus und Kreuzkirche Spremberg, , ist eine Stadt im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße. Nach den bekannten Quellen wurde Spremberg erstmals 1301 erwähnt. Die Stadt ist ein lokales Zentrum im sorbischen Siedlungsgebiet im Süden der Niederlausitz, deren fünftgrößte Stadt und offiziell zweisprachig.

Der Spremberger Schriftsteller Erwin Strittmatter beschrieb die Ortsnamen in seiner Romantrilogie Der Laden wie folgt: „Grodk liegt im Tale, sagen die Sorben. Spremberg liegt am Berge, sagen die Deutschen. Spree am Berg gleich Spremberg. Grodk gleich Stadt, sagen die Sorben, wir sein länger hier wie die Deitschen.“

Seit dem 8. August 2013 trägt die Stadt die offizielle Zusatzbezeichnung „Perle der Lausitz – parlicka Łužyce“. Diese Bezeichnung ist nicht Bestandteil des amtlichen Namens, so dass der amtliche Name weiterhin nur Spremberg/Grodk lautet.Geschichte der Stadt Spremberg/Grodk. Website der Stadt Spremberg Sie kann aber auf den Ortseingangsschildern angebracht werden.

Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt etwa 20 km südlich von Cottbus an der Grenze zum sächsischen Landkreis Bautzen. Die Altstadt liegt in einer Auenlandschaft zwischen zwei Spreearmen auf einer Insel. Die Spree fließt mitten durch die Stadt, die mit der Talsperre Spremberg ein Naherholungsgebiet in unmittelbarer Nähe hat. Zwei Gewässer, die Kochsa und das Hühnerwasser, entspringen im Gemeindegebiet.

Spremberg liegt im äußersten Osten des heutigen Deutschlands, 25 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Zwischen 1871 und 1918 galt der Ort als geographischer Mittelpunkt des Deutschen Reichs; darüber gibt ein Gedenkstein Auskunft, der sich nur wenige Meter vom Originalstandort befindet.

Nachbargemeinden Die nachfolgenden Gemeinden grenzen, genannt im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend, an die Stadt Spremberg: Neuhausen/Spree, Felixsee, die sächsischen Gemeinden Schleife und Spreetal sowie die brandenburgischen Städte Welzow und Drebkau.

Stadtgliederung Das Stadtgebiet hat sich im Laufe der Jahre immer wieder durch Eingemeindungen verändert. Diese waren nicht nur die Folge des Zusammenwachsens der Vorortsiedlungen mit dem eigentlichen Stadtgebiet, sondern erfolgten auch dadurch, dass durch den fortschreitenden Bergbau immer wieder Dörfer um Spremberg zerstört wurden. mini|hochkant=1.5|Stadtgebiet Spremberg mit Orts- und Gemeindeteilkennzeichnung

Die Stadt Spremberg gliedert sich in vierzehn Ortsteile, zwei Gemeindeteile und 21 Wohnplätze (Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2022):Marcel Laggai: Sterbefälle in Spremberg steigen auf Rekordhoch. In: Lausitzer Rundschau. 9. Februar 2020. Cantdorf (sorbisch Konopotna) mit dem Wohnplatz Wilhelmsthal (Wylemojce): 352 Einwohner Graustein (Syjk) mit den Wohnplätzen Ausbau Nord (Pódpołnocne Wutwaŕki), Ausbau Süd (Pódpołdnjowe Wutwaŕki): 362 Einwohner Groß Luja (Łojow): 256 Einwohner Haidemühl (Gózdź): 588 Einwohner Hornow (Lěšće) mit dem Wohnplatz Hornow-Vorwerk (Lěšćański Forwark): 385 Einwohner Lieskau (Lěsk): 214 Einwohner Schönheide (Prašyjca): 93 Einwohner Schwarze Pumpe (Carna Plumpa): 1.823 Einwohner Sellessen (Zelezna) mit den Gemeindeteilen Bühlow (Běła) und Muckrow (Mokra): 842 Einwohner Terpe (Terpje) mit dem Wohnplatz Terpe Ausbau (Terpjańske Wutwaŕki): 263 Einwohner Trattendorf (Dubrawa) mit Wohnplatz Obertrattendorf (Górna Dubrawa): 1.936 Einwohner Türkendorf (Zakrjow) mit dem Wohnplatz Ausbau Türkendorf (Zakrjojske Wutwaŕki): 118 Einwohner Wadelsdorf (Zakrjejc) mit Wohnplatz Zum Ausbau (K Wutwaŕkam): 158 Einwohner Weskow (Wjaska): 813 Einwohner

Zur Kernstadt Spremberg gehören die Wohnplätze: Ausbau Kirschberg (Wutwaŕki pśi Wišnjowej Górje), Birkhahn (Kokot), Georgenberg (Jurowa Góra), Heinrichsfeld (Šenki), Klein Buckow (Bukowk), Kochsdorf (Kochanojce), Oberteschnitz (Górne Tešnice), Pulsberg (Lutoboŕ), Slamen (Słomjeń), Slamen Ziegelei (Słomjeńska Cyglownja), Stadtrandsiedlung (Pód Městom), Unterteschnitz (Dolne Tešnice) und Weinberge (Winice).

Auf der heutigen Stadtgemarkung von Spremberg lagen die vom Braunkohletagebau devastierten Dörfer Groß Buckow, Jessen, Radeweise, Roitz, Stradow, Straußdorf, Wolkenberg und die Vorwerke oder Wohnplätze Gribona, Dollan, Josephsbrunn, Kutzermühle, Pardutz und Töpferschänke.

Eine Besonderheit unter den eingemeindeten Orten stellt Haidemühl dar. Alt-Haidemühl, wie es übergangsweise genannt wurde, wurde zwischen 2004 und Ende 2006 umgesiedelt. Als neuen Standort wählten die Bewohner eine ausgewiesene Fläche im Spremberger Ortsteil Sellessen. Das neue Haidemühl wurde dann am 1. Januar 2006 ein vom Ortsteil Sellessen umgebener selbständiger Ortsteil von Spremberg. Die alte Ortslage wurde zum 1. Januar 2006 in die Stadt Welzow eingemeindet und in den Folgejahren zum größten Teil für den Tagebau Welzow-Süd devastiert.

Geschichte mini|Spremberger Innenstadt, Mitte 19. Jahrhundert

Die Ersterwähnung von Spremberg geht auf das Jahr 1301 zurück. Obwohl die Stadt Spremberg wesentlich älter sein dürfte, gibt es darüber keine gesicherten Aufzeichnungen mehr. Untersuchungen im Stadtgebiet lassen jedoch den Schluss zu, dass es bereits viel früher im zentralen Stadtgebiet, im Bereich der heutigen Kreuzkirche, Ansiedlungen und Bebauungen gab.

Als erster Besitzer der Herrschaft Spremberg ist ein Wettiner aus der Nebenlinie von Landsberg verbürgt, der sich vermutlich später nach seinem Sitz von Sprewenberc nannte.

Am 3. August 1301 wurden die Stadt und die Burg Spremberg erstmals in einem Kaufvertrag zwischen dem Thüringer Landgrafen Dietrich dem Jüngeren und dem Magdeburger Erzbischof Burchard II. von Blankenburg erwähnt. Diese Urkunde mit dem unverletzten Abdruck des Siegelrings befindet sich im Böhmischen Kronarchiv innerhalb des Tschechischen Nationalarchivs in Prag. Sie trägt die Beschreibung „S. THEODERICUS DER JÜNGERE, VON GOTTES GNADEN LANDGRAF VON THÜRINGEN UND MARKGRAF DES OSTENS UND VON LUSACIA“.

Die Übersetzung dieser Urkunde lautet:

Die Stadt und die Burg Spremberg werden in dieser Urkunde als „oppidum et castrum Sprewenberch“ bezeichnet. Andere Quellen sprechen von einer Ersterwähnung um 1200, als in einem Kaufvertrag von „Wygbilde vnde Hus tzu Sprewenberg“ die Rede war. Im Jahr 1349 wurde die Adelsfamilie von Schwarzburg-Wachsenburg neuer Eigentümer der Stadt und des Schlosses Spremberg. 1360 kaufte Kaiser Karl IV. das Schloss Spremberg den Schwarzburgern ab. Johann von Görlitz, Sohn Karls IV., verpfändete 1395 Schloss und Herrschaft Spremberg an Otto von Kittlitz. 1497 kaufte der Niederlausitzer Landvogt Heinrich Reuß von Plauen und Burggraf zu Meißen die Herrschaft Spremberg von der Familie von Kittlitz.

Nach Daten der Gesellschaft für Leprakunde existierte in Spremberg seit dem 15. Jahrhundert ein mittelalterliches Leprosorium, das sich „vor dem Forster Tor“ befand und auch als Hospital bezeichnet wurde. Die dazugehörige Kapelle war dem Heiligen Georg geweiht, das Gebäude wurde 1970 abgetragen.Mittelalterliche Leprosenhäuser im heutigen Brandenburg und Berlin (Klapper 1998), abgerufen am 16. Mai 2019

Am 3. Juni 1556 kam es zum ersten großen Stadtbrand, wobei die Stadt auf Grund der damaligen dichten Bebauung fast vollständig vernichtet wurde. 1567 kaufte Hofrat Kaspar Minkwitz von Minkwitzburg / Drehna die Herrschaft Spremberg von Landvogt Bohuslav Felix von Lobkowitz und Hassenstein, 1584 erwarb das Geschlecht derer von Kittlitz durch Karl von Kittlitz (1535–1598) abermals die Herrschaft Spremberg.

Am 24. August 1604 kam es zum zweiten großen Stadtbrand in Spremberg; ihm fielen unter anderem beide Kirchen, das Rathaus und mehr als 200 Wohnhäuser zum Opfer. 1626 wütete die Pest in Spremberg. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Spremberg im Jahr 1642 von schwedischen Truppen überfallen, belagert und geplündert. Am 18. Oktober 1646 kam es abermals zu einem großen Stadtbrand, dabei wurden wieder das Rathaus und 185 Wohnhäuser vernichtet. 1671 gelangte Spremberg durch Heirat derer von Kittlitz in den Besitz des Grafen Carl Moritz von Redern. 1671 wütete der vierte große Stadtbrand in Spremberg, wieder brannten 200 Wohnhäuser nieder. Im Jahr 1676 erließ der Rat der Stadt Spremberg eine Polizeiverordnung, in der jeder Bürger zum Brandschutz angehalten wurde.

1680 wurde Spremberg erneut von der Pest heimgesucht, die Zahl von 480 Toten machte etwa die Hälfte der damaligen Bevölkerung aus. Im gleichen Jahr wechselten Stadt und Schloss abermals den Besitzer. Neuer Eigentümer wurde Herzog Christian I. zu Sachsen-Merseburg, der Spremberg später seinem nachgeborenen Sohn Heinrich von Sachsen-Merseburg als Residenz zuwies. Am 30. Juli 1705 kam es zum fünften und letzten großen Stadtbrand in Spremberg. Wieder wurden fast die komplette Wohnbebauung und beide Kirchen vernichtet. Am 28. Juli 1738 fiel durch den Tod von Herzog Heinrich von Sachsen-Merseburg, dem letzten männlichen Nachkommen der Nebenlinie Sachsen-Merseburg, das Herzogtum Sachsen-Merseburg und damit auch die Markgrafenschaft Niederlausitz an das Kurfürstentum Sachsen.

Am 3. August 1815 wurde Friedrich Wilhelm III. durch den Wiener Frieden neuer Herrscher der Niederlausitz. Spremberg kam damit zur preußischen Provinz Brandenburg und wurde Kreisstadt des Landkreises Spremberg, der 1952, leicht verändert, in den Kreis Spremberg überging und so bis zum Jahr 1993 bestand, bevor er in den Landkreis Spree-Neiße eingegliedert wurde.

1893 beging die Stadt Spremberg die Tausendjahrfeier ihrer Stadtgründung aufgrund einer falschen Annahme, die auf das 17. Jahrhundert zurückging. Obwohl man den Irrtum noch vor den eigentlichen Feierlichkeiten bemerkte, wurde gefeiert. Im Jahr 1613 hatte die Stadt von einem Historiker namens Abraham Hoßmann ein Gutachten über das Alter der Stadt anfertigen lassen. Hoßmann behauptete dabei, die Stadt sei 893 durch Kaiser Arnulf gegründet worden, was er durch eine in seinem Besitz befindliche Burgundische Chronik belegen könne. Nach dem Tod von Hoßmann stellte sich jedoch heraus, dass diese Chronik nie existierte und die Stadt und viele andere Städte auf einen Schwindler hereingefallen war.

mini|Empfangsgebäude des Spremberger Bahnhofes Um den 1867 eröffneten außerstädtischen Bahnhof an der Bahnstrecke Berlin–Görlitz besser mit der Innenstadt zu verbinden, baute die Stadt 1897 eine Verbindungsbahn. Die Spremberger Stadtbahn stellte 1956 ihren Betrieb ein.

mini|Marktplatz mit Forster Straße 1918 In den Jahren 1871 bis 1920 war Spremberg nach Berechnungen des Geographen Matzat der geographische Mittelpunkt des Deutschen Reiches.

Mit Erlass des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg vom 31. Juli 1936 war Spremberg berechtigt, für die Dauer der Eigenschaft als Sitz der Kreisverwaltung, die Bezeichnung „Kreisstadt“ zu tragen. Am 13. Juli 1936 war dafür ein entsprechendes Wappen verliehen worden.