mini|Landarbeiterwohnhaus aus Feldsteinen (Länge 104 m), Hallalit bei Vollrathsruhe, erbaut Mitte des 19. Jahrhunderts Das Langhaus ist eine langgestreckte Hausform, in der eine Familie oder mehrere Familien gemeinschaftlich zusammenleben; je nach Kultur kann es sich auch um ein Wohnstallhaus handeln. Der Begriff bezeichnet in Geschichte und Gegenwart und nach der Bauweise und der Lebensform ihrer Bewohner unterschiedliche Haustypen. Für die Klassifizierung als Langhaus ist eine bestimmte Organisationsform des Zusammenlebens und eine sich daraus ergebende Raumaufteilung entscheidend und nicht die Länge des Gebäudes.

Sozialstruktur der Bewohner Dabei dürfte es organisatorisch zwei voneinander zu unterscheidende Gruppen geben:

Einfamilienhäuser Diese Häuser beherbergen eine Familie oder Großfamilie, die eine Wirtschaftseinheit bildet. Ein Beispiel hierfür sind Mehrgenerationen-Bauernfamilien. In einem solchen Haus sollten die Haupträume die gesamte Breite einnehmen und falls es mehrere Raumeinheiten gibt, sind diese längs aneinandergereiht. Die Enden des Hauses sind in der Regel unterschiedlichen Funktionen zugeordnet: Etwa ein Wohnbereich am einen Ende und ein Stallbereich am anderen Ende. Erweitern lassen sich solche Häuser nur mit der entsprechenden Funktion am dazugehörigen Ende. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel die Wohnstallhäuser der Germanen an der Nordsee, aus denen sich später das von Friesland über die Norddeutsche Tiefebene bis nach Ostpreußen verbreitete Hallenhaus entwickelt hat, das man allerdings kaum als Langhaus bezeichnet. Ebenso dürften einige in Cornwall und Wales verbreiteten Bauernhaustypen, die Bauten der Bandkeramiker und die einiger ihrer Nachfolgekulturen dazu gehören.

Mehrfamilienhäuser Diese Gruppe ähnelt in gewisser Weise heutigen Reihenhäusern. Die Bauten bestehen im Wesentlichen aus einheitlichen Segmenten, die von einer Familie bewohnt werden. Diese Einheiten werden in unbestimmter Zahl in der Längsrichtung aneinander gereiht. Als Unterscheidung von zum Beispiel einer Häuserzeile in einer Stadtstraße mag dienen, dass die Einheiten unter einem konstruktiv gemeinsamen Dach errichtet sind und das Haus gesellschaftlich und politisch eine Einheit bildet, etwa einen Clan oder eine Dorfgemeinschaft. Zu diesem Typ mögen die Langhäuser einiger nordostamerikanischen Indianerstämme sowie die Langhäuser auf Borneo zählen.

Anmerkung: Mehrfamilienhäuser gibt es auch in anderen traditionellen Bauformen, zum Beispiel die runden Dorfanlagen einiger südamerikanischen Indianer des Amazonas und Orinoko-Gebietes (zum Beispiel das Shapono der Yanomami) oder die Bauten der Hakka in Südchina. Sie sind im Prinzip ähnlich organisiert, allerdings im Gegensatz zu Langhäusern nachträglich schwer zu erweitern.

Europäische Langhäuser Langhäuser sind in zahlreichen Regionen Europas und aus verschiedenen Epochen archäologisch nachgewiesen. Langhaustypen aus dem (späten) Mittelalter sind in manchen Gegenden auch eine bis in die jüngere Vergangenheit gepflegte Bautradition.

Jungsteinzeitliches Langhaus mini|Langhaus von Frederikssund-Vinge - 46 m Das jungsteinzeitliche (neolithische) Langhaus wurde als Pfostenhaus vor etwa 7500 Jahren von den ersten Bauern in Mitteleuropa gebaut. Zuerst tauchte es im Zusammenhang mit der bandkeramischen Kultur auf (Langhaus von Sandomierz). Archäologischen Befunde weisen auf eine Ausbreitung in Europa und auf eine lange zeitliche Verbreitung. So wurden bei gleichem Konstruktionsprinzip Unterschiede der jeweils typischen Hausgröße, der Nutzungsverteilung im Haus und der Siedlungsform gefunden.

Die Länge betrug etwa 20 m (12 m bis 46 m), die Breite etwa sieben Meter. Das hohe Giebel- oder Walmdach wurde von fünf Stützenreihen getragen. Als Fundament der teilweise aus Flechtwerk bestehenden Außenwände dienten auch in Gräben verlegte Schwellbalken. Auch eine generelle Konstruktion als Pfahlbau wird diskutiert.Hausbau im Frü[email protected], 3. September 2014.

Für die meisten Fundorte wird angenommen, der Haustyp habe keine Fenster gehabt und nur an einem Ende einen Eingang. Der vom Tageslicht erhellte Bereich in der Nähe des Eingangs oder auch ein überdachter Vorplatz diente handwerklichen Tätigkeiten. In der Mitte des Hauses befand sich die Feuerstelle. Hier wurde wohl gekocht. Den hinteren Teil des Hauses sehen einige Archäologen als Schlafraum an, andere als Lagerraum. In einem solchen Haus können 20 bis 30 PersonenEric Biermann kommt in Varia neolithica VI 2009, S. 37 zu dem Schluss, dass die Zahlen zu niedrig ausfallen gewohnt haben. Es wurden Dörfer mit sechs bis zu dreißig (nicht unbedingt zeitgleich genutzten) Langhäusern gefunden. (PDF), Fundstätte bei GrenobleLe Néolithique, mit Hausgrundriss In der Ville, dem Vorgebirge westlich von Köln und anderswo, gab es die Häuser allerdings als Streusiedlung. Dort können sie als Wohnstallhäuser genutzt worden sein, mit einer Nutzungsverteilung ähnlich dem – viel späteren – niederdeutschen Hallenhaus (siehe unten).

mini|Rekonstruktion eines Hienheimer Hauses der Linearbandkeramische Kultur mini|Langhaus im Freilichtmuseum von Genesmon

Bronzezeitliches Wohnstallhaus mini|Rekonstruktion eines altsächsischen Gehöftes aus Feddersen Wierde, im Hintergrund das Langhaus mini|Dazu Schema des Grundrisses mini|Video:Wie einige germanische Stämme gewohnt haben

In die Bronzezeit fällt der Übergang von der Vier- zur Dreischiffigkeit, d. h. irgendwann war man in der Lage, auf die mittlere Pfostenreihe zu verzichten. Das Wohnstallhaus wurde in der mittleren Bronzezeit Mitteleuropas (etwa 1600 bis 1300 v. Chr.) die dominierende Nutzungsform. Um das gesamte Vieh aufstallen zu können, wurden Häuser beachtlicher Länge gebaut. Wie schon in der Jungsteinzeit war der Grundriss vieler Häuser weiterhin nicht immer rechteckig. Das Haus konnte an einem Ende deutlich breiter sein als am anderen. Auch die Abstände der Stützen waren manchmal variabel. Wo die Bauweise regelmäßiger war, waren die Häuser oft in der Mitte breiter als an den Enden. Hinsichtlich der Verteilung der Eingänge entstanden unterschiedliche Typen, regional gehäuft, aber jeweils in mehreren Regionen. Es gab kleine Eingänge am dem Haupteingang entgegengesetzten Ende. Und es gab, und zwar in voneinander weit entfernten Gegenden wie Norwegen und der damals nicht germanisch besiedelten Eifel, Häuser mit seitlichen Eingängen. Diese Häuser hatten zwei Eingänge, die etwa in der Mitte beider Außenwände einander gegenüberlagen. Der Eingangsbereich bewirkte eine Querteilung in der Mitte des langgestreckten Hauses. Das Vieh war im einen Ende untergebracht, die Menschen wohnten im anderen.Stephanie Hoffmann: (Teil 1) S. 47 ff. 8.4 Siedlungen

Derartige Bautypen wurden bis über die Zeitenwende hinaus errichtet. Im 4./5. Jahrhundert n. Chr. sind derartige Langhäuser bis über 60 m lang, bei einer Breite von knapp 8 m.

Bei Langhäusern der Nordischen Bronzezeit und der Germanen reichten die Dächer wohl nicht selten bis fast zum Boden. Das Dach wurde von zwei Reihen innerer Stützen getragen. Die nichttragenden Außenwände waren in der Regel kaum mannshoch. In kälteren Regionen bestanden die Außenwände statt aus Flechtwerk und Lehm aus Torfplaggen oder Grassoden.

Mittelalterliche Weiterentwicklungen des Wohnstallhauses Weiterentwicklungen waren bzw. sind das niederdeutsche Hallenhaus in Nord-, vor allem Nordwestdeutschland und das nördlich benachbarte cimbrische Haus in Jütland und im Herzogtum Schleswig mit dem Geesthardenhaus und dem Uthlandfriesischen Haus.

Bei diesen Haustypen sind die ursprünglich in den Boden gerammten Holzpfosten durch Ständer auf einem Fundament ersetzt. Der große und gut abgestützte Dachboden ermöglichte die trockene Lagerung großer Mengen von Heu oder Getreide. Angetrieben wurde diese Entwicklung möglicherweise durch ein Feuchterwerden des Wetters. Seit dem 14. Jahrhundert (Anderen, Hagenend 3, von 1385, 2011 abgebrannt) sind gut erhaltene Beispiele dieser Häuser vorhanden.

Nordisches Langhaus mini|Rekonstruiertes Wikingerhaus in Fyrkat mini|Rekonstruiertes Wikingerhaus auf Bukkøya bei Avaldsnes mini|Rekonstruiertes Wikingerhaus in Borg (Lofoten) Als Langhäuser werden sowohl die Bauernhäuser der eisenzeitlichen (Gudme) und wikingerzeitlichen Dänen und Skandinavier als auch die Bauten, die in einigen der Wikingerburgen nachgewiesen wurden, bezeichnet. Die Ausmaße der Häuser waren dem wirtschaftlichen und sozialen Status ihrer Erbauer entsprechend sehr unterschiedlich. Das größte in Norwegen bisher gefundene Langhaus maß 9 m × 83 m, einfache Bauernhäuser dagegen nur 4 – 5 m × 10 – 12 m. Museum Bronseplassen: Wikingerzeit

Langhäuser gab es auch in der Trelleborg bei Slagelse, einer Wikingerburg aus dem Jahre 981. In der Hauptburg gab es insgesamt 16 Langhäuser, die in vier Quadraten um jeweils einen Innenhof gruppiert waren. Die Häuser waren 29,42 m lang und hatten eine Schiffsform. Jedes Haus war dreigeteilt in eine große Mittelhalle (18 × 8 m) und in zwei kleinere Räume an den Giebelseiten.

Die folgende Beschreibung eines Langhauses stellt eines der Häuser der Wikingerburg Fyrkat dar. Jeweils vier von ihnen waren symmetrisch zu einem Quadrat mit Innenhof angeordnet.

Nur der Grundriss des Hauses kann anhand von Holzfunden genau bestimmt werden, da die Balken der Wände in der Erde verankert waren. Es war 28,5 m lang und mittig 8,5 m breit. Zu den Giebeln nahm die Breite ab. Die weitere Rekonstruktion stützt sich auf Abbildungen und andere Bauten. Das Haus war vollständig aus Holz und mit Dachschindeln aus Eichenholz gedeckt, von denen eine in der Burg gefunden wurde. Die Wände bestanden aus senkrecht stehenden Eichenbalken; schräg an der Außenwand stehende Balken sollten vermutlich die Dachlast abfangen. Im Grundriss waren die Längswände schiffsähnlich gewölbt. Von der 18 m langen Halle, die als Aufenthaltsraum diente, gab es jeweils mittig eine Tür zum Innenhof und eine zur Straße. Auch gibt es Hinweise auf Türöffnungen an den Giebelseiten. In der Mitte der Halle befand sich eine Feuerstelle, die zum Kochen genutzt wurde und den zentralen Punkt im Haus bildete. Spuren deuten darauf hin, dass sich an den Längsseiten Erdbänke befanden, die als Sitz- und Schlafplätze dienten. Die Kammern an den Giebelseiten wurden anscheinend als Vorratslager genutzt.

Neben einem Nachbau eines Hauses der Burg hat man in Fyrkat auch eine zivile Hofanlage der Wikingerzeit rekonstruiert. Dabei wurden die Erkenntnisse aus Ausgrabungen in Vorbasse bei Jelling genutzt.

Langhäuser auf den Britischen Inseln mini|Dartmoor Longhouse aus dem 17. Jahrhundert

Im Englischen wird die Bezeichnung longhouse auch für eine traditionelle Bauart von Bauernhäusern benutzt. Die meisten sind zumindest in ihrer frühen Form Wohnstallhäuser (engl. byre-dwellings), aber deutlich kleiner und beherbergten in der Regel nur eine Familie.

Dartmoor longhouse ist die Bezeichnung für einen Bauernhaus-Typ, der sich mindestens seit dem 13. Jahrhundert im Südwesten Englands nachweisen lässt. Die noch heute erhaltenen Bauten haben zumeist Mauern aus Granit und ein Walmdach, das früher wohl grundsätzlich aus Reet war. Im Wohnbereich sind sie oft zweigeschossig und haben an der einen Längsseite manchmal einen kleinen Vorbau mit dem Eingang.

In seiner Ursprungsform ähnelt der Grundriss auffallend dem der an der südlichen Nordseeküste entwickelten Wohnstallhäuser. Der wichtigsten Unterschiede sind das Fehlen der Ständerbau und der großen Tür an der einen Schmalseite für das Vieh.