300px|mini|St.-Georg-Kirche auf dem Heidener Rathausplatz mini|Gemeinde Heiden und ihre Bauerschaften
Heiden (plattdeutsch HäidenElisabeth Piirainen, Wilhelm Elling: Wörterbuch der westmünsterländischen Mundart. Vreden 1992, ISBN 3-926627-09-3.) ist eine Gemeinde im Westmünsterland im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen und gehört zum Kreis Borken im Regierungsbezirk Münster.
Wichtigstes Wahrzeichen der Gemeinde sind die Teufelsteine.
Geographie Geographische Lage Heiden liegt im Westen der Westfälischen Bucht und im Norden des Naturparks Hohe Mark-Westmünsterland. Es befindet sich südlich des Höhenzugs Die Berge. Mit einem Waldanteil von 23,1 % ist Heiden die waldreichste Gemeinde im Kreis Borken. Der Großteil dieser Waldflächen erstrecken sich auf dem Uhlenberg, in dem auch die Teufelsteine liegen. Durchzogen wird das Heidener Umland von mehreren Nebenflüssen der Borkener Aa, die ins Flusssystem IJssel gehören. Lediglich der Wellbruchbach im Süden ist dem System der Lippe zuzuordnen.
Gemeindegliederung Die Gemeindefläche wird nicht weiter gegliedert. Es bestehen jedoch neben dem Hauptort mehrere kleinere Ansiedlungen und drei Bauerschaften. Der eigentliche Hauptort der Gemeinde Heiden ist weitestgehend eingerahmt durch die Umgehungsstraße. Im Südosten des Dorfes sind das Industriegebiet und ein Sport- und Freizeitzentrum angesiedelt. Die verbleibende Landwirtschaft innerhalb der Umgehungsstraße wird zunehmend verdrängt, innerörtliche Freiflächen werden verdichtet.
Nordick
Der nordöstliche Teil der Gemeinde wird als Bauerschaft Nordick bezeichnet, im Zentrum der Weiler Nordick an der Hauptstraße zwischen Heiden und Velen. In Nordick finden sich der Reit- und Zuchtverein, der Römersee sowie ein artesischer Brunnen.
Leblich
Südöstlich vom Hauptort erstreckt sich die Bauerschaft Leblich, mit den Weilern Leblich und Buschhausen sowie dem Straßendorf Heiden an der Bahnhofstraße. Der Süden der Bauerschaft ist nur dünn besiedelt, hier dehnt sich das Waldgebiet Reker Feld aus.
Lammersfeld
Die Bauerschaft Lammersfeld, die sich auf Karten für gewöhnlich unter dem Namen Dorfbauerschaft findet, liegt zwischen Heiden und Borken. Hier gibt es, anders als in Nordick und Leblich, keinen zentralen Weiler, d. h. Lammersfeld ist eine reine Streusiedlung. Geprägt ist das Lammersfeld durch sanfte Hügel und den Grunewald am westlichen Rand der Bauerschaft.
Nachbarorte
Geschichte Vorgeschichte Erste Spuren menschlicher Besiedlung auf dem Heidener Gebiet finden sich in den Teufelsteinen, ein Steingrab aus der Trichterbecherkultur der Jungsteinzeit (ca. 3500–2800 v. Chr.).
Entstehung/Name Entstanden ist das heutige Heiden wahrscheinlich aus dem Hof Heghinc an der Landwegkreuzung. Seite der Kirchengemeinde, abgerufen am 15.04. Um das Jahr 870 wurde das Heidedorf in einer Schenkung an das Kloster Werden erstmals urkundlich erwähnt.
Der erste Name des Ortes lautete Heidion, später nannte man ihn Heithene, Hethen und zuletzt Heyden. Rückzuführen ist der Name auf die historische Heidelandschaft in der Region, die nach der ersten Abholzung durch die Menschen entstand. Heute ist die Region wieder dicht bewaldet oder intensiv kultiviert und von der Heide sind nur noch wenige Moore übrig geblieben.
Geschichte bis 1945 1195 wurde das Kirchenspiel Heiden gegründet, und 1209 wurde die Pfarrei Heiden zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
1404 plünderte Herzog Rainald IV. von Geldern das Dorf und brannte die Kirche nieder.
Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts gehörte Heiden als Kirchspiel zum Bistum Münster, welches direkt Mitglied im Bund des Heiligen Römischen Reiches war. 1803 kam Heiden im Rahmen der Napoleonischen Kriege zum Fürstentum Salm, welches 1811 in französisches Staatsgebiet überging. Heiden war bis 1815 Teil des Département Lippe, das einen Teil des von Frankreich besetzten Norddeutschlands umfasste. Mit der Besatzung wurde auch in Heiden das französische (weltliche) Verwaltungssystem eingeführt. 1812 wurde somit erstmals ein Bürgermeister (frz. Marie) bestimmt: Ferdinand Steinmann war auch nach Ende der napoleonischen Ära noch bis 1835 Bürgermeister von Heiden. Der Gemeinderat bestand zunächst aus 8 Bürgern.
Nach einer kurzen Übergangsphase wurde Heiden schließlich zum Teil der neuen preußischen Provinz Westfalen. Dort war es bis 1934 einzige Gemeinde des Amts Heiden.
1888 wurde die Kirche erneut abgerissen. Sie wurde als neugotische Kirche bis 1891 auf dem heutigen Alten Kirchplatz wiedererrichtet und bildete seitdem den neuen Ortsmittelpunkt.
1934 wurde das Amt Heiden aufgelöst, sodass die Gemeinde über vier Jahre kreisunmittelbar war. 1938 wurde dann das Amt Heiden-Reken gegründet, dass neben Heiden die Vorgängergemeinden der heutigen Gemeinde Reken umfasste. Heiden war Amtssitz.
Geschichte seit 1945 In den 1950er Jahren erlebte die Siedlungsfläche eine erste Erweiterung. U. a. die Grundschule, ein Krankenhaus und die evangelische Kirche wurden errichtet. 1973 wurde die im Krieg teilweise beschädigte und wieder aufgebaute Kirche abgerissen, nachdem sie am neu geschaffenen Rathausplatz 1972 durch einen modernen Bau ersetzt worden war.
Mit der Gebietsreform 1975 wurde das Amt Heiden-Reken aufgelöst. Ein Teilgebiet, das bis 1969 zur Gemeinde Marbeck gehörte, wurde mit damals etwa 240 Einwohnern der Kreisstadt Borken eingegliedert. Am selben Tag wurde ein weiteres Flächenstück mit damals etwa 150 Einwohnern an die Nachbargemeinde Velen abgegeben. Über zwei Jahre wurden Heiden und Reken trotz der Amtsauflösung gemeinsam verwaltet. 1976 wurde das Krankenhaus in ein Altenheim umgewandelt. Bis heute entwickelt sich Heidens Siedlungsgebiet in Richtung der Umgehungsstraßen weiter.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohnerzahl18344.92418951.92219312.970 1974 5.745 1980 5.958 1985 6.223 1990 6.888 1995 7.375 2000 8.005 2005 8.129 2010 8.080 2015 8.152 2022 8.317 Religion Heiden ist ein überwiegend katholischer Ort. Es existieren die katholische St.-Georg-Pfarrgemeinde und die evangelische St.-Paulus-Gemeinde. Zum Ende des Jahres 2022 gehörten 5695 Menschen der Pfarrei St. Georg an.Zahl der Kirchenaustritte in Heiden ist gestiegen Das entspricht einer Abnahme von rund 200 Mitgliedern seit 2020.Mehr Austritte und mehr Taufen als im Vorjahr Zum 31. Dezember 2025 hatte Heiden 5547 katholische Mitglieder.
St. Georg Die St.-Georg-Gemeinde verfügt über die zentral gelegene, wichtigste Kirche im Ort. Ihr Pfarrheim hat die Gemeinde unmittelbar an der Kirche angebaut. In der Nordhälfte des Ortes liegen zwei katholische Kindergärten (St. Georg und St. Josef). Außerdem ist die Gemeinde Träger des Altenheims St. Josef.
St. Paulus Die deutlich kleinere evangelische Gemeinde betreibt ihre Kirche und ihr Gemeindezentrum in einem Gebäudekomplex im Norden des Ortes. Ein St.-Paulus-Kindergarten existiert im Süden des Dorfes.
Politik Gemeinderat mini|Der moderne Rathauskomplex auf dem Rathausplatz (2016)
Der Gemeinderat besteht aus 26 Ratsmitgliedern. Nach den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen 2025 sind die Sitze wie folgt auf die Parteien und Listen aufgeteilt: (PDF).
CDU SPD UWG GRÜNE Gesamt 2025 16 Sitze 4 Sitze 3 Sitze 3 Sitze 26 Sitze 2020 14 Sitze 6 Sitze 2 Sitze 4 Sitze 26 Sitze 2014 14 Sitze 8 Sitze 4 Sitze — 26 Sitze2009 14 Sitze 6 Sitze 3 Sitze 3 Sitze 26 Sitze2004 13 Sitze 6 Sitze 5 Sitze 2 Sitze 26 Sitze1999 12 Sitze 6 Sitze 3 Sitze 1 Sitz 22 Sitze1994 11 Sitze 7 Sitze 3 Sitze — 21 Sitze1989 15 Sitze 9 Sitze 3 Sitze — 27 Sitze
Bürgermeister Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen 2020 wurde Patrick Voßkamp (CDU) mit 50,51 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Sein Gegenkandidat Andreas Berger (SPD) erhielt 49,49 Prozent. Bei der Kommunalwahl 2025 wurde er ohne Gegenkandidaten mit 90,33 % der Stimmen im Amt bestätigt.Bürgermeisterwahl 2025
Wappen, Banner und Flagge Der Gemeinde ist mit Urkunde des Innenministers des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf vom 17. April 1956 das Recht zur Führung eines Wappens, eines Siegels und einer Flagge verliehen worden.
Wappen Blasonierung: „Im blauem Feld zwei silberne (weiße) Balken, deren unterem ein goldenes (gelbes) Hünengrab aufsitzt.“ Heiden und Werste sind in NRW die einzigen Gemeinden mit einer derartigen Wappenfigur.
Dem Gemeindewappen wurde das Wappen der Herren von Heiden – in Silber drei blaue Balken – zu Grunde gelegt. An Stelle des dritten Balkens erinnert das jungsteinzeitliche Großsteingrab der Teufelsteine an die Besiedlung und Bedeutung des Ortes in vorgeschichtlicher Zeit.
Banner und Flagge Beschreibung des Banners: „Blau-Weiß-Blau im Verhältnis 1:3:1 längsgestreift mit dem Wappen oberhalb der Mitte.“
Beschreibung der Flagge: „Im quadratischen blauen Flaggentuch, zwei weiße Balken, deren unterem ein gelbes Hünengrab aufsitzt; am fliegenden Ende drei weiße nach unten abgeschrägte Lätze.“ Die Hauptsatzung gibt keine Flaggenbeschreibung.
Städtepartnerschaften Es besteht eine Städtefreundschaft mit dem thüringischen Heilbad Heiligenstadt, eine Städtepartnerschaft mit Lancaster in den USA und seit April 2018 eine Partnerschaft mit der Gemeinde Rybno in Polen.
Heilbad Heiligenstadt Noch vor der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten wurden auf Antrag der CDU-Frauenunion (Bürgerantrag vom 12. Dezember 1989) erste schriftliche Kontakte mit der Stadt Heiligenstadt aufgenommen. Der Grund hierfür ist die Tatsache, dass die Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel, die Heiligenstädter Schulschwestern, über viele Jahre ihren Dienst im früheren Krankenhaus und heutigen Altenheim von Heiden verrichtet haben. Danach entwickelte sich ein Dialog zu den offiziellen Vertretern der Stadt Heiligenstadt, den Schwestern im Bergkloster der Heiligenstädter Schulschwestern und den Menschen und Gruppierungen in der Stadt. Parallel dazu fanden intensive Beratungen für die Verwaltungsaufgaben durch Bedienstete der Gemeinde, Hilfsaktionen durch den Werbekreis Heiden, ein Austausch von Jugendlichen und viele Aktivitäten durch die Vereine statt. Die Gemeinde Heiden hat am 9. März 1991 mit der Stadt Heiligenstadt einen Freundschaftsvertrag abgeschlossen und dabei eine enge Zusammenarbeit zwischen Rat und Verwaltung beider Kommunen beurkundet.
Lancaster/Wisconsin (USA) Die Idee zu einer Städtepartnerschaft mit Lancaster (Wisconsin) (USA) liegt in der Musik begründet. Vor vielen Generationen sind Mitglieder der Familie Busch aus Heiden nach Wisconsin ausgewandert. Auf der Suche nach ihren Wurzeln kam die Familie Busch Ende der 1980er Jahre nach Heiden. Im Heimathaus fand ein gemeinsamer Abend mit Mitgliedern der Musikkapelle statt, zumal auch die Familie Busch musiziert. Sie bilden in Lancaster einen wichtigen Teil der dortigen Musikband. So entstand sehr schnell der Wunsch der Heidener Musikkapelle zu einem Besuch in Lancaster. Dieser fand dann im Jahre 1995 statt. Seither gibt es unter den Musikerinnen und Musikern einen regen Austausch. Aber auch erste Aufenthalte von Schülern und Studenten in Amerika folgten. Bei einem Besuch von Mitgliedern der Musikkapelle in Lancaster im Jahr 2007 äußerte die „City Lancaster“ in Person des Mayors Jerome H. Wehrle den Wunsch, eine offizielle Partnerschaft mit Heiden zu begründen.
Die Städtepartnerschaft soll dazu dienen, dass sich auf der Grundlage der freundschaftlichen Kooperation, der Gleichheit und des gegenseitigen Nutzens die Stadt Lancaster und die Gemeinde Heiden zur Förderung und Erweiterung der Kultur-, Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen den beiden Städten verpflichten. Außerdem ist geplant, zur Förderung ihres Wohlstands und zur weiteren Vertiefung der Freundschaft zwischen den Menschen der beiden Länder einen weit angelegten Austausch auf Gebieten wie z. B. Bildung, Wissenschaft, Technologie, Sport und Gesundheit zu praktizieren. Am 11. Mai 2010 beschloss der Rat die offizielle Partnerschaft in der Sitzungsurkunde 051/2010.
Rybno (Polen)