Guayaquil (eigentlich Santiago de Guayaquil) ist die Hauptstadt der ecuadorianischen Provinz Guayas, hat den wichtigsten Hafen Ecuadors und ist die größte Stadt des Landes.

Guayaquil hat etwa 2,65 Millionen EinwohnerGuayaquil en cifras ecuadorencifras.gob.ec. Abgerufen am 17. August 2018 (spanisch). (Stand 2017), im Großraum Guayaquil leben mehr als 3 Millionen Menschen.

Geografie Guayaquil liegt am Westufer des Río Guayas, etwa 50 km oberhalb von dessen Mündung in den Golf von Guayaquil. Der Río Guayas ist ein in Guayaquil liegender Zusammenfluss des Río Daule und des Río Babahoyo. Das ursprüngliche Zentrum von Guayaquil liegt auf geringer Höhe zwischen drei Hügeln und dem Estero Salado ( für „salziger Sumpf“), einem weit ins Landesinnere ragenden Meeresarm, der im heutigen Stadtgebiet zum Teil ausgetrocknet und u. a. mit gehobenen Wohnvierteln bebaut worden ist.

Das Klima in Guayaquil ist tropisch, also schwül-heiß. Das Jahr teilt sich in eine Trocken- und eine Regenzeit („Winter“). Letztere dauert von etwa Januar bis Juni. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 24,9 °C, der durchschnittliche Niederschlag beträgt 843 Millimeter pro Jahr.

Geschichte Gründungsgeschichte Die Gründungsgeschichte Guayaquils ist ebenso wie die Herkunft des Namens unsicher. Eine Stadt namens Santiago (de Quito) wurde erstmals als Ausgangspunkt für Vorstöße zur Pazifikküste bereits 1534 von Diego de Almagro und Sebastián de Belalcázar gegründet, allerdings am Colta-See in der Nähe des heutigen Riobamba. Da ihre Lage den Ansprüchen der Conquista nicht genügte, wurde sie schrittweise an die Küste verlegt. Dabei wurde sie mehrfach von einheimischen Kämpfern der Chola-, Chone-, Puná- und Huancavilca-Indianer zerstört.

Bis 1542 erscheint der Posten in Urkunden als Santiago de la Culata, da die Siedlungsgebiete der Huancavilca von der Verwaltung in Quito (seit 1539/40) als Provincia de la Culata bezeichnet wurden. Seit Dezember 1542 taucht der Name Guayaquil auch als Gebietsbezeichnung wiederholt auf und scheint sich mit der zunehmenden „Familiarisierung“ der Spanier mit den Einwohnern der Region langsam durchzusetzen.

Der Legende nach verweist der Name Guayaquil auf einen legendären Häuptling der Puruhá-Indianer namens Guayas und seine aus dem Hochland stammende Frau Quill, die dieser der Legende nach getötet haben soll, bevor er sich ertränkte, um nicht den Spaniern in die Hände zu fallen. Vermutlich war Guayaquil jedoch die Bezeichnung für einen Ort und seinen Häuptling und Quill/Kil eine Quellgöttin bzw. die Bezeichnung wasserreicher Gebiete. Die Legende um Guayas und Quill kann so als eine Allegorie auf den Untergang der Huancavilca-Indianer interpretiert werden. Es existieren aber weitere linguistische Erklärungsansätze, nach denen Guayaquil etwa im Tsafiki, der präinkaischen Sprache der heutigen Tsáchila „Unser großes Haus“ bedeutet.Homepage des Bürgermeisteramts Guayaquils guayaquilmildestino.com. Abruf am 17. August 2018 (spanisch).

Das um 1542/3 gegründete erste Santiago de Guayaquil wurde nach der Erhebung des Gonzalo Pizarro gegen Vizekönig Blasco Núñez Vela (seit 1544) von königstreuen Truppen nochmals verlegt. Am 25. Juli 1547 soll die Stadt von den Kapitänen Francisco de Olmos, Rodrigo Vargas de Guzmán und Toribio de Castro ein letztes Mal an ihrem heutigen Standort gegründet worden sein. Der 25. Juli ist in der katholischen Kirche der Gedenktag des Apostels Jakobus (span. Santiago).

Nach anderen, nicht zwingend widersprüchlichen Angaben gilt Francisco de Orellana als Gründer Guayaquils. Diese Angabe bezieht sich wahrscheinlich auf eine für 1537 oder 1538 angegebene Gründung einer der Vorgängerinnen des heutigen Guayaquil.

Kolonialzeit mini|hochkant=0.65|links|Las Peñas mini|Karte von Guayaquil 1741 mini|Belagerung von Puna Insel Kader angeführt von Jacques L’Hermite, nach einem Stich von 1630. mini|Gemeinschaftliches Floß vor der Küste der Gemeinde von Guayaquil, Transportmittel der Kultur Huancavilca, bis ins neunzehnte Jahrhundert gebräuchlich. Abbildung von Jorge Juan und Antonio de Ulloa von der französischen Expedition zur Vermessung der Erde.

In der Kolonialzeit wurde Guayaquil bald zu einer bedeutenden Hafenstadt des Vizekönigreichs Peru und später Neugranadas, über die einerseits die Produkte der Küstenregion (Holz, später auch Kakao und Erdnüsse) abtransportiert wurden und andererseits Produkte aus anderen Kolonien und aus Spanien anlandeten. Ihre geografische Lage auf halber Strecke zwischen Lima und Mittelamerika verstärkten seine Bedeutung ebenso wie das weit ins Inland reichende Flusssystem. Guayaquil entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Werft-Standorte in Südamerika.

Durch seine exponierte Lage wurde Guayaquil im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach von Piraten und Freibeutern angegriffen und geplündert. Die Encyclopædia Britannica (1911) notiert folgende Angriffe: 1624 durch Jacob Clark, 1686 durch französische Piraten, 1687 durch englische und französische Freibeuter unter Edward Davis, George Hout und Pierre le Picard, 1707 durch William Dampier und 1709 durch Woodes Rogers und Etienne Courtney. Der letztgenannte Angriff endete mit der Flucht der Piraten vor einer Gelbfieberepidemie. Die Angriffe des späten 17. Jahrhunderts führten zur Verlegung des Stadtzentrums Richtung Süden. Ferner wurden 1730 und 1763 die Befestigungs- und Verteidigungsanlagen verstärkt.

Auch durch Feuer wurde Guayaquil mehrfach heimgesucht, etwa 1707, 1784, 1865, 1896 und 1899.

Unabhängigkeit mini|Denkmal für Bolívar und San Martín am Malecón 2000

Am Morgen des 9. Oktober 1820 erklärte sich Guayaquil als erster Bestandteil des heutigen Ecuador für unabhängig von der spanischen Kolonialherrschaft. Die Unabhängigkeit wurde fast ohne Blutvergießen erreicht, da die 1.500 Soldaten eines Reserve-Grenadier-Bataillons und die Zivilbevölkerung Guayaquils die königstreuen Wachen und die spanischen Autoritäten schnell überwinden und gefangen nehmen konnten.

Die Stadt gab sich den Status einer freien Provinz, die von José Joaquín de Olmedo als Jefe Civil regiert wurde. Die Freie Provinz Guayaquil umfasste die Küstenregion Ecuadors und Küstengebiete, die heute zu Südkolumbien und Nordperu gehören.

1822 trafen in Guayaquil die beiden „Befreier“ Simón Bolívar (aus dem Norden kommend) und José de San Martín (aus dem Süden kommend) zusammen und unterzeichneten einen Kompromiss über enge staatliche Beziehungen zwischen den von ihnen begründeten Republiken. Guayaquil wurde daraufhin – ohne selbst explizit konsultiert zu werden – nach Großkolumbien eingegliedert. Seit der Abspaltung Ecuadors von Großkolumbien im Jahre 1830 gehört es zu Ecuador.

19. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert war Guayaquil vielfach Schauplatz bzw. Ausgangspunkt von militärischen Aufständen und Staatsstreichen:

Der erste fand im November 1830 statt und wandte sich gegen die Abspaltung von Großkolumbien. Er endete nach dem Tod Bolívars. 1833 wurde die Erhebung Vicente Rocafuertes nach einem Monat von Truppen des Präsidenten Juan José Flores niedergeschlagen. 1835 wurde Rocafuerte dennoch Präsident Ecuadors. Nach Ende seiner Präsidentschaft wurde Flores erneut sein Nachfolger und Rocafuerte Gouverneur von Guayaquil. Besonders sein persönlicher Einsatz bei der Bekämpfung einer Gelbfieber-Epidemie im Jahre 1842, die viele Todesopfer forderte, brachte ihm Anerkennung ein.

1845 endete die zweite Präsidentschaft von Flores nach einer Erhebung in Guayaquil, der eine Militärkampagne folgte, die Flores stürzte und ein Triumvirat aus José Joaquín de Olmedo, Diego Noboa und Vicente Ramón Roca an die Macht brachte. Diese Ereignisse gingen als revolución marcista (Märzrevolution) in die ecuadorianische Geschichte ein. Eine verfassunggebende Versammlung wählte schließlich Roca zum Präsidenten.

Am 17. Juli 1851 nahmen die Generäle José María Urbina und Francisco Robles den inzwischen als Präsidenten amtierenden Noboa bei einem Besuch in Guayaquil fest, verbrachten ihn außer Landes und proklamierten sich als Machthaber. Während der des Bürgerkriegs der „Nationalen Krise“ der Jahre 1859/60 verlegte Präsident Francisco Robles zeitweise den Regierungssitz des Landes nach Guayaquil, um von dort eine peruanische Invasion abwehren zu können. Als sich die zunächst äußere Krise zum Bürgerkrieg ausweitete, bildete Guayaquil unter General Guillermo Franco eine eigene Regierung, die mit der inzwischen nach Riobamba verlegten Regierung Robles’ zusammenarbeitete. 1860 nahmen jedoch von Quito anrückende Truppen des Konservativen Gabriel García Moreno (mit Unterstützung des alten General Flores) Guayaquil ein und stellten die Nationale Einheit unter einer von García Moreno gebildeten Zentralregierung zumindest formal wieder her.

Im September 1876 erhob sich nach der Ermordung García Morenos der neu ernannte Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Ignacio de Veintemilla, gegen dessen Nachfolger Antonio Borrero und ernannte sich zum Diktator. Er blieb zunächst nur kurz an der Macht, putschte 1878 erneut und regierte, bis er 1883 nach Ausbruch eines erneuten Bürgerkriegs aus dem Land floh.

1837 entstand aus einem Teil des Bistums Cuenca das katholische Bistum Guayaquil, das seit 1956 ein Erzbistum ist.

Liberale Revolution und Exportbourgeoisie 1895 proklamierte die Stadt Guayaquil Eloy Alfaro, der sich ebenfalls infolge des Bürgerkriegs von 1883/84, in dem er in der Provinz Manabí als Staatsoberhaupt ausgerufen worden war, im Exil befand, als Obersten Befehlshaber des Landes. Alfaro kehrte daraufhin aus Panama nach Ecuador zurück und zog von der Küste aus mit Truppen in die Andenregion. Es gelang ihm, die reguläre Regierung von Präsident Luis Cordero zu stürzen. Da er daraufhin den Einfluss von Kirche und Klerus stark beschnitt und die Bestrebungen vor allem des Bürgertums der Küstenstädte hin zu einer exportorientierten kapitalistischen Wirtschaftspolitik unterstützte, ging die Machtübernahme Alfaros als Liberale Revolution in die Geschichte Ecuadors ein.

Im Kontext einer steigenden Weltnachfrage unterstützte die Politik Alfaros den zweiten Kakaoboom, der seit Ende des 19. Jahrhunderts die wirtschaftliche Aktivität in Guayaquil an Dynamik gewinnen ließ. Es entwickelte sich eine neue Klasse von Agrarexporteuren, die sich europäisch ausrichteten und mit ihrem Reichtum das Stadtbild prägten. Guayaquil gewann in dieser Zeit seinen Ruf als „Perle des Pazifik“.

1896 legte eine Feuersbrunst die seinerzeit größtenteils aus Holz- und Bambusbauten bestehende Stadt beinahe zur Hälfte in Asche. Der Wiederaufbau in Stein machte zwar das koloniale Erbe und die Häuser der Exportbourgoisie weitgehend zunichte, bedeutete aber einen großen Schritt in die Moderne und verlieh der Stadt mit zum Teil eleganten Zementbauten erstmals Großstadtflair.

20. Jahrhundert Der vor allem seit dem Zweiten Weltkrieg stark expandierende Bananenanbau in der Küstenregion und eine gleichzeitige Phase des Versuchs importsubstituierender Industrialisierung verstärken die Position Guayaquils als Handels- und Industriemetropole Ecuadors. Durch starke Zuwanderung bilden sich große Arbeiter- und Armenviertel. Der populistische fünfmalige Präsident Ecuadors José María Velasco Ibarra hatte hier, obwohl aus Quito stammend, seinen größten Rückhalt. Viele weitere Präsidenten Ecuadors im 20. Jahrhundert stammen aus Guayaquil, darunter Carlos Julio Arosemena Monroy, Jaime Roldós, León Febres Cordero, Abdalá Bucaram und Rafael Correa.

Im Juli 2002 fand in Guayaquil der II. Südamerika-Gipfel statt.

Bevölkerungsentwicklung Von ursprünglich etwa 150 Einwohnern stieg die Bevölkerung zunächst aufgrund der Piratenüberfälle, Seuchen und Brände nur langsam, aber beständig auf 2.000 (1600), 5.000 (1693), 11.000 (1734) und 15.000 (1820).