Ilse Pagé (* 29. Mai 1939 in Berlin als Ilse Hinniger; † 19. Juni 2017 ebendaFamilienanzeige im Tagesspiegel vom 2. Juli 2017) war eine deutsche Schauspielerin und Synchronsprecherin.
Leben Die gebürtige Ilse Hinniger verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Berlin und Worpswede. Sie erhielt nach ihrem Mittelschulabschluss privaten Schauspielunterricht bei Maria Bordat in Ost-Berlin und besuchte die Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel in West-Berlin. Ihre erste Filmrolle, durchgesetzt gegen 1000 Mitbewerberinnen, war die Hauptrolle im DEFA-Film Berlin – Ecke Schönhauser… (1957). Die Gage lag bei 5000 DM-West.Ein Oststar aus dem Westen. Nachruf auf Ilse Pagé. Der Tagesspiegel vom 2. Juli 2017. Als Theaterschauspielerin war sie von 1959 bis 1966 am Berliner Schillertheater unter Boleslaw Barlog engagiert. Im Rahmen von Stückverträgen trat sie in Berlin am Theater am Kurfürstendamm und am Renaissance-Theater, in München an der Kleinen Komödie, ferner an der Komödie Düsseldorf, am Fritz Rémond Theater in Frankfurt am Main und am Schauspielhaus Zürich auf.
Helmut Käutner setzte sie als Filmschauspielerin nacheinander in Schwarzer Kies (1961), Der Traum von Lieschen Müller (1961), Das Haus in Montevideo (1963) und Lausbubengeschichten (1964) ein. Weitere Rollenangebote gab es für Liebe will gelernt sein (1963) von Kurt Hoffmann und Ganovenehre (1966) von Wolfgang Staudte. Zudem wirkte sie in den 1960er Jahren in Komödien und Schlagerfilmen mit, regelmäßig auch in den Edgar-Wallace-Filmen als mit ihrem Chef „Sir John“ flirtende Sekretärin. In Volker Schlöndorffs mit einem Oscar ausgezeichneter Literaturverfilmung Die Blechtrommel spielte sie 1979 die Rolle der „Gretchen Scheffler“. Für ihre darstellerische Leistung als herrische Ehefrau Völpel in der Filmbiografie Engel aus Eisen von Thomas Brasch erhielt sie 1981 das Filmband in Gold. Ilse Pagé wirkte daneben auch in zahlreichen Fernsehproduktionen mit, darunter die Serien Luftsprünge, John Klings Abenteuer und Percy Stuart.
Als Synchronsprecherin lieh sie unter anderem Gene Tierney (Neusynchronisation von Laura), Jill St. John (z. B. in Der Ladenhüter oder Wenn mein Schlafzimmer sprechen könnte), Karen Black (Der Tag der Heuschrecke), Marie Versini (Winnetou) und Grace Lee Whitney (Raumschiff Enterprise) ihre Stimme.
Ilse Pagé starb im Alter von 78 Jahren und wurde am 19. Juli 2017 anonym auf der Wiese Feld 31 des Berliner Waldfriedhofs Zehlendorf beigesetzt.
Filmografie Kinofilme 1957: Berlin – Ecke Schönhauser… 1959: Arzt aus Leidenschaft 1960: … und noch frech dazu! 1961: Und sowas nennt sich Leben 1961: Schwarzer Kies 1961: Davon träumen alle Mädchen 1961: Der Traum von Lieschen Müller 1963: Liebe will gelernt sein 1963: Das Haus in Montevideo 1964: Lausbubengeschichten 1966: Um null Uhr schnappt die Falle zu 1966: Ganovenehre 1966: Der Bucklige von Soho 1967: Die blaue Hand 1967: Der Mönch mit der Peitsche 1967: 48 Stunden bis Acapulco 1968: Der Hund von Blackwood Castle 1968: Im Banne des Unheimlichen 1968: Der Gorilla von Soho 1969: Engelchen macht weiter – hoppe, hoppe Reiter 1969: Der Mann mit dem Glasauge 1969: Helgalein 1971: Hurra, wir sind mal wieder Junggesellen! 1979: Die Blechtrommel 1980: Warum die UFOs unseren Salat klauen 1981: Engel aus Eisen 1982: Domino 1983: Die Spider Murphy Gang 1988: Der Commander 1990: Bei mir liegen Sie richtig 1992: Die Lok
Fernsehfilme 1959: Mond über dem Fjord 1959: Blühende Träume 1961: Die Pariser Komödie 1963: Die Mondvögel 1963: Die Unzufriedenen 1963: Krach im Hinterhaus 1964: Der Doktor 1966: Leben wie die Fürsten 1966: Wie lernt man Mädchen kennen...? 1967: Valentin Katajews chirurgische Eingriffe in das Seelenleben des Dr. Igor Igorowitsch 1968: Johannes durch den Wald 1968: Kirschen für Rom 1969: Kellerassel 1969: Asternplatz 10 Uhr 6 1969: Rivalen 1970: Kudammgeschichten 1971: Wie man Wünsche beim Schwanz packt 1972: Die seltsamen Abenteuer des geheimen Kanzleisekretärs Tusmann 1972: Federlesen – Bilder aus dem Leben eines Einfallsreichen 1973: Vom Hackepeter und der kalten Mamsell 1973: Alle lieben Célimare 1977: Haben Sie nichts zu verzollen? 1977: Der Heiligenschein 1980: Bühne frei für Kolowitz 1980: Kein Geld für einen Toten 1980: Mein Gott, Willi! 1983: Nachruf auf Othello 1983: Die Beine des Elefanten 1987: Komplizinnen 1988: Trouble im Penthouse 1993: Im Himmel hört dich niemand weinen
Fernsehserien 1967: Ein Fall für Titus Bunge (1 Folge) 1969: Der Staudamm (1 Folge) 1970: John Klings Abenteuer (1 Folge) 1970: Luftsprünge (1 Folge) 1972: Berlin, Keithstraße 30 (13 Folgen) 1975: Derrick (1 Folge) 1975–1976: Unter einem Dach (7 Folgen) 1977: Polizeiinspektion 1 (1 Folge) 1978: Magere Zeiten (11 Folgen) 1979: Zwei Mann um einen Herd (4 Folgen) 1979: St. Pauli-Landungsbrücken (1 Folge) 1982: Die unsterblichen Methoden des Franz Josef Wanninger (1 Folge) 1983: Drei Damen vom Grill (1 Folge) 1984: So lebten sie alle Tage (1 Folge) 1985: Alte Gauner (1 Folge) 1986: Berliner Weiße mit Schuß Folge 6, Episode: Die Frau seiner Träume 1986: Die Nervensäge (2 Folgen) 1988: Die Schwarzwaldklinik (2 Folgen) 1988: Liebling Kreuzberg (1 Folge) 1989: Hessische Geschichten (1 Folge) 1989: Praxis Bülowbogen (1 Folge) 1989: Ein Heim für Tiere (1 Folge) 1990: Hotel Paradies (5 Folgen) 1993: Unser Lehrer Doktor Specht (1 Folge)
Literatur Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 735. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 6: N – R. Mary Nolan – Meg Ryan. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 114 f.
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