Eröffnung: ab 1911 Stationen: 21
Die Siebengebirgsbahn ist eine Bahnstrecke in Nordrhein-Westfalen und Teil des Bonner Stadt- und Straßenbahnnetzes. Sie führt von Beuel aus parallel zum Rhein am Fuße des Ennerts und des Siebengebirges entlang über Königswinter nach Bad Honnef. Der nördliche Abschnitt bis Oberkassel wird von der Straßenbahnlinie 62 befahren. In Ramersdorf fädelt die Stadtbahnlinie 66 in die Siebengebirgsbahn ein, die sie südlich von Oberkassel alleine befährt. Die Linie 62 fährt werktags im 10-Minuten-Takt, die Linie 66 im 20-Minuten-Takt. Im Berufsverkehr wird die 66 zwischen Ramersdorf und Königswinter Clemens-August-Straße auf einen 10-Minuten-Takt verdichtet.
Die Siebengebirgsbahn gehört den Elektrischen Bahnen der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises (SSB), die gesamte Betriebsführung obliegt seit 2004 jedoch der SWB Bus und Bahn (Tochter der Bonner Stadtwerke).
Geschichte
Seit Ende der 1880er Jahre gab es Pläne, die Zahnradbahnen des Siebengebirges mit öffentlichen Verkehrsmitteln an Beuel und die Stadt Bonn anzuschließen. Als 1906 die Rheinuferbahn der Köln-Bonner Eisenbahnen in Betrieb ging, beschloss der Landrat des Siegkreises, eine Bahn nach diesem Vorbild zu realisieren. Damit setzte sich die konventionelle Ausführungsweise gegen Vorschläge wie die einer Hängebahn oder gleislosen Bahn durch.Karl-Heinz Nauroth: Straßenbahnen in Bonn. Verlag Kenning, Nordhorn 1989, ISBN 3-9800952-8-2, S. 52/53. Dabei wurde die Siebengebirgsbahn zunächst als elektrische Kleinbahn wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg von der SSB gebaut. Anders als die Siegburger Bahn diente sie aber weniger dem Pendler- als dem Ausflugsverkehr. Erste Bauarbeiten begannen im September 1910 noch vor der Erteilung der Genehmigung für das erste Teilstück der Strecke durch den Kölner Regierungspräsidenten am 26. Januar 1911Honnefer Volkszeitung, 17. Februar 1911, S. 2 (online); mit der Verlegung des Oberbaus wurde im März 1911 begonnen.Elektrische Bahnen der Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises (Hrsg.); Alfred Hüwel, Eva Stamm, Franz Guthoff: 50 Jahre Elektrische Bahnen der Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises: 1911–1961. Bonn 1961, S. 20–22. Die Eröffnungsfahrt war am 18. Oktober 1911 von Bonn Rheinuferbahnhof (Meckenheimer Straße, heute „Thomas-Mann-Straße“) bis Oberdollendorf.Axel Reuther: 100 Jahre Siebengebirgs- und Siegburger Bahn: Fahrzeuge, Strecken, Betriebe. In: Straßenbahn Magazin, Ausgabe 01/12 (Januar 2012), S. 58–71 (hier: S. 63). Als Bauleiter des Bahnbaus einschließlich der elektrischen Einrichtung fungierte bis Herbst 1912 Regierungsbaumeister Ludwig Brugsch (1877–1947).Elektrische Bahnen der Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises (Hrsg.); Alfred Hüwel, Eva Stamm, Franz Guthoff: 50 Jahre Elektrische Bahnen der Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises: 1911–1961. Bonn 1961, S. 20, 24.General-Anzeiger, 27. Oktober 1912, S. 15 (zeitpunkt.nrw)Ludwig Brugsch: Die elektrischen Vorortbahnen Bonn–Siegburg und Bonn–Königswinter. In: Deutsche Bauzeitung, 48. Jahrgang (1914), Nr. 18 (4. März 1914), S. 181–186 (hier: S. 186). (online PDF) Die auf dem neuen Streckenabschnitt zwischen Beuel Bahnhof und Oberdollendorf errichteten Bahnhofsgebäude und Bahnwärterhäuser entstanden in einer einheitlichen Gestaltungsweise nach Plänen des bei dem ausgeschriebenen Wettbewerb erstplatzierten Bonner Architekten Walter Frese unter Bauleitung des ebenfalls ortsansässigen Architekten Hermann Schmitt.Volkhard Stern: Bahnhofsgebäude der Siegburger und Siebengebirgsbahn. In: Köln-Bonner Verkehrsmagazin, , Heft 20, 3/2011, S. 56–63 (hier: S. 56/57).Echo des Siebengebirges, 1. September 1910, S. 2 (online)General-Anzeiger, 15. April 1911, S. 9 (zeitpunkt.nrw) Bis auf den Abschnitt zwischen Beuel und Küdinghoven war die Neubaustrecke zunächst eingleisig, aber für die Verlegung eines zweiten Gleises vorbereitet.Echo des Siebengebirges, 26. September 1911, S. 2 (online)
Am 18. März 1913 wurde die Strecke zweigleisigEcho des Siebengebirges, 5. Dezember 1911, S. 1 (online) nach Königswinter zur neuen Endstation an der Rheinallee vor dem Düsseldorfer Hof verlängert, an der dabei kunstvoll ausgearbeitete Oberleitungsmasten entstanden.Angelika Schyma: Stadt Königswinter (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmäler im Rheinland, Band 23.5.). Rheinland-Verlag, Köln 1992, ISBN 3-7927-1200-8, S. 33/34. Von 1924 bis Frühjahr 1925 wurde der Streckenabschnitt zwischen Küdinghoven und Oberdollendorf zweigleisig ausgebaut.General-Anzeiger, 2. Juni 1924, S. 3 (online)Echo der Gegenwart, 31. Januar 1925, S. 2 (online)Echo des Siebengebirges, 18. April 1925, S. 2 (zeitpunkt.nrw) Am 26. September 1925 erfolgte endlich auch die Verlängerung bis ins „rheinische Nizza“, in die Badestadt Honnef, zur heutigen Endhaltestelle gegenüber der Insel Grafenwerth.Die Vollendung der Siebengebirgsbahn, Honnefer Volkszeitung, 26. September 1925 Die Verlängerung wurde als Anlass für den gleichzeitig vollzogenen Ausbau des südlichen Königswinterer Rheinufers zu einer breiten Promenade genutzt.Frieder Berres: 2000 Jahre Schiffahrt am Siebengebirge. Versuch der geschichtlichen Aufarbeitung eines Gewerbes, seiner Schiffervereinigungen und seines Umfeldes in alter und neuer Zeit (= Stadt Königswinter, Der Bürgermeister: Königswinter in Geschichte und Gegenwart, Band 6). Königswinter 1999, S. 173–175. Zeitweise bot die KBE durchgehende Fahrscheine von Köln ins Siebengebirge an. Von dieser Kooperation profitierte die Siebengebirgsbahn insbesondere in Zeiten der wachsenden Konkurrenz durch den Autoverkehr. Im Mai 1930 wurden vorübergehend Schnellzüge eingeführt, die nur die bedeutendsten Haltestellen bedienten, und zugleich die Haltestellen Rheinau und Am Steinchen in Honnef dauerhaft aufgehoben.Schnellbahnen bei der Siebengebirgsbahn, General-Anzeiger, 3. Mai 1930Keine Schnellzüge mehr auf der Siebengebirgsbahn, General-Anzeiger, 21. Juni 1930Frank Mlosch: Vor 100 Jahren: Siebengebirgsbahn nach Honnef verlängert. In: HVSWB aktuell: Zeitschrift des Historischen Vereins der Stadtwerke Bonn e. V., , 18. Jahrgang, Nr. 3/2025, S. 20–31. (online PDF) Im Sommer 1930 wurde der Streckenverlauf westlich der Haltestelle Longenburg nach den erforderlichen GrundstücksankäufenEcho des Siebengebirges, 16. Juni 1930, S. 3 (zeitpunkt.nrw) durch Abschwächung einer besonders scharfen Kurve begradigt.General-Anzeiger, 17. Juni 1930, S. 3 (zeitpunkt.nrw)General-Anzeiger, 5. August 1930, S. 3 (zeitpunkt.nrw)
Am 1. September 1944 ereignete sich zwischen Königswinter und Rhöndorf aufgrund eines Fehlers des Fahrdienstleiters in Rhöndorf der folgenschwerste Unfall in der Streckengeschichte, bei dem zwei Züge im Bereich der früheren Haltestelle Am Steinchen zusammenstießen und sechs Personen getötet sowie 40 verletzt wurden.Martin Maus: Honnefer Erinnerungen: Feste – Ereignisse – Besonderheiten von 1898–1986. Bad Honnef 1993, Abb. 73/73a. ()Carsten Gussmann: Siegburger- und Siebengebirgsbahn (= Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland: einst & jetzt, , 15. Ergänzungsausgabe). GeraNova-Zeitschriften-Verlag, München 1997, S. 9.Frank Mlosch: Ende der Siebengebirgsbahn vor 30 Jahren. In: HVSWB aktuell: Zeitschrift des Historischen Vereins der Stadtwerke Bonn e. V., , 13. Jahrgang, Nr. 2/2021, S. 8. (online PDF)Frank Mlosch: Vor 100 Jahren: Siebengebirgsbahn nach Honnef verlängert. In: HVSWB aktuell: Zeitschrift des Historischen Vereins der Stadtwerke Bonn e. V., , 18. Jahrgang, Nr. 3/2025, S. 20–31 (hier: S. 24). (online PDF) Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges erlitt auch die Siebengebirgsbahn erhebliche Schäden, sodass der Betrieb zeitweilig komplett eingestellt war. Ab dem 12. Dezember 1945 verkehrten wieder Züge zwischen Beuel und Römlinghoven und ab dem 26. August 1946, zunächst mit Pendelverkehr von Königswinter, bis zur Endhaltestelle in Honnef.Elektrische Bahnen der Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises (Hrsg.); Alfred Hüwel, Eva Stamm, Franz Guthoff: 50 Jahre Elektrische Bahnen der Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises: 1911–1961. Bonn 1961, S. 37.1. Sitzung der Amtsvertreter des Amtes Oberkassel, 13. Februar 1946, S. 5 (online)Elmar Heinen: Aufbruch. In: Heimatverein Siebengebirge, Heinrich Blumenthal (Hrsg.): Aufbruch: Der Siebengebirgsraum 1945 bis 1955. Rheinlandia Verlag, Siegburg 2001, ISBN 3-935005-13-X, S. 97–105 (hier: S. 102). Die Brücke über den Rhein zwischen Beuel und Bonn war von den deutschen Truppen gesprengt worden, ihr Wiederaufbau wurde erst am 12. November 1949 beendet und damit wieder ein Verkehr auf der gesamten bisherigen Strecke der Siebengebirgsbahn möglich.
Ab 1951Honnefer Volkszeitung, 1. Februar 1951, S. 5 (zeitpunkt.nrw) verkehrte zwischen Bonn und Bad Honnef auch eine von der SSB später nur noch im Nachtverkehr betriebene Ergänzungsbuslinie.Elektrische Bahnen der Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises (Hrsg.); Alfred Hüwel, Eva Stamm, Franz Guthoff: 50 Jahre Elektrische Bahnen der Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises: 1911–1961. Bonn 1961, S. 38/39.Axel Reuther: Kleinbahn, Straßenbahn, Stadtbahn: Die Siebengebirgs- und Siegburger Bahn. In: Nahverkehr in Köln und Bonn (= Straßenbahn Nahverkehr Special, Nr. 12). GeraNova Zeitschriftenverlag, München 2004, ISBN 3-89724-015-7, S. 78–81 (hier: S. 80). Im Sommer 1954 wurden auf der Siebengebirgsbahn erneut versuchsweise Schnellzüge eingesetzt und kurz darauf wieder eingestellt.Frank Mlosch: Wussten Sie schon, dass…. In: HVSWB aktuell: Zeitschrift des Historischen Vereins der Stadtwerke Bonn e. V., , 9. Jahrgang, Nr. 5/2016, S. 16. (online PDF) Zugleich kam es zur Einführung der Linienbezeichnungen „H“ (Honnef) und „K“ (Königswinter) in Abhängigkeit vom jeweiligen Endpunkt der Linie.Axel Reuther: 100 Jahre Siebengebirgs- und Siegburger Bahn: Fahrzeuge, Strecken, Betriebe. In: Straßenbahn Magazin, Ausgabe 01/12 (Januar 2012), S. 58–71 (hier: S. 69). Zur Kostensenkung wurde die Strecke zum Jahresende 1960 zur Straßenbahn umkonzessioniert, dabei die Oberleitungs-Spannung von 1000 auf 600 Volt herabgesenkt, Bahnsteige mancher Haltestellen zwecks Einsparung von Schrankenanlagen vor die Bahnübergänge verlegt und zugleich in Oberkassel zwei neue Haltestellen (eine zusätzliche) in Betrieb genommen.Gerhard Schur: 50 Jahre Elektrische Bahnen der Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises. In: Der Stadtverkehr, 6. Jahrgang, Heft 4/1961 (April 1961), S. 81–84 (hier: S. 84). 1971/72 wurde die Trasse der Siebengebirgsbahn im Norden Oberdollendorfs tiefergelegt, um ein Überführungsbauwerk des im selben Zuge angehobenen Grünen Wegs zu erstellen.Stoppt Vergabestopp EB 42?, Honnefer Volkszeitung, 14. Juli 1971Mitte 1973 wird der Bau der B 42 weitergeführt, Honnefer Volkszeitung, 4. August 1972
mini|links|Düwag-Triebwagen der Linie H auf der Kennedybrücke