mini|Satellitenfoto von Europa Die Folgen der globalen Erwärmung in Europa zählen zu den regionalen Auswirkungen der Erderwärmung auf die Gesellschaften, die Gesundheit, die Natur und die technischen Belange, die sich durch den Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen auch auf dem „Kontinent“ Europa bemerkbar machen: Dadurch werden künftig wohl z. B. vermehrt Katastrophen wie Überflutungen und Stürme ausgelöst.

Beobachtete Klimaveränderung Die Durchschnittstemperaturen des Zeitraums 2002–2011 lagen 1,3 °C über denen des Zeitraums 1850–1899. Zwischen 1979 und 2005 betrug der Erwärmungstrend dabei 0,41 °C pro Jahrzehnt und war damit deutlich höher als das globale Mittel von + 0,17 °C pro Jahrzehnt. Besonders stark war die Erwärmung in Zentral- und Nordosteuropa und in Gebirgsregionen. Weiter wurde beobachtet, dass die Winter- stärker als die Sommertemperaturen ansteigen. Die Jahre 2019 und 2020 waren im europäischen Mittel bereits um die 2 °C wärmer als die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Für den Vergleich zum Zeitraum 1850–1900: In Europa gab es den wärmsten Winter 2019/20 mit 3,4 °C über der durchschnittlich gemessenen Temperatur aus den Jahren 1981 bis 2010. Der wärmste Sommer in Europa wurde 2021 mit rund 1,4 °C über der durchschnittlich gemessenen Temperatur aus den Jahren 1981 bis 2010 erreicht, gefolgt von den Sommern 2010 und 2018 mit einem Mittel von je rund 1,3 Grad über dem vorherigen Durchschnitt.

Die Niederschlagstrends sind räumlich variabler: In Nordeuropa wurde eine Zunahme der durchschnittlichen winterlichen Niederschlagsmengen beobachtet. Im Mittelmeerraum wurde im Osten eine Abnahme festgestellt, während im Westen keine signifikanten Veränderungen der Niederschlagsmengen festgestellt wurden. In den meisten Teilen Europas nimmt die Niederschlagsmenge pro Regentag zu, sogar in Gebieten, in denen die gesamte Niederschlagsmenge abnimmt.Intergovernmental Panel on Climate Change (2007): Report of Working Group II, Impacts, Adaptation and Vulnerability, Chapter 12: Europe (PDF, 1,2 MB) (englisch) So wurde in Griechenland eine signifikante Abnahme der Niederschlagsmengen im Januar beobachtet, die verbunden ist mit einer Zunahme von Starkniederschlägen.C. Norrant, A. Douguédroit (2006): Monthly and daily precipitation trends in the Mediterranean, in: Theoretical and Applied Climatology, Vol. 83, S. 89–106, online

Verändertes Auftreten extremer Hitze- und Kälteereignisse mini|Abweichungen von der Mitteltemperatur in Europa im Ausnahmesommer 2003 Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei der UN-Klimakonferenz in Montréal im Jahre 2005 führt die Erwärmung des globalen Klimas nicht nur in Entwicklungsländern zu Todesfällen, sondern zunehmend auch in Europa. Die europäische Hitzewelle 2003 forderte 35.000 Menschenleben und verursachte wirtschaftliche Schäden in Höhe von 14 Milliarden Euro.A.H. Fink, T. Brücher, A. Krüger, G.C. Leckebusch, J.G. Pinto, U. Ulbrich (2004): The 2003 European summer heatwaves and drought - Synoptic diagnosis and impact., in: Weather, Vol. 59, S. 209–216, siehe online (PDF)

Ein einzelnes Ereignis wie dieses kann nie direkt auf die globale Erwärmung zurückgeführt werden; die globale Erwärmung erhöht aber die Wahrscheinlichkeit für derartige Extremereignisse (siehe das Stichwort Attributionsforschung): So wird es nach den Prognosen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) im 21. Jahrhundert sehr wahrscheinlich (90–99 %) höhere Maximumtemperaturen und mehr heiße Tage in nahezu allen Landgebieten geben. Eine nach der Hitzewelle 2003 durchgeführte Abschätzung kam zu dem Ergebnis, dass der menschliche Einfluss auf das Klima das Risiko eines derartigen Ereignisses mindestens verdoppelt habe;Stott, Peter A., D. A. Stone und M. R. Allen (2004): Human contribution to the European heatwave of 2003, in: Nature, 432, S. 610–614, siehe Abstract online gleichzeitig werden extreme Kälteereignisse wahrscheinlich seltener werden.

Die Europäische Umweltagentur nennt in einer Zusammenfassung der Folgen von Umweltänderungen für die menschliche Gesundheit eine Zahl von 90.000 vorzeitigen Todesfällen in Europa zwischen 1980 und 2017, die auf Klima- und Wetterereignisse zurückzuführen seien. Das tödlichste Extremereignis seien dabei Hitzewellen; ihnen werden mehr als zwei Drittel der Todesfälle zugeschrieben. In Osteuropa waren auch Kältewellen und Stürme ein wichtiger Faktor. Es wird prognostiziert, dass die Zahl der Menschen, die an Folgen des Klimawandels sterben, in den nächsten Jahrzehnten signifikant steigen werde. Eine vom WWF 2007 in Auftrag gegebene und vom Kieler Institut für Weltwirtschaft erstellte Studie deutet darauf hin, dass sich bis 2100 die Zahl der Hitzetoten in Deutschland um zusätzliche 5000 ohne Berücksichtigung der demographischen Entwicklung beziehungsweise um 12.000 mit Einbeziehung der veränderten Altersstrukturen erhöhen könne. Gleichzeitig käme es zu einem Rückgang an Kältetoten um 3000 beziehungsweise 5000.WWF & IfW (2007): Kosten des Klimawandels – Die Wirkung steigender Temperaturen auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Veränderungen der Temperaturextrema lassen sich europaweit in Messreihen nachweisen: Zwischen 1950 und 2018 hat sich z. B. europaweit die Zahl der extrem heißen Tage verdreifacht. Unter Berücksichtigung der Luftfeuchtigkeit, die für den Einfluss von Hitze auf die menschliche Gesundheit mit entscheidend ist (siehe Kühlgrenztemperatur), stieg auch die Zahl der Tage, die Hitzestress verursachen, auf das Dreifache. Die Höchsttemperaturen stiegen um 2,3 °C, die Tiefsttemperaturen um etwa 3 °C. Die Extremwerte änderten sich dabei stärker als die Mitteltemperaturen. In Zentraleuropa stiegen die sommerlichen Höchstwerte stärker als die mittleren Sommertemperaturen, und zwar um ca. 50 %.

Siehe auch: Hitzewelle in Europa 2003, Hitzewellen in Europa 2015, Hitze und Unwetter in Europa 2017, Dürre und Hitze in Europa 2018, Hitzewellen in Europa 2019, Dürre und Hitze in Europa 2022, Dürre und Hitze in Europa 2025, Dürre und Hitze in Europa 2026 Kältewelle in Europa 2012, Kältewelle in Europa Januar 2017, Kälteanomalie in Europa 2018

Hochwasser an Flüssen Der Klimawandel beschleunigt den Wasserkreislauf und nimmt damit Einfluss auf Intensität, Häufigkeit und Zeitpunkt von Hochwasserereignissen.

Bei der Analyse beobachteter Änderungen der Intensität von Hochwasserereignissen muss der Einfluss des Klimawandels von anderen Einflüssen, wie Landnutzungsänderungen im Einzugsgebiet oder Änderungen von Flussbetten, abgegrenzt werden. Für den Zeitraum 1960–2010 wurden deutliche Veränderungen der Abflussmengen in vielen europäischen Flüssen bei Hochwasser beobachtet. In Nordwesteuropa, vor allem in Norden Britanniens, haben sie infolge zunehmender Herbst- und Winterniederschläge zugenommen. In Flüssen mit größerem Einzugsgebiet in Südeuropa war eine Abnahme zu beobachten, die wahrscheinlich aus abnehmenden Niederschlagsmengen sowie zunehmender Verdunstung herrührt. Für kleinere Flüsse im Mittelmeerraum besteht hingegen das Risiko, dass das Ausmaß von Hochwasserereignissen steigt. Die in Osteuropa beobachtete Abnahme ist wahrscheinlich Folge der durch höhere Temperaturen geringeren Schneebedeckung. Die Änderungen in Europa decken sich in etwa mit Modellprojektionen und sind wahrscheinlich zum großen Teil Resultat des gegenwärtigen Klimawandels.

Den Zeitpunkt, wann Hochwasserereignisse eintreten, hat der Klimawandel von 960 bis 2010 deutlich verändert: In Nordosteuropa, einschließlich großen Teilen Skandinaviens, setzt wegen höherer Temperaturen die Schneeschmelze und damit auch Hochwasser etwa einen Monat früher ein. In Westeuropa, d. h. dem westlichen Teil der iberischen Halbinsel, Westfrankreich und dem Südwesten Britanniens, erreicht die Bodenfeuchte ihre Höchstwerte früher im Jahr, auch dort tritt Hochwasser früher auf. Um die Nordsee herum – in Nord- und Südost-Britannien, Westnorwegen, Dänemark und Norddeutschland – und auch in Regionen am Mittelmeer hingegen hat sich der Eintritt von Hochwasserereignissen verzögert, weil Winterstürme dort später auftreten.

Im Jahr 2020 wurde eine auf historischen Dokumenten basierende Rekonstruktion der Hochwasserereignisse der letzten 500 Jahre veröffentlicht. Der Zeitraum ab 1990 gehört zu den neun Perioden, die die größten Hochwasser-Anomalien aufweisen. Die gegenwärtige Periode ist jedoch im Vergleich zu den vorausgegangenen ungewöhnlich: Während in der Vergangenheit Zeiten mit ausgeprägten Hochwassereignissen eher in außergewöhnlich kühlen Episoden auftraten, fällt die gegenwärtige in eine außergewöhnlich warme Zeit; zudem weist sie eine Verschiebung der Saisonalität der Hochwasserereignisse auf. Siehe auch:

„Jahrhunderthochwasser“, Ereignisse mit Abflussmengen, wie sie bei unverändertem Klima einmal in hundert Jahren erwartet werden, werden in Kontinentaleuropa künftig häufiger erwartet, könnten in Teilen Nord- und Südeuropas aber auch seltener werden. Eine Million Menschen in Europa waren betroffen von den 15 größten Fluten im Jahr 2002, welche 250 Menschenleben forderten (siehe auch Hochwasser in Mitteleuropa 2002). Beispielsweise sorgen so genannte Vb-Wetterlagen, hervorgerufen durch ein außergewöhnlich warmes Mittelmeer, dafür, dass nördlich der Alpen im Winter besonders heftige Schneefälle und nachfolgende Frühjahrsfluten gehäuft auftreten.

Kryosphäre in europäischen Bergregionen Gletscher mini|hochkant=1.5|Gletscher in Europa (blaue Flächen), Stand 2014

Der weltweite Gletscherschwund betrifft in Europa besonders den Alpenraum. Eine Dissertation über die Entwicklung von 5150 Gletschern in den Alpen seit 1850 kam 2006 zu dem Ergebnis, dass bis 1970 bereits 35 % der ursprünglich vorhandenen Gletscherfläche verschwunden war, und dass dieser Schwund sich bis 2000 auf annähernd 50 % vergrößert hat.Zemp, Michael (2006): Glaciers and climate change – Spatio-temporal analysis of glacier fluctuations in the European Alps after 1850. PhD thesis, Universität Zürich, 201 Seiten

Modellrechnungen auf Basis von Szenarien für das 21. Jahrhundert kommen zu dem Ergebnis, dass bei einer durchschnittlichen Erwärmung um 3 °C bis ins Jahr 2100 die Gletscher der Alpen etwa 80 % der noch im Zeitraum zwischen 1971 und 1990 vorhandenen Fläche verloren haben werden. Das entspräche nur noch einem Zehntel der Ausdehnung von 1850. Eine Erwärmung um 5 °C würde praktisch zum vollständigen Verlust an Gletschereis führen.Zemp, Michael, W. Haeberli, M. Hoelzle und F. Paul (2006): Alpine glaciers to disappear within decades? In: Geophysical Research Letters, 33, L13504. Siehe auch die Pressemitteilung online.

Holz- und Torffunde aus den Moränen von Gletschern in den Schweizer Alpen lassen darauf schließen, dass die Gletscher im Holozän mitunter wesentlich weiter zurückgegangen waren als dies kurz nach 2000 der Fall war.Schlüchter C. et al. Alpen ohne Gletscher?. Die Alpen 6, 34–44 (2004) Diese Funde sind Hinweise dafür, dass es in den letzten 10.000 Jahren in der Zentralschweiz zumindest zwölf Perioden mit stellenweise wesentlich geringeren Gletscherständen gegeben haben muss, und dass die Ausdehnung der Gletscher während mehr als der Hälfte dieser Zeit geringer war als um das Jahr 2000.Hormes, A., Müller, B. Schlüchter, Ch. 2001. The Alps with little ice: evidence for eight Holocene phases of reduced glacier extent in the Central Swiss Alps. The Holocene 11, 255–265.Joerin U.E., Stocker T.F., Schlüchter C. 2006 Multicentury glacier fluctuations in the Swiss Alps during the Holocene. The Holocene 16, 697–704. Holz und Torf können nur dort entstanden sein, wo sich keine Gletscher befunden haben. Vor 1900 bis 2300 Jahren lagen einige Gletscherzungen höher als um das Jahr 2000. Daher muss angenommen werden, dass die Gletscher der Alpen wesentlich dynamischeren Änderungen unterliegen, als bisher angenommen wurde.