Babylon 5 ist eine 1993 gestartete US-amerikanische Science-Fiction-Fernsehserie, die im fiktiven Babylon-5-Universum spielt. Bis 1998 erzählte sie in 110 Episoden von den Geschehnissen in der und um die Raumstation Babylon 5.
Der Serie wird eine hohe Bedeutung für die Entwicklung der Fernsehserien in den USA beigemessen. Es wurden auch noch einige Fernsehfilme und die Fortsetzungsserie Crusade produziert, die an die Serie anknüpfen.
Produktion mini|280px|Joseph Michael Straczynski („JMS“), der Schöpfer von Babylon 5
Entwicklung Entwickelt wurde Babylon 5 von Joseph Michael Straczynski, kurz „JMS“, der als Executive Producer den Verlauf der Serie kontrollierte und als ihr „Vater“ gilt. Er schrieb auch für 92 der 110 Folgen die Drehbücher, wobei jene für die dritte und vierte Staffel ausschließlich von ihm verfasst wurden. Neben ihm begleiteten der ausführende Produzent Douglas Netter und Science-Fiction-Autor Harlan Ellison als „Conceptual Consultant“ die Serie.
Aufgrund des nahezu gleichzeitigen Erscheinens wurde die Serie häufig mit Star Trek: Deep Space Nine verglichen. Gemeinsamkeiten waren beispielsweise ein Kommandant, dessen Charakter maßgeblich durch seine Erfahrungen in einem früheren Krieg geprägt wurde, ein Krieg gegen einen übermächtigen Feind, die Spiritualität der Figuren, ein durchsetzungsstarker weiblicher Erster Offizier sowie eine Raumstation in der Nähe eines Portals als zentraler Handlungsort. Dies veranlasste zahlreiche Babylon-5-Fans zu dem Vorwurf, Paramount Pictures hätte Straczynskis Ideen kopiert. Straczynski selbst sah Deep Space Nine zwar eindeutig durch sein Konzept beeinflusst, welches er vor der Produktion durch Warner Bros. auch Paramount vorstellte, äußerte aber nie Plagiatsvorwürfe.
Ungewöhnlich und innovativ für die Entstehungszeit von Babylon 5 war auch der von vornherein auf fünf Jahre geplante, serienüberspannende Handlungsbogen. Diese Erzählweise wurde erst mit dem Aufkommen von Streaming-Diensten zwanzig Jahre nach dem Ende der Serie wieder populär, als Serienkonzepte nicht mehr wie üblich nach einer Pilotfolge, sondern direkt staffelweise in Auftrag gegeben wurden. Ursprünglich für fünf Staffeln konzipiert, schien aufgrund der Auflösung des Senders TNT das vorzeitige Aus der Serie nach vier Staffeln sicher. Um die Geschichte dennoch zu einem Abschluss zu bringen, straffte Straczynski den Handlungsbogen der vierten Staffel. Erst nach dem Produktionsende der vierten Staffel erhielt Straczynski die Freigabe für die fünfte Staffel.J. Michael Straczynski, 2014, DVD-Booklet zur 5. Staffel. So ergab sich die Situation, dass die bereits fertiggestellte, jedoch noch nicht ausgestrahlte Serien-Abschlussepisode Sleeping in Light (Der Weg ins Licht) an das Ende der fünften Staffel verlegt und eine neue Abschlussepisode für die vierte Staffel gedreht werden musste. Diese Episode, The Deconstruction of Falling Stars (In hundert Jahren, in tausend Jahren), fällt aus dem gewohnten Handlungsrahmen heraus und gewährt einen Blick auf die fernere Zukunft im Babylon-Universum.
Computergrafik und visuelle Effekte Durch die fast ausschließliche Verwendung von Computergrafik für die visuellen Effekte sowie die Aufnahme der Realfilm-Anteile im 16:9-Format unterschied sich Babylon 5 von vergleichbaren Serien ihrer Zeit. Die visuellen Effekte für die Pilotepisode wurden an einem kleinen Netzwerk aus Amiga 2000-Computern und der NewTek Video Toaster-Ausrüstung produziert, die damals zusätzlich noch das 3D-Grafikprogramm LightWave 3D beinhaltete. Diese Ausrüstung war zum Zeitpunkt der Produktion für damals 5.000 US-Dollar pro Arbeitsplatz erhältlich, was ein Bruchteil der Kosten für die damals branchenübliche Produktionsausrüstung war. Die ersten drei Staffeln wurden von Foundation Imaging an zwölf Intel-Pentium-PCs und fünf DEC Alpha-Workstations mit der gleichen Software produziert. Wo sich die Fertigstellung von visuellen Effekten im studioeigenen Computer-Netzwerk verzögerte, wurden Episodenausstrahlungen getauscht.
Bei der Produktion der visuellen Effekte wurde kosteneffektiv gearbeitet. So wurden beispielsweise einige Modelle für außerirdische Schiffe aus Anatomie-Modellen für Fußknochen zusammengesetzt. Auch wurden eine bis zwei Ebenen an Kaustik-Effekten als „lebende“ Textur für Schiffe und Technologie der Schatten wiederverwendet. Bumpmapping zur Oberflächensimulation wurde eingesetzt, anstatt Modelle mit zusätzlicher geometrischer Information zu verfeinern, was die Rechenzeit verlängert hätte. Für die damalige Zeit innovativ war der intensive Einsatz des Digital Backlots: Filmkulissen, die nur für den realen Interaktionsbereich der Schauspieler tatsächlich existierten und ansonsten per Bluescreen-Technik in das Bild gerechnet wurden.
Probleme bei der Wiederveröffentlichung in HD Die Produktionsweise der digitalen Effekte führte bei späteren Veröffentlichungen auf DVD und in High Definition zu Problemen. Die Realfilm-Anteile der Serie waren bereits auf Super 35-Film „sauber“ im 16:9-Format aufgezeichnet worden, sodass auch im erweiterten Bildbereich keine Scheinwerfer und Ähnliches sichtbar war und damit die Voraussetzungen für eine zukünftige Veröffentlichung im Breitbildformat geschaffen worden waren. Die visuellen Effekte konnten jedoch nur für das 4:3-Bildformat produziert werden. Für die ursprüngliche Veröffentlichung im 4:3-Format (NTSC bzw. PAL) wurden die Effekte und die Realszenen in Standardauflösung auf Video zusammengefügt (Compositing).
Für eine spätere Veröffentlichung in Belgien wurde jedoch von den Lizenznehmern 16:9 Letterbox gewünscht, was Warner dazu veranlasste, das 16:9-Filmmaterial der Realszenen mit von der Magnetaufzeichnung hochskalierten 4:3-Effektaufnahmen zusammenzufügen. Die Effektszenen mussten dafür stark vergrößert und beschnitten werden, sodass 33 % der originalen Bildinformationen verloren gingen und das Bild darüber hinaus auch extrem unscharf wurde. Dies betraf auch alle Komposit-Aufnahmen von Schauspielern mit digital eingefügtem Hintergrund oder Effekten. Diese Version wurde später für die Veröffentlichung der Serie auf DVD verwendet.
Die Veröffentlichung der Serie auf Amazon Prime Video erfolgte zunächst ebenfalls im ursprünglichen Format, dessen Bildqualität allerdings kritisiert wurde. Im Februar 2021 erfolgte eine Neuveröffentlichung der Serie auf Amazon Prime Video, iTunes und HBO Max im originalen 4:3-Format, aber nun mit HD-Auflösung. Dafür wurde das Originalfilmmaterial in 4K eingescannt, digitalisiert und farbkorrigiert. Die visuellen Effekte wurden auf HD hochskaliert und fielen, aufgrund der Rückkehr zum originalen 4:3-Format, nun deutlich weniger störend auf als in der beschnittenen DVD-Version.
Soundtrack Für die Musik der Serie arbeitete Straczynski mit dem Berliner Musiker Christopher Franke zusammen, der zusammen mit den Berliner Philharmonikern nahezu den kompletten Soundtrack der Serie sowie von dreien der vier Babylon 5-Fernsehfilme verantwortete.
Charakterentwicklung Mehrere Hauptcharaktere schieden im Laufe der Zeit aus der Serie aus, teils weil ihre Geschichte ihr Ende erreichte und teils weil die sie verkörpernden Schauspieler die Serie verließen. Michael O’Hare stieg aus gesundheitlichen Gründen in gegenseitigem Einvernehmen mit Straczynski nach der ersten Staffel aus; seine Rolle „Jeffrey Sinclair“ wurde durch Boxleitners „John Sheridan“ ersetzt. Dies hatte verschiedene Auswirkungen auf die Serie: ursprünglich war um die Geschichte „des Einen“, den Anführer der interplanetaren Miliz der Ranger, nur geplant, dass es „den Einen der Gegenwart“ (D’Elenn) und „den Einen der Zukunft“ (Sinclair) geben würde. Ebenso hatten auch die Minbari am Anfang der Serie nur zwei Kasten: die Kriegerkaste und die religiöse Kaste. Michael O’Hare trat im späteren Verlauf der Serie als Gast noch einmal auf, dann jedoch als der mythologische „Valen“, der Eine, „der gewesen ist“. Die Minbari „erhielten“ eine dritte Kaste, die Kaste der Arbeiter. Auf die gleichen Initialen von Jeffrey Sinclair (O’Hare) und John Sheridan (Boxleitner) wird in der Serie genauso angespielt wie auf die „vergessene“ dritte Minbari-Kaste und auf die Austauschbarkeit der handelnden Personen.
Auch Andrea Thompson ging auf eigenen Wunsch in der zweiten Staffel; ihr Charakter, die Psi-Agentin Talia Winters, erlitt nach einer Erwähnung des Psi-Polizisten Alfred Bester (gespielt von Walter Koenig) den Serientod. Teile ihres Aufbaus als Charakter, etwa die telekinetischen Fähigkeiten, übernahm später die Telepathin Lyta Alexander, gespielt von Patricia Tallman. Figuren wie Warren Keffer, der nur für eine Staffel angelegt war, oder Marcus Cole starben im Laufe der Handlung. Auch John Sheridan starb in der Serie, wurde jedoch für begrenzte Zeit wiederbelebt und stirbt 20 Jahre später erneut. Claudia Christian, die die Erste Offizierin Susan Ivanova spielte, schied nach einer gescheiterten Vertragsverlängerung vor der fünften Staffel aus.
Handlung
Die Handlung der Fernsehserie Babylon 5 umfasst neben dem Pilotfilm fünf Staffeln mit jeweils 22 Episoden sowie einige zusätzliche Fernsehfilme. Die Kernhandlung der Serie umfasst einen Zeitraum von ca. fünf Jahren um das Jahr 2260. Einzelne Episoden und Filme decken auch Ereignisse außerhalb dieser Zeitspanne ab.
Der Name des Pilotfilms und die Namen der einzelnen Staffeln wurden bei der DVD-Veröffentlichung der Serie teilweise überarbeitet bzw. geändert. Die Bezeichnung „Spacecenter Babylon 5“ (alte deutsche Bezeichnung des Pilotfilms sowie der Serie) findet sich daher nur noch in dessen Synchronfassung. Im weiteren Verlauf der Serie wurde die Station einfach nur noch „Babylon 5“ genannt.
Pilotfilm „Die Zusammenkunft“ („The Gathering“) Der Pilot hieß ursprünglich „Spacecenter Babylon 5“
2257: Knapp zehn Jahre nach Ende des für die Erdallianz verheerenden Erd-Minbari-Krieges nimmt die fünfte Babylon-Station ihren Betrieb auf. Sie soll zu einem neutralen Ort für Treffen, Verhandlungen und Handel zwischen den verschiedenen Völkern der Galaxis werden. Allerdings fällt der letzte noch erwartete Diplomat – Vorlonen-Botschafter Kosh – bei seiner Ankunft einem Attentat zum Opfer. Der Hauptverdächtige ist unerwarteterweise Commander Jeffrey Sinclair, der im Namen der Erdallianz die Station leitet. Während sich die Situation zuspitzt und das überlegene Volk der Vorlonen Sinclairs Auslieferung fordert, muss die Wahrheit über den Vorfall gefunden und der dem Tode nahe Botschafter gerettet werden. Abweichend von der englischen Originalfassung wird in der deutschen Synchronisation des Pilotfilms das Jahr 2275 als Handlungszeitpunkt genannt.
Staffel 1 „Zeichen und Wunder“ („Signs and Portents“)