Die namibische Rugby-Union-Nationalmannschaft ist die Nationalmannschaft Namibias in der Sportart Rugby Union und repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Sie trägt den Spitznamen Welwitschias, nach der Welwitschie. Die organisatorische Verantwortung trägt der im Jahr 1990 gegründete Verband Namibia Rugby Union (NRU). Namibia wird vom Weltverband World Rugby in die zweite Stärkeklasse (second tier) eingeteilt. Das Team gilt als die zweitbeste Nationalmannschaft Afrikas nach den Springboks aus Südafrika.

Der Rugby-Union-Sport in Namibia geht auf die Besetzung des damaligen Südwestafrikas durch Südafrika zurück und ist seitdem stark vom südlichen Nachbarn beeinflusst worden. Ab 1954 spielte die Auswahl Südwestafrikas in der südafrikanischen Meisterschaft Currie Cup und ab 1955 empfing sie in der Hauptstadt Windhoek wiederholt Nationalmannschaften, die auf Südafrikatour waren. Das erste Test Match trug sie 1990 unmittelbar nach der Unabhängigkeit der Republik Namibia aus. Bisher nahm Namibia an sieben Weltmeisterschaften teil, bei der die Mannschaft jeweils in der Vorrunde ausschied. Die Mannschaft errang bisher neun Titel bei Afrikameisterschaften, klassierte sich dreimal auf dem zweiten sowie einmal auf dem dritten Platz. Traditionell spielt Namibia in dunkelblauen Trikots mit weißen Hosen und hellblauen Socken.

Organisation

mini|links|Früheres Logo der Namibia Rugby Union Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Namibia ist der Verband Namibia Rugby Union (NRU). Er wurde 1990 als Nachfolger des Regionalverbands South West Africa Rugby Football Union gegründet und im selben Jahr Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Die NRU ist außerdem seit 1990 Mitglied der vier Jahre zuvor gegründeten Confédération africaine de rugby (; ; heute Rugby Africa, RA). Seit August 2018 ist Rugby eine der Nationalsportarten Namibias.Cabinet approves categorisation of sports codes. Namibia Press Agency, 2. August 2018.

Die höchste Rugby-Union-Liga Namibias ist die Rugby Premier League (RPL) mit acht Mannschaften. Ein Großteil der für die Nationalmannschaft antretenden Spieler speist sich aus dieser Liga, weitere Spieler sind vor allem in Südafrika als Profisportler tätig oder stehen bei europäischen Vereinen unter Vertrag.

Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft die Namibia Rugby Union weitere Auswahlmannschaften zusammen. Wie andere Rugbynationen verfügt Namibia über eine U-20-Nationalmannschaft, die an der World Rugby U20 Trophy teilnimmt. Hinzu kommt Namibia Sevens, die Nationalmannschaft für Siebener-Rugby. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung.

Geschichte Einführung und Verbreitung von Rugby In der Kolonie Deutsch-Südwestafrika war der Rugbysport völlig unbekannt. Nach der Kapitulation der deutschen Schutztruppe im Juli 1915 übernahm die Südafrikanische Union die Verwaltung, ab 1919 als Schutzmacht eines Völkerbund-Mandats. Noch während des Ersten Weltkriegs trafen sich 1916 in der Hauptstadt Windhoek neun Südafrikaner, um einen Regionalverband zu gründen, die Damaraland Rugby Football Union. Im selben Jahr folgten die Gründung des ersten Vereins und das erste dokumentierte Spiel, das mangels Rugbybällen mit einem Fußball ausgetragen werden musste. Das erste bekannte Spielfeld befand sich zwischen dem Bahnhofsgelände und der Kaiserstraße (heutige Independence Avenue). Organisatorisch unterstand der Regionalverband dem South African Rugby Board, dem Vorgänger der heutigen South African Rugby Union.Bath: Complete Book of Rugby. S. 71.

1925, 1929 und 1951 tourte eine von der Damaraland Rugby Football Union zusammengestellte Auswahlmannschaft durch das eigentliche Südafrika. Die erste südafrikanische Mannschaft zu Besuch in Windhoek waren 1938 die Ikeys der Universität Kapstadt. 1952 benannte sich der Regionalverband in South West Africa Rugby Football Union (SWARFU) um und organisierte im selben Jahr eine weitere Südafrikatour. Bisher hatte es in ganz Südwestafrika kein eigentliches Rugbyfeld mit Rasen gegeben. Dies änderte sich 1954, als die Stadtverwaltung von Windhoek eine entsprechende Fläche zur Verfügung stellte. Ebenfalls 1954 begann die Auswahl der SWARFU an der südafrikanischen Meisterschaft, dem Currie Cup, teilzunehmen. Diese Integration in den nationalen Spielbetrieb bedeutete, dass Südwestafrika nun auch für ausländische Mannschaften als Gegner interessant war. Das erste „Länderspiel“ fand am 5. Juli 1955 statt, als die British Lions während ihrer 24 Spiele umfassenden Südafrikatour einen Abstecher nach Windhoek machten. Die Auswahl der vier britischen Home Nations setzte sich vor rund 5000 Zuschauern mit 9:0 durch. Regelmäßige Tour-Besuche gab es in der Folge nicht nur durch die Lions, sondern auch durch Australien, Frankreich, Neuseeland und Rhodesien. Die bemerkenswertesten Ergebnisse waren zwei Unentschieden: ein 14:14 gegen die Australier am 27. Juli 1961 und ein 13:13 gegen die Franzosen am 7. Juni 1975.

Zeit der Apartheid Nachdem Südafrika 1961 das Commonwealth of Nations verlassen hatte, begann es Südwestafrika als integralen Bestandteil seines Staatsgebiets zu betrachten. Die Vereinten Nationen entzogen Südafrika das Mandat, was die Regierung jedoch ignorierte. Mit der faktischen Annexion führte sie die rassistischen Apartheid-Gesetze, die eine strikte Trennung der südafrikanischen Bevölkerungsgruppen in „Weiße“ und „Nichtweiße“ gesetzlich verankerte, auch in Südwestafrika ein. Dadurch wurden „Nichtweiße“ vom Sportgeschehen weitgehend ausgeschlossen. Ein Jahr zuvor hatte die People’s Liberation Army of Namibia, ein bewaffneter Flügel der SWAPO, den Namibischen Befreiungskampf begonnen. Südwestafrikanische Rebellen hießen den Boykott des Apartheidregimes willkommen und unterstützten ausdrücklich Protestbewegungen in anderen Ländern. Die Unterzeichnung der Gleneagles-Vereinbarung durch 33 Commonwealth-Mitgliedstaaten am 15. Juni 1977 verschärfte die sportliche Isolierung Südafrikas weiter. Sie sah die systematische Abkopplung des Landes von der Sportwelt des Commonwealth vor, um auf diese Weise gegen die Apartheidpolitik vorzugehen. Die Vereinbarung enthielt auch Sanktionsmöglichkeiten für Mitglieder, die sich gegen diese Vereinbarung verhalten würden und das Abkommen sprach sich für den Ausschluss nachweislich rassistisch orientierter Vereinigungen im internationalen Sportgeschehen aus.SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1977. Johannesburg 1978, S. 563–564.

Da Südwestafrika ab 1961 faktisch als fünfte Provinz Südafrikas verwaltet wurde, galten die Boykottmaßnahmen gleichermaßen für das örtliche Rugby. Ab 1977 empfing Südwestafrika keinen einzigen internationalen Besuch mehr. Die Auswahl der SWARFU konnte nur noch zwei Touren durch südamerikanische Länder durchführen. Die erste führte 1983 nach Chile und Uruguay (je eine Niederlage und ein Sieg), die zweite 1988 nach Chile und Paraguay (zwei Siege). Im Currie Cup spielte Südwestafrika während dieser Zeit überwiegend in der zweiten oder dritten Division. 1987 gelang mit einem 24:12-Finalsieg über das Team von Western Transvaal der Aufstieg in die erste Division. Am Ende der darauf folgenden Saison 1988 belegte Südwestafrika den dritten Platz hinter Northern Transvaal und Western Province, gleichbedeutend mit dem besten Ergebnis überhaupt. Nach Abschluss der Saison 1989, die Südwestafrika auf Platz 6 beendete, zog die SWARFU ihre Mannschaft aus dem Wettbewerb zurück. Sie begründete dies mit der Ungewissheit angesichts der bevorstehenden Unabhängigkeit Namibias.

Nach der Unabhängigkeit Mit dem Inkrafttreten der Verfassung war die Republik Namibia ab dem 21. März 1990 ein unabhängiger Staat. Noch am selben Tag löste der neue nationale Verband Namibia Rugby Union (NRU) die SWARFU ab und trat umgehend dem kontinentalen Verband Confédération africaine de rugby (; ; heute Rugby Africa, RA) und dem Weltverband International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby) bei. Ebenfalls am Unabhängigkeitstag fand in Windhoek das erste Test Match statt, bei dem die Namibier Simbabwe mit 33:18 schlugen. Dies war jedoch zu spät, um noch an der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1991 teilnehmen zu können. Allerdings gelang es dem Verband, mehrere namhafte Gegner nach Namibia einzuladen, zumal die Mannschaft, die in der Vorsaison an der südafrikanischen Meisterschaft teilgenommen hatte, noch weitgehend intakt war. Im Juni 1990 war Wales zu Gast und konnte sich in zwei Test Matches jeweils nur knapp gegen die Gastgeber durchsetzen. Das erste Auswärtsspiel der Namibier im Mai 1991 gegen Portugal endete mit einem 34:12-Sieg. Im Juni 1991 war Italien als Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft ebenfalls zu Gast in Namibia, wobei dem Gastgeber in den beiden Test Matches zwei Siege gelangen. Dies war überraschend, da die Italiener als weitaus stärker eingeschätzt worden waren. Eine noch größere Überraschung gelang den Namibiern einen Monat später, als sie Irland in zwei weiteren Test Matches schlugen.

Zwar empfing Namibia im Juni 1993 nochmals Wales, doch aufgrund von Rücktritten mehrerer Schlüsselspieler der Currie-Cup-Ära oder deren Verpflichtung durch finanzkräftige englische Rugby-League-Vereine war die Nationalmannschaft für europäische Spitzenteams nicht mehr interessant und musste zunehmend mit weniger attraktiven Gegnern vorliebnehmen. Ab Juli 1993 nahmen die Namibier erstmals an einer WM-Qualifikation teil. Mit hohen Siegen gegen Arabien, Kenia und Simbabwe beendeten sie die in Nairobi ausgetragene erste Runde souverän an der Spitze. In der zweiten Runde, die im Juli 1994 in Casablanca ausgetragen wurde, siegten sie zwar erneut gegen Simbabwe, mussten jedoch gegen die Elfenbeinküste eine knappe 12:13-Niederlage und gegen Gastgeber Marokko ein 16:16-Unentschieden hinnehmen. Sie belegten den zweiten Platz und verpassten somit die Weltmeisterschaft 1995.Bath: Complete Book of Rugby. S. 72.Richards: A Game for Hooligans: The History of Rugby Union. S. 279. 1996 stand kein einziges Test Match auf dem Programm, 1997 nur zwei (darunter ein Heimspiel gegen die durch Afrika tourende Mannschaft Tongas).

Im April 1998 stieg Namibia in Runde 3 der WM-Qualifikation ein. Nach einer Auswärtsniederlage gegen Tunesien folgte ein Heimsieg über Simbabwe. Alle drei beteiligten Mannschaften standen am Ende mit je einem Sieg und einer Niederlage zu Buche, wobei Gruppensieger Simbabwe und das zweitplatzierte Namibia aufgrund des besseren Punkteverhältnisses in Runde 4 vorstießen, während Tunesien das Nachsehen hatte. Im September 1998 qualifizierte sich Namibia in der marokkanischen Hauptstadt Rabat mit Siegen über die Elfenbeinküste, Marokko und Simbabwe für die Weltmeisterschaft 1999. Die WM-Teilnahme schien zunächst gefährdet zu sein, da die Sportkommission der namibischen Regierung der Nationalmannschaft die Teilnahme an einem Vorbereitungsturnier in Südafrika untersagte und damit drohte, ihr die Startberechtigung für die Weltmeisterschaft zu entziehen. Dies folgte auf die Kritik „nichtweißer“ Rugbyvereine, wonach die NRU rassistische Neigungen gezeigt habe. Nach Zusicherungen des Verbandes nahm die Nationalmannschaft doch noch an der Weltmeisterschaft 1999 teil, die in den Ländern der damaligen Five Nations stattfand. Dort erlitt sie deutliche Niederlagen gegen Fidschi (18:67), Frankreich (13:47) und Kanada (11:72). Einziger Lichtblick des Turniers war ein früher Versuch gegen Frankreich, der dem Team bis zur 27. Spielminute einen ausgeglichenen Spielstand bescherte.

Im neuen Jahrtausend