mini|hochkant|Wappen derer von Helmstatt Die Herren von Helmstatt waren ein Adelsgeschlecht, das von der Ministerialität in den niederen Adel aufgestiegen war und seit dem 13. Jahrhundert Besitz im Kraichgau und Odenwald, später auch in Lothringen hatte und mehrere Bischöfe von Speyer stellte. Sie sind eines Stammes mit den Göler von Ravensburg und den Herren von Mentzingen. Namengebender Stammsitz der Familie war der Ort Helmstadt im heutigen Rhein-Neckar-Kreis. Die Hauptlinie saß im benachbarten Neckarbischofsheim, wo sich mehrere Schlösser befanden und wo in der dortigen Totenkirche die Grablege der 1952 im Mannesstamm ausgestorbenen und nur noch durch Adoption fortgeführten Familie ist.
Geschichte mini|Altes Schloss Neckarbischofsheim, Stammsitz der Hauptlinie der Helmstatt ab dem 13. Jahrhundert mini|Das Neue Schloss in Neckarbischofsheim, erbaut 1829 mini|Die Bischofsheimer Totenkirche ist eine bedeutende Grablege derer von Helmstatt, dort befinden sich über 40 historische Grabmale bis zurück ins 14. Jahrhundert Raven von Wimpfen wird im Jahr 1190 als Laienzeuge erwähnt.Württembergisches Urkundenbuch 2, Nr. 464, S. 268–269. Online-Ausgabe Er wird gelegentlich als gemeinschaftlicher Stammvater der Geschlechter Helmstatt, Göler von Ravensburg und Mentzingen bezeichnet. Verschiedentlich wird der Name des Ortes Rappenau als „Rabans Aue“ mit ihm in Verbindung gebracht. Er war um 1212 bis 1220 der Erbauer der Ravensburg bei Sulzfeld (Baden).Walther Möller, Stammtafeln westdeutscher Adelsgeschlechter im Mittelalter 3, Darmstadt 1936, S. 277 ff und Franz Gehring, Der Rabe im Wappen, in Kraichgau 2, Sinsheim 1970, S. 173 ff. Das Geschlecht erscheint unter seinem jetzigen Namen erstmals im Jahr 1229 urkundlich mit einem Heinrich von Helmstatt, Sohn des staufischen Ministerialen Raban von Wimpfen. Die Söhne von Heinrichs Neffen Dieter von Helmstat dem Älteren (urkundlich 1258–1291) begründeten um 1300 vier Familienlinien: die Linie Helmstadt (ausgestorben 1694), die (Haupt-)Linie Bischofsheim, die Linie Steinach (ausgestorben 1396) und die Linie Rappenau (ausgestorben im Stamm Rosenberg 1557, im Stamm Rappenau-Bonfeld 1628).
Hauptsitz der wichtigsten Linie Bischofsheim war ab 1274 das dem Stammsitz in Helmstadt benachbarte Bischofsheim, das Dieter von Helmstatt als Reichslehen bekam und wo sich heute noch drei Schlösser der Familie befinden: Das Alte Schloss geht auf die 1274 erwähnte Burg zurück und enthält noch Wandmalereien aus dem 15. und 16. Jahrhundert, das Neue Schloss wurde im 19. Jahrhundert anstelle des Neuen Steinhauses aus dem späten 14. Jahrhundert errichtet und das Alexanderschloss wurde 1545 erstmals erwähnt.
Die Familie stand in Diensten der Pfalzgrafen bei Rhein und bekam zahlreiche weitere Güter zu Lehen. Weiprecht I. (1343–1408) war kurpfälzischer Rat und erreichte es, dass auch drei seiner Söhne in den Rat der Kurpfalz aufgenommen wurden, darunter Weiprecht II. († 1421), der Kanzler König Ruprechts war. Unter Weiprechts I. weiteren vier Söhnen, die den geistlichen Stand einschlugen, wurde Raban von Helmstatt († 1439) Bischof von Speyer und Erzbischof von Trier, später kamen weitere zwei Speyrer Bischöfe aus der Familie von Helmstatt.
Mit dem Zuwachs an Besitztümern und durch Erbteilung spaltete sich die Bischofsheimer Linie zunächst in einen Weiprechtschen Stamm (nach Weiprecht I.) und einen Rabanschen Stamm (nach Raban III., 1336–1393, Bruder Weiprechts I.) auf. Aus diesen Stämmen entwuchsen wiederum verschiedene nach ihren Sitzen und Besitztümern benannte Äste: Der Weiprechtsche Stamm unterteilt sich in den Ast Bischofsheim (ausgestorben 1558), den Ast Oberöwisheim (später: Hochhausen), den Ast Durcastel/Hingsingen mit Besitztümern in Lothringen, und den Ast Grumbach (ausgestorben 1563). Der Rabansche Stamm unterteilt sich in den Ast Helmstadt-Waibstadt und den Ast Helmstadt-Fürfeld. Nach dem Aussterben einer Linie bzw. eines Astes trat zumeist ein anderer in die Erbfolge ein, mehrere Erbfolgen wurden auch durch Adoption beeinflusst.
Im 15. und 16. Jahrhundert stellten die Helmstatt drei Bischöfe, 20 Domherren, mehrere Vögte, Hofmarschälle und Deutschordenskomturen und vereinten damit in Teilen ihres Einflussgebiets in Kraichgau und Odenwald weltliche und geistliche Herrschaft auf sich. Die Helmstatt gehörten ab 1561 dem Ritterkanton Kraichgau an und waren überwiegend reformatorisch gesinnt. Die Familie war auch Mitglied im Ritterkanton Odenwald, der zum fränkischen Ritterkreis gehörte. Auf Philipp von Helmstatt zu Grumbach (1496–1563) geht die Reformation in Bischofsheim, Hasselbach, Flinsbach und Berwangen zurück.
Die größte Macht- und Besitzfülle hatte wohl der kurpfälzische Marschall Johann Philipp von Helmstatt zu Bischofsheim, Durcastel und Hingsingen (1545–1594), dem als einzigem Erben die umfangreichen Besitztümer seiner Großväter Johann II. († 1539) und Philipp († 1563) zugefallen waren und der 1592 außerdem einen verschuldeten Familienzweig in Lothringen entlöste.
Ab 1624 hatten die Helmstatt auch Besitz in Handschuhsheim. Sie besaßen dort die Tiefburg und errichteten später dort das Freiadlige Gut als Herrensitz.
Im Dreißigjährigen Krieg war das Lehen der Obergimperner Linie zeitweise von Bayern eingezogen und 1636 an den Reitergeneral Johann von Werth vergeben worden, um nach dem Friedensschluss 1648 wieder an die Obergimperner Helmstatt zurückzukommen, bevor diese 1684 ausstarben und das Lehen an die Grafen von Yrsch kam. Der Stammsitz in Helmstadt ging nach dem Tod des schwachsinnigen Wolf-Adam von Helmstatt 1694 an die verschwägerte Familie von Berlichingen-Rossach. Der Besitz in Oberöwisheim, wo das Schloss abgebrannt war, wurde von Damian Hugo von Helmstatt (1719–1782) im Jahr 1751 gegen ein Lehen in Hochhausen eingetauscht.
Der Familienzweig in Lothringen erwarb 1738/42 die an die Herrschaft Hingsingen angrenzende Grafschaft Mörchingen (Morhange) und den damit verbundenen Grafentitel. Pleickard Maximilian August Comte de Morhange et de Helmstatt (1728–1802) adoptierte 1773 Damian Hugos Sohn Franz Ludwig von Helmstatt (1752–1841) aus dem Zweig Oberöwisheim-Hochhausen, über den der Grafentitel auf den Ast Hochhausen überging. Mit ihm wurde die Hauptlinie der Familie außerdem wieder katholisch. Allerdings waren die linksrheinischen Güter Franz Ludwigs verschuldet und wurden verkauft oder später von Frankreich konfisziert. Während der Französischen Revolution berief er sich 1792 auf Reichsunmittelbarkeit.Die Reichs-Unmittelbarkeit der Herrschaften Hinsingen, Lenning, Fry Altroff, Mörchingen, Berendorf, Estroff und Kinger in Lothringen aus öffentlichen Akten und Familien-Urkunden … bewiesen, 1792 (google.books.com). 1806 erfolgte vollends die Mediatisierung der adeligen Herrschaftsverhältnisse, allerdings blieb der französische Grafentitel erhalten.
1795 starb im Alten Schloss Neckarbischofsheim Carl Christoph von Helmstatt. Da er keine Söhne hatte, erlosch mit seinem Tod die evangelische Linie der Herren von Helmstatt. Dass mit Pleickard Maximilian ein Katholik das Erbe übernahm, führte zu Unstimmigkeiten zwischen ihm und der lutherisch orientierten Ritterschaft des Kraichgaus.
mini|Im Schloss Hochhausen besteht die Familie dem Namen nach bis heute fort. Um 1750 erwarben die Herren von Helmstatt den Ort Hochhausen und Damian Hugo von Helmstatt erbaute 1770 auf den Überresten der früheren Burg das Schloss Hochhausen. Im 19. Jahrhundert bildete der Ast Hochhausen die letzte Nachfahrenlinie, die noch verschiedenen Grundbesitz im Großherzogtum Baden hatte. Die Familie erlosch im Mannesstamm mit dem Tod der kinderlosen Brüder Bleickard von Helmstatt (1871–1952) und Franz von Helmstatt (1874–1956), die letzte geborene von Helmstatt verstarb 1966. Heute besteht lediglich noch eine 1951 von Bleickard durch Adoption geschaffene Nachfahrenlinie, die den Namen trägt.
Wappen mini|Turnierbuch der Herren von Helmstatt um 1600 Das Stammwappen zeigt in Silber einen rot bezeichneten schwarzen (streitenden) Raben mit ausgebreiteten Flügeln und offenem Schnabel. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarzes und ein silbernes Büffelhorn.
Das Wappentier, der Rabe, war Namenspate für die Vorfahren derer von Helmstatt, die Herren von Ravensburg, sowie für mehrere Raban von Helmstatt. Das Wappen soll auf Ritter Rabanus um 930 zurückgehen, der nach spätmittelalterlichen Quellen zu Ehren König Heinrichs I., des Vogelstellers, einen Vogel als Wappentier gewählt haben soll. Diese literarisch belegte Herleitung ist umstritten, denn Raben und Krähen sind regionaltypische Vögel des Kraichgaus, so dass dieser regionale Bezug zutreffender sein dürfte.
Die verschiedenen Familienlinien unterschieden sich lediglich durch ihre Helmzier. Die Helmstatt zu Bischofsheim hatten zwei Büffelhörner, die Helmstatt zu Helmstadt einen Rabenhals.
Bedeutende Vertreter Die Familie soll auf einen Ritter Rabanus zurückgehen, der um das Jahr 930 von König Heinrich I. zum Ritter geschlagen worden sein und in Sulzfeld die Ravensburg errichtet haben soll. Auf ihn soll auch das Wappentier, der Rabe in Anlehnung an den Beinamen Vogler bzw. Vogelsteller des Königs, zurückgehen. So ist es zumindest in den „Antiquitates Göleriana“, einer Familienchronik der Göler von Ravensburg um 1600 zu lesen. Da Heinrich I. sein Beiname erst später zugeschrieben wurde und auch Ritterwappen erst ab dem frühen 12. Jahrhundert üblich waren, bezweifeln Historiker die Ritter-Rabanus-Legende. Das „Historische und Geographische Lexikon“ von Johann Brandmüller aus dem Jahr 1726 führt die Familie ebenfalls auf Ritter Rabanus zurück, nennt dessen Sohn Karl Göler von Ravensburg als Stammherren derer von Ravensburg und dessen jüngsten Sohn Ulrich als den ersten von Helmstatt, der im Schloss von Helmstadt seinen Sitz nahm. Die Verwandtschaft derer von Ravensburg und derer von Helmstatt ist unbestritten, beide Familien tragen auch dasselbe Wappen. Vor 1229 gibt es jedoch keine urkundlichen Belege für die von Helmstatt. Raban von Wimpfen (* 1157?; † nach 1220), erstmals erwähnt 1190, angeblicher Nachfahre des Rabanus und bedeutender staufischer Reichsministerial, hat um 1220 den Bergfried der Ravensburg errichtet. Zu seinen Besitztümern soll damals auch Rabans Aue (das heutige Bad Rappenau) gehört haben. Er gilt als der früheste gesicherte Vorfahre derer von Helmstatt und hatte vier Söhne, darunter Dieter und Raban von Ravensburg und Heinrich von Sulzfeld. Heinrich von Sulzfeld wird 1229 erstmals als Heinrich von Helmstatt beurkundet. In Helmstadt bestand einst eine Wasserburg, von der heute nur noch ein renaissancezeitlicher Ziehbrunnen kündet. Da Heinrich kinderlos starb, fiel der Besitz in Helmstadt an seine Neffen Dieter (* 1248), Conrad und Hertwich, Söhne des Dieter von Ravensburg. Dieter (der Ältere) von Helmstatt (* 1248; † nach 1291) erhielt 1274 die Burg in Bischofsheim von Rudolf von Habsburg als Reichslehen. Auf ihn geht vermutlich der erste Bau des Alten Schlosses („Steinernes Haus“) in Bischofsheim zurück. Seine Brüder Conrad und Hertwich starben kinderlos, so dass auch deren Besitzanteil an die Nachkommen Dieters ging. Er hatte sechs Söhne, deren große Altersunterschiede auf zwei Ehen schließen lassen. Sein abermals Dieter genannter Erstgeborener († 1299) war ab 1279 Stiftspropst in Wimpfen. Vier seiner weiteren Söhne begründeten die vier Familienlinien: Raban der Ältere († vor 1311) die Linie Rappenau, Raban I. der Jüngere († 1344) die Linie Bischofsheim, Gerungus I. († 1307) die Linie Helmstadt und Konrad I. (1278–1335) die Linie Steinach.
Linie Bischofsheim Raban I. (der Jüngere) von Helmstatt († 20. September 1344), Bruder von Raban dem Älteren, begründete die Linie Bischofsheim, deren Helmzier zwei gedrehte Büffelhörner, eines schwarz, das andere silbern waren. Er erwarb 1329 fünf Höfe in Grombach sowie den Weiler Büchelbach, den heutigen Oberbiegelhof. Er hatte zwei Söhne: Raban II. († 1343) und Dieter († 1344), außerdem die Tochter Isengard.