mini|hochkant|Abzeichen der British Army Germany (BAG) mini|Herford: KaserneOffizier-Kasino, Liststraße mini|Bielefeld: ehemalige Catterick Barracks mini|Bielefeld: HQ mini|Bielefeld Nebenkaserne

British Army Germany ist seit 2019 die Bezeichnung der verbliebenen wenigen Einheiten britischer Truppen, die noch in Deutschland stationiert sind. Zuvor, in der Zeit von 1994 bis 2019 war die Bezeichnung Britische Streitkräfte in Deutschland (englisch British Forces Germany, kurz BFG). Die British Forces Germany ihrerseits entstanden nach einer deutlichen Truppenreduzierung der Britischen Rheinarmee (englisch: British Army of the Rhine, kurz BAOR) und der RAF Germany nach dem Ende des Kalten Krieges. Rechtliche Grundlage für die britische Militärpräsenz in Deutschland sind der Aufenthaltsvertrag und das Zusatzabkommen zum NATO-Truppenstatut. Sie sind eine Truppe, die ausländischen Militärbasen in Deutschland unterhält.

Unter der konservativen Regierung von David Cameron sollten die Kampftruppen bis 2019 komplett aus Deutschland abgezogen werden. Jedoch kam es zunächst – nicht zuletzt angesichts der aggressiven Politik Russlands – nicht zu einer vollständigen Beendigung der britischen Militärpräsenz auf dem europäischen Kontinent. Nachdem Ende Juni 2019 die letzte Einheit der Royal Air Force auf deutschem Boden, der Rechtsberatungsdienst für britische Soldaten (auch der British Army), aufgelöst wurde,RAF Legal Services Northern Germany closed on 30 June 2019. BFG Net, abgerufen am 25. Dezember 2019 werden die in Deutschland verbliebenen britischen Truppen seit September 2019 als British Army Germany bezeichnet. Im Februar 2020 wurden der letzte britische Stützpunkt aufgegeben und damit die noch übrigen britischen Kampftruppen vollständig aus Deutschland abgezogen. Lediglich 185 Militärangehörige sowie 60 Zivilbeamte – mit Verlegung zum Truppenübungsplatz Senne hauptsächlich zu Ausbildungszwecken abgestellt – verblieben weiterhin auf deutschem Boden.

Geschichte Die britische Militärpräsenz in West-Deutschland während des Kalten Krieges Als Besatzungsmacht ging Großbritannien eigene Wege. Während die anderen drei Besatzungsmächte peinlich darauf bedacht waren, keine fremden Truppen in ihren jeweiligen Zonen zu stationieren, zählten die Briten von Anfang an auf die Unterstützung ihrer Verbündeten. Insbesondere Kanada und Belgien, später auch Norwegen, Dänemark sowie die Niederlande stellten teilweise erhebliche Truppenkontingente und übernahmen – im Falle Belgiens – den südlichen Rand der Britischen Zone in eigener Verantwortung. Die belgischen Streitkräfte in Deutschland waren bis 2002 hier stationiert. Die Engländer taten dies aus ihrer finanziellen und militärischen Zwangslage, denn die vom Krieg erschöpfte Insel musste nicht nur ihr Engagement im besiegten Deutschland stemmen, sondern führte „East of Suez“ mehrere Kolonialkriege im zerfallenden Empire, insbesondere in Malaya.

Feldmarschall Bernard Montgomery als Oberbefehlshaber der 21st Army Group und British Army of the Rhine (BAOR) zog es vor, sein Hauptquartier und die Militärregierung nicht in einer der zerstörten Großstädte, sondern in den Badeorten und Kleinstädten in Ostwestfalen-Lippe einzurichten. Der Oberbefehlshaber residierte von 1945 bis 1958 in einer Villa in Bad Oeynhausen, Lübbecke wurde Sitz der Militärregierung, Teile der Stäbe saßen in Bünde und Bad Salzuflen; die Luftstreitkräfte, 2 Tactical Air Force (2TAF), später British Air Forces of Occupation (BAFO), schließlich Royal Air Force Germany (RAFG), schlugen ihr Hauptquartier in Bad Eilsen und Bückeburg auf. Ab 1953 wurde westlich des Rheins bei Mönchengladbach das neue Joint Headquarters (JHQ) Rheindahlen erbaut und bezogen. Die britischen Großverbände bildeten auch die Keimzellen der NATO-Strukturen: BAOR bildete zusammen mit belgischen, niederländischen, kanadischen und ab 1957 auch deutschen Verbänden die Northern Army Group (NORTHAG), bei den Luftstreitkräften wurde aus 2TAF die Second Allied Tactical Air Force (2ATAF), beide mit dem britischen JHQ in Rheindahlen koloziert.

Bei Ausbruch des Kalten Krieges stellte sich die militärische Sicherheitslage in Nord- und Süddeutschland gegensätzlich dar. Den Amerikanern war ihr Stationierungsraum in Deutschland zu eng geworden und sie gewannen ab 1951 faktisch die Hälfte der Französischen Zone dazu, während das britische Kontingent zusehends schrumpfte und weite Teile der Zone befreundeten Mächten übertragen wurden oder ohne militärischen Schutz verblieben. Während der Berliner Blockade 1948/49 standen zunächst keine Besatzungstruppen mehr in Schleswig-Holstein, weil die britischen Garnisonen zwischen Elbe und dänischer Grenze für die bevorstehende Übergabe an die norwegische Tyskland-Brigade geräumt worden waren. Um das Vakuum zu füllen, bezog 1948 eine Fallschirmjäger-Brigade in Neumünster Garnison, wurde allerdings nach der relativen Entspannung mit dem Ende der Blockade nach Hannover verlegt.

Mit der Aufstellung der Bundeswehr Mitte der fünfziger Jahre ergab sich für die britische Rheinarmee eine spürbare Entlastung. Zahlreiche Garnisonen wie Neumünster, Hamburg, Buxtehude, Lüneburg, Hannover, Braunschweig, Goslar, Göttingen und Oldenburg wurden von deutschen Einsatzverbänden übernommen. Die Briten konzentrierten die Kräfte ihres I (BR) Corps mit Stab in Bielefeld in ihrem NATO-Gefechtsstreifen in der Lüneburger Heide mit der Panzerspitze in Wolfenbüttel. Wichtige Garnisonen blieben Soltau, Herford, Paderborn mit dem Truppenübungsplatz Senne, Osnabrück und Münster. Nördlich angelehnt stand das I. (GE) Korps, südlich das I (BE) Corps. Die Luftstreitkräfte überließen sämtliche Fliegerhorste der deutschen Luftwaffe und bezogen ihre neu errichteten vier „clutch airfields“ an der holländischen Grenze, dazu noch RAF Gütersloh.

Die logistische Versorgung übernahm Rhine Area Command in Düsseldorf. Der Nachschub erfolgte über den Nordseehafen Antwerpen und das Logistikzentrum im belgischen Emblem in den Raum Krefeld – Düsseldorf. Bis 1960 fand der regelmäßige Personalaustausch aus Großbritannien per Schiff und Eisenbahn über Harwich und Hoek van Holland statt, seitdem wird der Luftweg genutzt.

Territorialorganisation zur Zeit des Kalten Kriegs

Für die territorialen Belange und die Beziehungen zu deutschen Behörden bestand die Joint Services Liaison Organisation (JSLO) mit dem Sitz in Bonn, Villa Spiritus, Kaiser-Friedrich-Straße und einem Generalmajor an der Spitze. Das JSLO Düsseldorf war für Nordrhein-Westfalen, das JSLO Hannover für Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein zuständig. Gliederung 1964Quelle: Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg, BA-MA BW 1/ 58 519.: JSLO Düsseldorf SLO Bielefeld (Kreise Bielefeld, Halle i. W., Lemgo, Detmold) SLO Düsseldorf (Kreise Düsseldorf-Mettmann, Essen, Solingen, Rhein-Wupper-Kreis, Städte Wuppertal, Remscheid, Regierungsbezirk Köln) SLO Iserlohn/Dortmund (Kreise Iserlohn, Hagen, Ennepe-Ruhr-Kreis, Lüdenscheid, Altena, Olpe, Unna, Dortmund, Bochum, Städte Dortmund, Witten, Wanne-Eickel, Wattenscheid, Herne, Castrop-Rauxel, Lünen) SLO Krefeld (Kreise Krefeld, Kempen-Krefeld, Duisburg, Mülheim/Ruhr, Dinslaken, Moers, Geldern, Kleve, Rees, Borken, Recklinghausen, Gelsenkirchen, Städte Gelsenkirchen, Oberhausen, Bocholt, Gladbeck, Bottrop) SLO Minden (Kreise Minden, Lübbecke, Herford) SLO Mönchengladbach (Kreise Mönchengladbach, Viersen, Neuss, Grevenbroich; Städte Mönchengladbach, Rheydt; Regierungsbezirk Aachen) SLO Münster (Kreise Münster i. W., Tecklenburg, Steinfurt, Ahaus, Coesfeld, Lüdinghausen, Warendorf, Beckum) SLO Paderborn (Kreise Paderborn, Höxter, Warburg, Büren, Lippstadt, Brilon) SLO Soest (Kreise Soest, Hamm, Arnsberg, Meschede, Wittgenstein, Siegen) JSLO Hannover SLO Hameln (Kreise Hameln-Pyrmont, Springe, Grafschaft Schaumburg, Schaumburg-Lippe, Holzminden, Alfeld, Gandersheim, Einbeck, Northeim, Göttingen, Hann. Münden, Duderstadt, Osterode, Zellerfeld, Blankenburg) SLO Hannover/Celle (Kreise Hannover, Neustadt am Rübenberge, Burgdorf, Celle, Gifhorn, Hildesheim-Marienburg, Peine, Braunschweig, Helmstedt, Wolfenbüttel, Salzgitter, Goslar) SLO Kiel (Land Schleswig-Holstein, Land Hamburg) SLO Osnabrück (Regierungsbezirk Osnabrück, Regierungsbezirk Oldenburg) SLO Soltau (Kreise Soltau, Fallingbostel, Harburg, Lüneburg, Uelzen, Dannenberg) SLO Verden (Regierungsbezirk Stade, Kreise Grafschaft Hoya, Grafschaft Diepholz, Nienburg)

Reduzierte Präsenz im wiedervereinigten Deutschland Die britische Militärpräsenz in den Standorten Rheindahlen, Herford, Lübbecke, Münster, Paderborn, Fallingbostel, Hameln, Verden/Aller dauerte nach dem Ende des Kalten Krieges zunächst noch an, wenn auch in verringertem Maße. Der Hauptgrund für die fortdauernde Stationierung war die schlichte Tatsache, dass für die Truppen auf der Insel keine Kasernen vorhanden waren. Die deutschen Garnisonen waren in den 1990er und 2000er Jahren die Heimatstandorte der britischen Truppen in den Einsatzgebieten Balkan, Irak und Afghanistan.

Die britischen Streitkräfte in Deutschland, so die Bezeichnung seit 1994, waren bis zum Beginn der Rückführung der Truppen ins Vereinigte Königreich in zwei Hauptkommandobereiche aufgeteilt, die jeweils von einem Generalmajor befehligt wurden: Das britische Unterstützungskommando United Kingdom Support Command (Germany) (UKSC(G)), das sich in Bielefeld (bis 2013 Mönchengladbach) befand, war für Verwaltungsaufgaben und die logistische Unterstützung der britischen Einheiten in Deutschland und auf dem europäischen Festland zuständig. In Mönchengladbach befand sich bis 2010 auch das Hauptquartier des Schnellen Eingreifkorps der NATO (Allied Command Europe Rapid Reaction Corps (HQ ARRC)). Die bis 2015 in Herford stationierte 1st (UK) Armoured Division (1. britische Panzerdivision) befehligte die britischen Einsatztruppen in Deutschland. Hinzu kamen bis 2001 noch die Reste der vormaligen RAF Germany, die dem RAF Strike Command unterstellt waren.

Die BFG waren bis zum Beginn der 2010 beschlossenen letzten Phase der fast vollständigen Rückführung der Truppen ins Vereinigte Königreich in vier Garnisonen aufgeteilt: Gütersloh mit den Standorten Bielefeld, Gütersloh, Herford und Lübbecke Hohne, mit den Standorten Bergen-Hohne und Bad Fallingbostel Paderborn mit den Standorten Paderborn und Sennelager Rhein mit den Standorten Mönchengladbach, Dülmen, Elmpt, Haltern und Wulfen Im Verlauf der fast kompletten Rückführung (siehe nächster Abschnitt) wurde diese Gliederung mehrmals dem reduzierten Umfang der Truppe angepasst.

Rückführung der Truppe ins Mutterland 2006 lebten noch etwa 23.000 Soldaten, 2.000 Zivilangestellte und 30.000 Familienmitglieder in Deutschland. Die Anzahl der Soldaten sollte nach früheren Planungen bis 2014 auf etwa 16.000 und bis 2019 auf 15.000 reduziert werden. Gleichzeitig war eine Umstrukturierung der verbleibenden Einheiten geplant, die die Schließung der Rhein-Garnison zur Folge gehabt hätte. Erhalten bleiben sollten vorerst die Garnisonen Hohne, Gütersloh und Paderborn, die teilweise noch vergrößert werden sollten.

Die Garnison Osnabrück wurde bereits 2009 vollständig verlassen. Der Abzug begann am 25. September 2008 mit der Schließung der Quebec Barracks. Am 26. März 2009 wurde mit den Mercer and Imphal Barracks die letzte Kaserne an die Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben. Am 31. März 2009 verließ der letzte Standortkommandeur, Colonel Mark Cuthert-Brown, Osnabrück. Seit 1. April 2009 existiert die Garnison Osnabrück, einst größte britische Garnison außerhalb des Vereinigten Königreiches, nicht mehr.Stadt Osnabrück: