Sankt Stefan ob Stainz ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Deutschlandsberg (Gerichtsbezirk Deutschlandsberg) in der Weststeiermark.

Seit 1. Jänner 2015 ist sie im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform mit den Gemeinden Greisdorf und Gundersdorf zusammengeschlossen, die neue Gemeinde führt den Namen St. Stefan ob Stainz weiter.Kundmachung der Steiermärkischen Landesregierung vom 26. September 2013 über die Vereinigung der Gemeinden Greisdorf, Gundersdorf und Sankt Stefan ob Stainz, alle politischer Bezirk Deutschlandsberg. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 14. Oktober 2013. Nr. 98, 28. Stück. S. 554–555.

Die Gemeinde ist landwirtschaftlich geprägt und liegt im Anbaugebiet des Schilchers.

Geografie Lage Die Gemeinde Sankt Stefan ob Stainz liegt in der Weststeiermark und wird vom Steinbach, der Lemsitz, dem Sanibach und der Zirknitz durchflossen.

Gemeindegliederung Sankt Stefan ob Stainz besteht aus zehn Ortschaften (Bevölkerung Stand ) bzw. neun Katastralgemeinden (Fläche Stand ): Ortschaften / Katastralgemeinden Einwohner Fläche Lagein der Gem. Greisdorf Grubberg, KG Gruberg Gundersdorf Lemsitz Südwesten Lichtenhof Südosten Pirkhof Nordosten Sankt Stefan ob Stainz, KG St. Stefan Zentrum Sommereben keine KGliegt in der KG Greisdorf Steinreib Zirknitz Nordwesten

Nachbargemeinden Drei der fünf Nachbargemeinden liegen im Bezirk Voitsberg (VO).

St. Stefan ob Stainz grenzt nicht an St. Martin am Wöllmißberg, weil südlich von St. Martin ein schmaler Gebietsstreifen der Gemeinde Edelschrott mit ca. 70 m an die Gemeinde Ligist grenzt und damit St. Stefan von St. Martin getrennt bleibt.

Geschichte Frühe Besiedelung Frühe Besiedlung des Gemeindegebietes ist durch ein latènezeitliches oder römisches Gräberfeld im Zirknitztal belegt. Im Gemeindegebiet befindet sich eine Reihe anderer Grabhügel oder Grabhügelgruppen, sie werden „Heidenkögel“ genannt. Dabei handelt es sich um Gräber, die der einheimischen Bevölkerung der ersten Jahrhunderte nach Christi Geburt zugeschrieben werden. Diese Bewohner werden als „Noriker“ bezeichnet und den Kelten zugerechnet.Konrad Moser: St. Stefan ob Stainz. Eigenverlag der Gemeinde St. Stefan ob Stainz 1987. S. 32–46, Skizze der Anlage S. 35. Genealogie der Familie der Lemsitzer S. 8–11.

Die ersten Spuren von Siedlern aus dem bayrischen Raum sind für das Jahr 1180 dokumentiert.Konrad Moser: St. Stefan ob Stainz. S. 16. Ob eine Urkunde aus 1128 über den Dienstmann der Eppensteiner Friedrich von Wolfstain,Robert Baravalle: Burgen und Schlösser der Steiermark. Eine enzyklopädische Sammlung der steirischen Wehrbauten und Liegenschaften, die mit den verschiedensten Privilegien ausgestattet waren. Verlag Stiasny, Graz 1961, S. 89. der ebenso wie für 1378 bis 1415 ein Otocharus mit der Gegend Wolfstein bei Oberzirknitz in Verbindung gebracht wird, tatsächlich auf diese Gegend hinweist und damit eine Besiedlung des Gebietes belegt, ist unsicher.Konrad Moser: St. Stefan ob Stainz. S. 150, Fußnote 18.

Der Name des Ortsteils Stocka (mit der Eichartkapelle) wird auf eine Rodung zurückgeführt (ahd. und mhd. stoc, stock für „Baumstumpf, Baumstamm“).Fritz Lochner von Hüttenbach: Die Rodungsnamen der Steiermark. In: Michaela Ofitsch, Christian Zinko: 125 Jahre Indogermanistik in Graz. Festband anläßlich des 125jährigen Bestehens der Forschungseinrichtung „Indogermanistik“ an der Karl-Franzens-Universität Graz. Verlag Leykam, Graz 2000, ISBN 3-7011-0026-8, S. 250–251.

Pfarre Die Pfarre St. Stefan ob Stainz wird erstmals 1203 erwähnt, sie gilt als Stammpfarre des Gebietes und ist älter als die 1218 gegründete Diözese Graz-Seckau (welche damals noch nicht das Gebiet von St. Stefan umfasste, das zum Erzbistum Salzburg gehörte). Die ursprüngliche Bedeutung der Pfarre mit ihrem großen Pfarrsprengel, der mit rund 100 km² etwa fünfmal größer als das Gemeindegebiet bis Ende 2014 war und auch Gebiete in den Nachbargemeinden Gundersdorf, Georgsberg, Marhof, Greisdorf und Lannach umfasst, zeigt sich daran, dass zu der Pfarre auch im 21. Jahrhundert noch Gebiete gehören, welche näher zur Pfarre Stainz liegen, wie z. B. Teile von Marhof (mit der Höllerhansl-Kapelle) und Greisdorf. Die Pfarre wurde 1245 dem damals neu entstandenen Augustiner-Chorherrenstift Stainz einverleibt und nach dessen Auflösung 1785 wieder selbstständig.Wochenzeitung Weststeirische Rundschau, 18. November 2011. 84. Jahrgang, Nr. 46, S. 11.

Eine Vorgängerin der Pfarrkirche wird im Gebiet des Kirchholzes bei Oberzirknitz vermutet.Konrad Moser: St. Stefan ob Stainz. S. 20–21. Lage des Kirchholzes . Auf einen niedrigeren Zehent, Slawenzehent genannt, wird in der Literatur hingewiesen.Fischer, bewegte Zeiten, S. 19. Der Name „Zirknitz“ stammt aus dem Slawischen. Er wird als Kirchengegend, Kirchbach, kleines Kirchlein übersetzt. mini|hochkant=0.6|Marienkapelle Zirknitzberg Die Marienkapelle im Ortsteil Zirknitzberg befindet sich knapp an der Grenze zur Gemeinde Mooskirchen . Sie wurde um 1822 erbaut, der Bauanlass ist unbekannt. Bei ihr finden am „Großen Frauentag“, den 15. August, regelmäßig Kapellenfeste der Kapellengemeinschaft Zirknitzberg statt. Die Hl. Messe am Beginn wird abwechselnd von Priestern aus Mooskirchen und St. Stefan ob Stainz gefeiert.67. Kapellenfest „Der Berg ruft“ - und viele kamen. In: Wochenzeitung Weststeirische Rundschau. Nr. 34, 23. August 2024, 97. Jahrgang, S. 16. Ob der Standort dieser Kapelle etwas mit dem Ort der alten Kirche zu tun hat, ist offen. Ebenfalls in Zirknitzberg befindet sich ein ca. 21 m hohes und ca. 12 m breites Kreuz aus einer Metallkonstruktion, die zu hohen christlichen Festen (Weihnachten, Ostern, Allerheiligen, Maria Himmelfahrt) in den Nachtstunden elektrisch beleuchtet wird. Durch seine Größe und Höhenlage ist das beleuchtete Kreuz weithin und auch von einem kurzen Abschnitt der Südautobahn zu sehen.

Mittelalter Lemsitz Im Mittelalter und bis in das 19. Jahrhundert war das Gemeindegebiet auf verschiedene Grundherrschaften aufgeteilt. Eine davon waren die Lemsitzer, die ihren Wohnsitz, die Burg Lemsitz, im Westen des Ortes St. Stefan hatten. Die Erbauung dieser Burg wird in das 12. oder 13. Jahrhundert datiert, von ihr sind nur mehr Gräben und andere Bodenunebenheiten sichtbar. Ihr Zentrum bestand aus einem etwa neun mal sieben Meter großen unregelmäßig fünfeckigen Turm, der von einem Wall und einem Wassergraben umgeben war.Konrad Moser: St. Stefan ob Stainz. S. 32–46, Skizze der Anlage S. 35. Genealogie der Familie der Lemsitzer S. 40–46. Der Turm war zumindest in seinen Fundamenten gemauert.Werner Murgg, Bernhard Hebert: Mittelalterliche und Frühneuzeitliche Wehrbauten im Bezirk Deutschlandsberg: Aufnahme der Bodendenkmale. Mit Zeichnungen von Stefan Karl. Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich BMÖ. Band 10, Jahrgang 1994. . Hrsg.: Österreichische Gesellschaft für Mittelalterarchäologie ÖGM, Wien, , S. 59–60, Lageskizze (mit überholter Grundstücksverteilung) S. 81.

Die Lemsitzer waren Dienstmannen der Herren von Wildon und Lehensnehmer des Erzbischofs von Salzburg. Im 17. Jahrhundert wurde die Anlage nicht mehr erwähnt.Robert Baravalle: Burgen und Schlösser. S. 75–76.

Eine Erhebung im Gelände an der Straßenkreuzung in Lemsitz in der Nähe der dortigen Kapelle wird als Rest eines Turmhügels aus der Zeit der Wolfsteiner erklärt. An der Straße von Lemsitz Richtung Westen sind zwei Grabanlagen und eine Lichtsäule dokumentiert.Fußmarsch vom Schloss Lichtenhof zur Wasserburg Lemsitz. In: Weststeirische Rundschau. Nr. 11, Jahrgang 2014 (14. März 2014), 87. Jahrgang, ZDB-ID 2303595-X. Simadruck Aigner u. Weisi, Deutschlandsberg 2014, S. 10.

Die Straßenverbindung zwischen St. Stefan und Stainz verlief früher entlang des Lemsitzbaches, das Anwesen Bachsterri war als Gaststätte bekannt.

Es wird vermutet, dass die Gebiete der Bauernhöfe vlg. Huber und vlg. Simimichl in Unterzirknitz im 14. und 15. Jahrhundert kleine Rittersitze im Besitz der Lemsitzer Hans und Heinrich waren.Konrad Moser: St. Stefan ob Stainz. S. 266, 269, 298, Fußnote 41. Lage dieser Höfe .

Für den 28. Oktober 1425 ist der Verkauf eines freien Hofes zu „Nider Zirknitz“ an das Stift Stainz belegt. Dieses ließ den Edelsitz auf und verteilte die Grundstücke an Bauern.Robert Baravalle: Burgen und Schlösser. S. 90.

Lichtenhof mini|Schloss Lichtenhof (damals „Liechtenperg“ genannt) von Osten, 1681 Ein weiterer Adelssitz befand sich im Südosten des Ortes St. Stefan in der Katastralgemeinde Lichtenhof. Er wird als Lichtenbergerhof bezeichnet, seine Gründung als Sitz der Familie der Lichtenberger ebenfalls in das 13. Jahrhundert datiert. Die Familie der Liechtenberger wurde als Dienstmannengeschlecht der Eppensteiner, später der Wildonier beschrieben. Wesentliche Wehranlagen bestanden nicht.Robert Baravalle: Burgen und Schlösser S. 76.

Im 15. Jahrhundert wurden die Gebäude als „Schloss bei Stainz“ erwähnt, die Familie der Besitzer starb im 16. Jahrhundert aus. 1602 erwarb das Stift Stainz die Anlage. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts wurde der Ansitz nur mehr landwirtschaftlich genutzt, im 19. Jahrhundert war sein Gebiet auf Bauernhöfe aufgeteilt. Die Höfe vlg. Lichtenhofschuster, Geidl, Sieber der KG LichtenhofKonrad Moser: St. Stefan ob Stainz. S. 190–192. sowie vlg. Schneiderbauer, Rothschädl (der Meierhof der ehemaligen Herrschaft Lichtenberg), Moar der KG LemsitzKonrad Moser: St. Stefan ob Stainz. S. 164. liegen auf den Grundstücken des ehemaligen Schlosses. An der Erdoberfläche sind keine Reste der Anlage mehr erkennbar, nur die Lage einer Sandgrube und einer Lehmgrube ist dokumentiert.

Es erinnern allerdings 1,2 m dicke Kellermauern im Bauernhof vlg. Geidl (auch Gail genannt), die zu einem Turmhaus gehört haben könnten, an das ehemalige Schloss und es sollen auf Nachbargrundstücken in den 1950er Jahren beim Leitungsbau Gewölbereste gefunden worden sein.Werner Murgg, Bernhard Hebert: Wehrbauten. S. 69. Grundstücke .11/2, 19/1 und 11 der KG 61223 Lichtenhof. Auf Darstellungen von Georg Matthäus Vischer ist 1681 Schloss Liechtenhoff (oder Liechtenperg) als Anlage mit drei Gebäuden, eines davon mit zweistöckem Arkadengang, gezeichnet.Werner Murgg, Bernhard Hebert: Wehrbauten. S. 95–96.

Aichhof Am Osthang des Ortsteils Hofererberg wird das Gebiet der Bauernhöfe vlg. Langhartkami, Hopfgartner, Schöner, Tischler als Bereich eines Adelssitzes namens Aichhof angesehen: Dieser wird mit dem Zahlmeister Leutolds von Wildon, Witmar (bzw. Dietmar) von Hopfgarten, in Verbindung gebracht.Konrad Moser: St. Stefan ob Stainz. S. 266–267, 278–280. Lage des Aichhofes .

Puxhof Das Gebiet des Bauernhofes vlg. Kohlmörtl in Zirknitz bildete im Mittelalter den Edelsitz Puxhof. Seine Besitzer wurden 1267 als Ministerialen Salzburgs genannt, eine Verbindung mit den Wildoniern wird vermutet.Robert Baravalle: Burgen und Schlösser. S. 81. Die Familie starb vor 1500 aus.Konrad Moser: St. Stefan ob Stainz. S. 266, 272–273. Lage des Puxhofes

Türkeneinfälle