Liste der Straßen, Gassen und Plätze des 9. Wiener Gemeindebezirks Alsergrund
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A Achamergasse, 1903 benannt nach dem Metall- und Glockengießer Johann Achamer (auch Achammer, eigentlich Aichhammer, 1650–1712); er fertigte 1711 im Auftrag von Kaiser Joseph I. die Alte Pummerin. Die Glocke wog 22.512 kg und war aus Kanonen gegossen worden, die nach der Zweiten Türkenbelagerung 1683 vor Wien zurückgelassen worden waren. Achamer nannte seinen Betrieb „Stuck- und Glockengießerei“ (Stuck = Kanone) mit dem Firmenschild „Zum goldenen Stuck“; die Stuckgasse im 7. Bezirk Neubau bezieht sich darauf. Die Gasse hieß 1862–1903 Exnergasse (nach Franz Serafin Exner?) und lag bis 1905 im 18. Bezirk. Der Teil, der heute im 18. Bezirk liegt, heißt nunmehr Krütznergasse. Alexander-Nehr-Gasse, 1962 benannt nach dem Kunstschlosser Alexander Nehr (1855–1928); er schuf 1882 den Rathausmann, wobei er als Material russische Kupfermünzen verwendete. Die Statue stellt einen mittelalterlichen Ritter dar und bekrönt den Hauptturm des Wiener Rathauses; sie ist 3,4 m hoch (mit Fahne 5,4 m) und 1.800 kg schwer. Alfred-Grünfeld-Gasse, 1925 benannt nach dem Pianisten, Komponisten und Musikpädagogen Alfred Grünfeld (1852–1924), Professor am Neuen Wiener Konservatorium. Er unternahm zahlreiche Konzertreisen durch Europa und die USA. Bekannt ist er vor allem durch den Vortrag seiner Konzertparaphrasen von Strauss-Walzern. Johann Strauss (Sohn) widmete ihm seinen „Frühlingsstimmenwalzer“ Op. 410. Die Gasse hieß 1938–1947 Hofhaimergasse. Alser Straße, 1862 benannt nach dem Fluss Als, der in Wien üblicherweise Alsbach oder Alserbach genannt wird; siehe Alserbachstraße. Der kleine Fluss ist 10,55 km lang, heute im Stadtgebiet als Bachkanal eingewölbt, und mündet in den rechten Hauptsammelkanal (früher in den Donaukanal). Die erste urkundliche Erwähnung des Flusses ist aus dem Jahr 1044 überliefert; die Herkunft des Namens ist unbekannt. Der Fluss Als ist namensgebend für die bis 1850 selbstständige Gemeinde Alservorstadt und für den heutigen 9. Bezirk, Alsergrund; die Alsgasse und die Alszeile im 17. Bezirk Hernals sind ebenfalls nach dem Fluss benannt. Die Straße wird 1211 als Alsaerstrâzze erwähnt, 1342 als Alserstrazz vor Schottentor, 1628 als Alstergasse, 1766 als In der vordern Alstergassen und später auch als Große Gasse und Alsergrund Hauptstraße. Alserbachstraße, 1862 benannt nach dem Fluss Als, der in Wien üblicherweise Alsbach oder Alserbach genannt wird und 1840–1846 in diesem Bereich eingewölbt wurde; siehe Alser Straße. Die Straße hieß 1353 Auf dem Griesz, 1699 Auf den Hürnern, 1719 Auf dem Grieß am Alserbach, und um 1830 Am Alserbach; der Abschnitt zwischen Liechtensteinstraße und Nußdorfer Straße – hinter der heutigen Markthalle – hieß ab 1749 Weiße Löwengasse. Althanstraße, 1920 benannt nach dem General, Diplomaten und Hofbaudirektor Ludwig Joseph Gundacker von Althan (1665–1747), dem ab 1716 alle Bauämter der Erblande unterstellt waren. Er organisierte u. a. den Bau der Hofbibliothek und der Wiener Karlskirche, den Ausbau des Stiftes Klosterneuburg und die Renovierung von Schloss Laxenburg. 1732 ließ er das Palais Althan erbauen. Sein Vater, Christoph Johann Graf Althan, war ab 1690 Grundherr des Althangrundes (im Bereich des heutigen Franz-Josefs-Bahnhofs) und ließ um 1683 das Palais Althan-Pouthon erbauen. Die Straße hieß um 1830 zwischen Alserbachstraße und der Kurve bei der Reznicekgasse (Große?) Schmidtgasse und anschließend bis zur Liechtensteinstraße Spitelaugasse bzw. Spittelauer Gasse; später hieß sie Althangasse und ab 1909 Franz-Josefs-Bahnhof-Straße. Der Julius-Tandler-Platz vor dem Bahnhof hieß damals Althanplatz. Altmüttergasse, 1892 benannt nach dem Technologen Georg Altmütter (1787–1858), Professor der Mechanischen Technologie am Polytechnischen Institut Wien (ab 1816). Er erhob die Mechanische Technologie zur Wissenschaft und verfasste gemeinsam mit Karl Karmarsch und Johann Joseph von Prechtl die „Technologische Encyklopädie“; siehe auch die Prechtlgasse im 9. Bezirk sowie die Karmarschgasse im 10. Bezirk Favoriten. Ari-Rath-Platz, 2018 benannt nach dem israelischen Journalisten, Publizisten und Friedensaktivisten Ari Rath (1925–2017). Der gebürtige Wiener emigrierte 1938 nach Palästina. Von 1958 bis 1989 arbeitete er als Journalist für die Jerusalem Post, ab 1975 war er deren Chefredakteur. Er starb in Wien. Der Platz befindet sich im Zuge der Liechtensteinstraße nahe der Porzellangasse, wo Rath auf Nr. 50 einen Teil seiner Kindheit verbracht hat. Augasse, 1862 benannt nach den Augebieten der Donau, die einst hier bestanden. Auen sind Uferlandschaften von Bächen bzw. Flüssen, deren Geländeformen und Lebensgemeinschaften vom Wechsel zwischen niederer und hoher Wasserführung geprägt werden. Die Gasse hieß vorher 1835–1862 Spittelauer Weg. Ayrenhoffgasse, 1894 benannt nach dem Offizier und Schriftsteller Cornelius Hermann von Ayrenhoff (1733–1819); neben einer langen militärischen Karriere, die ihn bis zum Feldmarschallleutnant führte, widmete er sich der Schriftstellerei. In seinem literarischen Schaffen folgte er einer klassizistischen Dramatik nach dem Vorbild von Louis de Racine und Pierre Corneille. Er wurde damit einer der Vorgänger von Heinrich Joseph von Collin und Franz Grillparzer. Insgesamt schrieb er sechs Lustspiele, fünf Trauerspiele, ein „Sittengemälde“ und eine Posse. Die Gasse hieß 1862–1894 Hirschengasse nach dem Hausschild „Zum goldenen Hirsch“ in der Ayrenhoffgasse 1; ein Teil der Gasse gehörte bis 1905 zum 18. Bezirk.
B mini|Alte Häuser in der Badgasse mini|Berggasse Badgasse, benannt (Datum unbekannt, 1701 erwähnt) nach dem ehemaligen Lichtentaler Badhaus, das sich an der heutigen Adresse Badgasse 22 befand. Am Beginn der Badgasse erinnert im Karl-Schönherr-Hof ein Sgraffito von Heribert Potuznik aus dem Jahr 1952 an das Bad. auf www.bezirksmuseum.info, S. 5 (PDF; 963 kB), abgerufen am 16. August 2011. Lichtental war eine einstmals selbstständige Gemeinde im Norden des Alsergrunds und ist seit 1850 ein Teil des 9. Bezirks. Die Gasse hieß 1716 In der Baadergassen. Bauernfeldplatz, 1890 benannt nach dem Schriftsteller Eduard von Bauernfeld (1802–1890); neben seinem Hauptberuf als Beamter bei der Lottodirektion war er literarisch tätig. Er gilt als Meister des Konversationsstücks mit Wiener Lokalkolorit und wurde zum Hausdichter des Burgtheaters, in dem seine Stücke bis 1902 ca. 1.100 Aufführungen erlebten. Sein Werk Die Republik der Tiere kritisierte die Verhältnisse in Österreich zu Zeiten Metternichs und ist durchaus mit Animal Farm von George Orwell zu vergleichen. Die Bauernfeldgasse im 19. Bezirk Döbling ist ebenfalls nach ihm benannt. Beethovengasse, 1864 benannt nach dem deutschen Komponisten Ludwig van Beethoven (1770–1827); er gilt als der Komponist, der die Musik der Wiener Klassik zu ihrer höchsten Entwicklung geführt und der Romantik den Weg bereitet hat. Beethoven starb in der Schwarzspanierstraße 15 am Alsergrund. Die Gasse wurde auf dem Grund des Klostergartens der Schwarzspanier angelegt. auf www.bezirksmuseum.info, abgerufen am 17. August 2011. Nach dem Komponisten ist auch der Beethovenplatz im 1. Bezirk, Innere Stadt, der Beethovengang im 19. Bezirk. Döbling, und die Beethovenstraße im 23. Bezirk, Liesing, benannt. Berggasse, 1862 benannt nach dem Gefälle am Ufer des Donaukanals zwischen Währinger Straße und Porzellangasse (dem Schottenberg bzw. Ochsenberg). In früheren Zeiten wurden bereits kleine Erhebungen als „Berg“ bezeichnet. Berggassen gab es folglich auch im (heutigen) 6., 11., 13., 14., 17., 18., 19. (zweimal), 21. und 23. Bezirk, Bergstraßen gab es im 10., 13. (zweimal) und 14. Bezirk. Die Gegend an der unteren Berggasse (von der heutigen Servitengasse bis zum Donaukanal) hieß 1357 Unter den Holzern; seit 1784 hieß dieses Stück Holzstraße, das obere Stück Bergstraße; der Teil von der Liechtensteinstraße bis zur Porzellangasse hieß 1778 Am Glacis (1858 in die Bergstraße einbezogen). auf www.bezirksmuseum.info, abgerufen am 17. August 2011. Die Adresse Berggasse 19 ist durch Sigmund Freud sehr bekannt geworden. Berta-Zuckerkandl-Weg, 2009 benannt nach der Schriftstellerin, Journalistin, Kritikerin und Salonière Berta Zuckerkandl-Szeps (1864–1945); sie führte in Wien vom späten 19. Jahrhundert bis 1938 einen literarischen Salon. In diesem verkehrte die künstlerische und wissenschaftliche Elite des Landes, unter ihnen Franz Theodor Csokor, Gustav Klimt, Johann Strauss der Jüngere, Max Reinhardt und Arthur Schnitzler. Als Journalistin für Theater und Kunst arbeitete sie für die „Wiener Allgemeine Zeitung“ und das „Neue Wiener Journal“. Bertha-Löwi-Weg, 2014 benannt nach Bertha Löwi (1867–1941); die Wienerin jüdischer Herkunft beging 1941 wegen ihrer bevorstehenden Deportation Selbstmord. Die Straßenbenennung war 2013 wegen „mangelnder Verdienste um die Stadt Wien“ umstritten.Bertha-Löwi-Weg auf www.ots.at, abgerufen am 20. März 2014. Die Verkehrsfläche ist ein Fußweg zwischen Lustkandlgasse und Wilhelm-Exner-Gasse und hat keine Adressen. Bindergasse, 1862 benannt nach den Fassbindern, die hier Arbeitsstätten und Wohnungen hatten; am Beginn der Gasse führt die Binderstiege zur Nußdorfer Straße. Wahrscheinlich war das Liechtensteinsche Brauhaus Hauptabnehmer der Erzeugnisse. Namensgebend war das Hausschild „Zu den 3 Bindern“ auf Nr. 11, das bereits 1773 erwähnt wurde. Die Gasse hieß 1776–1862 Krongasse nach dem Hausnamen „Zur goldenen Krone“ in der Bindergasse 1. Bleichergasse, 1862 benannt nach den hier einst ansässigen Betrieben zur Wachsbleiche. Im oberen Teil der Bleichergasse und der Fuchsthallergasse (begrenzt durch die heutige Lustkandlgasse) war 1801 die Wachsbleiche und Kerzenfabrik der Gebrüder Moritz, Albert und Ernest Edle von Hönigshof. Das Bienenwachs, von Natur aus gelb, wurde auf einer Wiese aufgelegt und durch die Sonne gebleicht. Die Gasse wird 1788 als Bleichergässel erwähnt sowie 1803 und 1813 als Stiegengässel; 1825–1862 hieß sie Wachsbleichgasse. auf www.bezirksmuseum.info, abgerufen am 17. August 2011. Boltzmanngasse, 1913 benannt nach dem Physiker und Philosophen Ludwig Boltzmann (1844–1906); sein Lebenswerk war die Neuaufstellung der Thermodynamik. Dabei begründete er mit James Clerk Maxwell die Statistische Mechanik (Boltzmann-Statistik) und deutete die Entropie als eine mikroskopische Größe. Zahlreiche Begriffe leiten sich von Ludwig Boltzmann ab: Boltzmann-Konstante, Boltzmann-Faktor, Boltzmann-Gleichung, Boltzmann-Maschine, Maxwell-Boltzmann-Verteilung, die Lattice-Boltzmann-Methode zur numerischen Strömungssimulation und die Ludwig Boltzmann Gesellschaft. Die Gasse hieß 1778 Am Spanischen Spitalberg (nach einem Spital der Schwarzspanier), 1779 Spitalberg, 1791 und 1816 Spitalberggasse, 1820 Karlsgasse, 1825 Carlsgasse, 1835 am Spitelberg, 1846 und 1853 wieder Karlsgasse und 1862–1913 Waisenhausgasse. Borschkegasse, 1894 benannt nach dem Rechtsanwalt Franz Borschke (1848–1892), k.k. Hof- und Gerichtsadvokat (ab 1879). Zu Beginn der 1880er-Jahre wandte er sich der Kommunalpolitik zu und war 1882–1892 Wiener Gemeinderat, 1889 wurde er 2. Bürgermeister-Stellvertreter von Wien.Franz Borschke in Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 1, Kremayr & Scheriau, Wien 2004, ISBN 3-218-00742-9, S. 426 Er wohnte in der Porzellangasse im 9. Bezirk. Der westlichste Teil der Gasse (vom Gürtel bis zur Zimmermanngasse) zählte bis 1905 zum 18. Bezirk und hieß bis dahin Czermackgasse wie die Fortsetzung westlich des Gürtels, die 1960 in Leo-Slezak-Gasse umbenannt wurde. auf www.bezirksmuseum.info, abgerufen am 17. August 2011.