Dirmerzheim ist ein nördlicher Stadtteil von Erftstadt im nordrhein-westfälischen Rhein-Erft-Kreis in Deutschland. Ortsbürgermeisterin in der Ratsperiode 2025–2030 ist Margarete Hansen.

Lage Dirmerzheim liegt in der Rotbachaue zwischen Lechenich-Konradsheim und Gymnich. Durch den Ort verläuft die Landstraße 162.

Geschichte Vorgeschichte und römische Zeit Die Geschichte der Region um Dirmerzheim weist, wie die der meisten Ortschaften Erftstadts über die fränkische Zeit hinaus, weit in die Vergangenheit. Nur 500 Meter nordwestlich des heutigen Ortes wurde im Griesfeld (Gymnich) eine Bandkeramische Siedlung nachgewiesen und dokumentiert.Eric Biermann, Von Steinzeitbauern und römischen Landgütern in: Jahrbuch der Stadt Erftstadt 2009. Seite 19–30 Die 1994 südlich des Ortes (nördlich von Konradsheim) gefundenen Keramiken waren Fragmente, die der späten Latènezeit zugeordnet wurden. Fundstücke aus römischer Zeit, wie Ziegelreste, Keramikfragmente, aber auch ein Brandgrab belegten eine Besiedlung auch in dieser Epoche.Bernhard Schreiber: Archäologische Funde und Denkmäler des Erftstädter Raums Seite 128–129

Lebensverhältnisse in Mittelalter und Neuzeit Die Ortsbezeichnung Dirmerzheim verweist auf eine fränkische Siedlung und bedeutet „Heim des Diormund oder Dirmund“.Heinrich Dittmauer, Die linksrheinischen Ortsnamen auf- dorf und- heim. Bonn 1979. Seite 40 Bei der ersten schriftlichen Erwähnung in einer Handschrift des Benediktinerklosters Köln-Deutz wird 1155 Dirmerzheim als „Dirmundsheim“ und Ort der Pfarre Lechenich genannt. In der Handschrift sind die Pfarreien, die jährlich eine Spende oder Almosen dem Kloster St. Heribert in Deutz überbrachten, aufgelistet. Bei der Pfarre Lechenich wurden auch die Orte der Filialkirchen angeführt.HAStK Bestand Abtei Deutz RH2, Abschrift des verschollenen Codex thiodorici

Nach einer erzbischöflichen Steuerliste des Erzbischofs Siegfried von Köln die um 1293 aufgestellt wurde, waren diesem gegenüber elf Familien abgabenpflichtig, unter ihnen die Familie eines Lechenicher Burgmannes, des Lechenicher Schultheißen und die Familie zweier Lechenicher Schöffen.HAStK Best. Auswärtiges 170b, veröffentlicht in K. und H. Stommel: Quellen zur Geschichte der Stadt Erftstadt Band 1 Nr. 178

Ob Dirmerzheim wie die übrigen Orte der Pfarre Lechenich ursprünglich auch zur Lechenicher Bürgerschaft gehörte und erst später ausgegliedert wurde, konnte nicht geklärt werden. Bei der Nennung der Bürgerschaft im Jahre 1517 gehörte Dirmerzheim nicht dazu.HAStK Bestand Domstift Urkunde Nr. 3/1978, veröffentlicht in Stommel: Quellen Band 3 Nr. 1559 Die Dirmerzheimer waren überwiegend Kleinbauern, aber auch ein im Ort ansässiger Gastwirt und ein Hufschmied bewirtschafteten ihre kleinen Landstücke. Hierfür zahlten sie eine Grundpacht und hatten neben abzuliefernden Rauchhühnern an die erzbischöfliche Kellnerei in LechenichArchiv Schloss Gracht auch landesherrliche Steuern zu zahlen.HSTAD Bestand Kurköln II 1904 Ferner zahlten sie den großen Zehnt an das Stift St. Aposteln in Köln.HAStK Bestand Geistliche Abteilung 38b, veröffentlicht in Stommel: Quellen Band 5 Nr. 2964 Einige Familien waren auch der Adelsfamilie der Hase von Konradsheim oder anderen Adeligen abgabenpflichtig.

Dirmerzheim bildete eine eigene Honschaft im Amt Lechenich und war wie alle Honschaften zu Dienstleistungen, Hand- und Spanndienste genannt, verpflichtet. Seit 1700 wurden Ortsvorsteher und Gemeindemänner angeführt, die einerseits die Interessen des Landesherrn wahrnahmen aber auch die der Bewohner des Dorfes. Sie hoben die landesherrlichen Steuern aus, führten die Aufsicht bei den Diensten für den Kurfürsten, hatten die Kamine zu visitierten und richteten Bittschriften an die Behörde, wenn die Belastungen des Dorfes zu groß waren. Gegen unangemessene Forderungen legten sie Protest ein und berieten sich mit den Vertretern der anderen Honschaften, um so zu versuchen, gemeinsam die Interessen der Dörfer durchzusetzen. Sie waren verpflichtet, dem Amtmann oder dem Amtsverwalter die Gemeinderechnung über Einkünfte und Ausgaben der Honschaft vorzulegen.

Für den Alltag der Dirmerzheimer bestanden festgesetzte Regeln, die zu beachten und einzuhalten waren. Wer sich nicht an die Verordnungen hielt, hatte nach einem Amtsverhör in Lechenich mit einer Brüchtenstrafe zu rechnen. Das Lechenicher Schöffengericht war für alle Rechtshandlungen zuständig.

Durch die kriegerischen Auseinandersetzungen des 17. und 18. Jahrhunderts war die Bevölkerung stark belastet. Im Jahre 1642 gehörte Dirmerzheim zu den Orten, deren Häuser nach der Belagerung Lechenichs niedergebrannt wurden.Walram/Sarburg: Die heldenhafte Verteidigung von Burg und Stadt Lechenich 1642. Köln 1643 Die Belastungen durch Einquartierungen, Fouragelieferungen und Geldzahlungen waren so stark, dass Kredite notwendig waren, um die Fourage bezahlen zu können. 1709 sahen sich die Einwohner gezwungen, ihren Gemeindebroich verkaufen, den der Lechenicher Amtmann Wolff-Metternich zur Gracht erwarb.

Die Zahl der Häuser hatte sich von 1587 bis 1664 nicht verändert. Bei der Verzeichnung des Grundbesitzes im Jahre 1660 und der steuerlichen Erfassung 1664 bestand der Ort aus 56 Häusern, davon 51 Bauernhäuser, vier große Höfe und eine Mühle der Hase von Konradsheim.HSTAD Kurköln II 1117, veröffentlicht in Stommel: Quellen Band 4 Nr. 2561 und Nr. 2570

Nach einer Steuerliste von 1738 wurden die Einwohner in vier Klassen eingeteilt. In der ersten Klasse waren die Halfen der großen Güter, die jeder drei Reichstaler zahlten. Die zweite Klasse der „Bestbeerbten“ (Wohlhabenden) unterschied sich kaum von der dritten Klasse, die überwiegend aus Handwerkern bestand. Beide Klassen zahlten einen Reichstaler. Von den in der vierten Klasse erfassten 43 Personen, die 40 Albus zahlten, wurden 30 als Tagelöhner oder Kötter bezeichnet, die übrigen als arme Witwen. Ferner gab es elf Personen, die keiner Klasse zugerechnet wurden. Diese Klassenlosen waren Bettler oder arme Witwen und zahlten nichts.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts hatte sich Dirmerzheim vergrößert und verselbständigt. Im Ort gab es Lebensmittel zu kaufen, und für die Dinge des täglichen Bedarfs gab es die Handwerker, die man benötigte. Dirmerzheim gehörte bis zur Zeit der französischen Herrschaft zum kurkölnischen Amt Lechenich.

Adeliger und geistlicher Besitz Neben den Adelsgütern gab es Güter in geistlichem Besitz, von denen der größte Besitz der Hof der Kölner Jesuiten und der Steinfelder Hof waren.

Der Hof des Kurfürsten Der Erzbischof und Kurfürst von Köln besaß in Dirmerzheim einen auf dem Hostert gelegenen Hof, der an dem das Dorf durchfließenden Rotbach lag, der die das Anwesen umgebenden Wassergräben füllte. Der Hof wurde von der Kellnerei in Lechenich im Auftrage des Kurfürsten verpachtet. Das 1642 abgebrannte Wohnhaus war auch 1650 noch nicht aufgebaut, sodass dem Halfen ein Pachtnachlass gewährt wurde.HSTAD Kurköln IV 3490 veröffentlicht in Stommel, Quellen Band IV Nr. 2498 Im Jahre 1661 gehörten zum Hof vier Morgen Hofareal, 60 Morgen Ackerland und 10½ Morgen Benden.HSTAD Kurköln II 2599, veröffentlicht in Stommel, Quellen Bd. IV Nr. 2561 Im 18. Jahrhundert mussten mehrfach Reparaturen an den Hofgebäuden und die Errichtung von Dämmen als Schutz vor den jährlichen Hochwässern vorgenommen werden.HSTAD Kurköln IV 5041-5050, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band V Nr. 2874

Der Erzbischof und Kurfürst von Köln hatte mehrere Güter an Adelige vergeben, die über diese Lehen mit seiner Zustimmung selbst verfügen konnten. Diese Güter, große wasserumwehrte Höfe, lagen entlang des Rotbachs.

Dirmerzheimer Burg mini|hochkant|Hoftor der ehemaligen Burg

Im Jahre 1450 war Karsil Rost von Dirmerzheim, ein Nachkomme der seit 1334 in Dirmerzheim genannten Familie der Rost von Dirmerzheim mit der „Dirmerzheimer Burg“ belehntArchiv Schloss Gymnich Urkunde Nr. 178, den seine Frau Margarethe Wolff von Rheindorf nach seinem Tode bei ihrer erneuten Heirat an Johann von Buschfeld brachte. Ihre Tochter erhielt den Hof als Mitgift zu ihrer Heirat mit Arnold von Gymnich im Jahre 1477.Sammlung Oidtmann Mappe 182 Buschfeld, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band II Nr. 1258 Der Adelssitz blieb im Besitz der Herren von Gymnich bis zum Verkauf an die Abtei Altenberg im Jahre 1699.Bestand Altenberg Urkunde Nr. 1151, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band V Nr. 2781 Nach der Deskription von 1587HSTAD Kurköln II 1904, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band Iv Nr. 2063 und der Vermessung aller Güter in Dirmerzheim von 1659 bis 1661 gehörten zum Rittergut Haus und Hofareal mit Gemüsegarten, Dämmen und Weihern, insgesamt sechs Morgen, sowie 146 Morgen Ackerland und 12 Morgen Benden (Wiesen).HSTAD Kurköln II 2599, veröffentlicht in Stommel, Quellen Bd. IV Nr. 2561 Da die Besitzer, die Herren von Gymnich und die Äbte von Altenberg, die Burg nicht bewohnten und den Hof von Pächtern bewirtschaften ließen, wurde sie nicht als Schloss ausgebaut, wie es bei anderen Rittersitzen im Umland der Fall war.

Ketzgenshof Ein anderer großer Hof, der jahrhundertelang als Lehnshof vergeben wurde, war der Ketzgens- oder Katzenhof. Der um 1400 erstmals genannte Hof im Besitz der Familie von Hoilbuch kam 1450 in Erbfolge an die von Krieckenbeck, genannt Barle.HSTAD Kurköln Lehen Spezialia 40, Urkunde Nr. 1, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band II Nr. 1072 Danach waren die Katzen oder Ketzgen mit dem Hof belehnt, den sie von Pächtern (Halfen) bewirtschaften ließen.HSTAD Kurköln Lehen Spezialia 40 Urkunde Nr. 4 Eine Erbtochter der Ketzgen brachte den Hof an die Familie von Bodelschwing, die 1785 den Hofbesitz (d. h. Hofareal, Ackerland und Benden) an die Herren von Gymnich verkaufte.HSTAD Kurköln Lehen Spezialia 40 Urkunden Nr. 15 und Nr. 20

Weiherhof Mit dem Weiherhof, einem Unterlehen der Kölner Erbvogtei, war Wilhelm von Turre genannt von der Zieselsmaar belehnt. Er vererbte ihn seinem Verwandten Evert von ZweiffelHSTAD Archiv Zweiffel Urkunde Nr. 28, Nr. 29, Nr. 30, Nr. 31, veröffentlicht in Stommel Quellen Band II Nr. 1313, dessen Erben ihn 1566 an Jakob von Harff verkauften.HSTAD Archiv Zweiffel Urkunde Nr. 58a Im Jahre 1650 war der Hof im Besitz des Kurfürsten und wurde von ihm zu Lehen gegeben. Der Hof kam durch Erbfolge an verschiedene Besitzer, von Efferen zu Stolberg, von Frentz, von Broich, 1729 an die von Zehmann aus Amberg in Bayern.HSTAD Kurköln Lehen Spezialia 41 Urkunde Nr. 1, Nr. 2, Nr. 3 und Akten Lehen Spezialia 41 Die Hofanlage, Wohnhaus und Hofgebäude, waren 1689 beim Abzug der französischen Truppen niedergebrannt, danach jedoch nicht wieder aufgebaut worden.HSTAD Kurköln Lehen Spezialia Akten, veröffentlicht in Stommel Quellen Band V Nr. 2832 Im Jahre 1760 verkaufte Zehmann mit kurfürstlicher Genehmigung den Hof an die Herren von Gymnich.HSTAD Kurköln Lehen Spezialia 41 Urkunde Nr. 4, Nr. 5, Verkauf in Archiv Schloss Gymnich U Nr. 1136

Dirmerzheimer Mühle Am Rotbach lag auch die Dirmerzheimer Mühle des Hauses Konradsheim, die 1357 erstmals erwähnt wurde.HAStK Bestand St. Aposteln Repertorien und Handschriften 2, veröffentlicht in Stommel Quellen Band I Nr. 415 1622 fiel die Kornmühle zu Dirmerzheim an Wessel von Loe zu Wissen, der mit der ältesten Tochter des Degenhard Hase verheiratet war.Reichsarchiv Zwolle (NL), Archiv Rechteren Nr. 1453, veröffentlicht in Stommel Quellen Band IV Nr. 2286 Es gelang ihm nicht, den Mühlenzwang für die beiden Mühlen in Dirmerzheim und Ahrem durchzusetzen. Nach einem Vergleich mit Erzbischof und Kurfürst Ferdinand 1627 wurden die Einwohner von Konradsheim aus dem Lechenicher Mühlenzwang entlassen und konnten auf der Dirmerzheimer Mühle mahlen lassen, doch waren sie dazu, ebenso wie die Einwohner von Dirmerzheim nicht verpflichtet, die auch auf der Dirmerzheimer Mühle mahlen ließen.Archiv Harff Bestand Konradsheim Akte 51, veröffentlicht in Stommel Quellen Band IV Nr. 2312

Hof des Klosters Steinfeld