Wunsiedel () ist eine Kleinstadt im Fichtelgebirge im nordöstlichen Bayern. Sie ist Sitz der Verwaltung des oberfränkischen Landkreises Wunsiedel im Fichtelgebirge.
Wunsiedel ist Geburtsort des Schriftstellers Jean Paul und Austragungsort der alljährlichen Luisenburg-Festspiele. Sie ist eine von 13 leistungsfähigen kreisangehörigen Gemeinden in Bayern und liegt an der Bayerischen Porzellanstraße.
Geografie Geografische Lage mini|301x301px|Lage von Wunsiedel im Tal der Röslau, Blick vom Nordhang des Katharinenbergs, im Hintergrund der Schneeberg Wunsiedel liegt im Zentrum des Fichtelgebirges im östlichen Oberfranken nahe der Grenze zur Oberpfalz auf der Selb-Wunsiedler-Hochfläche. Die Kernstadt befindet sich auf im Tal der Röslau, das Gemeindegebiet erstreckt sich bis zum Gipfel der Kösseine auf , an deren Fuß die Stadt liegt. Unmittelbar südlich des Talbodens an der Röslau erhebt sich der 618 m hohe Katharinenberg mit der Ruine der Wallfahrtskirche Sankt Katharina. Der Berg wird als Bürgerpark genutzt. Nördlich der Stadt liegt das Hochmoor Zeitelmoos, das als Naturschutzgebiet geschützt ist. Wunsiedel bildet mit der Nachbarstadt Marktredwitz das gemeinsame Oberzentrum Marktredwitz-Wunsiedel. Die nächstgelegenen Oberzentren sind Hof (Saale) und Bayreuth, die jeweils circa 50 km von Wunsiedel entfernt sind. mini|Kirchenruine auf dem Katharinenberg
Nachbargemeinden
Gemeindegliederung
Die Gemeinde Wunsiedel hat 30 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Gemeindeteile Schönbrunn und Holenbrunn sind deutlich größer als die anderen. Schönbrunn mit Furthammer und vor allem Holenbrunn grenzen nahezu direkt an die Kernstadt an.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Bernstein, Hildenbach, Holenbrunn, Schönbrunn, Tröstauer Forst-Ost (Gemarkungsteil 1) und Wunsiedel. Die Gemarkung Wunsiedel hat eine Fläche von 14,082 km². Sie ist in 4383 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Fleißenhammer, Luisenburg, Schneckenhammer, Walkmühle und Wiesenmühle.
Geschichte Geschichte bis 1890 mini|Überreste der Burg Wunsiedel in der Altstadt Das innere Fichtelgebirge, in dem Wunsiedel liegt, wurde ab dem 11. Jahrhundert durch Bajuwaren im Zuge der bayerischen Siedlungswelle der Markgrafen von Vohburg besiedelt. Es gehörte damit zum Nordgau des damaligen Herzogtums Baiern und zur Regio Egere, dem Einflussbereich der Stadt Eger. Die bayerische Besiedlung der Gegend ist bis heute am nordbairischen Dialekt des später so bezeichneten Sechsämterlandes nachzuvollziehen.
Wunsiedel selbst wurde erstmals im Jahr 1163 als Sitz eines Ministerialen „Adelbertus de Wunsiedil“ urkundlich erwähnt. Der Ort bestand damals hauptsächlich aus der gleichnamigen Burg, die eine Furt durch die Röslau und die Wegkreuzung zweier Altstraßen absichern sollte. Im Jahr 1285 erwarb Burggraf Friedrich III. von Nürnberg die Lehnsherrschaft über die Burg Wunsiedel und in der Folge weitere Besitztümer im inneren Fichtelgebirge, sodass die Gegend aus dem bayerisch beherrschten Egerland herausgelöst wurde. Unter der nun hohenzollerischen Herrschaft der Burggrafschaft Nürnberg wurde Wunsiedel 1326 durch Burggraf Friedrich IV. das Stadtrecht verliehen, was 1328 durch Kaiser Ludwig den Bayern bestätigt wurde. Durch mehrere Teilungen und die Erhebung Nürnbergs zur Freien Reichstadt entwickelte sich im Laufe des 15. Jahrhunderts aus dem Burggrafentum Nürnberg das ebenfalls hohenzollerische Markgrafentum Bayreuth, zu dem Wunsiedel bis 1791 gehören sollte. Bereits aus der Frühphase der hohenzollerischen Zeit im 14. Jahrhundert stammt das noch heute geführte Wappen mit der Zollernvierung aus schwarzen und silbernen Quadraten sowie der Wunsiedler Initiale W.
In der Folgezeit der Übernahme durch die Burggrafen von Nürnberg entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum des Bergbaus im Fichtelgebirge. Bis etwa 1450 profitierte die Stadt vom Zinnbergbau und erlangte trotz ihrer ungünstigen Verkehrslage große wirtschaftliche Bedeutung in der Region. Dazu trug auch die Herstellung von Weißblech durch das ansässige Schmiedehandwerk bei, welches jedoch im Verlauf des 15. Jahrhunderts aufgrund der Hussitenkriege einbrach. Zwar konnten die Hussiten 1430 in der Schlacht am Katharinenberg vom Wunsiedler Hauptmann Hans von Kotzau geschlagen werden, jedoch ließ die wirtschaftliche Schwäche Wunsiedels eine spätere Eroberung möglich erscheinen.Geschichte von Wunsiedel, Bayern Online 1462 wurde entsprechend von Eger aus der Versuch unternommen, die Stadt Wunsiedel und das umliegende Gebiet wieder unter die Herrschaft der mittlerweile von der böhmischen Krone regierten Stadt Eger zu bringen. Jobst von Schirnding besiegte die Böhmen allerdings ebenfalls am Katharinenberg, sodass dieses Vorhaben misslang.
Die anhaltende Krise gipfelte während des Bauernkriegs 1525 schließlich in einem Aufstand der Wunsiedler Bevölkerung. Die wirtschaftliche Lage und die Unzufriedenheit der Bevölkerung konnten jedoch weder dadurch, noch durch die 1528 eingeführte Reformation verbessert werden. Die Bayreuther Markgrafen, besonders der ab 1588 amtierende Georg Friedrich, und der Wunsiedler Rat waren so gezwungen, die Situation für die Bürger zu verbessern. In der Folge wurden die Verkehrswege verbessert, es entstanden Bildungseinrichtungen wie etwa eine Lateinschule und es kam zu einem neuen wirtschaftlichen Aufschwung des Ortes. Ein verheerender Stadtbrand im Jahr 1607 und der Dreißigjährige Krieg beendeten diese Blütezeit allerdings wieder. Dem Krieg konnte die Stadt dank ihrer starken Befestigung zwar standhalten und sogar Bewohnern der Umgebung Zuflucht gewähren, häufige Truppendurchzüge mit Plünderungen sowie weitere Stadtbrände 1636, 1644 und 1646 brachten aber dennoch viel Leid für die Bevölkerung mit sich. Die wirtschaftliche Erholung erfolgte schleppend und wurde durch neuerliche Brände in den Jahren 1657 und 1731 immer wieder zurückgeworfen.
mini|hochkant=1.3| Der im Inneren des nach Osten geöffneten, hufeisenförmigen Fichtelgebirges liegende und somit vom restlichen Territorium abgeschirmte Teil des Markgrafentums Bayreuth war durch Verwaltungsreformen im 15. und 16. Jahrhundert in fünf Ämter aufgeteilt worden. Nach der Trennung der Ämter Wunsiedel und Hohenberg im Jahr 1504 waren mit Weißenstadt, Kirchenlamitz, Selb und Thierstein sechs Ämter entstanden, für die sich der Name Sechsämterland einbürgerte. Wunsiedel wurde 1613 zu dessen Hauptort und dem Amtshauptmann der Amtshauptmannschaft Wunsiedel waren die Amtmänner der anderen fünf Ämter unterstellt. Der Ort entwickelte sich zum Verwaltungssitz und viele akademisch gebildete Beamten siedelten sich mit ihren Familien in Wunsiedel an. Auch eine Superintendentur, ein Stadt- und Kreisarzt sowie die Lehrer der weiterhin bestehenden Lateinschule befanden sich in der Stadt. Dies führte insbesondere im 18. Jahrhundert zu einer Blütezeit des kulturellen Lebens in Wunsiedel, in deren Zuge 1790 das Felsenlabyrinth auf der Luisenburg als Landschaftsgarten erschlossen wurde und der Katharienenberg als Bürgerpark angelegt wurde.
Im Jahr 1792 verkaufte Markgraf Christian Friedrich Karl Alexander seine Fürstentümer Bayreuth und Ansbach und damit auch Wunsiedel an das ebenfalls hohenzollerisch regierte Königreich Preußen. Die preußische Herrschaft über Wunsiedel bewirkte durch eine zentralistische Verwaltungsreform ein Aufleben des Gewerbes, was durch die kurz danach beginnenden Napoleonischen Kriege aber nicht von Dauer war. Nach vierjähriger französischer Besatzung ab dem Jahr 1806 kam Wunsiedel schließlich 1810 nach über 500 Jahren wieder unter bayerische Herrschaft und wurde Teil des neu entstandenen Königreichs Bayern. Hier gehörte die Stadt zum Mainkreis, der ab 1817 Obermainkreis genannt wurde und 1837 in Oberfranken aufging. Auch in Bayern blieb Wunsiedel ein Verwaltungszentrum und wurde 1812 zum Sitz eines Landgerichts älterer Ordnung, welches 1862 mit den Landgerichten Kirchenlamitz und Thiersheim zum Bezirksamt Wunsiedel fusioniert wurde. Das Bezirksamt Wunsiedel (ab 1939 als Landkreis Wunsiedel bezeichnet) blieb in dieser Form bis zur bayerischen Gebietsreform 1972 bestehen.
In der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober 1834 wurde Wunsiedel abermals von einem schweren Stadtbrand heimgesucht, der die Stadt bis auf die Stadtkirche und die Häuser nördlich der Maximilianstraße komplett vernichtete. Anstelle der mittelalterlichen Gassen wurden in der Folge gerade Straßen wie die heutige Ludwig- und Theresienstraße angelegt und ein repräsentativer Marktplatz geschaffen. Das entstandene klassizistische Stadtbild ist bis heute charakteristisch für die Stadt.
Die neuerliche Zugehörigkeit zu Bayern führte dazu, dass nach fast 300 Jahren ab etwa 1840 wieder Katholiken in die seit 1528 reformierte Stadt kamen. Nachdem die Wunsiedler Katholiken einige Jahre von der Pfarrei Marktredwitz betreut worden waren, wurde zwischen 1883 und 1884 auf Betreiben des Regensburger Bischofs Ignatius von Senestrey die Pfarrkirche Zu den Zwölf Aposteln im Westen der Stadt erbaut und geweiht. Mit der Eingliederung in das Bistum Regensburg wurde an die alte Zugehörigkeit der Region zu diesem Bistum und zum bayerischen Nordgau erinnert und diese neu belebt. Die katholische Gemeinde wuchs in der Folgezeit und besonders durch die Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg auf über 5000 Mitglieder an.
Trotz großer Bemühungen gelang es aufgrund der geographischen Schwierigkeiten des steilen Wunsiedler Tals nicht, die Stadt an die 1877 in Betrieb genommene Bahnlinie Hof-Regensburg anzuschließen. Lediglich eine ebenfalls 1877 erbaute Stichbahn vom Bahnhof des nahegelegenen Holenbrunn ermöglichte der Stadt einen Bahnanschluss. Da die schlechte Verkehrsanbindung also weiter erhalten blieb, bemühte sich Wunsiedel im 19. Jahrhundert, den Fremdenverkehr als Wirtschaftsfaktor in der Region zu etablieren. So wurde 1878 mit der Sektion Fichtelgebirge des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins der Vorläufer des heutigen Fichtelgebirgsvereins in Wunsiedel gegründet, der sich die Erschließung des Fichtelgebirges für Wanderer zur Aufgabe machte. Zur 100-Jahr-Feier der Erschließung des Felsenlabyrinths Luisenburg wurde zudem im Jahr 1890 ein Bergfestspiel im Felsenlabyrinth aufgeführt, das sich schnell etablierte und aus dem die Luisenburg-Festspiele erwuchsen, die heute rund 150.000 Besucher pro Jahr anziehen.
Geschichte ab 1890 Ab etwa 1890 hielt die Industrialisierung in Wunsiedel Einzug, wie in vielen weiteren Orten der Region siedelten sich Porzellanfabriken an, hier allen voran die Firma Retsch im Jahre 1891. Auch die Textilindustrie und die steinverarbeitende Industrie wurden verstärkt in der Stadt ansässig, beispielsweise Buntweberei Weber & Ott und die Grasyma (vereinigte Fichtelgebirgs-Granit-, -Syenit- und Marmorwerke AG). Im Jahr 1913 wurde zudem die 1877 erbaute Nebenbahnlinie von Holenbrunn nach Wunsiedel bis nach Leupoldsdorf fortgesetzt. Diese Faktoren hatten für die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung und einen deutlichen Anstieg der Einwohnerzahlen von 3770 im Jahr 1890 auf 5850 im Jahr 1910 zur Folge. Seine Vormachtstellung als größte Stadt im Fichtelgebirge verlor Wunsiedel in dieser Zeit aber dennoch an Selb und Marktredwitz.
Der Erste Weltkrieg sorgte in Wunsiedel insbesondere ab 1916 für eine immer schlechtere Versorgungslage, die durch zahlreiche Sommergäste noch verschlimmert wurde. Dies führte 1917 und 1918 zu mehreren Aufständen der ortsansässigen Bevölkerung, die im Wesentlichen die Vertreibung der Sommergäste zum Ziel hatten, um die Versorgung der Einheimischen zu gewährleisten. Unmittelbar vor Kriegsende forderte dann im Oktober 1918 eine schwere Grippewelle viele Tote im Stadtgebiet. Des Weiteren verlor die Stadt während des Krieges 140 Einwohner, die als Soldaten an den Fronten gefallen waren.