mini|240px|Cover der Erstausgabe von 1958

Der König auf Camelot (The Once and Future King) ist ein zunächst vierteiliger Roman des englischen Schriftstellers T. H. White aus dem Jahr 1958, dem nach dem Tod des Autors noch ein zuvor unveröffentlichter fünfter Teil folgte. Er schildert die Geschichte des legendären König Arthur von seiner Kindheit über seine Tage als König eines mittelalterlichen Englands bis kurz vor seinem Tod in der Schlacht. T.H. White ist in seiner Erzählung durch Thomas Malorys Le Morte Darthur inspiriert, aber er ergänzt die Erzählung durch parodistische Elemente und eine psychologisch umfassende Darstellung seiner Charaktere. Der König auf Camelot gilt als ein Klassiker der Fantasy-Literatur.

Inhalt Der König auf Camelot ist in vier Bände unterteilt, wobei der erste Band (Das Schwert im Stein) die Jugend Arthurs bis zu seiner Krönung schildert und der zweite Band (Die Königin von Luft und Dunkelheit) vor allem seinen Weg zur Etablierung seiner Macht und die Gründung der Tafelrunde. Der dritte Band (Der missratene Ritter) konzentriert sich auf das Schicksal von Sir Lanzelot und zugleich beschreibt er die Erlebnisse der Ritter der Tafelrunde auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Der vierte Band (Die Kerze im Wind) kreist um den Niedergang von Arthurs Macht und den Zerfall der Tafelrunde. Die Veröffentlichung des fünften Bandes (Das Buch Merlin) wurde von den Verlegern zunächst abgelehnt, da bedingt durch den Zweiten Weltkrieg Papier knapp war, und der Stil, der sich von den ersten Bänden stark unterscheidet, als problematisch angesehen wurde. Zur ersten Veröffentlichung kam es erst 1977, auf Deutsch 1980.

Das Schwert im Stein mini|rechts|Das Schwert im Stein (Hong Kong Disneyland)

Das Buch beginnt mit einer Einführung des jungen Arthur, dessen Spitzname Die Warze (The Wart) lautet. Wart wächst als angebliche Waise und Pflegekind von Sir Ector im „Schloss des wilden Waldes“ (The Castle of the Forest Sauvage) auf, gemeinsam mit Sir Ectors Sohn Kay. Als Pflegekind muss Wart immer gegenüber Kay zurückstecken, dessen Zukunft als Ritter im Königreich England klar vorgezeichnet ist, während Wart als Pflegekind unbekannter Herkunft voraussichtlich als Kays Knappe arbeiten darf. Diese Situation ändert sich, als Wart auf der Falkenjagd eines Tages den Druiden Merlin trifft, einen bizarren alten Zauberer, der eine tote Maus unter seinem Scheitelkäppchen und die komplette Encyclopædia Britannica auf seinem Bücherregal hat. Merlin lebt entgegen dem Zeitstrom, d. h. von der Zukunft in die Vergangenheit, so dass er Warts Zukunft schon kennt.

Merlin erhält die Erlaubnis, sich um Warts Erziehung zu kümmern und zieht in Sir Ectors Schloss ein. Merlins Erziehung für Wart besteht vor allem darin, dass er den Jungen in verschiedene Tiere verwandelt: in einen Barsch, eine Ameise, einen Zwergfalken, eine Wildgans und einen Dachs. Während jeder dieser Verwandlungen lernt Wart Einiges über Macht, Herrschafts- und Gesellschaftsformen und die Tatsache, dass die meisten Tiere keinen Krieg kennen.

Neben dem Unterricht bei Merlin erlebt Wart eine relativ unbeschwerte Kindheit mit vielen Abenteuern in der waldigen Umgebung rund um das Schloss. So lernt er unter anderem Robin Hood kennen, der bei White unter dem Namen Robin Wood mit seinen Mannen als Gesetzloser im wilden Wald lebt. Außerdem macht Wart Bekanntschaft mit König Pellinore, der sein Leben einer absurden Jagd nach einem schrecklichen Ungeheuer, dem Biest Glatisant, gewidmet hat.

Warts Schicksal nimmt eine entscheidende Wende, als er Sir Ector und Kay zu einem Ritterturnier nach London begleitet: Dort befindet sich auf einem Platz vor einer Kirche ein Schwert in einem Stein, dessen Aufschrift sagt, dass nur derjenige rechtmäßiger nächster König von England wird, der in der Lage ist, das Schwert aus dem Stein zu ziehen. Dies ist bisher jedoch keinem Ritter gelungen. Als Kay während des Turniers sein Schwert vermisst und Wart es holen soll, geht er zufällig am Schwert im Stein vorbei und zieht das Schwert aus dem Stein, um es Kay als Ersatz für sein vermisstes Schwert zu bringen. Als Warts Familie und Merlin bemerken, dass Wart das Schwert im Stein gebracht hat, wird Warts Herkunft und seine Zukunft offenbar: Wart ist Arthur, Sohn des verstorbenen Königs Uther Pendragon und soll als gemäß Geburtsrecht rechtmäßiger König von ganz Gramarye (Whites mythologische Version von Britannien) herrschen.

Die Königin von Luft und Dunkelheit Der zweite Band setzt ein auf der Inselgruppe der Orkneys, wo Königin Morgause mit ihren Kindern Gawaine, Agravaine, Gaheris und Gareth lebt und auf Nachricht von ihrem Mann, König Lot wartet, der sich im Krieg mit König Arthur befindet. Arthur muss nach seiner Thronbesteigung zunächst seinen Anspruch auf den Thron verteidigen, denn vor allem Könige im Norden Britanniens (die Gälen) erkennen seine Oberhoheit nicht an und sind gegen ihn in die Schlacht gezogen, während andere Könige Britanniens (vor allem die Anglonormannen, von White auch Gallier genannt) Arthur unterstützen.

Die Handlung wechselt zwischen den Orkneys, wo König Pellinore und seine Freunde eintreffen, und dem Zelt König Arthurs, der sich auf die entscheidende Schlacht gegen die Gälen vorbereitet. Arthur hegt die Hoffnung, dass nach Beendigung des Krieges gegen die Gälen er sein Land befrieden kann und zu einem grundsätzlich anderen Regierungsstil übergehen kann: Gerechtigkeit vor Gewalt. In der Diskussion mit Merlin und seinen Freunden erwähnt Arthur zum ersten Mal seine Idee einer Tafelrunde, deren Mitglieder alle gleichberechtigt sind und die für Recht und Gerechtigkeit kämpfen sollen.

Auf den Orkneys ahnen König Pellinore und seine Freunde, Sir Grummore und Sir Palomides, nichts davon, dass sich König Lot und Königin Morgause im Krieg mit König Arthur befinden. White schildert eine Reihe von absurden „Abenteuern“, die sie erleben. König Pellinore ist liebeskrank, denn er hat sich auf seiner Jagd nach dem Biest nach Flandern verirrt und dort in die Prinzessin Piggy verliebt. Als er eine magische Barke besteigt, wird er jedoch mit seinen Freunden von ihr fort und auf die Orkneys gebracht. Um ihn von seinem Liebeskummer abzulenken, verkleiden sich seine Freunde als das Biest, was wiederum dazu führt, dass sich das Biest in ihre verkleidete Gestalt verliebt. Die Serie von humoristisch erzählten Missgeschicken der Ritter endet mit der Ankunft von Piggy, die König Pellinore aufgespürt hat. Merlin schließlich taucht kurz auf und rät ihnen, die Verliebtheit des Biests durch Psychoanalyse zu heilen. Dies gelingt jedoch nicht, sondern das Biest verliebt sich in Sir Palomides, der nun die Aufgabe übernimmt, statt König Pellinore das Biest zu jagen.

Das Buch endet mit dem Sieg Arthurs über die Gälen und einer Hochzeit in London. König Arthur richtet eine große Hochzeitsfeier für König Pellinore, der einer seiner ersten ritterlichen Freunde aus seiner Jugendzeit ist, und für Piggy aus. Zu dieser Hochzeit reisen auch Königin Morgause und ihre Kinder an. Das Buch endet mit einem ersten Misston: Morgause gelingt es mit Zauberei, Arthur zu verführen, der nicht weiß, dass Morgause seine Halbschwester ist, denn sie sind beide Kinder von Igraine von Cornwall, die in erster Ehe mit Morgauses Vater und in zweiter Ehe mit Uther Pendragon, Arthurs Vater, verheiratet war. Aus der Verbindung zwischen Morgause und Arthur geht ein Kind, Mordred, hervor, der sich später als Ursache für den Untergang der Tafelrunde herausstellt.

Der missratene Ritter Der dritte Band von Der König auf Camelot schildert die Ereignisse vor allem aus der Perspektive des jungen, missgestalteten Ritters Lanzelot, der sich, obwohl er der beste Ritter der Tafelrunde (und im Laufe der Handlung zum besten Ritter der Welt) wird, selbst als missratener Ritter (chevalier mal fet) sieht und unter diesem Namen auch einige Zeit agiert.

Lanzelot, Sohn eines französischen Adelshauses, verbringt seine Jugend damit, sich zum „besten Ritter der Welt“ ausbilden zu lassen, damit er der Tafelrunde an Arthurs Schloss Camelot beitreten kann. Dieser Ritterorden dient zunächst dem Zwecke, das „Recht des starken Arms“ durch eine Gerechtigkeit zu ersetzen, die nicht dem Mächtigen dient, sondern demjenigen, der tatsächlich im Recht ist. Als er schließlich in Begleitung seines Onkels Dam nach England reist, hat er seine erste erfolgreiche echte Tjoste ausgerechnet gegen König Arthur, der sich erst nach dem Kampfe zu erkennen gibt und ihn in seine Tafelrunde einlädt. Am Hof lernt Lanzelot Ginevra kennen, die Arthur inzwischen geheiratet hat. Ginevra, Tochter von König Leodegrance, ist mit Arthur eine Vernunftehe eingegangen, vermittelt durch Merlin und ihren Vater, der Arthur als Hochzeitsgeschenk einen großen, runden Tisch vermacht, der für die Ritter der Tafelrunde genutzt werden wird.

Als Ginevra und Lanzelot sich ineinander verlieben, versucht Lanzelot dem Konflikt zwischen seiner Liebe zu Ginevra und seiner Treue und Freundschaft zu König Arthur aus dem Weg zu gehen: In Konflikt mit seinem ritterlichen Ehrenkodex gebracht, geht er auf eine längere Queste, auf der er viele Kämpfe für Recht und Gerechtigkeit besteht. Unter anderem befreit er eine Jungfrau, die durch einen Zauber in einem kochend heißen Bade gefangen ist. Diese Jungfrau, Elaine, verliebt sich so sehr in ihn, dass sie zu einem Trick greift, um mit ihm zu schlafen. Lanzelot, empört ob des Betrugs, verlässt daraufhin das Schloss ihres Vaters, König Pelles, ohne zu erfahren, dass Elaine einen Sohn, Galahad, von ihm zur Welt bringt.

Als Arthur nach Frankreich zieht und Lanzelot bittet, am Hof bei Ginevra zu bleiben, beginnen Ginevra und Lanzelot ihre jahrelange Affäre, die von Arthur auch nach seiner Rückkehr scheinbar unbemerkt bleibt. Es kommt zur Krise, als Elaine mit ihrem Kinde am Hof auftaucht in der Hoffnung, Lanzelot für sich zu gewinnen. Lanzelot, hin- und hergerissen zwischen Liebe zu Ginevra, Verpflichtungen zu Elaine und Loyalität zu Arthur, verfällt in den Wahnsinn, verschwindet vom Hofe und verbringt Jahre als „wilder Mann“ auf Wanderschaft, bevor er gefunden, erkannt und von Elaine gesund gepflegt wird. Lanzelot verlässt jedoch Elaine nach einiger Zeit wieder und kehrt an den Hof König Arthurs und zu seiner Liebe Ginevra zurück.

Nach der landesweiten Herstellung der Gerechtigkeit wetteifern die Ritter am Hofe König Arthurs inzwischen darum, wer wohl der Beste unter ihnen sei – sehr zur Betrübnis König Arthurs, der die Ritterrunde als eine Vereinigung von Gleichen sah. Um die Ritter der Tafelrunde von Konflikten und Gewaltausbrüchen abzulenken und ihnen ein neues Ziel zu geben, ruft er die Suche nach dem Heiligen Gral aus, worauf die meisten Ritter für Jahre ausziehen, auch Lanzelot. Die Suche nach dem Heiligen Gral endet schließlich damit, dass Lanzelots inzwischen erwachsener Sohn, Galahad, sowie die Ritter Sir Bors und Sir Percivale den Gral finden, aber nicht wieder zurückkehren und auch den Gral nicht nach England bringen können. Ungefähr die Hälfte der Ritter der Tafelrunde wird jedoch auf der Gralssuche getötet, Lanzelot kehrt als einer der letzten Ritter zurück und berichtet davon, wie er aus der Ferne Galahad, Bors und Percival beobachten konnte, wie sie den Gral finden.

Trotz aller Heimlichtuerei halten sich Gerüchte, dass Ginevra und Lanzelot eine Affäre haben. Lanzelot gelingt es, zweimal die Ehre von Königin Ginevra zu retten, indem er im Turnier für sie kämpft. Zu Elaine will er nicht mehr zurückkehren, worauf Elaine Selbstmord begeht, da sie nun sowohl ihre große Liebe als auch ihren Sohn Galahad verloren hat.