mini|DVD-RAM-Medium Als DVD-RAM wird eines der drei wiederbeschreibbaren DVD-Formate bezeichnet, das sich gegenüber den anderen beiden (DVD−RW und DVD+RW, gemeinschaftlich auch als DVD±RW bezeichnet) durch seine bessere Wiederbeschreibbarkeit und Datensicherheit auszeichnen soll. Die DVD-RAM wurde vornehmlich in den 2000ern in PCs, Camcordern und Festplattenrekordern verwendet, wurde aber bald von Flash-Speichern und Festplatten verdrängt. Ende Mai 2019 stellte Panasonic als letzter verbliebener Hersteller die Produktion ein.
Geschichte und Verbreitung Ursprünglich gab es nur reine Abspiel-DVDs wie die DVD-Video, DVD-Audio und die DVD-ROM. Daneben sollte es zunächst nur für den Computerbereich auch ein wiederbeschreibbares DVD-Format geben, die DVD-RAM. Das „-RAM“ steht für „Random Access Memory“. DVD-RAM wurde alsbald aber auch besonders erfolgreich für die Videoaufzeichnung eingesetzt.
Die DVD-RAM ist zwar das älteste wiederbeschreibbare DVD-Format, fand aber weniger Verbreitung als die beiden anderen wiederbeschreibbaren DVD-Varianten, DVD−RW und DVD+RW. Beide Konkurrenzformate basieren ebenfalls auf der Phase-Change-Technik, aber sie weisen einige Einsparungen auf, die zu Lasten einer guten Wiederbeschreibbarkeit und Datensicherheit gehen.
Die ersten Geräte zur DVD-RAM kamen 1997 auf den Markt. Ab 2002 erlangte die DVD-RAM eine steigende Marktbedeutung, weil sie sich im Bereich DVD-Videorecorder und DVD-Camcorder aufgrund ihrer Vorteile in der problemlosen Wiederbeschreibbarkeit und einfacheren Handhabung gegenüber VHS-Kassetten und DVD±RW als Standard etabliert hatte. Durch die größere Verbreitung der DVD-RAM sanken die Medienpreise, so dass sie auch für den Einsatz im Konsumenten- und SOHO-Bereich für Backups von Computerdaten interessant wurden. Dies äußerte sich auch dadurch, dass Pioneer als ursprünglich bekennender Verfechter der DVD−RW später auch DVD-Brenner anbot, die DVD-RAM lesen und beschreiben können.
Seit 2004 wurden die DVD-Brenner, die auch DVD-RAM schreiben können, nur als sogenannte Super-Multi-Brenner angeboten. Ein Super-Multi-Brenner ist ein Gerät, das alle DVD-Formate verarbeiten kann. Diese DVD-Brenner wurden zu ähnlichen Preisen angeboten wie gute DVD±RW-Brenner (ohne DVD-RAM).
Die DVD-RAM konnte sich dennoch nicht langfristig auf dem Markt behaupten. Für mobile Geräte boten Flash-Speicher bald dieselben Speichergrößen bei deutlich kleineren Abmessungen und geringer Empfindlichkeit; für Videorekorder und PC-Backups wurden die immer größer und günstiger werdenden Festplatten zur Konkurrenz.
Ehemals geplante Nachfolger Theoretisch wäre es möglich, die DVD-RAM neben der derzeit möglichen beidseitigen Nutzung auch mit mehreren Schichten auszustatten – ähnlich der DVD±R Dual Layer bzw. Double Layer. Diese Möglichkeit wurde jedoch von der Industrie nicht intensiv verfolgt. Für die DVD-RAM existierte der designierte Nachfolger HD DVD-RAM der HD-DVD-Fraktion. Die Kapazität dieses Mediums sollte ca. 20 GB bei einlagigen und ca. 32 GB bei zweilagigen Discs betragen. Die Grundeigenschaften der DVD-RAM sollten erhalten bleiben. Allgemein sind HD-DVD-Laufwerke abwärtskompatibel zur DVD-RAM, d. h. die Speichermedien DVD-RAM können direkt ohne Umkopieren weiter benutzt werden. Die Entwicklung von HD-DVD-Geräten mit HD-DVD-RAM-Unterstützung wurde jedoch aufgrund der Aufgabe im Formatstreit mit der Blu-ray Disc beendet. Das Blu-ray-Konsortium sah kein wiederbeschreibbares kompatibles Medium vor, wenn auch die Verwendung von UDF ab Version 2.5 als Dateisystem die Einbindung von BD-RE als Wechselplatten gestatten sollte (als Software-Implementierung).
Unterschiede der DVD-RAM zur DVD±RW mini|Durch ihre typischen kleinen Sektorierungs-Rechtecke, die auf der bespielbaren Seite verstreut sind, lässt sich eine DVD-RAM von anderen DVD-Formaten mit bloßem Auge unterscheiden. Die Sektorierung dient einer höheren Datensicherheit. mini|Vergrößerung der Sektorierungs-Rechtecke einer halbbeschriebenen DVD-RAM. Trotz ähnlichem Aussehen, Namen und gleicher Kapazität sind die Unterschiede zwischen DVD-RAM und DVD±RW gravierend. Ganz allgemein gesagt besteht der Hauptunterschied von der DVD±RW zur DVD-RAM darin, dass die DVD±RW auf eine maximale Kompatibilität mit der DVD-Video und DVD-ROM ausgelegt ist, während die DVD-RAM auf Datensicherheit und schnellen wahlfreien Zugriff optimiert ist. Die Unterschiede im Detail:
Austauschbarkeit DVD-Geräte können im Regelfall eine DVD±RW abspielen, während dies bei der DVD-RAM nicht der Regelfall und meist nur bei den höherwertigen DVD-Geräten gegeben ist (vergleiche Kapitel Gerätetypen, Hersteller und RAMPRG).
Sektorierung Die Medien von DVD-RAM sind mit bloßem Auge unmittelbar von anderen DVD-Varianten unterscheidbar anhand ihrer Sektorierung, die sich visuell als viele kleine verstreute Rechtecke auf der Rückseite einer DVD-RAM zeigen (vergleiche die erste Abbildung oben). Die Sektorierung dient unter anderem einer höheren Datensicherheit. Sie sitzen zudem auf konzentrischen Spuren, anders als die spiralförmige Spur aller anderen DVD-Medien.
Formatierung DVD-RAMs waren im Gegensatz zu einer DVD±RW häufig schon ab Werk formatiert. Außerdem ist eine Neuformatierung einer DVD-RAM durch ihre Sektorierung in wenigen Sekunden möglich im Gegensatz zur DVD±RW.
Defektmanagement Die DVD±RW hat kein Defektmanagement. Die DVD-RAM hingegen hat das gleiche bewährte Defektmanagement wie eine Festplatte: Wenn eine Speicherstelle (Sektor) auf der DVD-RAM nicht beschreibbar ist, so wird diese Stelle als defekt gekennzeichnet und der Inhalt woanders abgespeichert. Das Defektmanagement der DVD-RAM ist sehr zuverlässig, weil es wie bei der Festplatte von der Laufwerkselektronik vorgenommen wird. Für die DVD±RW bieten die Softwarehersteller von Brennerprogrammen nur eine Behelfslösung für das ihr fehlende Defektmanagement an. Hierbei findet nach dem Brennen einer DVD±RW eine optionale Leseprüfung auf unbemerkte Brennfehler statt. Die nachträgliche Verifizierung der DVD±RW ist eine Behelfslösung, weil im Fehlerfall der Fehler nicht korrigiert werden kann, das DVD±RW-Medium weggeworfen und alle Inhalte auf einem neuen DVD±RW-Medium gebrannt werden müssen. Das Defektmanagement der DVD-RAM lässt sich vereinfachend auch als „automatisierte Verifizierung mit Fehlerkorrektur“ bezeichnen, weil es schon während des Brennens stattfindet.
Geschwindigkeit Ein DVD-RAM-Medium wird ungefähr 50 Prozent langsamer beschrieben als ein DVD±RW-Medium. Dieser Geschwindigkeitsunterschied besteht aber nur bei oberflächlicher Betrachtung. Wird zur Zeit des Brennens einer DVD±RW auch die notwendige anschließende Verifizierung addiert, so ist die Gesamtzeit ungefähr gleich, aber ohne die Vorteile des Defektmanagements einer DVD-RAM (siehe oben).
Sehr geringe Systembelastung Auch wenn in den Herstellerspezifikationen von DVD-RAM-Brennern für den Computer immer PCs mit hoher Prozessorleistung gefordert werden, so bezieht sich diese Angabe immer auf die mitgelieferte Multimediasoftware (unter anderem zum Abspielen von Videos). Der DVD-RAM-Brenner selber stellt keine besonderen Anforderungen an die Hardware. Von der Auslastung der CPU oder der Festplatte des Computers unabhängig kann in der Laufwerkselektronik des DVD-RAM-Brenners durch das Defektmanagement (siehe oben) kein Brennfehler entstehen. Eine DVD-RAM eignet sich dadurch besonders für Datensicherungen, die nebenher erstellt werden sollen.
Zugriff analog einer Wechselfestplatte/Diskette Während DVD±RW im konventionellen Format nur mit einem Brennprogramm beschrieben werden kann, können bei der DVD-RAM nach der Installation des DVD-RAM Treibers direkt aus dem Dateimanager (z. B. Explorer) oder anderen Anwendungen heraus einzelne Dateien geschrieben oder gelöscht, umbenannt oder verschoben werden. Bei Formatierung der DVD-RAM mit FAT32 und UDF 2.01 arbeitet der Brenner wie eine Festplatte. Dateien lassen sich kopieren oder per Drag and Drop auf das geöffnete Medium ziehen und werden sofort geschrieben. Mit Mount Rainier können aber DVD±RW discs ebenso verwendet werden.
Lebensdauer Die DVD-RAM soll eine längere Lebensdauer als die DVD+R- und DVD−R-Medien haben, da keine organischen Schichten verwendet werden. Als Material wird etwa Germanium, Antimon und Tellur (GeSbTe) bei 1x-, 2x- und 3x-Medien oder ein Bismut-Coupling-Material (BCM) bei 5x- und 16x-Medien verwendet anstatt des bei der DVD−RW verwendeten Materials Silber, Indium, Antimon und Tellur (AgInSbTe). Um über eine lange Zeit auch Kratzer an der Oberfläche zu vermeiden, gibt es die DVD-RAM auch von Anfang an in einer Cartridge-Version (siehe unten). Von der Industrie wird eine Lebensdauer von 30 Jahren propagiert, obwohl dies in keiner offiziell verbindlichen Richtlinie festgelegt ist und bisher von keiner unabhängigen Studie belegt werden konnte. So schreibt das c’t-Magazin: „In ganz Europa gibt es kein unabhängiges Labor, das die Qualität von DVD-RAMs testen könnte.“Hartmut Gieselmann: Silberne Erinnerungen : Archiv-DVDs im Langzeittest. In: c’t 2008, Nr. 16
Wiederbeschreibbarkeit Die DVD-RAM gilt mit ihrer rund 100.000-maligen Änderbarkeit (gilt für 2x- und 3x-DVD-RAM) als nahezu beliebig oft wiederbeschreibbar. Dagegen ist eine DVD±RW bestenfalls 1.000 Mal wiederbeschreibbar, in der Praxis je nach Kombination aus Brenner und Medium oft sogar deutlich seltener. Es ist zu beachten, dass DVD-RAM-Medien bei Geschwindigkeiten von 5x und mehr nur noch etwa 10.000 Mal beschrieben werden können, da der chemische Aufbau ein anderer ist. Wenn das UDF-Dateisystem verwendet wird, erreicht die DVD-RAM auch die angegebene Wiederbeschreibbarkeit, weil einzelne nicht mehr neu beschreibbare Sektoren auch im Verzeichnissystem korrigiert werden können (im Gegensatz zu einer DVD±RW).
Schreib-/Lesestrategie Die DVD-RAM ist die einzige DVD, die gleichzeitig ausgelesen und beschrieben werden kann. So ist es beispielsweise möglich, sich mit einem DVD-RAM-Rekorder, der anstelle eines Videorekorders an den heimischen Fernseher angeschlossen ist, die schon seit einiger Zeit laufende Sendung von Anfang an anzusehen, während dessen der Rekorder die Sendung weiter aufnimmt. Dies ist sonst nur mit Rekordern mit integrierten Festplatten möglich. Der DVD-RAM-Rekorder ist im Vergleich dazu erheblich preisgünstiger.
Unterschiede der DVD-RAM zur MO-Disk mini|Eine geöffnete MO, an der die gleiche Sektorierung erkennbar ist wie bei der DVD-RAM. In der Literatur wird die DVD-RAM oft fälschlicherweise als eine MO-Variante angesehen, weil bei beiden die Sektorierung auf der Datenträgeroberfläche sichtbar ist (vergleiche hierzu die erste und zweite Abbildung; besonders in der Vergrößerung). Die Sektorierung dient einer höheren Lese- und Schreibgenauigkeit. Die Sektorierung lässt sich aber in verschiedenen Techniken verwenden: Die DVD-RAM verwendet als Lese- und Schreibverfahren die Phase-Change-Technik, während die MO-Disk die magnetooptische Technik verwendet. Zu weiteren Unterschiede der DVD-RAM zur MO-Disk siehe Magneto Optical Disk.
Unterschiede der DVD-RAM zur DVD-Video Eine DVD-RAM lässt sich wie eine DVD-Video benutzen, also können auf ihr auch Videos abgespeichert und mit einem DVD-Menü ausgestattet werden. Auf DVD-Spielern, welche auch DVD-RAM lesen können, können diese auch problemlos abgespielt werden.
Werden Videos nicht am PC, sondern über einen DVD-Videorekorder auf eine DVD-RAM geschrieben, so gibt es Unterschiede. Konkret: Eine über einen DVD-Videorekorder aufgenommene DVD-RAM ist nicht direkt am PC auf eine DVD±R oder DVD±RW umkopierbar und danach auf jedem beliebigen DVD-Player nutzbar, weil dazu zunächst die Videodatei konvertiert werden muss.